Zürcher Ziegeleien
ehemalige Schweizer Unternehmensgruppe, heute Conzzeta
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Die Zürcher Ziegeleien AG mit Sitz in Regensdorf ist ein Hersteller von Tonbaustoffen. Das Unternehmen mit Werken in Laufen BL und Istighofen TG produziert Dachziegel, Backsteine, Fassadenziegel und Photovoltaikmodule.
| Zürcher Ziegeleien AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1865 |
| Sitz | Regensdorf, |
| Leitung | Michael Fritsche (Geschäftsführung) |
| Branche | Baustoffe |
| Website | www.zz-ag.ch |
Geschichte

Anfänge
Als günstig für die Entwicklung der Ziegelindustrie in der Stadt Zürich erwiesen sich die geologischen Bedingungen. An den Hängen des Üetlibergs sind ausgedehnte Lehmvorkommen zu finden.[1] Die erste mechanische Backsteinfabrik entstand 1850 im Albishof in Wiedikon. Diese wurde ab 1866 unter dem Namen Ziegelei Albishof AG geführt. 1892 errichtete die Firma ein zweites modernes Werk im Giesshübel. 1861 entstand in der Binz die Mechanische Backsteinfabrik in Zürich, ursprünglich eine Kollektivgesellschaft, die 1865 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Damit wurde der Grundstein für die späteren Zürcher Ziegeleien gelegt. Die Firma erstellte 1875 im Tiergarten ein weiteres Werk, das sein Rohmaterial aus der dortigen Grube bezog. Die Mechanische Backsteinfabrik galt mit ihren beiden Werken als die grösste Ziegelei der Schweiz.[2]
Zur gleichen Zeit wurde im Heuried eine neue mechanische Ziegelei gebaut, die im Jahr 1876 an die neugegründete Dampfziegelei Heurieth AG überging. Der für die Herstellung der Falzziegel benötigte rote Ton wurde aus entfernteren Gruben (Herdern, Sihlfeld) herangeschafft; die Ziegelei im Tiergarten verfügte deshalb ab 1899 als erste über einen eigenen Bahnanschluss. Zusätzlich wurde 1871 die Tonwarenfabrik Bodmer gegründet, die sich jedoch auf feinere Keramik wie beispielsweise Terrakotten spezialisierte.[3]
Zusammenschluss
Die zürcherischen Ziegeleien befanden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer schwierigen Situation. Das vorläufige Ende des Baubooms hinterliess Spuren bei den Fabrikanten, Überproduktion und sinkende Preise waren die Folge.[4] Ähnlich wie bei anderen Zusammenschlüssen in der Ostschweiz wurde 1903 die Genossenschaft Zürcherischer Ziegeleibesitzer gegründet. Die Genossenschaft organisierte eine strenge Marktaufteilung. Die Zürcher Unternehmen und die Mechanische Ziegelfabrik Wettswil, damals noch ein bedeutender Konkurrent, gingen noch einen Schritt weiter und richteten 1908 ein gemeinsames Verkaufsbüro ein. Dessen Name: Zürcher Ziegeleien.
Dieses Zusammenwirken war nur der erste Schritt einer engeren Zusammenarbeit. Eine weitere Rationalisierung der Betriebe konnte nur über eine Konzentration der stadtzürcherischen Werke erreicht werden. Die Initiative dazu ging von der Dampfziegelei Heurieth aus, in deren Verwaltungsrat zwei bedeutende Vertreter der ostschweizerischen Ziegelindustrie sassen: Die Brüder Ernst und Jacob Schmidheiny II von Heerbrugg. 1905 hatten die Brüder eine Ziegelei von ihrem Vater Jacob I. in zweiter Generation geerbt. Dieser eigene Betrieb mit seinen Werken in Heerbrugg, Bruggwald bei St. Gallen, Istighofen und Oberriet hatte in jener Zeit der stagnierenden Bautätigkeit mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Brüder kamen zum Schluss, dass eine Gesundung des Betriebes nur in Übereinstimmung mit den konkurrierenden Firmen, die genauso unter der Krise zu leiden hatten, und nicht im Kampf mit ihnen zu erreichen war. Selbst eine Kartellisierung des Marktes war im Gespräch.
