Woodwardit
Mineral aus der Gruppe der Sulfate
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Woodwardit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ mit der chemischen Zusammensetzung (Cu1−xAlx)(SO4)x/2(OH)2·nH2O (x < 0.5, n < 3x/2)[2] und damit ein wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
| Woodwardit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Wwd[1] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/D.08-040[4] 7.DD.35 31.02.02.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal (pseudohexagonal) |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m |
| Raumgruppe | R3m (Nr. 166)[3] |
| Gitterparameter | a = 3,06 Å; c = 25,3 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 1/3[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2[4] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,38[5] |
| Spaltbarkeit | nicht definiert |
| Farbe | grünlichblau, türkisblau[5] |
| Strichfarbe | blassblau[4] |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend[5] |
| Glanz | nicht definiert |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,552 bis 1,571[6] nβ = 1,555 bis 1,574[6] nγ = 1,565 bis 1,576[6] |
| Doppelbrechung | δ = 0,013[6] |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
Woodwardit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist faserige oder kugelig-traubige Mineral-Aggregate von grünlichblauer bis türkisblauer Farbe und blassblauer Strichfarbe.
Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Woodwardit in Mineralproben aus Cornwall in England (Vereinigtes Königreich). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Arthur Herbert Church, der das Mineral nach Samuel Pickworth Woodward (1821–1865), einem englischen Geologen und Naturforscher, benannte. Church veröffentlichte seine Entdeckung 1866 im Fachmagazin „Journal of the Chemical Society“.[7]
Da der Woodwardit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Woodwardit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Woodwardit lautet „Wwd“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[8]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Woodwardit noch nicht eingeordnet. Hugo Strunz führt ihn im Inhaltsverzeichnis der 8. Auflage seines zusammen mit Christel Tennyson überarbeiteten Werks Mineralogische Tabellen als Mineral mit zweifelhaftem Status und möglicherweise ähnlich dem Lettsomit (heute: Cyanotrichit) als sogenanntes Metakolloid.[9]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.08-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Woodwardit zusammen mit Bechererit, Camérolait, Carbonatcyanotrichit, Carrboydit, Chalkoalumit, Cyanotrichit, Glaukokerinit, Hydrombobomkulit, Hydrowoodwardit, Kyrgyzstanit, Mbobomkulit, Nickelalumit, Spangolith, Zincowoodwardit und Zinkaluminit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.08 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Woodwardit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Carrboydit, Glaukokerinit, Honessit, Hydrohonessit, Hydrowoodwardit, Motukoreait, Mountkeithit, Natroglaukokerinit, Nikischerit, Shigait, Wermlandit, Zincowoodwardit und Zinkaluminit sowie den nicht anerkannten Verbindungen SO4-Hydrotalcit-8.8Å, SO4-Hydrotalcit-11Å und CO3-SO4-Hydrotalcit-18.5Å die „Woodwarditgruppe“ mit der Systemnummer 7.DD.35 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Woodwardit die System- und Mineralnummer 31.02.02.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)6(XO4)Zq × x(H2O)“ in der „Woodwarditgruppe“, in der auch Hydrowoodwardit, Zincowoodwardit, Zincowoodwardit-1T und Zincowoodwardit-3R eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Woodwardit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166) mit den Gitterparametern a = 3,06 Å und c = 25,3 Å sowie 1/3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Bildung und Fundorte


Woodwardit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten.
Als seltene Mineralbildung konnte Woodwardit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 70 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[11]
In Deutschland fand sich Woodwardit bisher unter anderem in der Grube Haus Baden bei Sehringen (Gemeinde Badenweiler) in Baden-Württemberg, auf den Halden der Juliushütte bei Astfeld und im Schlackental bei Oberschulenberg in Niedersachsen, in den Gruben Bastenberg bei Ramsbeck und Thalburg bei Heiligenhaus sowie der Zinkhütte Genna (Iserlohn) in Nordrhein-Westfalen, in der Erzgrube Bischofsheim bei Hockweiler in Rheinland-Pfalz, den Gruben Das Aufgeklärte Glück im Thumkuhlental bei Hasserode und Luise im Krummschlachttal bei Rottleberode in Sachsen-Anhalt sowie in Gruben und Schächten bei Geyersdorf, Beierfeld, Lauta (Marienberg), Gehringswalde und Bärenhecke in Sachsen.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Österreich, Sambia, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[11]
Siehe auch
Literatur
- A. H. Church: IV. – A New Hydrated Cupric-aluminum Sulphate. In: The journal of the Chemical Society of London. Band 4, 1866, S. 130–135 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. Februar 2026]).
- E. H. Nickel: New data on woodwardite. In: Mineralogical Magazine. Band 40, 1976, S. 644–647 (englisch, rruff.net [PDF; 222 kB; abgerufen am 18. Februar 2026]).
- Michael Fleischer, Louis J. Cabri, Ernest H. Nickel, Adolf Pabst: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 62, 1977, S. 593–600; hier: 599 (englisch, minsocam.org [PDF; 912 kB; abgerufen am 18. Februar 2026]).
- Л. К. Яхонтова, В. П. Постникова, Е. В. Власова, Н. Е. Сертеева: Новые данные о позняките, серпиерите и вудвардите. In: Доклады Академии наук СССР. Band 256, Nr. 5, 1981, S. 1221–1226 (russisch, Digitalisat bei rruff.info ( vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 243 kB; abgerufen am 18. Februar 2026]).
- Stuart J. Mills, Andrew G. Christy, Jean-Marie R. Génin, Tomohito Kameda, Fernando Colombo: Nomenclature of the hydrotalcite supergroup: natural layered double hydroxides. In: Mineralogical Magazine. Band 76, Nr. 5, 2012, S. 1289–1336, doi:10.1180/minmag.2012.076.5.10 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net [PDF; 5,2 MB; abgerufen am 18. Februar 2026]).
Weblinks
- Woodwardit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- David Barthelmy: Woodwardite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 10. Februar 2026 (englisch).
- IMA Database of Mineral Properties – Woodwardite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Woodwardite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
