Yem Sambaur

kambodschanischer Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Yem Sambaur (Khmer យ៉ែម សំបូរ; * 2. Februar 1913 in Kompong Svay, Provinz Battambang, Französisch-Indochina; † Dezember 1989 in Paris) war ein kambodschanischer Politiker der Demokratischen Partei, der unter anderem 1949 und 1949 bis 1950 Premierminister, mehrmals Minister sowie später zwischen 1971 und 1972 Präsident der Nationalversammlung war.

Yem Sembaur

Leben

Yem Sambaur war eine einflussreiche politische Figur in Kambodscha, vor allem in den turbulenten Jahren zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der endgültigen Unabhängigkeit von Frankreich am 9. November 1953. Obwohl er enge Beziehungen zum Palast und den traditionellen Eliten der Khmer-Gesellschaft pflegte, war er zunächst Mitglied der von Prinz Sisowath Youtevong,[1] Chhean Vam,[2] Sim Var[3] sowie Ieu Koeus[4] im April 1946 gegründeten Demokratischen Partei (Krŏm Prâchéathĭbâtéyy), einer stark linksgerichteten Koalition von Gruppen, die sich für die sofortige Unabhängigkeit Kambodschas, eine nach dem Vorbild der Vierten Französischen Republik gestaltete Regierung und Sympathien für die bewaffneten Gruppen einsetzten, aber im Widerstand zu Khmer Issarak-Guerillabewegungen stand. Nach dem plötzlichen Tod von Premierminister Prinz Sisowath Youtevong, dem Anführer und Gründer der Demokratischen Partei, am 11. Juli 1947, erlebte das instabile, junge kambodschanische Staatswesen innerhalb von 18 Monaten drei Regierungen, die alle unter der Führung der Demokratischen Partei gebildet wurden.[5]

Unzufrieden mit diesen Zielen verließ Yem Sambaur mit elf weiteren Abgeordneten im November 1948 die Demokratische Partei und nahm mit. Er schloss sich der Liberalen Partei (Kanak Sereipheap) unter der Führung von Prinz Norodom Norindeth[6] an, die französische Unterstützung genoss und eine schrittweise Unabhängigkeit, eine starke Monarchie und enge Beziehungen zu Frankreich befürwortete. Sein Übertritt schwächte die Demokratische Partei vorübergehend, aber schwer und ermöglichte es radikaleren Elementen wie Hu Nim,[7] Ieng Sary[8] und Saloth Sar (später bekannt als Pol Pot),[9] an Einfluss in der Partei zu gewinnen.[10][5]

Im Januar 1949 deckte Yem Sambaur als Kommissar der Polizei einen politischen Skandal um die kambodschanische Fischerei auf, der Premierminister Penn Nouth[11] am 21. Januar 1949 zum Rücktritt zwang. König Norodom Sihanouk[12] überzeugte daraufhin Ieu Koeus, den Präsidenten der Nationalversammlung, Yem Sambaur als dessen Nachfolger zum neuen Premierminister vereidigt.[13] zu ernennen. Am 1. Februar 1949 bildete dieser mit Unterstützung des Königs und Frankreichs eine Koalitionsregierung mit Abgeordneten der Liberalen Partei. Während seiner Amtszeit sah er sich ständig dem Widerstand der von den Demokraten geführten Nationalversammlung ausgesetzt und erntete Kritik aus der Bevölkerung für seine Pläne, eine Spielbank zu eröffnen. Die Kritik verschärfte sich, als Bildungsminister Meas Saem das Lycée Sisowath als Reaktion auf die Proteste schloss. Die Regierung Yem Sambaur trat daraufhin am 20. September 1949 nach 220 Amtszeit zurück. In seinem ersten Kabinett übernahm er 1949 außerdem die Ämter als Innenminister und Informationsminister.[5][14][15][16][17][18][19]

