Xuetangliangzi

archäologische Stätte in der Volksrepublik China From Wikipedia, the free encyclopedia

Xuetangliangzi (chinesisch 学堂梁子, Pinyin Xuétángliángzǐ, auf Deutsch: Das Gelände nahe der Schule) ist seit 1989 eine paläoanthropologische Fundstätte rund 10 Kilometer südlich der Stadt Qingqu (Kreis Yunyang), 40 Kilometer nordwestlich der Stadt Yunxian und 550 Kilometer nordwestlich von Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei. Die Fundstätte liegt einige hundert Meter nördlich des Flusses Han und rund einen Kilometer westlich der Einmündung des Flusses Quyuan-He in den Fluss Han. Namensgebend ist die nahe gelegene Grundschule der Gemeinde Mituosi (auch: Schule am alten Tempel von Amidha).[1]

Yunxian 1 (links) und Yunxian 2 im Hubei Provincial Museum, Wuhan (2010)
Yunxian 1 (links) und Yunxian 2 im Hubei Provincial Museum, Wuhan (2010)
Yunxian 1 (links) und Yunxian 2 im Hubei Provincial Museum, Wuhan (2010)

Die Funde (Lage: 110° 35' 5'' E, 32° 49' 5'' N) wurden vom Institut für Kulturgegenstände und Archäologie der Provinz Hubei, dem Yunyang-Gebiet- (heute: Stadt Shiyan)-Museum und dem Museum des Kreises Yun ausgegraben. Die Stätte wird auch Stätte des „Yunxian-Menschen“ genannt. Die Xuetangliangzi-Stätte (Xuétángliángzǐ yízhǐ 学堂梁子遗址) steht seit 2001 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China (5-79).

Schädelfunde des „Yunxian-Menschen“

Mitte der 1970er-Jahre wurde unterhalb der Schule, bei Bauarbeiten am linken Ufer des Flusses Han, ein 40 Zentimeter langes Bruchstück von einem Elefanten-Stoßzahn entdeckt. Nachdem weitere Fossilien entdeckt worden waren, veranlasste der Konservator des Museums von Yunxian, Wang Zhenghua, im Mai 1989 eine Probegrabung auf einer Fläche von einem Quadratmeter. Dabei stieß man in einer Tiefe von 40 Zentimetern auf einen in Kalkstein eingebetteten homininen Schädel. Von Mai bis Juni 1990 fand eine weitere Grabung statt, in deren Verlauf am 15. Juni ein zweiter Schädel entdeckt wurde.

Beide Schädel (Sammlungsnummer EV 9001 und EV 9002) waren stark verformt, zerdrückt und zerbrochen und wurden von den chinesischen Wissenschaftlern Homo erectus zugeschrieben.[2] Eine virtuelle Rekonstruktion bestätigte 2010 die Zuordnung zu Homo erectus.[3]

Zum Alter der beiden Schädel wurden in den folgenden Jahren stark voneinander abweichende Berechnungen publiziert. 1997 wurden – anhand von benachbart gefundenen Tierfossilien – mit Hilfe einer Elektronenspinresonanz-Datierung 581.000 ± 93.000 Jahre berechnet und zugleich darauf hingewiesen, dass der Fossilien führenden Erdschicht 1993 per Magnetostratigraphie ein Alter von 870.000 bis 830.000 Jahren zugeschrieben worden war.[4] 2017 wurde ein wesentlich höheres Alter von 1,10 ± 0,16 Millionen Jahren berichtet.[5] 2026 wurde in der Fachzeitschrift Science Advances berichtet, anhand der Aluminium-Beryllium-Methode sei ein noch höheres Alter von 1,77 ± 0,08 Millionen Jahren berechnet worden. Dieser Datierung zufolge sind die Yunxian-Funde die ältesten erhaltenen Belege für die Existenz von Homo erectus in Ostasien.[6] Zudem sind sie nur rund 40.000 Jahre jünger als die Dmanissi-Fossilien aus Georgien, was dahingehend interpretiert wurde, dass die Ausbreitung von Homo erectus aus Afrika nach Asien (vergl. Out-of-Africa I) relativ schnell erfolgte.

Im Herbst 2022 war bekannt gegeben worden, dass 35 Meter entfernt vom Fundort der Schädel Yunxian 1 und Yunxian 2 ein weiterer, zudem ungewöhnlich gut erhaltener Schädel entdeckt wurde. Benannt als Yunxian 3[7] wurde er ebenfalls Homo erectus zugeschrieben.[8]

Ähnlichkeiten bestehen mit dem sogenannten Dali-Mensch.[9] Der Paläoanthropologe Chris Stringer wies im Jahre 2012 darauf hin, dass das Fossil möglicherweise zu den Denisova-Menschen gehören könne.[10]

2025 wurde Stringers Vermutung anhand einer digitalen Rekonstruktion des Schädels Yunxian 2 im Grundsatz bestätigt. Allerdings wurde das Fossil nunmehr als sehr früher Beleg für die wissenschaftlich umstrittenen Art Homo longi interpretiert, in der einem 2021 publizierten Vorschlag zufolge die Denisova-Fossilien mit anderen Funden zusammengefasst werden könnten.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Li Tianyuan und Dennis A. Etler: New Middle Pleistocene hominid crania from Yunxian in China. In: Nature. Band 357, 1992, S. 404–407, doi:10.1038/357404a0.

Belege

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