Yu Long
chinesischer Dirigent
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Yu Long (chinesisch 余隆, Pinyin Yú Lóng, W.-G. Yü Lung; geboren am 1. Juli 1964 in Shanghai, Volksrepublik China) ist ein chinesischer Dirigent. Er ist Chefdirigent des China Philharmonic Orchestra und des Shanghai Symphony Orchestra sowie Erster Gastdirigent des Hong Kong Philharmonic Orchestra.
Leben

Yu wurde 1964 als Sohn einer musikalischen Familie in Shanghai geboren und wuchs dort in Zeiten der Kulturrevolution auf.[1] Sein Vater war Choreograph beim China National Ethnic Song and Dance Ensemble,[2] ersten Klavierunterricht in der Kindheit erhielt er von seinem Großvater, dem Komponisten Ding Shan-de. Yu wurde am Konservatorium Shanghai aufgenommen und studierte dort von 1984 bis 1987 Klavier und Dirigieren bei Huang Xiaotong. An der Hochschule der Künste Berlin setzte er seine Studien fort.[3]
Zurück in China, wirkte Yu von 1992 bis 1995 als ständiger Dirigent am Beijing Central Opera House und dirigierte fünf Jahre lang auch Opern im Auftrag des Urban Council of Hong Kong.[4]
1998 gründete er, unterstützt vom Ministerium für Kultur der Volksrepublik China, das Beijing Music Festival (BMF), das mittlerweile als größtes Klassik-Treffen der östlichen Hemisphäre bezeichnet wird.[1] Bei dem jährlichen Herbstfestival gastierten u. a. die Berliner und New Yorker Philharmoniker, das Teatro La Fenice, das Mariinski-Theater und die Deutsche Oper Berlin.[1] Yu Long war bis 2018 künstlerischer Direktor des Festivals.[5]
Ab der Jahrtausendwende wurde Yu Long nach und nach Chef dreier großer Orchester Chinas.[6] Von 2000 an leitete er das von ihm mitgegründete China Philharmonic Orchestra als Künstlerischer Direktor und Chefdirigent. 2003 wurde er außerdem Musikdirektor des Guangzhou Symphony Orchestra.[7] Und 2009 übernahm er zusätzlich die Leitung des Shanghai Symphony Orchestra, das als ältestes Orchester Chinas gilt.[6] Kritische Stimmen sahen in dieser „Ämterhäufung“ auch einen „Mangel an Konkurrenz“.[7] Mit diesen Orchestern unternahm Yu ausgedehnte Tourneen. So gastierte er 2003 mit dem China Philharmonic u. a. im Palais Garnier Paris, in der Nationaloper Warschau und im Wiener Musikverein, im selben Jahr mit dem Guangzhou Symphony Orchestra im Concertgebouw Amsterdam und in der Oper Kairo, 2005 mit dem China Philharmonic in Nordamerika und 2008 im Vatikan vor Benedikt XVI.[1] Von 2005 bis 2007 organisierte Yu mit dem Guangzhou Symphony Orchestra internationale Sommerakademien mit Martha Argerich und Gary Graffman.[8] 2009 gastierte er mit dem Shanghai Symphony Orchestra u. a. in der Carnegie Hall und 2010 in Polen,[1] 2014 mit dem China Philharmonic bei den BBC Proms. Ebenfalls 2014 eröffnete Yu die Shanghai Symphony Hall und gründete die Shanghai Orchestra Academy in Partnerschaft mit dem Konservatorium Shanghai und den New Yorker Philharmonikern.[8]
2015 ernannte das Hong Kong Philharmonic Orchestra Yu Long zum Ersten Gastdirigenten.[9] Im Jahr darauf rief er die Shanghai Isaac Stern International Violin Competition ins Leben. 2018 unterzeichnete Yu als erster Dirigent seines Landes einen Exklusivvertrag bei Deutsche Grammophon, mit dem Shanghai Symphony Orchestra erschienen dort die Alben Live From the Forbidden City (2019), Gateways (2019) und The Song of the Earth (2021) mit Gustav Mahlers Lied von der Erde und den Vertonungen derselben Texte durch Ye Xiaogang als Weltersteinspielung.[8] 2014 folgten Aaron Zigman: Émigré und die 6-CD-Box Long Yu: Complete Recordings on Deutsche Grammophon in Mainland China.[9]
Yu war im Lauf der Jahre Gastdirigent u. a. beim New York Philharmonic, Chicago Symphony Orchestra, Philadelphia Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Montreal Symphony Orchestra, National Symphony Orchestra Washington, Maggio Musicale Fiorentino, Orchestre de Paris, bei der Hamburgischen Staatsoper, beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig, NDR Elbphilharmonie Orchester, bei den Münchner Philharmonikern, beim Melbourne Symphony Orchestra, Sydney Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Hong Kong Philharmonic, Tokyo Philharmonic und Singapore Symphony Orchestra.[9][10] Die New York Times bezeichnete Yu Long bereits 2009 als „die einflussreichste Figur in Chinas westlicher, klassischer Musikszene“.[11]
2023 legte Yu sein Amt als Musikdirektor des Guangzhou Symphony Orchestra nieder und wurde dort Ehrendirigent auf Lebenszeit.[12]
Literatur
- Johanna Keller: Long Yu, the Gentle Dragon. In: American Record Guide. April 2003, ISSN 0003-0716 (englisch).
Weblinks
- Axel Brüggemann: Die nächste chinesische Kulturrevolution. In: Die Welt. 6. November 2005, abgerufen am 5. November 2025.
- Michael Struck-Schloen: Der Gergiev von China. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Juni 2015, abgerufen am 5. November 2025.
- Katharina Thalmann: Dirigent Long Yu: «Auch ein Koch kann ein Maestro sein». In: Luzerner Zeitung. 20. August 2019, abgerufen am 5. November 2025.