Yvan Craipeau
französischer Politiker, Trotzkist, Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg und Autor
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Yvan Adrien Benjamin Craipeau (* 24. September 1911 in La Roche-sur-Yon, Département Vendée; † 13. Dezember 2001 in Paris) war ein französischer Politiker, Trotzkist, Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg und Autor.
Leben
Yvan Craipeau wurde 1911 als Sohn der Postbeamten Élie (1881–1957)[1] und Léa Germaine Craipeau (geb. Paquier, 1886–1967)[2] in der Vendée geboren, wo sich seine Eltern in der regionalen Fédération socialiste der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) engagierten. Auch er war bereits in jungen Jahren politisch aktiv: In den frühen 1930er Jahren schloss er sich der französischen trotzkistischen Bewegung an, wurde Mitglied des Zentralkomitees der Jeunesses socialistes révolutionnaires[3] und engagierte sich in der Ligue communiste sowie in der Parti ouvrier internationaliste (POI).[4] Sein Engagement während der ersten beiden nationalen Konferenzen der POI in den Jahren 1936 und 1937 war für ihn geprägt von der Frage, welchen Stellenwert die trotzkistische Bewegung innerhalb der Volksfront innehabe und wie mit der „russischen Frage“ umzugehen sei.[3]
Im Sommer 1933 traf er Leo Trotzki, dem in Frankreich durch die Regierung Daladier Asyl gewährt worden war, in Saint-Palais-sur-Mer.[4] In seiner Autobiografie Mémoires d’un dinosaure trotskyste – Secrétaire de Trotsky en 1933 gab Craipeau an, für kurze Zeit Trotzkis persönlicher Sekretär gewesen zu sein. Weil es keine externen Belege dafür gibt, bleibt offen, inwieweit es sich dabei um Suggestion und Selbstattribution handelt. Hingegen gilt als sicher, dass er im nahen Umfeld Trotzkis gearbeitet hat.[5][4] Craipeau gehörte zu den Gründungsmitgliedern der POI. Im August 1940 gründete er zusammen mit Marcel Hic die Untergrundzeitung La Verité. Außerdem gab er die Zeitschrift IV. Internationale heraus und richtete zwei Untergrunddruckereien ein.[3]
Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg war Craipeau, der für militäruntauglich erklärt worden war, in der illegalen trotzkistischen Publizistik und im Widerstand aktiv.[6] Nach der Verhaftung eines Großteils der Führungsriege war er für die Arbeit der POI innerhalb der deutschen Armee verantwortlich. Mehrfach entkam er der Gestapo, wurde aber im Januar 1944 verwundet.[3] Nach 1944 beteiligte er sich an der Gründung der Parti communiste internationaliste (PCI) und wurde 1946 zu deren Generalsekretär gewählt. Im gleichen Jahr wurde er auch Mitglied des Internationalen Sekretariats der Vierten Internationalen.[3]
In den 1950er Jahren zog er sich zeitweise zurück und arbeitete als Lehrer in der französischen Kolonie Guadeloupe. In seiner Funktion als Sekretär des Nationalen Bildungsverbands unterstützte er den Streik der dortigen Zuckerrohrarbeiter.[3] Nach seiner Rückkehr ins Mutterland 1954 engagierte er sich im Parti socialiste unifié (PSU) und innerhalb der Neuen Linken.[4] Er setzte sich für den Zusammenschluss der verschiedenen linken Bewegungen ein. So war er ein Befürworter des Zusammenschlusses mit der Volksbefreiungsbewegung (Mouvement de libération du peuple). 1958 wurde er Mitglied des Vorstands der Gauche socialiste (Sozialistische Linke), 1960 beteiligte er sich an der Gründung des Parti socialiste unifié (PSU).[3]
Bis ins hohe Alter nahm Craipeau Anteil an den Geschehnissen dieser politischen Strömung und bis zu seinem Tod 2001 blieb er als Publizist und Historiker der trotzkistischen Bewegung aktiv.[4]
Schriften (Auswahl)
- Chaînes de misère, chaînes de combat („Ketten des Elends, Ketten des Kampfes“), Paris 1933.
- Rapport sur la France, Cf. CLT No.9 pp. 105-110 („Bericht über Frankreich, vgl. CLT No.9 pp. 105-110“). Paris 1940.
- La révolution qui vient („Die Revolution, die kommt“), Paris 1957.
- Le mouvement trotskyste en France. Des origines aux enseignements de mai 68 („Die trotzkistische Bewegung in Frankreich“), Paris: Syros, 1971.
- Contre vents et marées. Les révolutionnaires pendant la Seconde Guerre mondiale („Gegen Wind und Wellen. Die Revolutionäre während des Zweiten Weltkriegs“), Paris 1977.
- La libération confisquée - 1944-47 („Die konfiszierte Befreiung“), Paris 1978.
- Mémoire d’un dinosaure trotskyste („Erinnerungen eines trotzkistischen Dinosauriers“, Autobiographie), Paris 1999.
Literatur
- Robert Jackson Alexander: International Trotskyism, 1929–1985: A Documented Analysis of the Movement. Duke University Press, Durham 1991, ISBN 0-8223-0975-0 (archive.org).
- Perry Anderson: Considerations on Western Marxism. New Left Books, London 1976, ISBN 0-86091-720-7 (archive.org).
Weblinks
- Texte von Yvan Craipeau auf marxists.org (französisch)
- Kurzbiographie beim Institut Tribune Socialiste (französisch)
- Jean-Michel Brabant: Craipeau Yvan, Adrien, Benjamin. Pseudonymes : Auger, Francis, Thomas. In: Le Maitron en ligne. 25. Oktober 2008.