XPlanung
Datenstandard für den verlustfreien Austausch von digitalen Raum- und Bauleitplanungsdaten in Deutschland
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XPlanung ist ein Datenstandard für den verlustfreien Austausch von digitalen Raum- und Bauleitplanungsdaten in Deutschland. Er ermöglicht, dass Planwerke wie Bebauungspläne (B-Pläne), Flächennutzungspläne oder Landschaftspläne in einer einheitlichen, auf XML und GML basierenden Struktur bereitgestellt und genutzt werden können – über alle Verwaltungsebenen hinweg sowie durch Planungsbüros, Bürger und Investorengruppen. Dadurch wird der Zugang zu Planungsdaten erleichtert und ihre Weiterverwendung in unterschiedlichen Fachanwendungen unterstützt, redundante Datenbestände werden vermieden.
XPlanung ist Teil der XÖV-Standardfamilie (XML in der öffentlichen Verwaltung), die einheitliche Austauschformate für Verwaltungsprozesse schafft.
Seit Februar 2023 ist die Verwendung des XPlanungs-Standards für die Erstellung oder Änderung von Bauleitplänen in Deutschland verbindlich.
Seit April 2025 ist die vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte Plattform XPlanung24 bundesweit eingesetzt. Neben den reinen technischen Grundlagen werden hier vor allen Dingen auch Kommunen durch Beratung und technische Fachkonzepte zur Umsetzung unterstützt.[1]
Hintergrund und Zielsetzung
XPlanung dient der Standardisierung des Datenaustauschs in der Raum- und Bauleitplanung. Ziel ist die Interoperabilität zwischen den IT-Systemen von Kommunen, Ländern und Bund. Durch die Vereinheitlichung der Datenstrukturen sollen Planwerke verlustfrei und maschinenlesbar verarbeitet werden können.
Der Standard wird unter Beachtung der durch die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) aufgestellten Regeln für XÖV weiterentwickelt. Dabei wird außerdem die Verknüpfung mit anderen XÖV-Standards, wie XBau, berücksichtigt, um künftig ein reibungsloseres Zusammenspiel zwischen Planung und Genehmigung zu ermöglichen – etwa bei der digitalen Einreichung und Prüfung von Bauanträgen.[2]
Darüber hinaus orientiert sich XPlanung an den Vorgaben der EU-INSPIRE-Richtlinie, die die Veröffentlichung bestimmter Geodaten vorschreibt. Mit speziellen Werkzeugen können INSPIRE-konforme Plandaten direkt aus XPlanGML-Dateien abgeleitet werden, wodurch eine einfache Weiterverwendung und Bereitstellung der Daten für überregionale Anwendungen ermöglicht wird.[3]
Insgesamt ermöglicht XPlanung eine vektorbasierte, strukturierte Beschreibung planerischer Inhalte und erleichtert so die Weiterverwendung in Fachanwendungen, Geoinformationssystemen (GIS) und Webportalen.
Geschichte und Entwicklung
Die Ursprünge von XPlanung liegen in der E-Government-Initiative „Deutschland-Online“ Anfang der 2000er Jahre. Ziel war zunächst die Digitalisierung und Standardisierung von Bebauungs- und Flächennutzungsplänen. Aufgrund der engen inhaltlichen Verknüpfung wurde die Modellierung später auf weitere Planungsarten wie Raumordnungs- und Landschaftspläne ausgeweitet. Im Jahr 2008 empfahl das Präsidium des Deutschen Städtetages die Einführung des Standards. Ein einheitliches Vorgehen scheiterte jedoch zunächst an der fehlenden gesetzlichen Grundlage. Der IT-Planungsrat nahm das Vorhaben anschließend als föderales Standardisierungsprojekt auf und beschloss 2017 die verbindliche Einführung von XPlanung gemäß § 1 Abs. 1 des IT-Planungsrats-Staatsvertrags. Nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren wurde XPlanung ab Februar 2023 zum verbindlichen IT-Standard für Bund und Länder.[4]
Zur fachlichen und organisatorischen Weiterentwicklung wurde 2018 die XLeitstelle eingerichtet, welche beim Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg angesiedelt ist.[5]
Eine besondere Herausforderung besteht darin, regionale und historische Rechtsgrundlagen zu berücksichtigen, da viele Kommunen noch über Planwerke verfügen, die auf älteren, teilweise landesspezifischen Rechtsvorschriften beruhen.[6]
Mit Version 6.0 wurde insbesondere der Bereich der Landschaftsplanung grundlegend überarbeitet, da er bis dahin für die vollständige Abbildung aller Inhalte eines Planwerks der Landschaftsplanung nicht ausreichend war.[7]
Technische Grundlagen
Der Standard XPlanung wird fachlich in der Modellierungssprache UML beschrieben und legt die inhaltliche Struktur der raumbezogenen Planungsobjekte sowie deren Beziehungen fest. Auf dieser Grundlage wird das technische Datenaustauschformat XPlanGML abgeleitet, das die im Standard definierten Objekte und Beziehungen in einer maschinenlesbaren XML-Struktur abbildet. XPlanGML basiert auf der Geography Markup Language (GML) 3.2.2, einem internationalen Standard des Open Geospatial Consortium (OGC), und nutzt XML-Strukturen, um raumbezogene Informationen standardisiert auszutauschen.
