Zoya Phan

burmesische Aktivistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Zoya Phan (birmanisch ဇိုယာဖန်း - joyarhpaann, geb. 27. Oktober 1980, Manerplaw, Socialist Republic of the Union of Burma) ist eine politische Aktivistin in Myanmar. Sie lebt im Vereinigten Königreich und ist die Campaign Manager der Menschenrechtsorganisation Burma Campaign UK. Während der Militärherrschaft in Myanmar kritisierte sie die Regierung scharf und forderte wiederholt demokratische Reformen sowie Wirtschaftssanktionen seitens Großbritanniens und der Vereinten Nationen. Nach den politischen Veränderungen im Land ab 2011 setzt sie ihren Kampf für internationale Maßnahmen zur Beendigung der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen fort, insbesondere der Vergewaltigung und sexuellen Gewalt gegen Frauen aus ethnischen Minderheiten durch die burmesische Armee.

Zoya Phan, 2010.
Zoya Phan, 2010.

Im April 2009 veröffentlichte sie in Großbritannien ihre Autobiografie „Little Daughter“, welche auch im Mai 2010 in den Vereinigten Staaten unter dem Titel „Undaunted“ erschien.[1][2][3]

Leben

Jugend

Zoya Phan wurde am 27. Oktober 1980 in Manerplaw geboren, damals dem Hauptquartier der Karen National Union (KNU). Sie ist das zweite von drei leiblichen Kindern ihrer Eltern. Ihr Vater war Padoh Mahn Sha Lar Phan, Generalsekretär der KNU, und ihre Mutter Nant Kyin Shwe, eine ehemalige Soldatin der KNU. Den Namen Zoya verdankt sie ihrem Vater, der sie nach der russischen Kriegsheldin des Zweiten Weltkrieges, Zoya Kosmodemyanskaya benannte. Er sagte, er sehe mehrere Parallelen zwischen dem sowjetischen Kampf gegen die Nazis und dem andauernden Konflikt der Karen mit der burmesischen Regierung. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie größtenteils im Karen-Dorf Per He Lu, etwa eine Stunde Fußweg vom KNU-Hauptquartier in Manerplaw entfernt. Ab ihrem sechsten Lebensjahr hielt sie sich vermehrt in Manerplaw auf, wo sie erstmals mit den Kämpfen in Burma in Berührung kam, da Landminenopfer häufig im dortigen Krankenhaus behandelt wurden.[4]

Als Zoya 14 Jahre alt war, griff die burmesische Armee Manerplaw und Per He Lu an und zwang sie und ihre Familie zur Flucht nach Mae Ra Moe, einem Flüchtlingslager direkt hinter der Grenze in Thailand. 1996 gelang es ihnen, nach Myanmar zurückzukehren und sich in einem Karen-Dorf namens Ther Waw Thaw (Das Neue Dorf) niederzulassen.[4] Mitten im Schuljahr erkrankte sie lebensbedrohlich an einer unbekannten Krankheit und erholte sich erst nach wochenlanger Infusionstherapie. Im März 1997 wurde das Dorf erneut von der burmesischen Armee angegriffen, und sie und ihre Familie flohen über die Grenze in ein anderes Flüchtlingslager namens Noh Poe, in der Nähe eines thailändisch-karenischen Dorfes. Nach zehn Monaten erreichten Zoya und ihre ältere Schwester Nant Bwa Bwa Phan Mae Sot in Thailand, wo sie drei Monate verbrachten. Sie hofften auf eine Chance, in Australien zu studieren, doch als sich dieser Traum zerschlug, beschlossen sie, ihre Schulausbildung in einem anderen Flüchtlingslager, Mae La, fortzusetzen.[4] 1999 legten Zoya und Bwa Bwa die Aufnahmeprüfung des Open Society Institute (OSI) ab, um ein Universitätsstipendium zu erhalten. Beide bestanden die Prüfung auf Anhieb, doch es gab nur einen Studienplatz für Bwa Bwa, die an der Universität Bangkok (Mh̄āwithyālạy krungtheph) studierte. Zoya musste die Prüfung im folgenden Jahr wiederholen. Während der Wartezeit erkrankte sie an zerebraler Malaria und schwebte erneut in Lebensgefahr. Im Jahr 2000 legte sie die OSI-Prüfung erneut ab und erhielt ein OSI-Stipendium sowie ein Stipendium von Prospect Burma, wodurch sie die Möglichkeit bekam, gemeinsam mit ihrer Schwester in Bangkok zu studieren.[4]

