Yanar Mohammed

irakisch-kanadische Architektin, Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Yanar Mohammed (geboren 1960 in Bagdad; gestorben 2. März 2026 ebenda) war eine irakisch-kanadische Architektin, Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin. Sie war Gründerin der Organization of Women’s Freedom in Iraq (OWFI), die sich im Irak für Demokratie, Frauen- und Menschenrechte einsetzt und praktische Hilfe leistet.

Yanar Mohammed (2013)

Biografie

Mohammed schloss 1984 ihr Studium an der Universität Bagdad mit dem Bachelor ab. 1993 erhielt sie den Master-Abschluss in Architektur.[1] Im selben Jahr verließ sie mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn den Irak und ließ sich in Kanada nieder.[2] Sie arbeitete als Architektin in Toronto. Schon in Kanada gründete sie 1998 die Defense of Iraqi Women’s Rights (DIWR), die sich politisch für die vollständige Gleichberechtigung irakischer Frauen einsetzte. Sie leitete die DIWR in den Jahren 1998, 1999 und 2002.[2] Die Organisation eröffnete im Irak ein Frauenhaus, um Frauen vor Ehrenmorden und familiärer Gewalt zu schützen.[2]

Nach dem Beginn des Irakkriegs im Jahr 2003 wurden Frauen im Irak systematisch verschleppt und vergewaltigt. Das veranlasste Mohammed, in den Irak zurückzukehren.[3] Im Juni 2004 benannte sie die DIWR in Organization of Women’s Freedom in Iraq (OWFI) um und arbeitete vor Ort.[2] Sie stellte sich gegen die US-britische Besatzung ebenso wie gegen sektiererisch-islamistische Gruppen und trat für säkulare Demokratie ein.[2] Sie lebte danach zeitweise wieder in Kanada, um Repressalien als Folge ihres Menschenrechtsengagements zu entgehen.[4] Mohammed erhielt wiederholt Morddrohungen.[2] 2004 erhielt sie im Zusammenhang mit ihrer Gleichstellungsarbeit zwei ausdrückliche Drohungen der islamistischen Gruppe Dschaisch al-Sahaba.[2] Die irakische Regierung versuchte mehrfach, ihre Organisation zu schließen.[2] Nach wenigen Ausgaben der Zeitung Al-Mousawaat erhielt Mohammed eine Vorladung, nachdem sie eine Verschleierungspflicht für Frauen in Bagdad abgelehnt hatte.[2] Zeitweise musste sie das Land verlassen, nachdem gegen sie ein Haftbefehl wegen des Vorwurfs des Menschenhandels erlassen worden war.[2]

Seit 2003 besteht die von Mohammed geleitete Organisation Women’s Freedom in Iraq (OWFI), die inzwischen in Bagdad, Samarra, Basra und Kirkuk Niederlassungen hat.[5][4] Die Organisation wurde international auch wegen ihres Schutzes von Frauen und Minderheiten hervorgehoben, die sexualisierte Gewalt in den Kriegen seit 2003 erlitten hatten.[6] Die Rafto-Jury verwies 2016 auf eine Zunahme von Vergewaltigungen, Entführungen in Prostitution und Ehrenmorden im Irak und betonte die Schutzarbeit der OWFI für Betroffene.[6] Die OWFI bietet Notfall- und Rechtsberatung für Frauen an. Mohammed setzte sich aktiv und unter Lebensgefahr für Frauen ein, die während der militärischen Konflikte entführt und in die Sexindustrie verkauft wurden. Viele Frauen, die nach sexueller Gewalt in ihre Familie zurückkehren, werden verstoßen oder sind von Ehrenmorden bedroht. OWFI vermittelt seit 2004 Zufluchtsstätten für diese Frauen. Sie verfügt über ein Netzwerk von Zufluchtsorten im Irak, meist in Privathäusern, da private Frauenhäuser illegal sind. Im Jahr 2016 beispielsweise wurden speziell für vom IS verfolgte jesidische Frauen Zufluchtsorte eingerichtet. Auch während der Corona-Pandemie benötigten von Häuslicher Gewalt betroffene Frauen sichere Unterkünfte.[7][8][9]

Mohammed hatte das Ziel, die tief verwurzelten patriarchal-feudalen Strukturen der irakischen Gesellschaft aufzubrechen und Gesetzesänderungen, z. B. gegen die Verheiratung von Mädchen, zu erwirken. Seit 2003 verbreitete sie Informationen zu Menschenrechtsthemen und Demokratie als Chefredakteurin des OWFI-Blattes Al-Mousawaat (Gleichheit). Sie war seit 2009 Chefredakteurin des OWFI-Radios. Mit OWFI organisierte sie Seminare, Musik- und Theateraufführungen und Vorträge, um über die Rechte von Frauen und Minderheiten zu informieren. Die OWFI setzt sich als einzige Menschenrechtsorganisation im Irak für die dortige LGBT-Gemeinschaft ein.[7][10]

Yanar Mohammed arbeitete vor Ort, mobilisierte und vernetzte jedoch international. In der Konferenz „Strategies for Change“ brachte sie irakische und syrische Frauen zusammen, um gemeinsam gegen Gewalt und Extremismus zu kämpfen. OWFI hat sich MADRE angeschlossen, einer internationalen Organisation für Menschen- und Frauenrechte. 2015 hielt Mohammed eine Rede beim UN-Forum für Frauen, Frieden und Sicherheit in New York.[7][11] 2025 sprach sie vor dem UN-Sicherheitsrat und warnte davor, Extremisten politische Macht zu überlassen.[2] Sie betonte dabei, dass die Unterstützung von Frauen ein wichtiger Baustein der Extremismusprävention sei.[2]

Im Jahr 2018 war sie auf der Liste der 100 Women der BBC gelistet.[12] Die italienische Filmemacherin Benedetta Argentieri porträtierte 2018 in ihrer Dokumentation I Am The Revolution das Wirken von Yanar Mohammed sowie Selay Ghaffar aus Afghanistan und Rojda Felat aus Syrien.[13] Am Morgen des 2. März 2026 wurde Mohammed vor ihrer Wohnung in Bagdad von zwei Bewaffneten auf Motorrädern angeschossen.[2] Sie starb wenig später im Krankenhaus.[2] Die Täter wurden zunächst nicht identifiziert; eine Gruppe bekannte sich nicht zu dem Anschlag, und irakische Behörden äußerten sich zunächst nicht öffentlich.[2]

Auszeichnungen

Commons: Yanar Mohammed – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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