Étale Fundamentalgruppe
Abstraktes Konzept in der algebraischen Geometrie
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Die Étale Fundamentalgruppe ist in der algebraischen Geometrie ein Analogon der Fundamentalgruppe topologischer Räume für Schemata. Die étale Fundamentalgruppe eines Schemas bezeichnet die Automorphismen des Faserfunktors der Kategorie der Galoisüberlagerungen (d. h. endlichen étalen Überlagerungen) von , der einem Basispunkt die Faser über diesem zuordnet. Im Fall des Spektrums eines Körpers erhält man als étale Fundamentalgruppe dessen absolute Galoisgruppe. Der Begriff wurde von Alexander Grothendieck und Claude Chevalley eingeführt.
Definition
Sei ein Schema und ein geometrischer Basispunkt von , das bedeutet ein Morphismus mit einem separabel abgeschlossenen Körper .
Sei die Kategorie der endlichen étalen Überdeckungen von , das heißt der Schemata zusammen mit einem endlichen étalen Morphismus . Die Morphismen in sind -Morphismen.[1]
Der geometrische Basispunkt definiert den Faserfunktor durch
Die étale Fundamentalgruppe von bezüglich ist die Gruppe der natürlichen Automorphismen des Faserfunktors
Ein Element von besteht dabei aus einer Familie von Bijektionen der Fasern , die mit allen Morphismen in verträglich ist.
Für mit einem Körper und einem separablen Abschluss erhält man
Damit verallgemeinert die étale Fundamentalgruppe die Galoistheorie von Körpern auf Schemata.
Eigenschaften
Im Fall des Spektrums eines Körpers entspricht die Wahl eines Basispunktes der Wahl eines separablen Abschlusses . Auf diese Weise kann die algebraische Fundamentalgruppe mit Basispunkt kanonisch mit der Galoisgruppe der Galoiserweiterung identifiziert werden. Diese Interpretation wird als Grothendiecksche Galoistheorie bezeichnet.
Der Fall eines eigentlichen Schemas endlichen Typs über einem algebraisch abgeschlossenen Körper der Charakteristik Null lässt sich dank des Lefschetz-Prinzips auf den Fall reduzieren. In diesem Fall erlaubt uns nun Serres GAGA (bzw. Riemanns Existenzsatz im Falle Riemannscher Flächen), die étale Fundamentalgruppe mit der proendlichen Komplettierung der topologischen Fundamentalgruppe von zu identifizieren.
Insbesondere ist die étalen Fundamentalgruppen der affinen Geraden über einem algebraischen abgeschlossenen Körper der Charakteristik Null trivial. Entgegen der Intuition ist die Fundamentalgruppe einer affinen Geraden in positiver Charakteristik jedoch nicht trivial, da Artin-Schreier-Erweiterungen existieren.
Über die étale Fundamentalgruppe macht allgemeiner die Grothendieck-Vermutung der anabelschen Geometrie spezifische Aussagen.
Letztendlich kulminierte Grothendiecks Konzept in seiner Einführung motivischer Galoisgruppen. Die motivische Galoisgruppe der Kategorie der nulldimensionalen Motive eines Zahlkörpers ist nichts anderes als die étale Fundamentalgruppe von und lässt sich mithin mit der absoluten Galoisgruppe von identifizieren.
Literatur
- Alexander Grothendieck, Michel Raynaud: Séminaire de Géométrie Algébrique du Bois Marie - 1960-61 - Revêtements étales et groupe fondamental - (SGA 1) (Documents Mathématiques 3), Société Mathématique de France, 2003 (1971), Exposés V, IX, X.
- James Milne: Lectures on Etale Cohomology, online erhältliches Vorlesungs-Skript, insbesondere Kapitel 3.
- Jacob Murre: Lectures on an Introduction to Grothendieck’s Theory of the Fundamental Group, Tata Institute, 1967.
- Jean-Pierre Serre: Géométrie algébrique et géométrie analytique, NUMDAM, Université de Grenoble. Annales de l'Institut Fourier 6, 1956 (GAGA).