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Ziegenturm

mehrstöckiger Turm als Kletter- und Rückzugsmöglichkeit für Ziegen From Wikipedia, the free encyclopedia

Ziegentürme sind mehrstöckige Türme, die speziell für Ziegen errichtet werden und über eine meist spiralförmige äußere Rampe verfügen. Diese Türme fördern den natürlichen Kletterinstinkt der Ziegen und bieten ihnen eine artgerechte Beschäftigung. Zudem dienen sie dazu, Ziegen von landwirtschaftlichen Nutzflächen wie Weinbergen fernzuhalten, indem sie den Tieren eine alternative, erhöhte Umgebung zum Klettern und Verweilen bieten.

Ziegenturm in Südafrika in der Westkap-Provinz

Geschichte

Der erste Ziegenturm, genannt „Torre das Cabras“ („Turm der Ziegen“), wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert von einem portugiesischen Winzer namens Fernando Guedes da Silva da Fonseca auf dem Weingut Aveleda bei Penafiel errichtet. Es handelte sich um eine dreistöckige Steinturmstruktur. Die Ziegen fraßen die Reben im Weinberg, und herkömmliche Zäune boten keinen dauerhaften Schutz. Daher entschied sich Fonseca, ihnen eine alternative Beschäftigung anzubieten.[1] Die Türme haben Fenster oder kleine Räume, in denen die Ziegen ruhen und in die sie sich zurückziehen können.

Der Turm gilt als sogenanntes Folly, also als Bauwerk, das ursprünglich als dekoratives Element errichtet wurde. Diese Form der Architektur war im 18. und 19. Jahrhundert auf europäischen Landgütern üblich. Die architektonische Gestaltung des Turms hat zudem internationale Nachahmer inspiriert und gilt als Beispiel für die Integration von Tierhaltung und Gartenarchitektur.[2]

Verbreitung

Die geografische Verbreitung der Ziegentürme begann zunächst lokal und blieb über ein Jahrhundert hinweg eine portugiesische Besonderheit. Erst 1981 brachte der südafrikanische Winzer Charles Back das Konzept nach Südafrika. Danach verbreitete sich die Idee international. In Südafrika wurde der Turm auf dem Weingut Fairview in der Nähe von Paarl in der Region Cape Winelands zu einem Wahrzeichen und inspirierte weitere Nachahmungen. Das Weingut produziert einen Wein namens „Goats do Roam“ in Anspielung auf den Ziegenturm und das französische Weinbaugebiet Côtes du Rhône.[3]

Im Laufe der Zeit wurde das Konzept von Landwirten und Unternehmen in verschiedenen Teilen der Welt übernommen. Beispiele für solche Ziegentürme finden sich auf einer Farm in Illinois, einer norwegischen Farm und in den Cholmondeley Castle Gardens in Cheshire, Großbritannien, die über einen Ziegenturm für ihre Herde von Zwergziegen verfügen. In einem Streichelzoo in Waunakee, Wisconsin, wurde ein Ziegenturm im bayrischen Still errichtet. Auch im Außenbereich einer Bar in Memphis, Tennessee, wurde ein Ziegenturm errichtet. Diese Bauwerke dienen sowohl als touristische Attraktionen als auch als funktionale Strukturen für die artgerechte Ziegenhaltung.[4] Auf einem ausgelagerten Standort des Fachbereichs Architektur der Technischen Universität Kaiserslautern wurde ein Ziegenturm aus Holz für eine Gruppe von Ziegen errichtet, die dort das Gelände von Gestrüpp freihalten.[5] Im Mai 2026 wurde auf der „Udderly Ridiculous Farm Life“ in Blandford-Blenheim, Kanada, der erste kanadische Ziegenturm eingeweiht. Er ist mit einem Wandbild des ontarischen Künstlers Sacha Taylor versehen.[6] Trotz ihrer weltweiten Verbreitung werden Ziegentürme jedoch selten gebaut.[4]

Artgerechte Tierhaltung

Die Konstruktion des Ziegenturms nimmt auf die natürlichen Bedürfnisse der Tiere Rücksicht, deren Vorfahren ursprünglich Bewohner steiler, felsiger und oft unwirtlicher Gebiete waren. Ihre Hufe sind speziell für das Klettern und den sicheren Halt auf unebenem, felsigem Untergrund ausgelegt.[7]

Sie nutzen diese Fähigkeit nicht nur, um Nahrung zu erreichen, sondern auch, um sich vor Fressfeinden zu schützen und Verstecke zu suchen. Durch das Erreichen von erhöhten Plätzen können Ziegen ihre Umgebung besser überblicken, was ihnen hilft, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Die erhöhte Position bietet ihnen somit einen wichtigen Schutzmechanismus. Selbst domestizierte Ziegen zeigen das Bedürfnis nach erhöhten und versteckten Plätzen. Dies wird deutlich, wenn sie in Ställen Zugang zu Kletterstrukturen oder Verstecken erhalten. Das Angebot von Kletter- und Rückzugsstrukturen in der Haltung senkt zudem das Stressniveau und kann das Wohlbefinden der Tiere steigern.[7]

Studien belegen, dass selbst Ziegen, die zuvor keine Klettergelegenheiten kannten, bereitwillig erhöhte Plattformen aufsuchen – sei es zum Klettern, zum Ausruhen oder als Rückzugsort. Besonders für rangniedrige Tiere bieten diese Flächen die Möglichkeit, sich vor aggressiven Interaktionen zurückzuziehen. Das kann insgesamt zu einer Reduktion von Aggressionen innerhalb der Gruppe führen.[8]

Spiele und Internetkultur

Im Spiel Goat Simulator 3 muss man sogenannte Instinkt-Schreine entdecken, die auf einer Karte erscheinen, sobald man sich mit einem Ziegenturm synchronisiert hat.[9] Die Ziegentürme dienen im Spiel sowohl als Orientierungshilfen als auch als Kontrollpunkte für den Spielfortschritt.[10] Die Ziegentürme wurden 2009 als virales Meme bekannt, als in Illinois ein zehn Meter hoher Ziegenturm errichtet wurde. Über den Turm wurde am 12. Juli 2009 erstmals im Online-Magazin Boing Boing berichtet. Anschließend wurde der Beitrag vielfach weiterverbreitet.[11]

Commons: Ziegentürme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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