Wuyi-Gebirge
Gebirgszug
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Wuyi-Gebirge (chinesisch 武夷山, Pinyin Wǔyí Shān) liegt im Nordwesten der chinesischen Provinz Fujian an der Grenze zur Nachbarprovinz Jiangxi. Es gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den ökologisch und landschaftlich bedeutendsten Gebieten Südostchinas. Das Gebirge ist bekannt für seine artenreiche subtropische Vegetation, seine Fauna sowie den Anbau und die Verarbeitung von Wuyi-Tee.
| Wuyi-Gebirge | ||
|---|---|---|
| Wuyi-Berge | ||
| Höchster Gipfel | Huanggang-Berg (2158 m) | |
| Lage | Fujian und Jiangxi, China | |
| Koordinaten | 27° 43′ N, 117° 41′ O | |
| Touristenboote auf dem Jiuqu Xi | ||
Geographie
Das Gebirge umfasst eine Reihe markanter Formationen. Die Felslandschaft im Bereich des Jiuqu-Flusses erhebt sich in einem 10 km langen Abschnitt 200 bis 400 m über das Flussbett.[1] Der Huanggang-Berg ist mit 2158 m der höchste Gipfel des Gebirges.[2] Er liegt auf der Grenze zu Jiangxi und ist die höchste Erhebung sowohl Fujians als auch Jiangxis.[3][4]
Geologie
Das Wuyi-Gebirge gehört zum Cathayshan-Faltensystem im ostasiatischen Randbereich des pazifischen Gebirgsgürtels. Geologisch ist das Gebiet zweigeteilt: Der westliche Teil wurde im Mesozoikum von starker vulkanischer Aktivität geprägt und später von mächtigen Sedimenten aus dem Jura bis zur späten Kreidezeit überlagert. Dort dominieren vulkanische und plutonische Gesteine wie tuffitische Laven, Rhyolith und Granit. Der östliche Teil entlang des Jiuqu-Flusses besteht vor allem aus isolierten, steilwandigen roten Sandstein- und Konglomeratkörpern, die durch Erosion entlang von Störungen und Klüften herausgearbeitet wurden.[5]
Flora und Fauna
Berühmt sind die reiche Fauna und Flora des Wuyi-Gebirges, sein Tee – eine besondere Sorte des Oolong-Tees – und die vielen Heilkräuter. In den immergrünen Laub- und Nadelbaumwäldern finden sich 700 Jahre alte Ginkgobäume, über 70 Vogelarten, sowie Reptilien und Amphibien. 64 Schlangenarten kommen vor, davon 17 Giftschlangen.[2]
Bevölkerung und Sprachen
Innerhalb der Welterbestätte lebten zum Zeitpunkt der Eintragung etwa 22.700 Personen in 14 Dörfern, eine spätere Bestandsaufnahme (2012) gibt 24.500 Personen an. Die ansässige Bevölkerung ist eng mit der Kulturlandschaft verbunden und betreibt unter anderem traditionellen Teeanbau.[1]
Die Wuyi-Berge bilden zugleich eine sprachliche Grenze zur nordchinesisch geprägten Nachbarprovinz Jiangxi. In Fujian werden überwiegend Min-Dialekte gesprochen, die sich deutlich von den nordchinesischen Varietäten unterscheiden.
Kulturgeschichte
Archäologische Funde im Gebiet von Chengcun belegen die Existenz einer befestigten Siedlung aus der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.). Die Anlage wird häufig als Überrest eines regionalen Machtzentrums des antiken Minyue-Reiches interpretiert und gilt als eine der bedeutendsten frühgeschichtlichen Fundstätten Südostchinas. Erhaltene Mauern, Gräber und Artefakte geben Einblick in die politische und kulturelle Entwicklung der Region während der frühen Kaiserzeit.[6][7]
Neben diesen frühen Zeugnissen entwickelte sich das Wuyi-Gebirge in späteren Jahrhunderten zu einem wichtigen religiösen Zentrum. Zahlreiche daoistische Tempel und Klöster entstanden in der abgeschiedenen Berglandschaft, die aufgrund ihrer Topographie als besonders geeignet für spirituelle Praxis galt. Parallel dazu wurden auch konfuzianische Lehrstätten eingerichtet, die der Bildung und Gelehrsamkeit dienten.[1][8]
Besondere Bedeutung erlangte das Gebiet während der Song-Dynastie (960–1279), als der Philosoph Zhu Xi im Wuyi-Gebirge wirkte. Er entwickelte hier zentrale Ideen des Neokonfuzianismus weiter. Unter seinem Einfluss gründeten Schüler und spätere Anhänger Lehrakademien, die über Jahrhunderte hinweg Einfluss auf das chinesische Bildungssystem hatten. Die Verbindung von Naturraum, religiöser Praxis und philosophischer Reflexion macht das Wuyi-Gebirge zu einem herausragenden Ort der chinesischen Geistesgeschichte.[9][8][1]
Schutzstatus und UNESCO-Anerkennung
Das Wuyi-Gebirge ist seit 1987 als UNESCO-Biosphärenreservat ausgewiesen.[10]
Das Gebiet wurde 1999 zudem als gemischte Kultur- und Naturerbestätte in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Ausschlaggebend waren die Kriterien (iii), (vi), (vii) und (x). Es erfüllt Kriterium (iii) als außergewöhnliches Zeugnis einer jahrtausendealten Kulturlandschaft, insbesondere durch historische Stätten und die Tradition des Teeanbaus. Kriterium (vi) wird durch die enge Verbindung des Gebiets mit bedeutenden kulturellen und philosophischen Entwicklungen Chinas, etwa dem Neokonfuzianismus, begründet. Die landschaftliche Schönheit mit ihren markanten Felsformationen, Schluchten und Flussläufen entspricht Kriterium (vii). Zudem stellt das Gebiet gemäß Kriterium (x) einen wichtigen Lebensraum für eine große Zahl teils bedrohter Tier- und Pflanzenarten dar.[1]
Die Welterbestätte wurde später räumlich erweitert, die heutige eingetragene Fläche beträgt 1070,44 km².[1]
Der traditionelle Teeanbau im Wuyi-Gebirge kann auf steilen Hanglagen eine Gefahr für Bodenerosion und ökologische Schäden darstellen, deshalb fördern die Behörden im Wuyishan Nationalpark nachhaltigere Anbaumethoden, darunter die Minimierung von Pestiziden und Kunstdünger, ökologische Terrassenmodelle und die Aufforstung ehemaliger Teehänge.[11][12]
Tourismus
Man kann in einem Boot den Fluss der neun Windungen entlangfahren, der sich in einer 7 Kilometer langen Schlucht durch das Gebirge schlängelt und so die Landschaft mit ihren 36 Felssäulen auf dem Wasserwege kennenlernen.
Siehe auch
Literatur
- Stübel, H.; Der Wu-I-Shan; Mitteilungen der OAG, Vol. XXX (1937), Teil D; [Bebilderte Beschreibung einer ausgiebigen Wanderung 1929 und der dortigen Teesorten.]
Weblinks
- Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).


