Yorck Kinogruppe

Kinobetreiber in Berlin, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Yorck Kinogruppe (eigentlich: Yorck Kino GmbH) ist ein Berliner Kinounternehmen. Zu ihr gehören 14 Kinos im Stadtgebiet sowie ein Freiluftkino. Die Gruppe gilt als eine der einflussreichsten Akteure im Arthouse-Sektor und ist gemessen an der Anzahl der Kinos der größte unabhängige Berliner Kinobetreiber.

Schnelle Fakten
Yorck-Kino GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1978
Sitz Berlin
Leitung Christian Bräuer, Georg Kloster
Website yorck.de
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Delphi Filmpalast in Berlin

Profil

Fast alle Kinos der Gruppe bestehen aus historischen Sälen und Gebäuden des 20. Jahrhunderts, bei denen Saal und Architektur möglichst ursprungsgemäß erhalten oder restauriert worden sind. Rollberg und delphi LUX sind die einzigen in Neubauten beheimateten Kinos.

Jedes der Kinos besitzt ein individuelles Programmprofil, das auf Kino und den jeweiligen Kiez zugeschnitten ist. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Gruppe auf sogenannten Arthouse-Filmen, wobei jedoch vereinzelt in manchen Häusern auch ausgewählte Blockbuster gezeigt werden.

Die Yorck Kinogruppe eröffnete die ersten Originalsprachenhäuser der Stadt, die im Gegensatz zu den Kinos der alliierten Truppen für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich waren. Entsprechend prägen Originalfassungen bis heute das Programm aller Häuser der Gruppe. Für ihr Programm erhalten die Kinos regelmäßig Auszeichnungen und Preise wie beispielsweise den Kinoprogrammpreis der Bundesregierung.

Das Unternehmen gibt das Filmmagazin Der Yorcker heraus und entwickelten eigenständige Reihen und Projekte wie In The Mood, Torment Nexus oder die wöchentliche queere Filmnacht MonGay.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Gruppe liegt in der Arbeit mit Schulkindern und Jugendlichen. Bereits in den 1980er Jahren wurde das Programm Kino für Schulen etabliert, in dem das Unternehmen bis heute Sonderprogramme für Schulklassen anbietet.[1]

Geschichte

Anfänge

Die Anfänge der Yorck Kinogruppe reichen bis in die späten 1970er Jahre zurück. Um den Studenten Christian Meincke (später: Filmverleiher/MFA-Filmverleih) bildete sich Anfang 1978 mit Manfred Salzgeber, Knut Steenwerth (Kinotechnik) und Georg Kloster – bis zu dieser Zeit im Berliner Kino Bali tätig und inzwischen Geschäftsführer des Unternehmens – ein Team, das sich des heruntergekommenen Kreuzberger Kiezkinos Yorck annahm. Die Unternehmer machten dieses von den Verleihern wenig beachtete Lichtspielhaus wirtschaftlich wieder attraktiv. Die Besucherzahlen stiegen und Filmverleiher ließen Erstaufführungen hier, weit entfernt vom Unterhaltungszentrum in Charlottenburg, zeigen.

Im Frühjahr 1979 festigten Kloster und Steenwerth – die anderen Mitarbeiter waren inzwischen ausgestiegen – ihre Position auf dem Berliner Kinomarkt durch die Eröffnung des Broadway am Tauentzien und des Rixi im Ortsteil Neukölln, das nach umfassender Renovierung unter der Bezeichnung Off (nun: Neues Off) bespielt wurde. Die Eröffnung des Broadway stellte in jener Zeit für einen Off-Kinobetreiber eine Sensation dar, lag es doch direkt auf der Berliner Kino-Renommiermeile, dem Kurfürstendamm, dessen Filmtheater Unterhaltungsfilme für die Allgemeinheit zeigten. Mit dem Broadway gab es nun hier das erste Programmkino.

