Álvaro Cassuto

portugiesischer Dirigent und Komponist From Wikipedia, the free encyclopedia

Álvaro Leon Cassuto (* 17. November 1938 in Porto, Portugal; † 6. April 2026 in Guincho bei Cascais, Portugal) war ein portugiesischer Dirigent und Komponist. Er zählte zu den bedeutendsten Dirigenten Portugals im 20. Jahrhundert sowie zu den international bekanntesten Dirigenten seines Landes.

Leben

Álvaro Cassuto entstammte uralter jüdisch-sephardischer Aristokratie, die einst in der Renaissance aus Portugal floh und sich in Hamburg niederließ. Von dort mussten seine Großeltern, sein Vater Alfonso Cassuto und seine Mutter in den 1930er Jahren vor der deutschen Judenverfolgung fliehen, so dass Álvaro im Gegensatz zu seinem Vater kein Deutscher, sondern Portugiese ist.[1]

Schon als Jugendlicher und junger Erwachsener war er zunächst dem Komponieren zugeneigt und zusammen mit Emmanuel Nunes einer der bedeutendsten Vertreter der Zwölftonmusik in Portugal, der aber auf diesem Gebiet nicht an die Bedeutung und die Bekanntheit von Nunes heranreichte.[2]

Er studierte Orchesterleitung bei Pedro de Freitas Branco in Lissabon, dem Bruder von Luís de Freitas Branco, in Hilversum sowie bei Herbert von Karajan in Berlin.[3] Er erlangte ein „Kapellmeister-Diplom“ in Wien und machte auch sein juristisches Staatsexamen. Auch war er ein Schüler von Fernando Lopes-Graça, einem bedeutenden portugiesischen Komponisten.[2]

Danach folgte eine für einen Portugiesen beispiellose Karriere als Dirigent und Orchesterleiter rund um die Welt. Alleine 20 Jahre war er als Dirigent und Orchesterleiter in den USA tätig. Seine bekanntesten, von der New York Times besprochenen Auftritte als Dirigent hatte er 1982 bis 1986 in der Carnegie Hall.[4] Er war als Dirigent und Orchesterleiter unter anderem in Philadelphia, Oklahoma City, San Antonio, Boston, Baltimore, Los Angeles und San Francisco tätig.[5]

Álvaro Cassuto starb am 6. April 2026 im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Guincho (bei Cascais).[3]

Musikalische Karriere

Gut 50 Tonträger spielte er als Dirigent ein, auch bei der bekannten Musikfirma Naxos war er unter Vertrag. Zu den von ihm eingespielten bekanntesten portugiesischen Komponisten gehörten João Domingos Bomtempo, Joly Braga Santos, Luís de Freitas-Branco, Fernando Lopes Graça, Marcos Portugal. Zu den nichtportugiesischen Komponisten gehörten vor allem Mozart, Beethoven, Alberto Ginastera, Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy.[6]

Das moderne Orchesterwesen in Portugal wurde von ihm begründet. So hatte er die "Nova Symphonia Portuguesa", das "Orquestra do Algarve" in Porto oder die Portuguese Symphonic Orchestra begründet und damit entscheidend zur Förderung der Klassischen Musik in Portugal beigetragen.[7] Auch war er von 1980 bis 1981 künstlerischer Leiter der Oper São Carlos in Lissabon, eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt.

Als Gastdirigent leitete er auch wichtige Orchester, so das London Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra in London oder das BBC Symphony Orchestra.[3]

Orchester, die er über viele Jahre dauerhaft leitete, waren von 1974 bis 1979 das Orchester der University of California, von 1979 bis 1985 das Rhode Island Philharmonic Orchestra, von 1981 bis 1986 das National Orchestra of New York City,[5] die Nova Filarmónica Portuguesa von 1988 bis 1993, das Portuguese Symphonic Orchestra von 1993 bis 1999 sowie des Orquestra do Algarve von 2002 bis 2005.[3]

In Deutschland wurde er durch seine Verbindungen zu den Hamburger Sepharden bekannt sowie als Leiter der Radio-Orchester von Berlin und Leipzig. Auch war er in Jerusalem, Brüssel, Mailand, St. Petersburg und Moskau als Dirigent tätig.[2]

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Sérgio Azevedo: Cassuto, Alvaro (Leon). In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich)., 2001
  • Broschüre "Musik- Ein Gespräch über Europa", Alte Oper, zur 49. Frankfurter Buchmesse als Schwerpunktland Portugal, 1997.
  • Michael Studemund-Halévy: Die Cassutos. Portugiesen aus Hamburg, Rabbiner, Übersetzer, Bibliophile, Musiker. Jüdische Miniaturen Bd. 280. Hentrich & Hentrich, Berlin-Leipzig 2021, ISBN 978-3-95565-489-4.

Einzelnachweise

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