ZAKA

Organisation, die nach Unfällen oder Selbstmordattentaten Hilfe leistet und penibel alle Leichenteile einsammelt From Wikipedia, the free encyclopedia

ZAKA, hebräisch זיהוי קרבנות אסון (Zihuy Korbanot Ason „Identifizierung von Katastrophenopfern“), abgekürzt זק״א, ist eine israelische Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich auf die Bergung und Identifizierung von Todesopfern bei Terroranschlägen, Verkehrsunfällen und anderen Katastrophen spezialisiert hat. Die 1995 von Yehuda Meshi Zahav und Rabbi Mosche Eisenbach gegründete Organisation arbeitet eng mit der israelischen Polizei und anderen Rettungsdiensten zusammen und ist offiziell von der israelischen Regierung anerkannt.

Gründung1995 in Israel
GründerYehuda Meshi Zahav, Mosche Eisenbach
SitzJerusalem Israel Israel
Schnelle Fakten Rechtsform, Gründung ...
ZAKA
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Rechtsform Nichtregierungsorganisation
Gründung 1995 in Israel
Gründer Yehuda Meshi Zahav, Mosche Eisenbach
Sitz Jerusalem Israel Israel
Zweck Bergung und Identifizierung von Todesopfern bei Terroranschlägen, Verkehrsunfällen und anderen Katastrophen
Aktionsraum weltweit
Geschäftsführung Dubi Weissenstern
Umsatz 82.647.247 Schekel (2024)
Beschäftigte 55 (2023)
Freiwillige 3850 (2023)
Mitglieder 12 (2024)
Website www.zaka.org.il
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ZAKA beschäftigt über 3.000 ehrenamtliche Helfer, die überwiegend dem ultraorthodoxen Judentum angehören, sowie Minderheiteneinheiten mit beduinischen, drusischen und muslimischen Freiwilligen. Die Organisation sammelt menschliche Überreste und Blut für eine würdevolle Bestattung gemäß jüdischem Religionsgesetz und leistet Erste Hilfe an Unfallorten. Seit 2005 ist ZAKA als internationale NGO bei den Vereinten Nationen registriert und war bei verschiedenen internationalen Katastrophen im Einsatz.

Die Organisation geriet in Kontroversen bezüglich der Übertreibung von Freiwilligenzahlen zur Erhöhung staatlicher Förderungen sowie umstrittener Aussagen nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023.

Geschichte

Entstehung und frühe Entwicklung (1989–2000)

Nach eigenen Angaben von ZAKA gehen die Ursprünge der Organisation auf den 6. Juli 1989 zurück, als ein Terrorist die Kontrolle über das Lenkrad des Busses der Linie 405 auf der Strecke von Tel Aviv nach Jerusalem übernahm und den Bus in eine Schlucht bei der Siedlung Telz-Stone lenkte. Bei diesem ersten Selbstmordattentat dieser Art in Israel starben 16 Menschen, 27 weitere wurden verletzt.

Yehuda Meshi Zahav, Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender von ZAKA

Nach diesem Angriff kamen Yehuda Meshi-Zahav und andere Jeschiwa-Schüler zur Unfallstelle, um den Opfern Erste Hilfe zu leisten. Diese Gruppe religiöser Freiwilliger begann sich systematisch zu organisieren und widmete sich der Aufgabe, die Identifizierung von Opfern von Terroranschlägen und Katastrophen auf geordnete und verantwortungsvolle Weise zu handhaben sowie deren sterbliche Überreste für eine würdevolle Bestattung gemäß jüdischem Religionsgesetz zu bergen.[1]

Die Organisation etablierte sich zunächst unter dem Namen Chesed Shel Emet (חסד של אמת, „Wahre Güte“), der traditionell für die Arbeit mit Verstorbenen verwendet wird, da diese die Wohltaten nicht erwidern können und daher als besonders reine Form der Nächstenliebe gelten.[2] In den frühen 1990er Jahren entwickelte sich die informelle Gruppe zu einer strukturierten Organisation mit ersten Ausbildungsprogrammen für Freiwillige und standardisierten Verfahren für die Bergung menschlicher Überreste. Die Freiwilligen begannen, sich mit Funkgeräten und spezieller Ausrüstung auszustatten, um schneller auf Notfälle reagieren zu können.