In den späten 1980er Jahren übernahm die Gruppe das Neuköllner Passage-Kino, das zuvor über Jahrzehnte hinweg zu einem Möbellager umfunktioniert wurde, und versetzte den Hauptsaal wieder in seinen ursprünglichen Nutzungszustand als Kinosaal. Die Wiedereröffnung erfolgte im September 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer.[2]

Nach der Wiedervereinigung

Nach dem Mauerfall übernahm die Yorck-Gruppe Anfang der 1990er Jahre erfolgreich das DDR-Premierenkino Kino International, das bis heute von der Gruppe betrieben wird.

Seit 2004 ist Christian Bräuer Geschäftsführer des Unternehmens neben Gründer Georg Kloster.

Um die Jahrtausendwende kam es zu einem Neubau-Boom von Multiplex-Kinos in der Stadt, was die überwiegend als Ein-Saal-Kinos betriebenen Filmtheater der Yorck-Gruppe stark unter Druck setzte. Die 2000er Jahre waren entsprechend von harten Einschnitten geprägt, Kinos wie das Manhattan oder Broadway mussten aufgegeben werden. Nach einer Überarbeitung des Gesamtkonzepts treten die Kinos seit 2009 nach außen unter der gemeinsamen Dachmarke Yorck Kinogruppe auf, behalten dennoch bis heute ihre individuellen Namen.

2010er Jahre

Saal 6 des 2017 eröffneten delphi LUX

Im Jahr 2017 eröffnete die Gruppe das Kino delphi LUX. Die ungewöhnliche Architektur des Kinos, bei dem jeder Saal ein anderes Farb- und Materialkonzept hat, fand international Beachtung.[3] Nur zwei Jahre später erhielt das Kino den Spitzenpreis für das beste Jahresfilmprogramm bei der Verleihung der Kinoprogrammpreise der Bundesregierung.[4]

Das Yorck-Gründungskino der Unternehmensgruppe war im Jahr 2017 von der Schließung bedroht, weil ein Investor an dieser Stelle ein Wohnhaus mit Tiefgaragen, Eigentumswohnungen und einigen Geschäften errichten lassen wollte. Im November 2016 hat der Bauausschuss des Bezirksamtes von Friedrichshain-Kreuzberg die Bauvoranfrage „aus stadtplanerischer Sicht abgelehnt“. Der Investor will aber in dem Neubau wieder ein Kino einplanen. Zu den Plänen ließ die Sprecherin der Kinogruppe verlauten: „Wir führen mit dem Vermieter konstruktive Gespräche, um den Kinostandort langfristig zu erhalten.“[5]

2020er Jahre

Das Kino International wird von außen lila-rot beleuchtet im Rahmen der Initiative Kino leuchtet
Das Kino International, Februar 2021

Bereits vor der COVID-19-Pandemie begann die Gruppe, ihre Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit deutlich zu verstärken. Im Zuge der AG-Kino-Initiative Kino natürlich wurde das Kino Blauer Stern nach der Übernahme umfassend umgebaut. Die Wiedereröffnung erfolgte im August 2020. Es gilt heute als eines der Referenzkinos der Initiative.[6]

Wie alle anderen Kinos in Deutschland hatte die COVID-19-Pandemie die Kinos der Gruppe schwer getroffen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte das Kino International, um sich von der schwierigen Situation von Kinos zu überzeugen.[7] Nachdem die Kinos der Gruppe am 2. Juli 2020 nach Ende des ersten Lockdowns wiedereröffneten, mussten sie wenige Monate später wieder vorübergehend schließen.

Unter anderem als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie hatte Geschäftsführer Christian Bräuer im Februar 2021 angekündigt, verstärkt in die Verbesserung ihrer digitalen Angebote zu investieren.[8] Zudem hat die Gruppe ein eigenes Video-on-Demand-Portal mit dem Namen Yorck On Demand gestartet, das 2025 wieder eingestellt wurde.