Die Demokratische Partei übernahm erneut die Macht, mit Ieu Koeus als Premierminister. Seine Regierung hielt jedoch nur neun Tage, bis der König, der der ständigen Instabilität der Regierung überdrüssig war, eine unklare Formulierung in der von der Demokratischen Partei entworfenen Verfassung ausnutzte und eingriff. Der König, der seine neu gewonnenen Befugnisse geltend machte, löste die Nationalversammlung auf, verschob die Wahlen und bildete eine neue Regierung ohne Nationalversammlung. Daraufhin wurde Yem Sambaur am 29. September 1949 erneut zum Premierminister ernannt und trat am 28. April 1950 nach 211 Tagen Amtszeit zurück, woraufhin König Norodom Sihanouk selbst Premierminister wurde. In seinem zweiten Kabinett fungierte er von 1949 bis 1950 abermals als Innenminister und zugleich als Verteidigungsminister.[5][14] In den folgenden Jahren übernahm er in zahlreichen Regierungen weitere Ministerämter und fungierte zwischen 1953 und 1954 im Kabinett von Premierminister Chan Nak[20] als Wirtschaftsminister, 1954 im vierten Kabinett von Premierminister Norodom Sihanouk als Finanzminister, von 1954 bis 1955 im dritten Kabinett von Premierminister Penn Nouth als Minister für Haushalt, Handel und Industrie sowie 1955 im Kabinett von Premierminister Leng Ngeth[21] noch einmal als Wirtschaftsminister.[14][22][23][24]

Im ersten Kabinett von Premierminister Lon Nol[25] übernahm Yem Sambaur von 1966 bis 1967 das Amt des Justizminister, das er zwischen 1969 und 1970 auch im zweiten Kabinett von Lon Nol bekleidete. Nach dem Putsch vom 18. März 1970, der Norodom Sihanouk stürzte und Lon Nol an die Macht brachte, verfasste er einen Essay mit dem Titel „តើហេតុអ្វីបានជាយើងបោះបង់ចោលសីហនុ“ („Warum wir Sihanouk im Stich ließen“), in dem er seinen Entzug der Unterstützung für den König verteidigte. Er war daraufhin 1970 Außenminister, zwischen 1970 und 1971 Justizminister, als Nachfolger von In Tam[26] von 1971 bis zu seiner Ablösung durch Tan Kim Huon 1972 Präsident der Nationalversammlung (Radhsphea ney Preah Recheanachakr Kampuchea) sowie 1972 noch einmal Justizminister.[27][14][28]

Am 5. Januar 1979 wurde in Paris das Komitee für ein neutrales und friedliches Kambodscha CCNI (Comité pour un Cambodge Neutre et Indépendant) gebildet, das neben Yem Sambaur aus Son Sann (einem führenden kambodschanischen Neutralisten, Ex-Präsidenten der Nationalbank von Kambodscha und Premierminister von 1967 bis 1968),[29] Sim Var, Hhiek Tioulong, Nong Kimmy, Thonn Ouk und Chai Thoul bestand. Es gab eine Sechs-Punkte-Erklärung ab, in der es die Roten Khmer und die „nordvietnamesische Aggression“ verurteilte, die Einhaltung der Genfer Abkommen von 1954 und des Vertrags der Pariser Friedenskonferenz von 1973, einen sofortigen Waffenstillstand in Kambodscha und die Gründung einer demokratisch gewählten Regierung nach einem Referendum forderte.[30][31]

Literatur

  • Martin Florian Herz: A short history of Cambodia from the days of Angkor to the present, F.A. Praeger, 1958, S. 80, 81, 82, 101, 102, 103, 104, 105, 107, 109 (Onlineversion (Auszug))
  • David P. Chandler: The tragedy of Cambodian history. Politics, war, and revolution since 1945, Yale University Press, 1991, S. 39–44, 57, 62, 76, 196, 221 (Onlineversion (Auszug))
  • Marie Alexandrine Martin: Cambodia, a shattered society, University of California Press, 1994
  • John A. Tully: A short history of Cambodia. From empire to survival, Allen & Unwin, 2005, S. 116-17, 131, 165 (Onlineversion (Auszug))
  • Justin J. Corfield: The history of Cambodia, Greenwood Press, 2009, S. 44, 46, 64, 83, 98 (Onlineversion (Auszug))

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI