Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Internationale Naturschutzorganisation
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Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V. (ZGF) ist eine international tätige Naturschutzorganisation mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Ziel des gemeinnützigen Vereins ist der Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Organisation verfolgt dies mit Naturschutzprojekten in großen Wildnisgebieten.
| Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 (ZGF) | |
|---|---|
| Rechtsform | gemeinnütziger eingetragener Verein |
| Gründung | 1858, Neugründung 1958[1] |
| Sitz | Frankfurt am Main (⊙) |
| Zweck | Naturschutz, Erhaltung von Wildnis und Biodiversität |
| Vorsitz | Klaus Becker |
| Geschäftsführung | Christof Schenck |
| Umsatz | 48.470.000 Euro (2024) |
| Beschäftigte | 1224 (2024) |
| Mitglieder | 3497 (2024) |
| Website | fzs.org |

Geschichte

Trägergesellschaft für den Frankfurter Zoo
Am 7. März 1858 gründeten wohlhabende Frankfurter Bürger die „Frankfurter Zoologische Gesellschaft“, um einen Zoologischen Garten zu errichten. Sie organisierten sich als Aktiengesellschaft, eine damals übliche Rechtsform für bürgerschaftliches Engagement. Zur Gründung hatten 246 Aktionäre Aktien im Wert von insgesamt 80.000 Gulden gezeichnet. Fünf Monate später wurde der Frankfurter Zoo – der zweite Zoo Deutschlands – an der Bockenheimer Landstraße eröffnet.[2][3]
Am 31. Oktober 1872 wurde im Zuge eines notwendigen Umzugs des Zoos die „Neue Zoologische Gesellschaft“ gegründet.[4] 1873 übernahm sie die Trägerschaft des Zoos, der am 29. März 1874 an seinem heutigen Standort an der „Pfingstweide“ eröffnete.[5] Durch ausbleibende Einnahmen während des Ersten Weltkriegs ging die Zoogesellschaft bankrott. Die Trägerschaft des Zoos übernahm ab 1915 die Stadt Frankfurt.[6]
Wiederaufbau und Neuorientierung nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Gedanke einer Fördergesellschaft für den Zoo wieder auf. Ab Mai 1945 organisierte der damalige Zoodirektor Bernhard Grzimek den Wiederaufbau des Zoos und sammelte dafür Spenden. Aus diesen Aktivitäten entstand am 15. Februar 1950 die „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens e. V.“. 1958, hundert Jahre nach der Gründung der ersten Zoologischen Gesellschaft, benannte sich der Verein in „Zoologische Gesellschaft von 1858 Frankfurt a. M.“ um.[7]
Wandel zur Naturschutzorganisation
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Rolle vieler zoologischer Gärten von der reinen Tierschau hin zur Erhaltungszucht bedrohter Tierarten. Bernhard Grzimek wird dabei in Deutschland eine prägende Rolle zugeschrieben.[8] Er reiste ab 1951 zunächst nach Afrika, um Tiere für den Frankfurter Zoo zu beschaffen; im Laufe dieser Aufenthalte rückte jedoch zunehmend der Schutz freilebender Wildtierpopulationen in den Mittelpunkt seiner Arbeit.[9] In der Folge sah auch die ZGF einen neuen Arbeitsschwerpunkt im Naturschutz.
In der Fernsehreihe Ein Platz für Tiere vermittelte Bernhard Grzimek ab 1956 einem breiten Publikum die Bedeutung des Natur- und Artenschutzes und warb am Ende der Sendungen um Spenden.[10] Die so eingeworbenen Gelder trugen zur Finanzierung der Naturschutzarbeit der ZGF bei. 1959 drehte Bernhard Grzimek in Tansania den Dokumentarfilm Serengeti darf nicht sterben. Während der Dreharbeiten verunglückte sein Sohn Michael Grzimek tödlich. Grzimek führte die Arbeiten dennoch zu Ende; der Film erhielt 1960 den Oscar als bester Dokumentarfilm.[10]
Nach dem Unfalltod von Michael Grzimek richtete die ZGF 1960 einen Gedächtnisfonds für ihn ein. 1962 entstand daraus das Spendenkonto „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“.[11] In den folgenden Jahren initiierte Bernhard Grzimek mehrere Kampagnen gegen Umweltzerstörung und Tierquälerei, darunter 1966 eine Protestkampagne gegen die kommerzielle Robbenjagd in Kanada.[12]
1967 gehörte die ZGF zu den Mitgründern des „Zweckverbands zur Förderung des Projektes Nationalpark Bayerischer Wald“, aus dem Deutschlands erster Nationalpark hervorging.[13] 1974 wurde Naturschutz als eigenständiges Ziel in der Satzung festgeschrieben.[14]
Nach dem Tod von Bernhard Grzimek 1987 übernahm sein bisheriger Stellvertreter Richard Faust als geschäftsführender Präsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.[15]
Entwicklung seit 2000
Im Jahr 2000 übernahm der Biologe Christof Schenck die ZGF-Geschäftsführung.[16]
Um die Arten- und Naturschutzprojekte der ZGF auf eine dauerhafte finanzielle Basis zu stellen, wurde 2001 die Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt gegründet. Das ursprüngliche Stiftungskapital von rund 33 Millionen Euro stammt aus dem gleichnamigen Spendenkonto; damit gehört sie zu den größten Naturschutzstiftungen Europas.[17]
2007 wurde die gemeinnützige Organisation „Frankfurt Zoological Society US“ gegründet, die ihren Sitz in Washington, DC hat.[18]
2022 unterzeichnete die ZGF die „Frankfurter Erklärung“, die gemeinsam mit anderen Organisationen Forderungen für den Weltnaturgipfel 2022 in Kanada formulierte. Eine der Forderungen war, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter wirksamen Schutz zu stellen.[19]
Aufgaben und Organisation
Zweck des Vereins ist der Erhalt der biologischen Vielfalt.[20] In der Satzung wird die Aufgabenstellung wie folgt beschrieben:
„[Die Gesellschaft] unterstützt die Erhaltung der biologischen Vielfalt weltweit und fördert somit den Tier- und Naturschutz. Dies erfolgt insbesondere durch den Schutz von Wildtieren in ihren Lebensräumen und durch den Schutz von Ökosystemen, wie zum Beispiel herausragende Wildnisregionen in aller Welt, auch in Schutzgebieten.“
Als weitere Aufgabe nennt die Satzung die Unterstützung des Zoo Frankfurt bei der Umweltbildung sowie bei dessen Aufgaben im Bereich Naturschutz.[20]
Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung und ein ehrenamtlicher Vorstand, der aus bis zu acht Personen besteht. Der vom Vorstand berufene Geschäftsführer des Vereins ist seit 2000 der Biologe Christof Schenck.[21]
Die ZGF beschäftigt nach eigenen Angaben 1.224 Mitarbeiter, davon 66 am Standort Frankfurt. In 14 Ländern unterhält sie nationale Programmbüros (Stand 2024).[21] In einigen ist die Gesellschaft auch als gemeinnützige nationale Organisation registriert.[21]
Der Verein ist Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Netzwerken. Dazu zählen der Deutsche Naturschutzring (DNR)[22], die International Union for Conservation of Nature (IUCN)[23] und BioFrankfurt.[24] Zudem ist die ZGF Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[25]
Gemeinsam mit Institutionen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität initiierte die Gesellschaft das Frankfurt Conservation Center (FCC).[26]
Finanzierung
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt finanziert ihre Arbeit überwiegend durch Drittmittel, Spenden und Erträge der gegründeten Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“.[27] Einzelne von der ZGF betreute Schutzgebiete, darunter der Chiribiquete-Nationalpark in Kolumbien, werden durch den Legacy Landscapes Fund (LLF) langfristig gefördert.[28] Unterstützung für Projekte erhält auch die ZGF auch vom Zoo Frankfurt, der über den Naturschutz-Euro, eine freiwillige zweckgebundene Spende, zusätzliche Mittel generiert.[29]
Projektarbeit
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt betreibt Naturschutzprojekte in 18 Ländern (Stand 2024) in Afrika, Südamerika, Europa und Asien.[30]



Afrika
In Tansania begann die Naturschutzarbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt 1957 mit Tierzählungen von Bernhard und Michael Grzimek im Serengeti-Nationalpark.[31] Neben der Serengeti betreibt die ZGF Programme im Selous-Wildreservat, im Nyerere-Nationalpark und im Mahale-Mountains-Nationalpark, jeweils in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Tanzania National Parks.[32][33][34]
In Sambia arbeitet die Organisation im Nordluangwa-Nationalpark und siedelt dort seit 2003 das Spitzmaulnashorn wieder an, das durch Wilderei und Jagd ausgerottet worden war.[35]
In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) unterstützt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Schutz der vom Aussterben bedrohten Berggorillas im Virunga-Nationalpark[36] sowie den Lomami-Nationalpark[37].
In Simbabwe leitet die ZGF seit 2007 gemeinsam mit der staatlichen Naturschutzbehörde den Gonarezhou-Nationalpark.[38]
Asien
In Indonesien betreibt die ZGF im Gebiet Bukit Tigapuluh ein Schutzprogramm für Sumatra-Orang-Utans. Die Tiere werden in einer Dschungel-Schule auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet und anschließend ausgewildert, um eine neue Population aufzubauen.[39]
In Vietnam unterstützt sie den Kon-Ka-Kinh-Nationalpark und das angrenzende Kon-Chu-Rang-Naturreservat im zentralvietnamesischen Hochland. Dort fördert sie unter anderem Rangerpatrouillen, Wildtiermonitoring und die Entwicklung von Schutzgebieten.[40]
Südamerika
In Südamerika setzt sich die ZGF für den Schutz von Regenwäldern im Amazonasgebiet ein.[41]
In Peru arbeitet die ZGF im Manú-Nationalpark sowie in weiteren Schutzgebieten, darunter Bahuaja Sonene, Alto Purús und Yaguas.[42][43][44][45] Dort erforscht sie Wildtierpopulationen, führt Monitorings durch und arbeitet mit lokalen Gemeinschaften zusammen.[41]
In verschiedenen Ländern der Region untersucht die ZGF die ökologischen Folgen des illegalen Goldabbaus.[46]
Europa
Kasachstan
In Kasachstan beteiligt sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt in der Altyn Dala Conservation Initiative. Das internationale Gemeinschaftsprojekt setzt sich für den Schutz der einzigartigen Grasländer Kasachstans und ihrer Schlüsselarten ein. Ziel der Initiative ist es, ein Netzwerk geschützter Graslandschaften in Zentralkasachstan aufzubauen. Besonders die Saiga-Antilopen der Betpak-Dala-Population stehen im Fokus, da sie eine zentrale Rolle im Ökosystem der Steppen und Halbwüsten spielen. Projektpartner in Kasachstan sind unter anderem die Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK) und die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB).[47]
Wildnis in Deutschland
In Deutschland sichert die Zoologische Gesellschaft Frankfurt Wildnisgebiete durch Flächenkauf und unterstützt ihre Unterschutzstellung in geeigneten Schutzgebietskategorien (beispielsweise Nationalpark). Zudem wird die öffentliche und fachliche Wildnisdebatte gefördert und durch Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Projektpartner sind beispielsweise die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg sowie die Naturstiftung David.[48]
Mit Mitteln des BMU und BfN koordinierte die Zoologische Gesellschaft von 2015 bis 17 das Projekt Wildniskommunikation in Deutschland als Initiative der DNR-Strategiegruppe Naturschutzflächen. Ziel war es, eine höhere Akzeptanz für Wildnisgebiete in der dicht besiedelten Bundesrepublik zu schaffen. Mehrere große Naturschutzakteure in Deutschland waren Projektpartner.[49] Die Organisation fördert zudem konkrete Schutzgebiete, darunter die Buchenwälder in der Hohen Schrecke in Thüringen,[50] Flächen ehemaliger Truppenübungsplätze wie die Lieberoser Heide[51] sowie ein Projekt zur Entwicklung eines Naturwaldes im Wispertaunus.[52]
Polesien
Polesien ist mit 180.000 Quadratkilometern Europas größtes Wildnisgebiet. Das Herzstück der Polesie ist der gut 650 Kilometer lange Fluss Prypiat. Durch den Ausbau als Teil der Wasserstraße E40 mit Vertiefung des Flussbetts, Flussbegradigungen und die Errichtung von Deichen und Dämmen würde sich das Überschwemmungsregime extrem verändern und mehrere Altwasserarme zerstört werden. Seit 2015 ist die ZGF in der Region Mittlerer Prypiat mit Partnern vor Ort aktiv. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Artenbestand liefern die Grundlage dafür, ein Schutzkonzept für diesen Lebensraum zu entwickeln.
Kontroversen
Die ZGF steht in der Kritik für ihre Beteiligung an umstrittenen Naturschutzprojekten in Tansania. Insbesondere wird der Organisation vorgeworfen, die Vertreibung von Massai-Gemeinschaften aus ihren angestammten Gebieten zu unterstützen, etwa im Serengeti-Nationalpark und in Loliondo.[53][54] Zwischen 2009 und 2022 gab es mehrere Vertreibungsversuche in Loliondo, bei denen Häuser niedergebrannt und Vieh beschlagnahmt wurde.[55]
Menschenrechtsorganisationen kritisieren den von der ZGF verfolgten Ansatz des Fortress Conservation als kolonial und rassistisch, da er indigene Völker als Hindernis für den Naturschutz betrachte.[56][53] Der langjährige ZGF-Direktor Bernhard Grzimek äußerte sich bereits 1959 in seinem Film Serengeti darf nicht sterben kritisch über die Massai und befürwortete ihre Vertreibung aus dem Nationalpark.[53]
Die ZGF hat sich für frühere Vertreibungen unter Grzimek bisher nicht offiziell entschuldigt. Ein Massai-Ältester, der als Kind aus der Serengeti vertrieben wurde, bezeichnete die ZGF als „Feind Nummer eins der Massai“. Trotz jüngster Verurteilungen der Gewalt in Loliondo durch die ZGF kritisieren Menschenrechtsorganisationen, dass die Organisation ihre Verantwortung für den Konflikt nicht ausreichend anerkenne.[53]
Die ZGF wird auch für ihre enge Zusammenarbeit mit der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA kritisiert, die als „paramilitärische Organisation“ beschrieben wird und an Vertreibungen beteiligt war. Laut ihren Geschäftsberichten stattet die ZGF die TANAPA-Ranger mit Fahrzeugen, Flugzeugen und Ausrüstung aus und finanziert deren Trainings, Verpflegung und Unterkünfte. Seit 2015 hat die ZGF TANAPA nach eigenen Angaben mit rund 18,6 Millionen Euro unterstützt.[54][57]
Kritiker bemängeln auch die personellen Verflechtungen zwischen der ZGF und TANAPA. Sowohl der aktuelle als auch der ehemalige Tansania-Direktor der ZGF arbeiteten zuvor für TANAPA.[57] Zudem wird die ZGF für die Förderung von Wildtiertourismus kritisiert, der als Bedrohung für die Rechte der Massai gesehen wird.[53]
Die ZGF erhält für ihre Projekte auch Steuergelder. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die ZGF seit 2012 mit insgesamt 9,37 Millionen Euro.[57]