Bereits seit 1906 waren beide im Verwaltungsrat der Dampfziegelei Heurieth vertreten, die sich im Jahr darauf mit der Ziegelfabrik Albishof zur Ziegeleien Albishof-Heurieth zusammentat. Das Jahr 1912 brachte den Zusammenschluss mit der Mechanischen Backsteinfabrik Zürich zu der neuen Firma Zürcher Ziegeleien.[5] Im Gründungsprotokoll ist dazu zu lesen:
„Unter dieser Firma wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, die sich mit dem Verkauf der Erzeugnisse der Firmen Züricher Ziegeleien (Zürich), denen die Werke Albishof, Gießhübel, Binz, Thiergarten, Heuriet und Wettswil angeschlossen sind, und Keller & Cie. (Pfungen) mit den Fabriken Pfungen, Neftenbach, Dättnau, Hegi und Schloß Teufen, sowie der gepachteten Fabrik Dynhard befaßt. Das Aktienkapital beträgt 500'000 Fr., wovon bis jetzt 20 v. H. eingezahlt sind. Der Verwaltungsrat besteht aus den Herren Oberst Keller (Vorsitzender), Ernst Schmidheiny, Hermann Keller-Malzacher, Vogel-Pfungen und Direktor Vogt. Delegierter des Verwaltungsrates ist Hermann Keller, Direktor Herr Rauber (ehemals Zürcher Ziegeleien), der mit Herrn Müller kollektiv für die Gesellschaft zeichnet. Vorsitzender und Delegierter führen Einzelunterschrift.“

Von Anfang an war Ernst Schmidheiny Delegierter und im Präsidium und wurde in diesen Funktionen 1925 von seinem Bruder Jacob II. abgelöst. Trotz der Wettbewerbssituation – die Familiendynastie Schmidheiny hatte noch immer ihre eigene Ziegelproduktion – betonte ihr damaliger Präsident Hermann Keller-Malzacher in der Generalversammlung, bei der Jacob als Delegierter gewählt wurde, dass «Jacob Schmidheiny zwar einer unserer grössten Konkurrenten [sei, aber] ein sehr freundschaftliches Verhältnis zwischen den Zürcher Ziegeleien und der Firma Schmidheiny [bestehe]. … [Er] sei ein gründlicher Kenner des Syndikatwesens, was bei späteren Verhandlungen sehr vorteilhaft ist.»[7.1] Bereits ein Jahr später, mit dem Tod Keller-Malzachers, wurde Jacob II. sein Nachfolger und führte dieses Amt bis zu seinem Tode 1955 aus.
Konsolidierung in der Zwischenkriegszeit

Unter der Leitung von Jacob Schmidheiny II. erwuchs aus der Firma einer der grössten Ziegelproduzenten der Schweiz, und dies trotz der Widrigkeiten, die das in den 1920er- und 30er-Jahren aufkommende Neue Bauen bescherte: Zum einen wurden immer mehr Häuser mit Flachdach errichtet, zum anderen setzte der «Baustoff des 20. Jahrhunderts», der Beton, neue Massstäbe. Als eine Gegenmassnahme wurde konsequente Rationalisierung betrieben, die auch die Schliessung einzelner Fabriken oder die Spezialisierung anderer Fabriken mit einschloss. Des Weiteren kamen immer neue Produkte der Ziegelindustrie auf den Markt, die der Anpassung des Marktes Rechnung trugen. Zu diesen Produkten zählten der Pfeifer-Deckenhohlstein (Patent bereits 1913)[8] und der Schmidheiny-Stein oder auch Isolierstein (Patent 1926). In den 1930er-Jahren folgten die porösen säg- und nagelbaren Zell-Ton-Steine[9] und der Stahlton-Sturz.[10]
In den 1930er-Jahren gingen die Tonlager, die hauseigene Rohstoffquelle aller Ziegeleien, zur Neige, was auch damit zusammenhing, dass im Stadtgebiet Zürich mehr und mehr Siedlungsfläche benötigt wurde. Aus dieser Notwendigkeit wurde die Tongrube Schinznach erworben, die damals als «nahezu unerschöpflich» galt.[7.2] Zu den Problemen in dieser Zeit kamen die schwache Konjunktur während der Weltwirtschaftskrise sowie am Ende der Dekade der Zweite Weltkrieg. Die Rationalisierung des Betriebes wurde mit der vollständigen Verschmelzung der Ostschweizer Ziegeleien mit den Zürcher Ziegeleien weiter vorangetrieben. Bis 1941 wurden die Ostschweizer Betriebe mit den Werken Istighofen, Bruggwald, Oberriet und dem Stammwerk Heerbrugg vollständig in die Zürcher Ziegeleien eingegliedert. Damit wurde die Produktionsbasis des Unternehmens stark verbreitert und die Möglichkeit einer vorteilhaften Spezialisierung der Einzelwerke geschaffen.[11]
