Zollfahndungsdienst

Bundesbehörde zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Zollfahndungsdienst (kurz: ZFD) besteht in Deutschland gem. § 1 S. 1 ZFdG aus dem Zollkriminalamt (ZKA; Direktion VIII der Generalzolldirektion) und den Zollfahndungsämtern (ZFÄ) als Bundesbehörden zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen. Er gehört dem Vollzugsbereich der Zollverwaltung an und ist damit materielle Bundespolizeibehörde.[1][2][3] Vereinfacht gesagt, handelt es sich um die „Kriminalpolizei der Zollverwaltung“.

Aufgaben und Befugnisse

Die Aufgaben des Zollfahndungsdiensts sind im Zollfahndungsdienstgesetz geregelt. Als Kernaufgabe obliegt ihm die Ermittlungsarbeit (einschließlich Vorfeldermittlungen) zur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten (§§ 4, 5 ZFdG) und die Gefahrenabwehr (§§ 39 ff. ZFdG) im Zuständigkeitsbereich der Zollverwaltung.

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten

Sachliche Zuständigkeit

Hierbei geht es in der Hauptsache um die Aufgaben nach § 208 Abs. 1 AO bei Steuerstraftaten (§ 369 AO) und Steuerordnungswidrigkeiten (§ 377 AO). Das sind zum einen Delikte mit Bezug zu Abgaben in Bundesverwaltung wie Ein- und Ausfuhrzölle, Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchsteuern (vgl. § 1 Abs. 1 und 2 ZollVG); hierzu gehört auch die Ermittlung der Grundlagen für das Besteuerungsverfahren (Doppelfunktion). Zum anderen ist der Bannbruch eine Steuerstraftat, die nicht an Abgaben, sondern an Verbote der Ein-, Aus- und Durchfuhr anknüpft (vgl. § 1 Abs. 3 ZollVG, Verbote und Beschränkungen). Ergänzt wird die Zuständigkeit im Bereich der Verbringungsverbote durch § 21 AWG (hierauf verweisen § 8 GÜG, § 73 BNatSchG, § 87 KGSG);[4] § 20 CWÜAG; § 1 Abs. 5, § 12b ZollVG hinsichtlich Geldwäsche; weitergehend § 37 MOG (erfasst auch Betrug und Subventionsbetrug). Unterhalb des Gesetzes trifft die Kleinfall-Regelung (KFR)[5] Bestimmungen zur Abgrenzung der Zuständigkeit des Zollfahndungsdienstes mit dem Ziel seiner Entlastung.

Abgrenzung

Ausdrücklich nicht zuständig ist der ZFD in der Bekämpfung der Schwarzarbeit gem. §§ 3 Abs. 2 S. 2, Abs. 5 S. 2, 5 Abs. 2 S. 2; 39 S. 1 ZFdG, da dies gem. § 14c Abs. 1 SchwarzArbG den Hauptzollämtern (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) obliegt.

Ermittlungsbefugnis

Die Befugnisse des Zollfahndungsdienstes zur Ermittlung ergeben sich u. a. aus § 404 AO, § 52 ZFdG und der Strafprozessordnung; die Zollfahndungsbeamten sind Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft (vgl. § 152 GVG) und zur Anwendung unmittelbaren Zwangs befugt (§§ 6, 9 UZwG). Das Zollkriminalamt koordiniert als Zentralstelle die Ermittlungen der Zollfahndungsämter (§ 3 Abs. 5 ZFdG); es kann strafprozessuale Ermittlungen selbst durchführen (§ 4 Abs. 1 ZFdG) und den Zollfahndungsämtern Weisungen erteilen (§ 25 Abs. 1 ZFdG).