Im November 2022 begann ein Tarifkonflikt zwischen der Yorck-Kino GmbH und der Gewerkschaft ver.di, infolgedessen Mitarbeitende erstmals Warnstreiks durchführten.[9] Nachdem sich Gewerkschaft und Unternehmen über Monate hinweg einander öffentlich Vorwürfe über zentrale Konfliktthemen wie Einstiegslohn und Befristungsquote erhoben,[10][11] wurde aufgrund der festgefahrenen Situation ein Schlichtungsverfahren mit Klaus Lederer als Vermittler eingeleitet.[12] Am 21. November 2023 vermeldete ver.di nach erfolgreichem Ende des Schlichtungsverfahrens den Abschluss eines neuen Tarifvertrags, der eine Laufzeit bis 2026 vorsieht.[13]

Im November 2023 wurde bekannt, dass das Kino International ab Frühjahr 2024 für etwa zwei Jahre schließen wird. Als Grund gab die Gruppe umfangreiche Sanierungsarbeiten an.[14] Am 13. Mai 2024 endete der Spielbetrieb des Kinos mit Vorstellungen der beiden Filmklassiker Dirty Dancing und Die Frauen.[15] Im Januar 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass die Sanierungsarbeiten zwei Monate früher als geplant abgeschlossen werden konnten und terminierte die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für den 26. Februar 2026.[16]

Seit 2025 prägen neben den aktuellen Neustarts eigens kuratierte Filmreihen zunehmend das Programm der Gruppe. Waren es vor der Pandemie nur drei regelmäßige Filmreihen, ist die Anzahl der regelmäßigen Filmreihen inzwischen auf sechzehn angewachsen. Die Einführung eines Strick- und Mitmachclubs Craft Club fand in der Presse mehrfach Beachtung.[17] Die 2023 gestartete Classic Sneak, bei der dem Publikum ein Überraschungsfilm aus der Filmgeschichte präsentiert wird, wurde von anderen Kinos unter anderem in Wien und München adaptiert,[18] während die langjährige Horror-Reihe Creepy Crypt inzwischen auch Ableger in Hamburg und München gestartet hat.

Im September 2025 wurde das 100-jährige Jubiläum des Filmtheater am Friedrichshain mit einem großen Festakt gefeiert.[19]

Kinos

(Anmerkung: Fett dargestellt = Namen der aktuell (Stand: 14. Mai 2024) von der Yorck-Kinogruppe bespielten Kinos.)

Weitere Informationen Kino, Bezirk ...
Aktiv im Betrieb der Yorck-Gruppe
Kino Bezirk Status Zeit in Yorck-Gruppe Erbaut
Yorck Kino Kreuzberg in Betrieb seit 1978 1952
Neues Off Neukölln in Betrieb seit 1979 1918
Odeon Schöneberg in Betrieb seit 1982 1951
Babylon (Kreuzberg) Kreuzberg in Betrieb seit 1983 1955
Delphi Filmpalast Charlottenburg in Betrieb seit 1983 1949
Passage Kino Neukölln in Betrieb seit 1989 1910
Kino International Mitte pausiert seit 1991 1963
Capitol Dahlem Dahlem in Betrieb seit 1994 1946
Cinema Paris Charlottenburg in Betrieb seit 1994 1949
Filmtheater am Friedrichshain Prenzlauer Berg in Betrieb seit 1996 1925
Rollberg Neukölln in Betrieb seit 1996 1996
Kant-Kino Charlottenburg in Betrieb seit 2011 1912
delphi LUX Charlottenburg in Betrieb seit 2017 2017
Blauer Stern Pankow in Betrieb seit 2018 1918
Broadway Charlottenburg eingestellt 1979–2011[20] 1973
Manhattan Reinickendorf eingestellt 1984–2002[21] 1971
Olympia Charlottenburg eingestellt 1989–1999[22] 1911
Studio Charlottenburg eingestellt 1984–1991[23] 1926
Forum Köpenick eingestellt 1993–1998[24] 1933
Nord Prenzlauer Berg eingestellt 1993–1998[25] 1912
Odyssee Prenzlauer Berg eingestellt 1993–1999[26] 1991
Scala Mitte eingestellt 1993–2000[27] 1908
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Literatur

Einzelnachweise

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