Wort des Jahres (Deutschland)

sprachlicher Jahresrückblick in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Wort des Jahres wurde in der Bundesrepublik Deutschland erstmals 1971 und wird seit 1977 regelmäßig von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden als sprachlicher Jahresrückblick veröffentlicht und seit 1978 in der Zeitschrift Der Sprachdienst publiziert.[1] Seit 1991 wird zudem jährlich ein Unwort gewählt; von 2001 bis 2003 auch ein Satz des Jahres. Seit 2008 existiert zudem eine Ernennung zum Jugendwort des Jahres.

Lichtgrenze, Wort des Jahres 2014

Ausgewählt werden nach Angaben der GfdS Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen („verbale Leitfossilien“ eines Jahres). Es geht nicht um Worthäufigkeiten. Auch ist mit der Auswahl keine Wertung bzw. Empfehlung verbunden.

Zwischen 1977 und 1999 war das deutsche Wort des Jahres zugleich das deutschsprachige Wort des Jahres. Da aber immer häufiger Wörter gewählt wurden, die einen reinen Deutschlandbezug hatten, begannen die anderen Länder des deutschsprachigen Raumes, ihre eigenen Wörter des Jahres zu wählen. In Österreich geschieht dies seit 1999, in Liechtenstein seit 2002 und in der Schweiz seit 2003.

Im Jahr 1999 wurden die für das 20. Jahrhundert als besonders bezeichnend angesehenen 100 Wörter des Jahrhunderts in verschiedenen Medien vorgestellt.

Gesamtübersicht

Weitere Informationen Jahr, 2. und 3. Platz ...
JahrWort des Jahres2. und 3. PlatzUnwort des JahresSatz des JahresJugendwort des Jahres
1971aufmüpfigJunktim;
Umweltschutz
1977SzeneTerrorismus, Terrorist;
Sympathisant
1978konspirative Wohnungdie Grünen;
Geisterfahrer
1979HolocaustBoat people;
Nachrüstung
1980RasterfahndungAsylant;
Instandbesetzer
1981Nulllösung Sommertheater;
(rett)bar
1982EllenbogengesellschaftWende;
Mitte
1983heißer HerbstVolksaushorchung;
Zündi
1984UmweltautoFormaldehyd;
Neidsteuer
1985GlykolSDI;
EUREKA
1986TschernobylHavarie;
Super-Gau
1987Aids, KondomPerestroika, Glasnost;
Waterkantgate
1988GesundheitsreformRobbensterben;
Kälbermastskandal
1989ReisefreiheitBRDDR;
Montagsdemonstrationen
1990die neuen Bundesländervereintes Deutschland;
2+4-Gespräche
1991Besserwessiabwickeln;
Kurzarbeit Null
ausländerfrei
1992PolitikverdrossenheitFremdenhass;
Rassismus
ethnische Säuberung
1993SozialabbauStandort Deutschland;
Blutskandal
Überfremdung
1994SuperwahljahrJackpot;
Unwort
Peanuts
1995MultimediaEurogeld;
Kruzifixurteil
Diätenanpassung
1996SparpaketHaushaltslöcher;
Lohnfortzahlung
Rentnerschwemme
1997ReformstauRuck durch Deutschland;
Bildungsmisere
Wohlstandsmüll (arbeitsunfähige Kranke)
1998Rot-GrünViagra;
neue Mitte
sozialverträgliches Frühableben
1999MillenniumKosovokrieg;
Generation @
Kollateralschaden
2000SchwarzgeldaffäreBSE-Krise;
Greencard
national befreite Zone
2001der 11. SeptemberAnti-Terror-Krieg;
Milzbrandattacke
Gotteskrieger„Und das ist (auch) gut so!“ (Klaus Wowereit)
2002TeuroPISA-Schock;
Jahrtausendflut
Ich-AG„Es gibt nur ein’ Rudi Völler!“
2003das alte EuropaAgenda 2010;
Reformstreit
TätervolkDeutschland sucht den Superstar.“
2004Hartz IVParallelgesellschaften;
Pisa-gebeutelte Nation
Humankapital
2005BundeskanzlerinWir sind Papst;
Tsunami
Entlassungsproduktivität
2006FanmeileGeneration Praktikum;
Karikaturenstreit
freiwillige Ausreise
2007KlimakatastropheHerdprämie;
Raucherkneipe
Herdprämie
2008Finanzkriseverzockt;
Datenklau
notleidende BankenGammelfleischparty
2009Abwrackprämiekriegsähnliche Zustände;
Schweinegrippe
betriebsratsverseuchthartzen
2010WutbürgerStuttgart 21;
Sarrazin-Gen
alternativlosNiveaulimbo
2011Stresstesthebeln;
Arabellion
Döner-Morde[2]Swag
2012Rettungsroutine[3]Kanzlerpräsidentin;
Bildungsabwendungsprämie
Opfer-AboYOLO
2013GroKo[4]Protz-Bischof;
Armutseinwanderung
SozialtourismusBabo
2014LichtgrenzeSchwarze Null;
Götzseidank
Lügenpresse[5]Läuft bei dir
2015FlüchtlingeJe suis Charlie;
Grexit
GutmenschSmombie
2016postfaktischBrexit;
Silvesternacht
Volksverräterfly sein
2017Jamaika-AusEhe für alle;
#MeToo
Alternative Fakteni bims
2018HeißzeitFunklochrepublik;
Ankerzentren
Anti-Abschiebe-IndustrieEhrenmann/Ehrenfrau
2019 Respektrente Rollerchaos;
Fridays for Future[6]
Klimahysterie
2020 Corona-Pandemie Lockdown;
Verschwörungserzählung[7]
Rückführungspatenschaften und Corona-Diktatur lost
2021 Wellenbrecher SolidAHRität, Pflexit Pushback cringe
2022 Zeitenwende Krieg um Frieden;
Gaspreisbremse
Klimaterroristen[8] smash
2023 Krisenmodus Antisemitismus;
leseunfähig
Remigration goofy
2024 Ampel-Aus Klimaschönfärberei;
kriegstüchtig
Biodeutsch Aura
2025 KI-Ära Deal;
Land gegen Frieden
Sondervermögen Das Crazy
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Wort des Jahres