Diversifizierung und Modernisierung

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Nachfrage auf dem Baumarkt in bis dahin unbekanntem Ausmass an. Die Zürcher Ziegeleien nutzten diese Phase anhaltend guter Konjunktur, um ihr Geschäft zu diversifizieren und die Produktionsanlagen zu modernisieren. Mit der Diversifizierung in angrenzenden Gebieten der Baumaterialproduktion weitete das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit aus. Unter Beibehaltung der Backstein- und Ziegelfabrikation wurden unter anderem Beteiligungen an Firmen aus den Bereichen Isoliermaterialien, Zementwaren, Gasbeton, vorgespannte Balkendecken und Betonelemente aufgebaut.[12] Die Ölkrise von 1973 hatte gravierende Auswirkungen und löste in den Industrieländern schwere Rezessionen aus. Die Zürcher Ziegeleien versuchten mit verschiedenen Massnahmen Gegensteuer zu geben. Da das Energiesparen und damit die Isolation infolge der Krise zum dominierenden Thema der Bauindustrie wurde, baute das Unternehmen entsprechende Positionen auf. 1974 wurde die Wancor AG als Tochterfirma der Zürcher Ziegeleien gegründet. Das Unternehmen belieferte die Muttergesellschaft und später auch andere Kunden mit Dämmstoffen.[13]
Mit dem Eintritt von Jacob Schmidheiny III. in die Konzernleitung des Unternehmens 1977 änderte sich die strategische Ausrichtung. Da im traditionellen Baugeschäft die Zukunftsaussichten als schwierig beurteilt wurden, konzentrierten sich die Wachstumsschritte über die Baubranche hinaus. 1980 wurde die Fritz Nauer AG – spezialisiert auf die Herstellung von Schaumstoffen – übernommen. Es erfolgte die Akquisition der Arova-Mammut AG in Lenzburg, die Seilwaren und Gurte für den industriellen und den privaten Bereich herstellte. Ebenfalls in den 1980er-Jahren wurde die auf die Produktion von Baufarben und Lacken spezialisierte Firma Schmid Rhyner übernommen.[14]
ZZ Wancor und Conzzeta
Dem breit aufgestellten Unternehmen wurde 1992 eine neue Holdingstruktur übergestülpt. Im Laufe der 1990er-Jahre wuchs bei den Verantwortlichen die Erkenntnis, dass das ursprüngliche Ziegelgeschäft nicht mehr zur Holding passte. Erste Kontakte mit der österreichischen Gruppe Wienerberger AG, die 1997 bereits den Geschäftsbereich Grobkeramik der Tonwarenfabrik Laufen AG übernommen hatte, entstanden. 1999 übernahm die Wienerberger AG, der grösste europäische Ziegelhersteller, das mittlerweile als ZZ Wancor AG auftretende Unternehmen. Die restliche Holding trat unter dem neuen Namen Conzzeta auf.[15]
Als Teil der Wienerberger AG wurde der neu formierte Backstein- und Ziegelhersteller umfassend reorganisiert. Die Produktion wurde auf die beiden Werke Laufen und Istighofen konzentriert, wo noch heute produziert wird. 2020 übernahm die europaweit tätige Swisspor Holding die ZZ Wancor AG. Ein Jahr später kehrte das Unternehmen zum alten Namen Zürcher Ziegeleien zurück.[15]
Literatur
- Jakob Bösch: Drei Schmidheiny: Jacob Schmidheiny, Ernst Schmidheiny, Jacob Schmidheiny. (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 61). Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 1979, insb. S. 65–73
- Merten, Joseph: Zürcher Ziegeleien 1912 – 1962. Zürich: Zürcher Ziegeleien, 1962.
- 75 Jahre Zürcher Ziegeleien, hrsg. von den Zürcher Ziegeleien, 1987
- Karl Lüönd: Loslassen und anpacken. Hundert Jahre Wandel und Innovation. Von den Zürcher Ziegeleien zur Conzzeta, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 2012