Universität Bangkok

An der Universität Bangkok schrieb sich Zoya für den Studiengang Betriebswirtschaftslehre ein, da dies der einzige Studiengang war, den ihr Stipendium ihr ermöglichte. Zoya und ihre Schwester besaßen keine Papiere und mussten sich, wie andere Studierende aus Myanmar, unauffällig verhalten, um nicht von der thailändischen Polizei überwacht zu werden. In ihrem zweiten Studienjahr halfen sie und Bwa Bwa heimlich beim Aufbau einer Selbsthilfegruppe für andere Karen-Studierende und sammelten Geld, um einem Studierenden in einem der Flüchtlingslager einen Preis zu überreichen. In ihrem dritten Studienjahr absolvierte Zoya ein dreimonatiges Praktikum in der Verbraucherabteilung von Telecoms Asia und erhielt nach ihrem Abschluss eine Festanstellung. Nach drei Jahren schloss sie ihr Studium mit einem Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre ab.[4] Nach ihrer Rückkehr in die Flüchtlingslager überquerten sie und einige andere Karen-Studierende ihrer Organisation illegal die Grenze nach Papun, um den Preis persönlich an den Gewinner zu übergeben und die Situation der Karen in Myanmar zu dokumentieren. Kurz nach ihrer Rückkehr überlegte Zoya, das Angebot von Telecoms Asia anzunehmen, entschied sich aber schließlich für ein Stipendium für ein Studium in Großbritannien mit ihrer Schwester, während ihr jüngerer Bruder Slone in Kanada studierte. Vor ihrer Abreise nahm ihr Vater zwei burmesische Kindersoldaten auf, die ihn und Zoya töten sollten; obwohl der Anschlag misslang, war es das erste Mal, dass die burmesische Regierung sie gezielt ins Visier genommen hatte. Ihre Mutter starb einige Wochen später, und Zoya überlegte, bei ihrem Vater zu bleiben, um ihm beizustehen; er bestand jedoch darauf, dass sie ging.[4]

Aktivismus

Als Zoya noch ein Teenager war, benutzte ihr Vater häufig ihren Namen als Pseudonym für seine Schriften – etwas, das sie erst viele Jahre später erfuhr. Sie erlebte ihren Vater zum ersten Mal sprechen, als ihre Familie in Ther Waw Thaw lebte, was sie dazu inspirierte, selbst Aktivistin zu werden. Nach ihrer Einreise nach Großbritannien im Jahr 2005 begann sie, sich ehrenamtlich bei der Burma Campaign UK zu engagieren. Sie nahm in traditioneller Karen-Tracht an einer Kundgebung teil und wurde spontan gebeten, die Moderation (master of ceremonies) zu übernehmen. Sie sagte zu, und kurz darauf wurde sie zu einem Interview mit der BBC eingeladen und entwickelte sich schnell zu einer gefragten Rednerin zu Themen rund um Myanmar und die Beziehungen zwischen Myanmar und Großbritannien.

Zoya beschuldigte die vom Militär geführte burmesische Regierung des Einsatzes von Kindersoldaten und gewaltsamer Repression, darunter Folter, ethnische Säuberungen, religiöse Diskriminierung und die Tötung politischer Gegner und Demonstranten.[4][5] Dies habe insbesondere die Karen, eine ethnische Minderheit, die zu etwa 40 % christlich und zu 20 % animistisch ist, im überwiegend buddhistischen Myanmar schwer getroffen. Darüber hinaus warf sie der burmesischen Regierung extreme Korruption vor und erklärte, die Führung der Militärjunta habe die Wirtschaft absichtlich zum eigenen Vorteil schlecht verwaltet.[4][5] Sie forderte sowohl die Vereinten Nationen als auch die britische Regierung auf, Wirtschaftssanktionen gegen Myanmar zu verhängen und alle Waffengeschäfte mit der Regierung einzustellen. 2010 kritisierte sie die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die burmesischen Wahlen scharf. Diese habe sich ihrer Meinung nach zu sehr auf geringfügige Veränderungen konzentriert und dabei ignoriert, dass deren Auswirkungen minimal seien und nicht zu einer signifikanten Zunahme der Freiheit führen würden.[6] Während Aung San Suu Kyi unter Hausarrests stand, forderte Zoya die Vereinten Nationen und die ASEAN-Regierungskommission für Menschenrechte wiederholt auf, sich für ihre Freilassung einzusetzen.[7]