Weitere Informationen Jahr, Erklärung ...
JahrWort des JahresErklärung
1971aufmüpfig1970/71 im westdeutschen Sprachgebrauch neu aufgekommen; bezog sich anfangs vor allem auf die 68er-Bewegung
1977SzeneSteht für verschiedene Komposita (Terrorszene, Sympathisantenszene, Unterstützerszene) im Zusammenhang mit dem deutschen Herbst
1978konspirative WohnungIm Zusammenhang mit der Entführung Hanns Martin Schleyers durch die Rote Armee Fraktion
1979HolocaustEtablierung des Begriffs nach der Ausstrahlung der Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss
1980RasterfahndungEinführung der Fahndungsmethode aufgrund der terroristischen Bedrohung der 1970er Jahre in Westdeutschland
1981NulllösungIm Zusammenhang mit der Debatte um den NATO-Doppelbeschluss
1982EllenbogengesellschaftSteht für den Vorwurf der SPD an die neue CDU-FDP-Regierung, sozial Schwache zu benachteiligen und den Egoismus in der Gesellschaft zu fördern
1983heißer HerbstBeschreibung der Proteste der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses
1984UmweltautoDiskussion um die Verpflichtung, Autos mit Katalysatortechnik herzustellen
1985GlykolInfolge des Glykolwein-Skandals
1986TschernobylNach der Reaktorkatastrophe am 26. April
1987Aids, KondomZunehmende Angst vor der Immunschwächeerkrankung, die „im Begriff [ist], alle anderen gesellschaftlichen Ängste zu überwuchern“[9]
1988GesundheitsreformVersuch der Bundesregierung, die Medikamentenkosten zu begrenzen
1989ReisefreiheitEinführung derselben in der DDR
1990Die neuen BundesländerAufgrund der Wiedervereinigung
1991BesserwessiDas Portmanteauwort aus Besserwisser und Wessi ist ein Ausdruck, der nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden ist
1992PolitikverdrossenheitZunehmende Unzufriedenheit und Skepsis der Bürger gegenüber der Politik, ihren Vertretern, Institutionen und Ergebnissen
1993SozialabbauBezieht sich auf eine breit geführte Diskussion über den Abbau staatlicher Leistungen im Sozialbereich
1994SuperwahljahrAufgrund der Bundestagswahl, der Europawahl, acht Landtagswahlen und zehn Kommunalwahlen
1995Multimedia„Leitwort für die Reise in die ‚schöne neue Medienwelt‘“[10]
1996SparpaketBündelung von Maßnahmen, um ein bestimmtes Einsparungsziel zu erreichen
1997ReformstauSchlagwort, mit dem das Unterbleiben als nötig angesehener politischer oder struktureller Reformen kritisiert wird
1998Rot-GrünErstmaliges Auftauchen dieser Koalition auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 1998
1999MillenniumAufgrund des darauffolgenden Jahres 2000
2000SchwarzgeldaffäreAufdeckung der illegalen Spendenpraxis der CDU in den 1990er Jahren unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl
2001Der 11. SeptemberAufgrund der Terroranschläge in den USA
2002TeuroGefühlte Preissteigerungen nach der Euro-Einführung
2003Das alte EuropaAussage des US-amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld
2004Hartz IVBezeichnung für Vorschläge der „Kommission für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“
2005BundeskanzlerinNach der Bundestagswahl 2005 wurde mit Angela Merkel erstmals eine Frau in das Amt des Bundeskanzlers gewählt.
