Zeotropes Gemisch

Gemisch mindestens zweier physikalisch gut zu trennender Flüssigkeiten From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Gemisch von chemischen Stoffen wird als zeotrop bezeichnet, wenn die Zusammensetzung von Flüssigkeit und Dampf im Dampf-Flüssigkeit-Gleichgewicht unterschiedlich ist. Die Taukurve und die Siedekurve berühren sich nur bei den reinen Komponenten. Gemische mit einer Zusammensetzung, bei der sich Tau- und Siedekurve berühren und Dampf und Flüssigkeit die gleiche Zusammensetzung haben, heißen azeotrope Gemische.[1.1] Ein Gemisch mit einer azeotropen Zusammensetzung wird oft insgesamt als azeotrope Mischung bezeichnet.

Nahezu ideales Dampf-Flüssigkeit-Gleichgewicht, zeotropes Gemisch aus Aceton und Butanon

„Ideale Gemische“ zeigen ausschließlich zeotropes Verhalten. Als ideales Gemisch wird ein Gemisch bezeichnet, deren Mischungsenthalpie null ist. Der Gesamtdampfdruck über einem idealen Gemisch ist die Summe der Partialdrücke, und diese sind linear abhängig von den Konzentrationen der Komponenten des Gemischs, ausgedrückt als Stoffmengenanteile (Molenbrüche).[1.2]

Betrachtet wird ein ideales Gemisch aus zwei Komponenten A und B. Der Dampfdruck über dem Gemisch ist die Summe der Partialdrücke pA = xA pA0 und pB = xB pB0, wobei 0 den Partialdruck der reinen Komponente kennzeichnet und xA/B der Stoffmengenanteil der Komponente A bzw. B im Gemisch ist (Raoultsches Gesetz).

Die Stoffmengenanteile in der Gasphase (gekennzeichnet durch g) sind proportional zu den Partialdrücken:

, entsprechend für Komponente B.

Ersetzen der Partialdrücke pA/B gemäß Raoultschem Gesetz (s. o.) ergibt für Komponente A:

, entsprechend für Komponente B,

und daraus:

Daraus ergibt sich, dass bei einem idealen Gemisch der Dampf über dem Gemisch mit der höher flüchtigen Komponente, also derjenigen mit dem höheren Dampfdruck der reinen Komponente p0, gegenüber dem Verhältnis der Komponenten in der flüssigen Phase angereichert ist.[1.3]

Dampfdruck und Siedetemperatur eines zeotropen Gemischs zeichnen sich dadurch aus, dass sie stets zwischen den Dampfdrücken und Siedetemperaturen der Reinstoffe liegen, während bei azeotropen Gemischen ein Druckmaximum/Temperaturminimum oder Druckminimum/Temperaturmaximum auftritt, das außerhalb des durch die Reinstoffwerte begrenzten Bereichs liegt.

Bedeutung

Zeotrope Gemische lassen sich durch Destillation bzw. Rektifikation, also wiederholte Verdampfung und Kondensation, in Trennkolonnen trennen. Ihre Trennfaktoren werden niemals 1, können jedoch so gering sein, dass eine Trennung durch Rektifikation technisch unmöglich wird.

Technisch von größerer Bedeutung sind Zeotropie und Azeotropie auch bei Kältemittelgemischen, bei denen schon bei der Namensgebung mit Kurzzeichen zwischen zeotropen (R4xx) und azeotropen Gemischen (R5xx) unterschieden wird. Zeotrope Gemische haben den Nachteil, dass sich ihre Zusammensetzung beim Verdampfen und Kondensieren ändert. Damit ändern sich auch Siedepunkte sowie andere Eigenschaften, insbesondere auch die in der Kühltechnik wichtigen kalorischen Größen wie Verdampfungsenthalpie und Wärmekapazität. Azeotrope Gemische hingegen verhalten sich bei der azeotropen Zusammensetzung wie reine Stoffe mit konstanten Eigenschaften. Bei zeotropen Gemischen muss daher darauf geachtet werden, dass die Differenzen gering bleiben, und somit werden zeotrope Gemische mit kleinen Trennfaktoren bevorzugt.

Vorkommen

Zeotropie tritt empirisch auf, wenn die beteiligten Komponenten eines Gemischs chemisch ähnlich sind oder deren Siedepunktdifferenz sehr groß ist. Chemisch ähnlich sind beispielsweise Gemische, die nur aus Alkanen oder monofunktionalen Ketonen bestehen. Azeotropie tritt häufig bei kleinen Siedepunktdifferenzen und bei Stoffen mit verschiedenen funktionellen Gruppen auf, etwa beim Gemisch aus Methanol und Chloroform.

Druckabhängigkeit der azeotropen Zusammensetzung

Ein Gemisch bestimmter Zusammensetzung kann sowohl zeotrop als auch azeotrop sein, da die azeotrope Zusammensetzung temperatur- und druckabhängig ist, mal stärker und mal schwächer. Beispielsweise verhält sich das Gemisch aus Ethanol und Wasser unter etwa T = 305 K und p = 12 kPa zeotrop, während bei höheren Temperaturen und Drücken Azeotropie auftritt. Bei Normaldruck ist die azeotrope Zusammensetzung etwa 90 Mol-% Ethanol und 10 Mol-% Wasser. Bei der Grenze sind jedoch die Unterschiede zwischen den Zusammensetzungen der Dampf- und der Flüssigphase ebenso wie die relative Flüchtigkeit noch sehr klein, so dass eine technische Nutzung des Effekts nahe dem azeotrop/zeotrop-Übergang kaum möglich ist, sondern erst bei deutlich geringeren Temperaturen und Drücken.

Beschreibung

Zeotropie ist die qualitative Aussage über ein Gemisch bei gegebenem Druck und gegebener Temperatur, dass die Flüssigkeit und der Dampf stets unterschiedliche Zusammensetzungen haben. Eine Angabe zu einer speziellen Zusammensetzung ist daher nicht sinnvoll.

Einzelnachweise

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