2007 sprach sie auf einem Parteitag der Konservativen und forderte die britische Regierung auf, den Handel mit Myanmar einzustellen. Sie äußerte ihren Unmut über die anhaltende Untätigkeit der britischen Regierung gegenüber Myanmar, selbst angesichts der dortigen Menschenrechtsverletzungen. Zudem kritisierte sie die Vereinten Nationen scharf dafür, dass diese kein Waffenembargo gegen Myanmar verhängt hatten, nachdem Russland und China einen entsprechenden Antrag im Sicherheitsrat blockiert hatten. Später traf sie sich mit dem damaligen britischen Premierminister Gordon Brown, um ihn zur Verhängung eines Handelsembargos gegen Myanmar zu bewegen.[5]

Im Jahr 2008 warf sie der burmesischen Regierung vor, den Zyklon Nargis für ethnische Säuberungen missbraucht zu haben. Sie erklärte, dass die fehlende Warnung der Regierung vor dem drohenden Zyklon und die Verweigerung ausländischer Hilfe für medizinische Versorgung und Wiederaufbau zu Tausenden unnötigen Todesfällen geführt hätten.[8] Darüber hinaus kritisierte sie westliche Regierungen, insbesondere Großbritannien, scharf dafür, dass sie nicht weiter Druck ausübten, nachdem Burma zugestimmt hatte, Hilfskräfte in kleinere Gebiete des Landes zu lassen. Sie warf ihnen vor, nicht genug getan zu haben, um die burmesische Regierung für ihre unzureichende Reaktion auf den Zyklon zur Rechenschaft zu ziehen. Sie wies darauf hin, dass die Junta dem internationalen Druck bereits nachgegeben habe, indem sie überhaupt Helfer ins Land gelassen habe, und sagte, die internationale Gemeinschaft hätte stärker drängen müssen. Dies hätte die Junta gezwungen, mehr lebenswichtige Hilfe zuzulassen. Letztendlich sei die internationale Reaktion paradigmatisch für die jahrzehntelange Untätigkeit gegenüber politischen und Menschenrechtsverletzungen in Burma gewesen.[4][8][9]

Im Mai 2011 sprach sie beim Oslo Freedom Forum. Sie erklärte, dass die Reformbehauptungen der burmesischen Regierung lediglich kosmetischer Natur seien und sich in Myanmar nichts wirklich verändert habe. Sie forderte die UN zudem auf, die burmesische Regierung anhand ihrer Taten und nicht anhand ihrer offiziellen Erklärungen zu beurteilen.[10] Im März 2012 sprach sie auf dem Vierten Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie (Durban Review Conference) und bekräftigte ihre Position, dass die Reformen der burmesischen Regierung unzureichend seien und internationaler Druck sowie Sanktionen weiterhin notwendig seien.[11] Nachdem Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie im April desselben Jahres 40 von 45 Parlamentssitzen gewonnen hatte, mahnte Zoya zur Vorsicht und bekräftigte Suu Kyis Aussage, dass dies bei Weitem nicht der vollständige Übergang zur Demokratie sei, sondern erst der Anfang des Prozesses. Sie erklärte außerdem, dass die Angriffe auf Minderheiten in Myanmar trotz der Zusicherungen von Thein Sein, dass Reformen stattfinden würden, immer häufiger vorkämen, was die Notwendigkeit zur Vorsicht noch verstärkte.[12]