2006FanmeileIm Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006
2007KlimakatastropheDie Folgen von unkontrollierter globaler Erwärmung
2008FinanzkriseGlobale Banken- und Finanzkrise als Teil der Großen Regression, die im Sommer 2007 als Immobilienkrise in den USA begann
2009AbwrackprämieEine Prämie für Pkw-Halter, die ihr älteres Auto verschrotten ließen und gleichzeitig ein neues kauften
2010WutbürgerAufkommen einer Protestkultur aus Enttäuschung über bestimmte politische Entscheidungen
2011StresstestDurchführung zahlreicher derartiger Tests in verschiedenen Bereichen (v. a. Banken, Atomkraftwerke, Stuttgart 21)
2012RettungsroutineDas Wort wurde nahezu nie verwendet, soll aber beschreiben, dass „alle paar Wochen […] neue (Rettungs-)Pakete geschnürt“ wurden.[11]
2013GroKoDie Abkürzung „GroKo“ steht für die Große Koalition aus Union und SPD.[12]
2014LichtgrenzeBezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten „25 Jahre Mauerfall“ in Berlin.
2015FlüchtlingeIm Kontext der Migration von Menschen, die 2015 vor den Kriegen im Mittleren Osten nach Europa und insbesondere Deutschland flüchten.
Diskutiert wurde von den Sprachwissenschaftlern auch die unterschiedliche Bewertung der Nachsilbe-linge“ als Pejorativsuffix.
2016postfaktischKunstwort, das darauf verweist, dass es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht und ein Teil der Bevölkerung bereit ist, auf den Anspruch auf Wahrheit zu verzichten, Tatsachen zu ignorieren und offensichtliche Lügen zu akzeptieren.
2017Jamaika-AusBezeichnet das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 2017.
2018HeißzeitBegriff für den extremen Sommer 2018 und den Klimawandel. Außerdem ist „Heißzeit“ eine Wortbildung mit lautlicher Analogie zur „Eiszeit“.[13]
2019RespektrenteAus sprachlicher Sicht handelt es sich um die Neubildung eines Hochwertwortes in der politischen Debatte, die der Selbstaufwertung durch Fremdaufwertung dient.[6]
2020Corona-Pandemie„Die Zusammensetzung benennt das beherrschende Thema nahezu des gesamten Jahres.“[7]
2021Wellenbrecher„Das Wort steht für alle Maßnahmen, die getroffen wurden und werden, um die 4. Corona-Welle zu brechen.“[14]
2022 Zeitenwende Das Wort wurde von Bundeskanzler Scholz verwendet. Der russische Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 markiere eine „Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinentes.“[15] Ursprünglich hatte er das Wort in seinem Buch „Hoffnungsland“ im Jahr 2017 im Vorwort verwendet – in einem etwas anderen Kontext.
2023KrisenmodusDer Begriff bezieht sich auf die Anzahl an Krisen, die im Jahr 2023 gleichzeitig nebeneinander existierten, sowie auf deren Bewältigung.[16]
2024Ampel-AusDas Ende der Ampelkoalition drängte sogar den zeitgleich bekannt gewordenen Ausgang der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl medial zur Seite. Jamaika-Aus war das Wort des Jahres 2017.[17]
2025 KI-ÄraDer wachsende Einfluss von Künstlicher Intelligenz stehe für einen „epochalen Wandel“.[18]
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Unwort des Jahres