Die offizielle Gründung unter dem Namen ZAKA erfolgte mit der Anerkennung durch die israelische Regierung im Jahr 1995. Die Organisation erhielt dabei den Status einer Unterabteilung der polizeilichen Abteilung für Katastrophenopfer-Identifizierung. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete ZAKA eng mit der israelischen Polizei bei der Identifizierung von Opfern zusammen.[3] Im selben Jahr wurde der Organisation auch der Name „ZAKA“ (זק״א) offiziell zugewiesen, eine Abkürzung für Zihuy Korbanot Ason (זיהוי קורבנות אסון), was „Identifizierung von Katastrophenopfern“ bedeutet. Der vollständige Name lautet „ZAKA – Identifizierung, Bergung und Rettung – Wahre Güte“ (זק״א – זיהוי, חילוץ והצלה – חסד של אמת).

Expansion während der Zweiten Intifada (2000–2005)

Gepanzerter Rettungswagen von ZAKA

Während der Zweiten Intifada, die im Jahr 2000 begann, erlebte ZAKA eine massive Expansion ihrer Aktivitäten aufgrund der häufigen Selbstmordattentate palästinensischer Terrororganisationen. Die Organisation rüstete ihre Mitglieder mit moderner Ausrüstung aus, darunter Mobiltelefone, Motorroller und Rettungswagen, was es den Freiwilligen ermöglichte, schnell auf Notfälle zu reagieren. In dieser Zeit entwickelte ZAKA auch ihre charakteristische Corporate Identity mit den gelben Westen, die die Freiwilligen bei Einsätzen tragen und die mit dem Motto Chesed Shel Emet bedruckt sind.

Die Organisation war bei nahezu allen größeren Terroranschlägen der Zweiten Intifada im Einsatz, darunter bei den Anschlägen auf die Diskothek Dolphinarium 2001 mit 21 Todesopfern, die Sbarro-Pizzeria im selben Jahr mit 15 Toten und auf das Park Hotel mit 30 Toten in Natanya. Diese Einsätze führten zu einer erheblichen Professionalisierung der Organisation und zur Entwicklung spezialisierter Verfahren für die Arbeit an Terroranschlagsorten.[4] ZAKA begann systematisch, Freiwillige in forensischen Techniken und psychologischer Erste Hilfe auszubilden.[5]

Die häufigen Einsätze während der Intifada führten auch zu einer breiteren gesellschaftlichen Anerkennung ZAKAs. Die Organisation, die ursprünglich als ultraorthodoxe Randgruppe wahrgenommen wurde, entwickelte sich zu einer anerkannten Institution der israelischen Zivilgesellschaft.[6] Anthropologen wie Nurit Stadler beschreiben diese Periode als entscheidend für ZAKAs Legitimation als „kultureller Agent“ im Umgang mit öffentlichem Tod und Terror.[7]

Diversifizierung und internationale Expansion (2005–2015)

2005 gründete ZAKA Minderheiteneinheiten mit beduinischen, muslimischen und drusischen Freiwilligen, um den nicht-jüdischen Gemeinden Israels zu dienen, hauptsächlich Beduinen im Negev und Drusen in Galiläa.

In dieser Periode entwickelte ZAKA verschiedene Spezialeinheiten, darunter eine Tauchereinheit mit über 200 professionellen Tauchern, eine Hundeeinheit für Such- und Rettungsoperationen, eine Motorradeinheit für schnelle Reaktionen in verkehrsreichen Gebieten sowie eine Lufteinheit. Die Organisation begann auch, moderne Technologien wie GPS-Systeme und digitale Kommunikationsgeräte systematisch einzusetzen.

ZAKA operierte auch international nach Naturkatastrophen, insbesondere nach dem Tsunami 2004 in Thailand, Sri Lanka, Indien und Indonesien. Forensische Teams bezeichneten die ZAKA-Gruppe als „das Team, das mit den Toten schläft“, weil sie fast 24 Stunden am Tag in buddhistischen Pagoden in Thailand arbeiteten, die in Leichenschauhäuser umgewandelt worden waren.[8] Diese internationalen Einsätze etablierten ZAKAs Reputation als spezialisierte Katastrophenhilfe-Organisation über Israel hinaus.

