Ybriger Stein

Stein bei Schweizer Steinstoss-Wettbewerben From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Ybrigerstein (auch Ybrig-Stein) ist der schwerste Stein, der regelmässig bei Schweizer Steinstoss-Wettbewerben verwendet wird. Er wiegt 90,5 kg. Er ist leicht an den Gravuren auf seiner Oberfläche zu identifizieren: dem Namen Ybrig, dem Wappen des Kantons Schwyz und der Jahreszahl 1985. Durch seine Verbindung mit der Legende des Ybrig-Riesen Hans Winz und dem sogenannten Marchenstreit stellt der Ybrig-Stein ein bedeutendes Stück kulturellen Erbes der Region Ybrig dar.

Ybrigerstein auf dem Ibergereggpass

Geschichte

Die Legende des Ybrig-Riesen Hans Winz stammt aus der Region Iberg (Ybrig) und erzählt von einem gewaltigen Mann, der übermenschliche Kräfte besessen haben soll. In einer Geschichte besucht Winz ein Riese aus Unterwalden zu einem Kraftwettkampf. Als dieser sein Pferd an einem grossen Stein festbindet, erklärt Winz, der Stein gehöre eigentlich aufs Dach seines Hauses – und wirft ihn kurzerhand dorthin zurück. Beeindruckt verzichtet der Unterwaldner auf den Wettstreit.

Berühmter ist jedoch die Erzählung, in der Winz 1313 am Ibergeregg-Pass allein eine Armee aus Einsiedeln aufhält, indem er Bäume und Felsbrocken auf sie schleudert, um die unbewaffneten Bewohner von Unteriberg zu warnen.[1] Auch nachdem er von einem Pfeil getroffen wird, kämpft er weiter, verspottet seinen Angreifer und reisst noch mehrere Gegner mit in den Tod.[2] Durch ihre Verbindung zum Marchenstreit knüpft die Legende von Hans Winz an zentrale Elemente der Gründungs- und Befreiungsmythen der jungen Schweizer Eidgenossenschaft an. Die zerstörerische Eskalation des Marchenstreits gilt allgemein als einer der Gründe für den Bundesbrief von 1291, sowie als Auslöser der Schlacht am Morgarten (1315), in der Schwyz das Heer Leopolds I. von Österreich besiegte.

Ybrigerstein mit Gravur

Ein Denkmal auf dem Ibergeregg-Pass, heute verschwunden, soll einst an Hans Winz erinnert haben.[3] Später wurde seine Geschichte durch den Ybriger Bernhard Wagner wiederbelebt. Wagner, inspiriert von der Sage von Hans Winz, liess 1985 den Ybrig-Stein als symbolisches Andenken an den Riesen erschaffen: dem Ybriger Riesen sollte der schwerste Wettbewerbsstein im Steinstossen der Schweiz gewidmet sein. Wagner liess den Stein von einem Steinmetz bearbeiten, dessen Name und Werkstattgravuren noch auf der Oberseite des Steins sichtbar sind (BRUNO PFYL - BRUNNEN).

Der Ybrigerstein ist damit kein antiker Wettkampfstein und keine Nachbildung eines alten Steins (wie dies beim Unspunnenstein der Fall ist), sondern ein speziell für den Traditionssport Steinstossen erschaffenes Wettkampfgerät.[4]

Wettkämpfe und Rekorde

Resultate des ersten Wettkampfs 1985

Weitere Informationen Quelle: ...
Ybrigerstein (90,5 kg):
1. Sepp Ambauen (Beckenried) 3.38
2. Armin Abegg (Rothenthurm) 3.18
3. Leo Spichtig (Sarnen) 3.15
4. Josef Wirsch (Emmetten) 2.64
4. Anton Niederöst (Richenbach) 2.64
5. Hans Bieri (Escholzmatt) 2.44
6. Walter Wicki (Escholzmatt) 2.35
7. Peter Abegg (Rothenthurm) 2.01
8. Alfred Schältin (Wangen) 1.90
9. Franz Föhn (Rothenthurm) 1.59
10. Walter Wetzel (Einsiedeln) 1.27
11. Walter Schnyder (Lachen) 1.13
Quelle: [5]
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Resultate vom 89. Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfest 2012

Die Regeln des Wettkampfs wurden seit dem ersten Wettkampf erheblich verschärft. Im Gegensatz zu früheren Wettbewerben gab es ab 2012 eine feste Anzahl von Versuchen (zwei), einen regulierten Anlauf und vor allem eine geregelte Sandgrube ohne Neigung. Ein Überschreiten oder Betreten des Balkens gilt als Fehler.[6] Diese neuen Regeln gelten bis heute für alle Wettkämpfe im Schweizer Steinstossen.[7]

Weitere Informationen Quelle: ...
1. Martin Laimbacher (Galgenen) 3.31
2. Benno Pfyl (Schwyz) 3.24
3. Peter Abegg (Rothenturm) 2.34
4. Philipp Benz (Schwyz) 2.32
5. Urs Salzmann (Birrwil) 2.22
6. Daniel Schmocker (Gurzelen) 1.85
Quelle: [8]
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Resultate vom 100. Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfest 2024

Weitere Informationen Quelle: ...
1. Daniel Kranzelbinder (Egg) 3.55
2. Remo Schuler (Rickenbach) 3.53
3. Urs Hutmacher (Weisslingen) 3.52
4. Martin Jakober (Stalden) 3.23
5. Tobias Schwyter (Galgenen) 3.13
6. Simon Hunziker (Herznach) 3.11
7. Andreas Züger (Siebnen) 2.95
8. Daniel Lehman (Kölliken) 2.91
9. Damian Schleiss (Engelberg) 2.78
10. Flavio De Benedetto (Genf) 2.12
11. Yvan Chapuis (Forel) 1.68
12. Andreas Jörg (Rüegsauschachen) 1.62
Quelle: [9]
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Der aktuelle Rekord unter Wettbewerbsbedingungen wurde somit beim 100. Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfest 2024 von Daniel Kranzelbinder aufgestellt. Er stiess den Stein auf 3,55 m.

  • Website von Steinstossen.ch. Die Website des Verbands des Schweizer Steinstossens. Der Verband reglementiert und dokumentiert Wettkämpfe mit dem Stein
  • Eintrag des Ybrigersteins im internationalen Liftingstones Lexikon (englisch). Das Lexikon ist ein weltweites Projekt, das sich der Dokumentation der Geschichte, Kultur und Standorte von Kraftsteinen widmet – natürlichen Steinen, die traditionell dazu verwendet werden, menschliche Stärke zu testen.

Einzelnachweise

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