Das Unwort des Jahres wird seit 1994 jährlich von einer politisch und institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Jury bestimmt.[19]

Jugendwort des Jahres

Das Jugendwort des Jahres wird seit 2008 jährlich von einer Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags aus 15 in einer Internet-Abstimmung nominierten Kandidaten ausgewählt.[20][21]

Weitere Informationen Jahr, Plat­zie­rung ...
Jahr Plat­zie­rung Jugendwort des Jahres Erklärung
2008 1. Platz Gammel­fleisch­party Party für Menschen über 30 Jahren, Ü30-Party
2. Platz Bildschirm­bräune Blässe von Computerfreaks
3. Platz unterhopft sein Lust auf Bier haben
2009 1. Platz hartzen Arbeitslos sein, „rumhängen“
2. Platz bam Variante von „cool“
3. Platz Bankster Kombination aus Banker und Gangster
2010[22] 1. Platz Niveaulimbo Ständiges Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Partys und sinnlose Gespräche
2. Platz Arschfax Unterhosenetikett, das hinten aus der Hose hängt
3. Platz Egosurfen Seinen eigenen Namen in Suchmaschinen im Internet eingeben
2011[23] 1. Platz Swag Beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung
2. Platz (epic) fail Grober Fehler, misslungenes Vorhaben, Versagen, riesiger Fehler
3. Platz guttenbergen Abschreiben
2012[24][25] 1. Platz YOLO Abkürzung von „you only live once“; Aufforderung, eine Chance zu nutzen
2. Platz FU! Vom englischen „Fuck you“: 1. Scheiße, 2. Fick dich!
3. Platz Yalla! Aus dem Arabischen: Los! Beeil dich! Lass uns gehen! Verschwinde![26]
2013[27] 1. Platz Babo Boss, Anführer, Chef
2. Platz fame Berühmt, toll, super
3. Platz gediegen Super, cool, lässig
2014[28] 1. Platz Läuft bei dir Wenn jemand Erfolg oder Glück hat. „Du hast es drauf!“, cool, krass; wird auch ironisch genutzt
2. Platz Gönn dir! Viel Spaß dabei!
3. Platz Hayvan Aus dem Arabischen und Türkischen: Tier, Vieh, Lümmel
2015[29] 1. Platz Smombie Ein Kofferwort aus Smartphone und Zombie. Beschreibt Menschen, die durch ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.
2. Platz merkeln Abgeleitet von Angela Merkels Regierungsstil; nichts tun, keine Entscheidung treffen
3. Platz rumoxidieren Chillen, entspannen, abhängen; quasi nur atmen (Sauerstoff aufnehmen)
2016[30] 1. Platz fly sein Etwas oder jemand geht besonders ab
2. Platz bae before anyone/anything else, Bezeichnung für beste Freundin o. ä.
3. Platz isso „Es ist so“, Zustimmung, Bekräftigung
2017[31] [32][33][34] 1. Platz I bims „Ich bin’s“ (in der sog. Vong-Sprache)
2. Platz napflixen Nickerchen während eines Filmes; Kofferwort aus dem Englischen to nap (ein Nickerchen machen) und Netflix[35]
3. Platz tinderjährig Alt genug sein, um Tinder nutzen zu dürfen; Ähnlichkeit zu minderjährig[36]
2018[37] 1. Platz Ehrenmann / Ehrenfrau Mann/Frau, den/die eine ehrenhafte Gesinnung und Handlungsweise auszeichnet bzw. der/die etwas Tolles, Gutes oder Besonderes für jemanden getan hat
2. Platz glucosehaltig Süß; Glucose als Grundlage von Zucker, i. S. v. „zuckerhaltig“