Verfahren

Geleitet wird das Straf- bzw. Bußgeldverfahren von Hauptzollamt (Straf- und Bußgeldstelle; § 386 AO, reine Steuerdelikte) oder Staatsanwaltschaft (vgl. § 402 AO), das Bußgeldverfahren bei Verbringungsverboten ggf. auch von einer anderen Behörde. Die Staatsanwaltschaft kann das Zollfahndungsamt auch dann um die Vornahme von Ermittlungen ersuchen, wenn die verfolgte Steuerstraftat mit einer allgemeinen Straftat tateinheitlich zusammentrifft.[6]

Gefahrenabwehr

Weitere Aufgaben und Befugnisse der Zollfahndung stehen mit der Kernaufgabe der Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten in Zusammenhang. Hierzu gehört die Verhütung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten als Gefahrenabwehr (§§ 4, 5, 39–51 ZFdG), der Eigenschutz sowie der Schutz Dritter und wesentlicher Vermögenswerte (§§ 6, 7, 53–64 ZFdG). Das ZKA hat daneben Aufgaben und Befugnisse als Zentralstelle§ 3, 8–25 ZFdG) und weitere Befugnisse (§§ 71–81 ZFdG), darunter zur Überwachung der Kommunikation ohne Wissen der betroffenen Person (vgl. Gremium nach § 80 ZFdG) und zum Zeugenschutz. Außerdem kann der Zollfahndungsdienst mit steuerlichen Ermittlungen einschließlich Außenprüfungen beauftragt werden (§ 208 Abs. 2 AO).

Kooperation mit der Polizei

Zollfahndung und Polizei arbeiten in gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammen, siehe z. B. Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER, seit 1970), Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe (GFG, seit 1993), Gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigaretten (GEZig, seit 1999).

Organisation

Der Zollfahndungsdienst besteht aus dem Zollkriminalamt und den Zollfahndungsämtern, § 1 S. 1 ZFdG.

Zollkriminalamt

Das Zollkriminalamt hat seinen Sitz in Köln-Dellbrück. Es ist die Zentralstelle für den Zollfahndungsdienst und darüber hinaus eine der Zentralstellen der Zollverwaltung für das Auskunfts- und Nachrichtenwesen, § 2 ZFdG. Gem. § 5a Abs. 1 S. 1, Abs. 2 S. 2 ZFdG übt es die Dienst- und Fachaufsicht über die Zollfahndungsämter aus.

Ihm ist die Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) als Spezialeinheit unterstellt, vergleichbar der GSG 9 der Bundespolizei oder den SEK der Landespolizeien. Das ZKA ist gem. § 3 Abs. 6 Nr. 3 ZFdG zur Unterstützung der Behörden der Zollverwaltung im Rahmen der Gewährung der erforderlichen Einsatzunterstützung verpflichtet, eine Spezialeinheit bereitzuhalten.

Karte der Zollfahndungsämter mit Bezirken und Dienstsitzen (sowie Grenzen der Bundesländer)

Zollfahndungsämter

Standorte

Es bestehen gem. § 12 Abs. 1 FVG, § 2 und Anlage 2[7] der Verwaltungsvorschrift BestBS-HZÄ/ZFÄ[8] acht Zollfahndungsämter[9] mit 30 Außenstellen:[10]

  • Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg (5 Außenstellen: Cottbus, Frankfurt (Oder), Pomellen [MV], Teltow, Eberswalde)
  • Zollfahndungsamt Dresden (2 Außenstellen: Görlitz, Leipzig)
  • Zollfahndungsamt Essen (7 Außenstellen: Aachen, Düsseldorf-Flughafen, Kleve, Köln, Köln-Flughafen, Münster, Nordhorn [NI])
  • Zollfahndungsamt Frankfurt am Main (6 Außenstellen: Frankfurt-Flughafen, Wiesbaden, Kassel, Mainz [RP], Kaiserslautern [RP], Saarbrücken [SL])
  • Zollfahndungsamt Hamburg (3 Außenstellen: Bremerhaven [HB], Kiel [SH], Rostock [MV])
  • Zollfahndungsamt Hannover (3 Außenstellen: Bielefeld [NW], Bremen [HB], Magdeburg [ST])
  • Zollfahndungsamt München (4 Außenstellen: Lindau, München-Flughafen, Nürnberg, Weiden)
  • Zollfahndungsamt Stuttgart (3 Außenstellen: Freiburg i. Br., Karlsruhe, Radolfzell).