UN-Anerkennung und institutionelle Konsolidierung (2015–2020)

Nach zwei gescheiterten Versuchen gewährten die Vereinten Nationen ZAKA im Januar 2016 den Status einer beratenden NGO.[9] Der UN-Status ermöglichte es ZAKA, bei internationalen Katastrophen offiziell als beratende Organisation zu fungieren und Zugang zu UN-Koordinationsmechanismen zu erhalten.

In dieser Periode konsolidierte sich ZAKA als professionelle Organisation mit standardisierten Ausbildungsprogrammen, die eine zwölfwöchige Grundausbildung für alle Freiwilligen sowie spezialisierte Kurse für verschiedene Einheiten umfassen.[10] Die Organisation entwickelte auch formelle Kooperationsabkommen mit internationalen Katastrophenhilfe-Organisationen[11] und begann, Ausbildungsprogramme für Partnerorganisationen in anderen Ländern anzubieten.[12]

Gleichzeitig wuchs ZAKAs Rolle als wichtiger Faktor für die gesellschaftliche Integration der ultraorthodoxen Gemeinschaft in Israel. Sozialwissenschaftler beschreiben ZAKA als „legitimen Ersatz“ für den Militärdienst, der es ultraorthodoxen Männern ermöglicht, einen bedeutsamen Beitrag zur israelischen Gesellschaft zu leisten, ohne religiöse Kompromisse eingehen zu müssen.[13]

Finanzielle Unregelmäßigkeiten und Führungskrise (2021–2022)

Im März 2021 wurden gegen Yehuda Meshi-Zahav, den Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden von ZAKA, Vorwürfe sexueller Übergriffe erhoben.[14] Die Polizei leitete eine Untersuchung ein.[15] Meshi-Zahav verzichtete auf den Israel-Preis, trat von seiner Führungsposition zurück und bestritt die Vorwürfe.[16] Im April 2021 unternahm Meshi-Zahav einen Suizidversuch.[17] Er starb am 29. Juni 2022.[18] Es kam zu keiner Verurteilung, da Meshi-Zahav vor Abschluss der Ermittlungen starb.

Im Jahr 2021 berichtete Channel 13, dass ZAKA im Verdacht stehe, über Schattenorganisationen Millionen von Dollar an Spendengeldern abgezweigt zu haben.[19] 2022 berichtete Haʾaretz, dass ZAKA die Anzahl seiner Freiwilligen übertrieben hatte, um öffentliche Gelder zu erhalten.[20]

Einsatz nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023

Präsident Jitzchak Herzog im Gespräch mit Mitgliedern des ZAKA nach den Terroranschlägen im Oktober 2023

Nach den Terrorangriffen der Hamas am 7. Oktober 2023 gehörten ZAKA-Freiwillige zu den ersten Einsatzkräften, die auf die Angriffe reagierten. Hunderte von Freiwilligen wurden in die betroffenen Gebiete in Südisrael entsandt.[21]

Die Organisation war mit einem beispiellosen Ausmaß der Zerstörung konfrontiert: Über 1.200 Menschen wurden an 22 Gemeinden in Südisrael getötet. ZAKA-Freiwillige arbeiteten wochenlang rund um die Uhr bei der Bergung und Identifizierung der Opfer. Insgesamt waren etwa 800 ZAKA-Freiwillige an den Rettungs- und Bergungsarbeiten beteiligt.[22]

Die Freiwilligen arbeiteten an verschiedenen Tatorten, darunter das Nova-Musikfestival, verschiedene Kibbuzim und andere angegriffene Gemeinden. ZAKA koordinierte seine Arbeit mit der israelischen Polizei und den Israelischen Verteidigungsstreitkräften, wobei die Behörden anwiesen, die Toten so schnell wie möglich zu sammeln und zur Identifizierung zu bringen.[23]