3. Platz verbuggt Fehlerhaft, von englisch bug = Wanze, Ungeziefer (i. S. v. Programmfehler); Verwendung: „Du bist sau [= sehr/stark] verbuggt“, „Das Spiel ist total verbuggt“
2019[38] Im Jahr 2019 fiel die Wahl aus.[39]
2020[40] 1. Platz lost Ahnungslos, verloren, verirrt, von englisch lost = verloren, verschollen, verirrt; Verwendung: „Du bist / ich bin total lost“
2. Platz cringe Bezeichnung für etwas Peinliches, eine Situation oder Handlung einer Person, für die man sich fremdschämt; von englisch to cringe = zurückschrecken, erschaudern
3. Platz wild/wyld Bezeichnung für eine Situation oder Handlung, die „zu wild“ ist und starke Emotionen auslöst, meint auch verrückt oder etwas Besonderes; von englisch wild = wild, ungezügelt, ausgelassen
2021[41] 1. Platz cringe Bezeichnung für etwas Peinliches, eine Situation oder Handlung einer Person, für die man sich fremdschämt; von englisch to cringe = zurückschrecken, erschaudern
2. Platz sus Zustimmung, dass ein benannter Sachverhalt oder eine Situation verdächtig (englisch suspicious bzw. deutsch suspekt) ist. Ursprung ist wahrscheinlich das Online-Spiel Among Us.
3. Platz sheesh Mit dem Ausruf „Sheesh“ wird Erstaunen, Erschrecken oder auch „Genervtsein“ zum Ausdruck gebracht. Die enthaltene Emotion ist stark abhängig vom Kontext. Die Herkunft ist nicht sicher, vermutet wird unter anderem eine Abwandlung von „Jeez“, d. h. von Jesus.
2022[42] 1. Platz smash Mit jemandem etwas anfangen, jemanden attraktiv finden; umgangssprachlich „mit jemandem Sex haben“; von englisch to smash = zertrümmern
2. Platz bodenlos Kontextabhängig, kann sowohl für ein negatives als auch positives Verhalten benutzt werden.
3. Platz Macher Ein „Macher“ ist jemand, der Dinge ohne Zögern umsetzt.
2023[43] 1. Platz goofy Tollpatschige, alberne Person oder Verhaltensweise, die andere amüsiert.
2. Platz Side Eye Englisch für „Seitenblick“; wird genutzt, um Verachtung oder Missbilligung auszudrücken.
3. Platz NPC Abkürzung für „Non-Player-Character“; bezeichnet einen sich sehr passiv verhaltenden Menschen (in einer Gruppe).
2024[44] 1. Platz Aura Bezieht sich (oft scherzhaft) auf die Ausstrahlung, das Charisma oder den Status einer Person.[45]
2. Platz Talahon Abgeleitet aus dem Arabischen; Bezeichnung für Personen mit stereotypen Merkmalen oder Verhaltensweisen, meist auf junge Männer mit arabischem Migrationshintergrund bezogen.[46]
3. Platz Schere „Die Schere heben“ steht in der Gamerszene für ein Schuldeingeständnis oder Bekenntnis.[44]
2025[47] 1. Platz Das Crazy Ein Füllwort, wenn jemand nichts zum Thema sagen, aber freundlich bleiben möchte. Vergleichbar mit „Aha“ oder „Okay“.
2. Platz goonen Slang für Masturbation. Ursprünglich für exzessives Verhalten im Dopaminrausch genutzt, heute allgemeiner Begriff für Selbstbefriedigung.
3. Platz checkst du Wird gesagt, um sicherzugehen, dass das Gegenüber verstanden hat, worum es geht. Alternative zu: „Verstehst du?“
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Anglizismus des Jahres