Trotz dieser Bezirks- und Sitzbestimmung können die Beschäftigten der Zollfahndungsämter gem. § 3 BestBS-HZÄ/ZFÄ[8] auch außerhalb des zugewiesenen Bezirks Amtshandlungen vornehmen, soweit dies in anderen Vorschriften geregelt.

Für Außenwirtschaftssachen sind schwerpunktmäßig die Zollfahndungsämter Berlin-Brandenburg, Essen, Hamburg und Stuttgart zuständig, für Marktordnungssachen die Zollfahndungsämter Dresden, Frankfurt, Hamburg, Hannover und München.[11]

Sachgebiete

Die Zollfahndungsämter sind (ähnlich wie die Hauptzollämter) in der Regel in folgende Sachgebiete unterteilt.[12][13] Dabei verfügt nicht jeder Standort über alle Sachgebiete. Den Sachgebieten können weitere Arbeitsgebiete unterstehen.

  • Sachgebiet 100: Allgemeine Verwaltung – unterstützende Aufgaben für den Zollfahndungsdienst[13]
  • Sachgebiet 200: Einsatzunterstützung der OEZ, technische Servicedienste sowie Lage- und Informationsdienst[13]
  • Sachgebiet 300: Informationsgewinnung, offene Informationsgewinnung, verdeckte Informationsgewinnung[13]
  • Sachgebiet 400: Ermittlungen in der organisierten Kriminalität, Finanzermittlungen/Zentrale Finanzermittlungsgruppe, Vermögensabschöpfung[13]
  • Sachgebiet 500 – 900: Fachsachgebiete Ermittlungen, z. B. gegen Waffen- oder Drogenschmuggel, Exportverstöße, Artenschutzdelikte oder gefälschte Produkte im großen Stil[13]

Sonstiges

2023 waren in den 8 Zollfahndungsämtern 2.499 Personen tätig.[14]

Als Spezialeinheit für Observation und Zugriff besteht bei jedem Zollfahndungsamt eine Observationseinheit Zoll (OEZ), vergleichbar den Mobilen Einsatzkommandos der Polizei. Entsprechend der ZUZ des ZKA müssen die Zollfahndungsämter gem. § 5 Abs. 3 Nr. 1 ZFdG ebenfalls Spezialeinheiten zur Unterstützung für andere Behörden der Zollverwaltung vorhalten.

Geschichte

Ehemaliges Zollfahndungsamt in Warnemünde

Aufgrund von Erlassen des Reichsfinanzministeriums vom 5. November und vom 24. Dezember 1919 wurden in Finanzämtern mit Landesgrenze Zollgrenzkommissare bestellt, deren 22 Dienststellen mit Erlass vom 24. Februar 1922 Zollfahndungsdienststellen genannt wurden.[15] Gesetzliche Anerkennung erfuhren die Zollfahndungsdienststellen 1939 in § 17 Abs. 4 der Reichsabgabenordnung[16] und 1950 in § 19 des Finanzverwaltungsgesetzes;[17] 1971 erfolgte die Umbenennung in Zollfahndungsämter.[18] 1952 wurde das Zollkriminalinstitut gegründet, das 1986 in § 12 Abs. 4 FVG gesetzliche Anerkennung fand[19] und 1992 zum Zollkriminalamt wurde.[20] In den 1990er-Jahren gab es 21 Zollfahndungsämter (16 West, 5 Ost) mit mindestens 27 Zweigstellen,[21] die ab August 1998 den Zoll- und Verbrauchsteuerabteilungen von nurmehr acht Oberfinanzdirektionen unterstellt waren.[22] 2002 wurde die Zahl auf acht größere Zollfahndungsämter (mit 24 Außenstellen) reduziert, nunmehr dem Zollkriminalamt unterstehend,[23] welches seit 2016 Teil der Generalzolldirektion ist.[24]

Trivia

Die Arbeit eines fiktiven Ermittlerteams des Zollfahndungsamts Hamburg war Thema der ARD-Fernsehserie Schwarz Rot Gold (1982–1996). Auch in der Tatort-Reihe gab es in den ersten Jahren zwei(?) Folgen mit dem Zollfahnder Kressin.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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