Yossi Landau, ZAKAs Einsatzleiter für die Südregion, berichtete, dass sein 65-köpfiges Team in der ersten Woche nach dem Angriff über 670 Leichen geborgen habe.[24] Das beispiellose Ausmaß der Angriffe vom 7. Oktober führte laut der Organisation bei über 30 Prozent der eingesetzten ZAKA-Freiwilligen zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD). Die Organisation richtete spezielle PTSD-Behandlungs- und Resilienzprogramme für ihre traumatisierten Freiwilligen ein.[25]

Obwohl ZAKA nach dem 7. Oktober 2023 umfangreiche Rettungsarbeit leistete, stand die Organisation gleichzeitig vor dem finanziellen Kollaps. Die bevorstehende Insolvenz führte zu intensiven Spendenaktionen, die jedoch kontrovers diskutiert wurden. Haʾaretz berichtete über Vorwürfe, ZAKA habe im Rahmen dieser Kampagnen Falschinformationen über Gräueltaten verbreitet und sensible, drastische Fotos von Tatorten zur Spendenwerbung verwendet.[26] Die Untersuchung warf ZAKA „Fahrlässigkeit, Fehlinformationen und eine Spendenkampagne vor, die die Toten als Requisiten benutzte“.

Dennoch erwies sich diese Strategie als erfolgreich: Bis zum 31. Januar 2024 sammelte ZAKA über 50 Millionen Schekel (13,7 Millionen US-Dollar) und wendete damit die drohende Insolvenz ab.[26] Besonders umstritten war die Behauptung über von der Hamas enthaupteten Babys, die sich später als falsch herausstellte.[27] Ein ZAKA-Verantwortlicher räumte Fehler ein: Die Freiwilligen seien mit traumatischen Szenen konfrontiert gewesen und hätten manchmal das, was sie sahen, falsch interpretiert. ZAKA erklärte auch, dass sie keine Forensik-Spezialisten seien.[28]

2025 berichtete Haʾaretz über möglicherweise verschwundene Spenden in Millionenhöhe. Bei einer internen Revision wurde festgestellt, dass Spenden in Höhe von mehreren zehn Millionen Schekel verschwunden sein könnten.[29]

Internationale Einsätze

ZAKA operiert auch weltweit nach zahlreichen Naturkatastrophen und Terroranschlägen. Zu den internationalen Einsätzen gehörten:

  • Ende 2004 und Anfang 2005 in Thailand, Sri Lanka, Indien und Indonesien nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004. Forensische Teams bezeichneten die Gruppe als „das Team, das mit den Toten schläft“, weil sie fast 24 Stunden am Tag in buddhistischen Pagoden in Thailand arbeiteten, die in Leichenschauhäuser umgewandelt worden waren. Die Erfahrung der ZAKA-Mitglieder, die in Israel durchschnittlich 38 Leichen pro Woche sehen, half dem israelischen Forensik-Team, Leichen schneller zu identifizieren als viele andere Forensik-Teams.[8]
  • Februar 2007: Entsendung eines 10-köpfigen Such- und Rettungsteams, bestehend hauptsächlich aus Rettungstauchern, nach Paris, um nach einem vermissten israelischen Verteidigungsbeamten zu suchen.[30]
  • November 2008: Einsatz in Mumbai, Indien, nach den Terroranschlägen, die unter anderem ein jüdisches Zentrum zum Ziel hatten.[31]
  • Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 traf eine sechsköpfige ZAKA-Delegation in Haiti ein. In Zusammenarbeit mit der mexikanischen Militärdelegation und jüdischen Freiwilligen aus Mexiko wurden am ersten Tag nach ihrer Ankunft acht Studenten aus den Trümmern des eingestürzten achtstöckigen Universitätsgebäudes von Port-au-Prince gerettet.[32]
  • Teams von ZAKA-Freiwilligen wurden im März 2011 nach Japan geschickt, um bei Such- und Rettungsaktionen nach dem verheerenden Erdbeben und anschließendem Tsunami zu helfen.[33]
  • Ein ZAKA-Team war im April 2015 Teil einer israelischen Mission nach Nepal, um nach dem Erdbeben und den anschließenden Lawinen bei der Suche nach Opfern zu helfen.[34]
  • Im Januar 2017 nahm ein Team an der Reaktion auf ein Erdbeben in Port-au-Prince, Haiti, teil.[35][36]
  • Acht Freiwillige aus Israel flogen nach Texas, um bei den Aufräumarbeiten nach Hurrikan Harvey in Houston zu helfen, Synagogen zu unterstützen und humanitäre Hilfe zu leisten.[37]
  • Nach dem Erdbeben im September 2017 wurde Such- und Rettungspersonal nach Mexiko entsandt.[38][39] ZAKA hatte bereits seit September 2016 70 freiwillige Helfer in Mexiko-Stadt ausgebildet, die bei Erdbebeneinsätzen helfen sollten.
  • Im Januar 2019 wurde ein ZAKA-Team nach Brasilien entsandt, um Such- und Rettungsaktionen nach einem Dammbruch in Brumadinho durchzuführen.[40]
  • Nach dem Absturz von Ethiopian-Airlines-Flug 302 im März 2019 mit 157 Todesopfern, darunter zwei israelische Staatsbürger, entsandte ZAKA ein Einsatzteam zur Bergung der Überreste.[41] Erst nach diplomatischen Interventionen von Präsident Reuven Rivlin und Premierminister Benjamin Netanyahu erhielten die Freiwilligen sechs Tage nach dem Unglück Zugang zur Absturzstelle. Das Team suchte erfolgreich nach menschlichen Überresten und persönlichen Gegenständen der Opfer.
  • Nach der Flutkatastrophe in Texas im Juli 2025 entsandte ZAKA ein Einsatzteam zur Unterstützung der Such- und Bergungsoperationen.[42][43] Das Team arbeitete etwa zwei Wochen lang mit der Texas A&M Task Force 1 zusammen und setzte KI-basierte Modelle zur Identifizierung wahrscheinlicher Fundorte von Opfern ein.[44]
  • Bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana im Januar 2026 wurde ein Team eingeflogen, wurde jedoch nicht zur Unfallstelle zugelassen, blieb aber vor Ort, um Angehörige zu unterstützen.[45] Der Einsatz wurde durch den Schweizer Politiker Mauro Poggia genutzt, um Kritik an der Gaza-Politik der israelischen Regierung zu üben.[46]

Tätigkeiten

Nach einem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Nordisrael 2002

Die über 3.000 ZAKA-Mitglieder (Stand 2024), die zumeist ultraorthodoxe Juden sind, nehmen verschiedene Tätigkeiten im Bereich der Notfallrettung und Opferidentifizierung wahr.[47] Sie unterstützen die Sanitätsmannschaften bei der Ersten Hilfe und beim Einsammeln von Körperteilen, die möglicherweise noch angenäht werden können. Die Freiwilligen identifizieren die Todesopfer und sammeln, wenn dies nach jüdischem Religionsgesetz notwendig wird, Körperteile und Blut für die Beerdigung auf. Zur Identifizierung werden die einzelnen in Plastiktüten gesammelten Überreste beschriftet und zugeordnet.[48] Die Organisation hilft auch bei der Bergung und bei der Suche von Vermissten. Die Freiwilligen sind ausgebildete Sanitäter und rund um die Uhr einsatzbereit.[48]

ZAKA sammelt und behandelt auch die Körperteile von Selbstmordattentätern mit Respekt, wobei identifizierbare Überreste der Armee übergeben werden, um sie nach Möglichkeit an die Familien der Attentäter zurückzugeben.[49]

Bei der medizinischen Versorgung verfolgt ZAKA den Grundsatz, zuerst die Opfer eines Anschlages zu behandeln und erst dann die Attentäter. Damit weicht die Organisation vom internationalen Standard sowie einer Direktive der Israel Medical Association ab, die bestimmt, dass Opfer ausschließlich nach dem Schweregrad ihrer Verletzungen behandelt werden sollen.[50][51]