Der Anglizismus des Jahres wurde von 2010 bis 2021 jährlich von der „Aktion Anglizismus des Jahres“ unter dem Gründer und Juryvorsitzenden Anatol Stefanowitsch aus Vorschlägen ausgewählt, die Leser auf der Webseite der Aktion einreichen konnten. Das Siegerwort musste dabei ganz oder teilweise aus dem Englischen stammen, im jeweiligen Jahr erstmals im allgemeinen Sprachgebrauch zu beobachten sein und in den Augen der Jury eine wichtige Lücke im deutschen Wortschatz füllen.[48] Die Aktion wollte damit zum besseren Verständnis von Lehnwörtern beitragen. Sie fand auch internationale Beachtung.[49] Im Jahr 2022 wurde ohne Angabe von Gründen kein Anglizismus des Jahres gekürt. Die Aktion wurde damit offenbar eingestellt.

Weitere Informationen Jahr, Platzierung ...
JahrPlatzierungAnglizismus des JahresErklärung
2010[50]1. PlatzleakenAnonymes Veröffentlichen geheimer Informationen
2. Platzentfrienden/entfreundenLöschen einer Person aus den Facebook-Kontakten
3. PlatzWhistleblowerPerson, die interne, geheime Informationen (zumeist Missstände) einer Organisation öffentlich macht
2011[51]1. PlatzShitstormWelle der Entrüstung im Internet, besonders in sozialen Netzwerken
2. PlatzStresstestTest, bei dem die Reaktion eines Systems auf Belastung gemessen wird
3. PlatzcircelnJemanden im sozialen Netzwerk Google+ zu einer Kontaktliste hinzufügen
2012[52]1. PlatzCrowdfundingKapitalbeschaffung durch viele kleine Einzelbeträge über das Internet
2. PlatzHipsterPerson, die sich gezielt dem kulturellen Mainstream verweigert und dies bewusst zeigt
3. PlatzFrackingTechnik zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl
2013[53]1. Platz-gateNachsilbe zur Bezeichnung von Skandalen
2. PlatzFake-Unecht, gefälscht, unaufrichtig
3. PlatzWhistleblowerGeheimnisverräter (Publikumsliebling)
2014[54]1. PlatzBlackfacingDas (als rassistisch interpretierte) Umschminken von weißen Schauspielern zu schwarzen Personen
2. PlatzBig DataGroße (unüberschaubare) Datenmengen und deren Erfassungsmechanismen
3. PlatzSelfieDigitales Selbstporträt (Publikumsliebling)
2015[55]1. PlatzRefugees WelcomeFlüchtlinge willkommen, siehe Willkommens- und Anerkennungskultur (Publikumsliebling)
2. Platz-(e)xitAustritt/Ausschluss aus einer geopolitischen Einheit, Grexit, Brexit u.a.
3. PlatzspoilernWichtige Teile oder gar das Ende eines Buches, Films oder Videospiels verraten
2016[56]1. PlatzFake NewsFalschinformationen, Fehlerhafte Nachrichten (Publikumsliebling)
2. PlatzDarknetNicht ohne weiteres zugängliches Netzwerk im Internet, auch als Metapher für die negativen Seiten des Internets verwendet
3. PlatzHate SpeechBeiträge in sozialen Netzwerken, die zwischen Volksverhetzung und diskriminierender Beleidigung liegen
2017[57]1. PlatzInfluencerOnline-Berühmtheiten, die Einfluss auf ihr Publikum ausüben, häufig genutzt für Instagram-Models (Publikumsliebling)
2. PlatzBlockchainkontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, „Blöcke“ genannt, die mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind
3. Platzniceals Teil der Jugendsprache für „schön, gut, toll“
2018[58]1. PlatzGendersternchenGender­zeichen zur geschlechtergerechten Schreibung bei abkürzender Beidnennung: Schüler*innen
2. PlatzFraming(Publikumsliebling) Prozess einer Einbettung von Ereignissen und Themen in Deutungsraster
3. Platznice(Sonderpreis gesprochene Sprache) Teil der Jugendsprache für „schön, gut, toll“
2019[59]1. Platz[…] for futurePhraseologismus, stammend vom Namen Klimaschutzbewegung Fridays for Future; zunächst benannten sich andere Bewegungen analog (z.B. Students for Future), später wurde die Phrase auch anderen Wörtern angehängt, um klimafreundliche Verhaltensweisen nahezulegen (etwa Silvester for future, Ferien for future)
2. PlatzOK BoomerSarkastische Bezeichnung der Baby-Boomer-Generation (Publikumsliebling)
3. PlatzDeepfakeAuf neuronalen Netzwerken beruhende Technik zur Erzeugung oder Verfälschung statischer oder bewegter Bilder
2020[60] 1. Platz Lockdown (zudem Publikumsliebling) Kombination von Ausgangsbeschränkungen, Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung einer Pandemie
2. Platz Social Distancing, Superspreader, Homeoffice, Homeschooling Auswahl weiterer englischer Lehnwörter, die im Zuge der COVID-19-Pandemie eine wichtige Rolle gespielt haben
2021 1. Platz boostern Auffrischimpfung (Wiederholungsimpfung) der Grundimmunisierung im Rahmen der COVID-19-Pandemie.
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Das beste eingewanderte Wort