Neben ihrer Tätigkeit für Burma Campaign UK ist Zoya Koordinatorin des European Karen Network (Europäisches Karen-Netzwerk), Sekretärin der Karen Community Association (UK) und Vorstandsmitglied des Österreichischen Burma-Zentrums (Austrian Burma Centre).[13][14]

In einem Artikel, der 2015 in der britischen Zeitung The Independent erschien, nachdem die NLD in Myanmar die Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewonnen hatte, warnte sie davor, dass der Kampf für die Menschenrechte in dem Land noch nicht beendet sei.[15]

Little Daughter

In Reden und Interviews spricht Zoya häufig über ihre Erfahrungen, um die Zustände in Myanmar zu beschreiben. 2009 veröffentlichte sie gemeinsam mit Damien Lewis ihre Autobiografie „Little Daughter: a Memoir of Survival in Burma and the West.“[1][2] Im Mai 2010 wurde diese in den Vereinigten Staaten unter dem Titel Undaunted: My Struggle for Freedom and Survival in Burma veröffentlicht. Sie erklärte, Ziel ihres Buches sei es, ihre Geschichte als Karen in Myanmar zu erzählen und die internationale Aufmerksamkeit auf die anhaltenden Kämpfe und Menschenrechtsverletzungen in Myanmar, insbesondere im Osten des Landes, zu lenken, die ihrer Meinung nach nicht genügend Beachtung finden. Am Ende des Buches äußert sie zudem ihre tiefe Skepsis gegenüber den bevorstehenden Wahlen und kritisiert die Vereinten Nationen sowie Regierungen, die an echte Reformen glauben. Sie behauptet, die Situation in Myanmar sei genau dieselbe wie zu dem Zeitpunkt ihrer Flucht, und nur Druck und Sanktionen anderer Länder könnten die notwendigen Reformen zur Schaffung einer Demokratie in Myanmar herbeiführen.[4] Das Buch erhielt positive Rezensionen von Zeitungen wie The Globe and Mail und The Independent.[1][2]

Persönliches

Da Zoya mit einem gefälschten Pass nach Großbritannien eingereist war, drohte ihr die Abschiebung. Sie durfte jedoch bleiben, während sie Asyl beantragte. Zwei Jahre nach ihrem ersten Antrag, nachdem sie im August 2007 eine gerichtliche Überprüfung beantragt hatte, wurde ihr Asylantrag von der britischen Regierung bewilligt. Nach ihren ersten Reden für die Burma Campaign UK wurde eine Funkübertragung abgefangen, die eine Todesliste der burmesischen Regierung mit ihrem Namen enthielt.[4] Am 14. Februar 2008, kurz vor ihrem Masterabschluss an der University of East Anglia, wurde Zoyas Vater von Agenten der burmesischen Junta ermordet. Obwohl ihr Name noch immer auf der Todesliste der burmesischen Regierung stand, beschlossen sie und ihre Familie, an seiner Beerdigung in They Bey Hta, im Kayin-Staat in Myanmar, teilzunehmen.[16] Anschließend gründeten Zoya und ihre verbliebene Familie die Phan Foundation, die sich dem Kampf gegen Armut, der Förderung von Bildung und Menschenrechten sowie dem Schutz der Kultur der Karen in Myanmar widmet.[17] Sie erwarb ihren Master-Abschluss in Politik und Entwicklung an der University of East Anglia im Mai 2008.[18] Sie wohnt in London.[19]

Zoya hat zwei Brüder und eine Schwester. Ihr älterer Bruder Say Say wurde von ihren Eltern adoptiert, als sie vier Monate alt war, und ihr jüngerer Bruder Slone Phan wurde geboren, als sie zwei Jahre alt war. Ihre ältere Schwester Nant Bwa Bwa Phan ist die britische Vertreterin der Karen National Union. Slone lebt in Manitoba, Kanada, wo er an der University of Manitoba studierte und sich im Manitoba Interfaith Immigration Council engagierte, einer Organisation, die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Manitoba unterstützt.[20][21]

Ehrungen

2009 wurde Zoya eine TED Fellow[22] und im März 2010 wurde sie vom Weltwirtschaftsforum (WEF) alsYoung Global Leader ausgezeichnet.[23]

Einzelnachweise

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