Einsatzfelder und Spezialisierungen

ZAKA verfügt über mehrere spezialisierte Einheiten, die für unterschiedliche Einsatzszenarien ausgerüstet und ausgebildet sind:[1][52] Im Zentrum steht die Kerneinheit Chesed Shel Emet, die sich auf die Bergung und würdevolle Behandlung menschlicher Überreste nach jüdischem Religionsgesetz spezialisiert hat. Für Such- und Rettungsoperationen unterhält die Organisation mehrere Einheiten, darunter speziell ausgebildete Such- und Rettungshunde mit ihren Betreuern sowie eine Tauchereinheit mit über 200 professionellen Tauchern, darunter ehemalige Marine-Kommandos. Diese Einheit half beispielsweise im Februar 2007 bei der erfolgreichen Bergung eines vermissten israelischen Diplomaten in Frankreich.[52]

Um in verschiedenen Geländearten und bei unterschiedlichen Einsatzbedingungen schnell reagieren zu können, verfügt ZAKA über mobile Einheiten mit Motorrädern für verkehrsreiche Gebiete, Jeeps für unwegsames Gelände, Jetskis für Wasserrettungen in Küstennähe sowie eine Lufteinheit.[1] Eine Motorradeinheit ermöglicht es ausgebildeten Sanitätern, Unfallstellen in verkehrsreichen Gebieten besonders rasch zu erreichen, oft noch vor dem Eintreffen anderer Rettungsdienste.[53]

Religiös-rechtliche Aspekte

Die Arbeit der ZAKA-Freiwilligen ist mit komplexen Fragen des jüdischen Religionsgesetzes (Halacha) verbunden. Nach jüdischem Religionsgesetz dürfen Juden den Schabbat zur Lebensrettung brechen (Pikuach Nefesch), jedoch nicht zur Behandlung von Toten. Diese Einschränkung führte 2005 zur Gründung von Minderheiteneinheiten mit beduinischen, muslimischen und drusischen Freiwilligen, die auch am Schabbat und an jüdischen Feiertagen für die Bergung und Behandlung von Verstorbenen tätig werden können. Im jüdischen Brauch sollen Leichen so vollständig wie möglich gesammelt und alle verfügbaren Überreste gemeinsam beerdigt werden. Die Freiwilligen von ZAKA stellen sicher, dass dies ordnungsgemäß und, wie ihr Motto besagt, mit „wahrer Gnade“ (Chesed Shel Emet) geschieht.[48]

Wissenschaftliche Einordnung

ZAKA ist Gegenstand umfangreicher sozialwissenschaftlicher Forschung, die die Organisation als einzigartiges Phänomen im Kontext moderner Katastrophenreaktion und religiöser Spezialisierung analysiert. In anthropologischen Studien wurde ZAKA als Beispiel für die Entstehung neuer organisatorischer Formen zur Bewältigung terroristischer Gewalt in hochkomplexen, bürokratisierten Gesellschaften untersucht.[54] Die Forschung zeigt, wie ZAKA durch die Verschmelzung dreier Elemente gesellschaftliche Legitimation erlangt: der Verankerung in jüdischen Traditionen bezüglich Tod und Bestattung, der Integration von Praktiken und Wissen verschiedener staatlicher Institutionen sowie der Ausweitung ihrer Tätigkeiten auf die Behandlung Lebender zusätzlich zur Arbeit mit Verstorbenen.[55]

Die wissenschaftliche Literatur betont ZAKAs Rolle als „kultureller Agent“, der neue Bedeutungen des öffentlichen Todes schafft und dabei sowohl gesellschaftliche Reaktionen auf unerwartete Unordnung durch Terror ausdrückt als auch diese aktiv mitgestaltet. Eine Analyse der „Leichensymbolik“ und „Tabu-Verletzung“ verdeutlicht, wie die Organisation durch ihre Arbeit mit menschlichen Überresten im öffentlichen Raum neue Narrative des Todes etabliert und dabei haredi-religiöse Ausdrucksformen während terroristischer Ereignisse verstärkt und wiederbelebt. Neuere Forschungen im Bereich der Katastrophensoziologie ordnen ZAKA in den Kontext spezialisierter „Todesexperten“ ein, die in modernen Gesellschaften als Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch Terrorismus entstanden sind.[56]

Siehe auch

Literatur

  • Gideon Aran: The Cult of Dismembered Limbs: Jewish Rites of Death at the Scene of Palestinian Suicide Terrorism. Oxford University Press 2023
Commons: ZAKA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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