Im Jahr 2008 kürte eine Jury auf Initiative des Goethe-Instituts und des Deutschen Sprachrats hin das Wort „Tollpatsch“ zum besten eingewanderten Wort in der deutschen Sprache.[61] Es wurden über 3500 Wort-Vorschläge aus 42 Sprachen eingesandt. Die Initiative fand in der deutschsprachigen Presse durchweg eine positive Resonanz.[62] Matthias Wermke, Jury-Mitglied und Leiter der Dudenredaktion, äußerte, er glaube trotz solcher Importwörter nicht, „dass sich das Deutsche in 50 Jahren von der heute gesprochenen Sprache deutlich unterscheiden“ werde. Im deutschen Wortschatz habe es schon immer eingewanderte Wörter gegeben, und das Klagen über den Verfall der deutschen Sprache sei so alt wie die deutsche Sprache selbst.[63]

Weitere Wörter des Jahres

In Deutschland fanden oder finden folgende weitere hier nicht aufgelistete Wort-Aktionen statt:

Literatur

  • Jochen A. Bär (Hrsg.): Von „aufmüpfig“ bis „Teuro“. Die „Wörter der Jahre“ 1971–2002. Dudenverlag, Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich (Thema Deutsch 4), 2003, ISBN 3-411-04201-X.
  • Heidi Friemuth: Altenplage / Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz Deutsches Unwörterbuch. Gute Gesellschaft, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-9809429-6-6.
  • Oliver Mayer: Das „Wort des Jahres“ im Kontext politischer und gesellschaftlicher Ereignisse. In: Studien zur deutschen Literatur und Sprache (Japanische Gesellschaft für Germanistik, Sektion Tokai). Nr. 43, 2011, S. 89–95. Volltext des Artikels.
  • Wörter erzählen Geschichte. Ein zeitgeschichtliches Ratespiel der Worte des Jahres. Konzipiert und gestaltet von Studierenden der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2011. EAN 4260118010469.

Einzelnachweise

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