Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

bundesweite politische Interessenvertretung der in Deutschland lebenden Sinti From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg ist die bundesweite politische Interessenvertretung der in Deutschland lebenden Sinti und Roma deutscher Staatsbürgerschaft.

Geschichte

Nachdem der 1958 in Mannheim ins Leben gerufene Verband und Interessengemeinschaft rassisch Verfolgter nichtjüdischen Glaubens deutscher Staatsbürger, der sich für die Strafverfolgung der NS-Verbrechen und die Anerkennung von Sinti und Roma als Opfergruppe eingesetzt hatte, die Arbeit 1968 nach dem Tod des Mitgründers Oskar Rose eingestellt hatte, führten Vinzenz Rose und Oskar Roses Sohn Romani Rose die Arbeit mit dem Verband Deutscher Sinti fort. Angeregt durch die internationale Vernetzung kam es in den 1970er Jahren zu Erfolgen beim Schaffen medialer und politischer Aufmerksamkeit für das Schicksal der Minderheit. Im Februar 1982 gründeten wesentliche Akteure der sich in den vorangegangenen Jahren formierten Bürgerrechtsbewegung den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Vorsitzender ist seitdem Romani Rose.[1] Ehrenvorsitzender war bis zu seinem Tod Franz Rosenbach.[2] Ein Jahr nach der Gründung des Zentralrats gründete sich 1983 in Hamburg die Rom und Cinti Union, die sich stärker als der Zentralrat auf die Situation der v. a. aus Osteuropa geflohenen Roma einsetzte.[3]

Handlungsfelder, politische Erfolge

Gespräch des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (1982)
Demonstration von Sinti und Roma am 28. Januar 1983 anlässlich des 50. Jahrestags der Machtergreifung vor dem BKA

Am 17. März 1982 empfing der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Delegation des Zentralrats. Er erkannte in völkerrechtlich bedeutsamer Weise die nationalsozialistischen Verbrechen an den Sinti und Roma als Völkermord aus rassischen Gründen an. Seither führt der Zentralrat Gespräche mit der Bundes- und den Landesregierungen zum Schutz vor Diskriminierung und zur Förderung als nationale Minderheit. Außerdem fördert er das Gedenken an die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma, die Aufklärung und Dokumentation über die begangenen NS-Verbrechen und die Entschädigung der Überlebenden.[4]

Struktur

Oswald Marschall, leitender Referent vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, hier vor der am 4. Mai 2015 enthüllten Erinnerungs- und Gedenktafel vor dem Hauptgebäude der Polizeidirektion Hannover

Der Verein ist der politische Dachverband von 17 Mitgliedsvereinen, den neun Landesverbänden und mehreren weiteren Zusammenschlüssen. Der Zentralrat trägt das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, ein bedeutendes Kulturzentrum und zugleich ein Archiv für den Völkermord an den Sinti und Roma. Der Zentralrat wird mit jährlich rund 500.000 Euro aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.[7]

Mitgliedsvereine

Mitgliedsvereine sind:[8]

  • Bremer Sinti-Verein e.V.
  • Bremerhavener Sinti-Verein
  • Landesverein der Sinti in Hamburg
  • Verein Deutscher Sinti Minden
  • Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg
  • Verband Deutscher Sinti und Roma
  • Landesverband Deutscher Sinti und Roma Nordrhein-Westfalen
  • Verband Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Hessen)
  • Verband Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Saarland)
  • Verband Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Rheinland-Pfalz)
  • Landesvertretung Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg (Sinti Powerclub e.V.)
  • Verband Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Bayern)
  • Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Schleswig-Holstein
  • Sinti-Union Freiburg
  • Verband der Sinti und Roma in Karlsruhe
  • Verband Deutscher Sinti, Bundesverband
  • Verein der katholischen Roma e.V.
  • Verein der vereinigten polnischen katholischen Roma
  • Verein zur Förderung von Kultur und Handwerk – Sinti-Werkstatt Landau

Der Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg war bis 2021 Mitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Danach wurde die Landesvertretung Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg Mitglied.

Staatsvertrag mit dem Freistaat Bayern

Am 20. Februar 2018 unterzeichnete der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer einen Vertrag mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma, dem bayerischen Landesverband des Zentralrats. Knapp drei Jahre nach einem einstimmigen Beschluss des Bayerischen Landtags erfüllte die Staatsregierung den Auftrag. Für den Verband Deutscher Sinti und Roma unterschrieb der Landesvorsitzende Erich Schneeberger. Mit dem Vertrag sollen das Geschichtsbewusstsein im Bundesland sowie die Aufklärung über und die Förderung von Toleranz gegenüber Minderheiten in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt werden. Darüber hinaus regelt der Vertrag eine finanzielle Förderung des Verbandes durch die Staatsregierung neu. Bislang waren die Zuweisungen des Landes an den Verband freiwillige Leistungen, in Zukunft eine Vertragspflicht.

Der Vertragsabschluss sei für die Sinti und Roma „von zentraler Bedeutung“ und habe großen Einfluss auf ihre Gleichstellung sowie den Erhalt ihrer Kultur und Tradition, sagte Schneeberger. „Mit der Vertragsunterzeichnung setzen wir ein historisches Zeichen“, äußerte Seehofer. Bayern bekennt sich damit zu seiner politisch-historischen Verantwortung gegenüber den Sinti und Roma, die lange Zeit zu den vergessenen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zählten.[9]

Siehe auch

Film

  • Peter Nestler (Regie): Unrecht und Widerstand. Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung (… der Sinti und Roma) Dokumentarfilm, D, 2022, 112 Min.[10]

Einzelnachweise

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