Der Standard ist objektorientiert aufgebaut und in fünf Modellbereiche gegliedert:
- Bebauungspläne
- Flächennutzungspläne
- Landschaftspläne
- Raumordnungspläne
- Sonstige Planwerke
Innerhalb dieser Bereiche sind thematisch verwandte Klassen in sogenannten Objektbereichen zusammengefasst. Diese Klassen enthalten Attribute und Beziehungen, die den Planinhalten (z. B. Baugebiete, Straßen, Grünflächen) entsprechen. Die technische Umsetzung erfolgt dabei entweder:
- Teilvektoriell: Nur bestimmte Inhalte des Plans – beispielsweise Grenzen – werden als Vektordaten erfasst. Weitere grafische Elemente können als Rasterbilder eingebunden werden. Diese Variante ist technisch einfacher umzusetzen, bietet aber weniger Möglichkeiten für die Weiterverarbeitung.
- Vollvektoriell: Sämtliche Inhalte des Plans werden als Vektordaten modelliert. Dadurch können Geometrien, Sachdaten und Symbole vollständig digital verarbeitet und in GIS-Systemen weitergenutzt werden. Die vektorbasierte Darstellung vermeidet Mehrdeutigkeiten bei Geometrien und ermöglicht eine präzise Verarbeitung von Planinhalten im Vergleich zu rasterbasierten Formaten wie .tiff oder JPEG.
Für die Abbildung von länder- oder planspezifischen Sonderfällen bietet der Standard sogenannte Öffnungsmechanismen. Diese erlauben den Verweis auf externe Codelisten, in denen zusätzliche Regelungen oder Objekttypen geführt werden. Dadurch bleibt XPlanung flexibel und kann auch regionale Besonderheiten abbilden, ohne den Kernstandard verändern zu müssen.[6]
Implementierung und Anwendung
Die Umsetzung von XPlanung erfolgt schrittweise durch Bund, Länder und Kommunen. Zwar ist der Standard durch den IT-Planungsrat verbindlich für Bund und Länder, die Verpflichtung der Kommunen ergibt sich jedoch teilweise erst durch entsprechende Landesgesetze oder E-Government-Verordnungen.
Die XLeitstelle wird auf Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung von Bund und Ländern betrieben. Die Finanzierung erfolgt gemeinschaftlich und ressortübergreifend durch Bund und Länder. Das Betriebskonzept sieht vor, dass die Stakeholder-Gruppen Personen in die verschiedenen Gremien entsenden. Dazu gehört der Lenkungskreis und Änderungsbeirat, das Expertengremium und die Externe Qualitätssicherung.[8]
Literatur
- Joachim Benner, Thomas Eichhorn, Kai-Uwe Krause, Vera Kirchenbauer: Konzepte länderspezifischer Erweiterungen standardisierter Objektmodelle am Beispiel des Standards XPlanung in der Freien und Hansestadt Hamburg. Hrsg.: REAL CORP 2010. Tagungsband, Mai 2010.
- Kai-Uwe Krause, Michael Munske: Geostandards XPlanung und XBau. In: geodäsie.info (Hrsg.): zfv. Band 141, Mai 2016, S. 336–342.
- Joachim Benner: Von XPlanung zu INSPIRE – Automatische Erzeugung von INSPIRE Planned Land Use Daten aus XPlanGML. Hrsg.: avn. Band 5, Nr. 120, 2013, S. 177–187.
- Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (Hrsg.): XPlanung Digitale Bauleitpläne Ein Leitfaden. August 2024.
- Jana Schlaugat, Matthias Pietsch, Sascha Fritzsch, Roland Hachmann, Natalie Cassar-Pieper, Astrid Lipski, Horst Lange, Michael Makala und Benedikt Taiber: Das neue Fachdatenmodell Landschaftsplanung im Standard XPlanung – ein Beitrag für den verlustfreien Datenaustausch. Hrsg.: Natur % Landschaft. 2. Auflage. Band 98, 2023, S. 58–65.