Ödön Lechner

ungarischer Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Ödön Lechner (* 27. August 1845 in Buda, Kaisertum Österreich; † 10. Juni 1914 in Budapest, Österreich-Ungarn) war ein ungarischer Architekt, der aufgrund seiner vom Jugendstil beeinflussten Bauten eine große Bekanntheit erlangte.

Ödön Lechner
Denkmal für Ödön Lechner, Budapest

Leben

Aus den Kirchenbüchern von Budapest und Leopoldschlag (Oberösterreich) ergibt sich folgendes Bild: Die Familie Lechner (ursprünglich Lehner) lässt sich von Budapest nach Leopoldschlag bis ins ausgehende 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Mathias Lehner (1597–1682) war Richter in Leopoldschlag. Sein Urenkel, Simon Lehner (geb. 1698), zog von Leopoldschlag nach Pest. Sein Sohn, Johannes Lechner (geb. 1732 in Pest), war Maurer und heiratete 1772 Juliane, eine Tochter des Maurers Anton Zitterbarth. Ein Enkel des Maurers Johannes Lechner, Joannes Nepomuk Ludovicus Lechner (1812–1884), war Rechtsanwalt und besaß eine Ziegelei. Er ist der Vater von Ödön Lechner.

Ödön Lechner studierte in Berlin[1] Architektur. 1875 bis 1878 lernte er in Paris die Formensprachen des Art Nouveau kennen. Zusammen mit seinem Freund Vilmos Zsolnay,[2] dessen Familie eine Manufaktur für Baukeramik betrieb, war er der Erfinder des „Pyrogranit“ genannten Materials, einem grüngrauen granitartigen Kunststein, den Lechner bei seinen Bauten gern verwendete. An seinen Bauten fanden zahlreiche Elemente aus dieser Manufaktur Verwendung. An den Entwürfen zu seinen Bauten war häufig Gyula Pártos beteiligt.

Mehrere Großbauten entstanden im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, als Ungarn sich auf sein Nationalgefühl besann und viele Bauten in Budapest entstanden. Bereits mit dem Bau des Rathauses in Szeged fand er große Anerkennung und setzte in Budapest Maßstäbe mit dem Bau des Kunstgewerbemuseums, das von floralen Elementen dominiert wird. Die Inneneinrichtung wurde 1920 weiß übertüncht, um nicht von den Exponaten abzulenken. Ein weiterer großer Bau entstand mit dem Gebäude für das geologische Institut der Universität, heute Geologisches Museum. Mit der Postsparkasse, die heute Teil des Gebäudes der Nationalbank ist, entstand ein weiteres Prunkstück des Jugendstils in Budapest. Hier setzte er die Idee eines eigenen ungarischen Nationalstils um. Er stand damit im Gegensatz zu Otto Wagner, der in Wien ebenfalls ein Gebäude für die Postsparkasse errichtete, jedoch die Auffassung vertrat, dass moderne Bauten in Großstädten unabhängig von nationalen Überlegungen auszugestalten seien.

In seinen Bauten verwendete Lechner, der auch Mitbegründer des Ungarischen Werkbundes war, Schmuckelemente aus der ungarischen Volkskunst, deren Quellen in der Zeit des ungarischen Nationalismus in Persien oder Indien vermutet wurden.[3]

In der Rezeption seiner Werke wird er als früher Vertreter der Secession in Ungarn gesehen, einige vergleichen sein Werk mit dem von Antoni Gaudí. Die seit etwa 1975 hervorgetretene ungarische organische Architektur mit ihren Hauptvertretern Imre Makovecz und György Csete kann in ihrer Betonung des volkskünstlerischen und nationalen Elements als partielle Fortsetzung gewisser von Lechner geprägter Traditionen gesehen werden.

Ödön Lechner wurde auf dem Kerepesi Friedhof in Budapest bestattet (Feld 28).

Bauwerke

Weitere Informationen Foto, Baujahr ...
Foto   Baujahr Name Standort Beschreibung
Rathaus Szeged
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1882 Rathaus Szeged
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Standort
Milko Palast, Szeged Datei hochladen 1883 Milko Palast, Szeged
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Standort
Andrássy út 25, Drechsler-Palastes mit Arkadengang
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1882–1884 Andrássy út 25, Drechsler-Palastes mit Arkadengang
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Standort
Zrenjanin Rathaus
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1887 Zrenjanin Rathaus
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Standort
Thonet Haus Budapest
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1888–1890 Thonet Haus Budapest
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Standort
Szegzard Hotel, Garay Platz, Szekszárd Datei hochladen 1893 Szegzard Hotel, Garay Platz, Szekszárd
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Standort
BW Datei hochladen 1893 Simeon Leović Palais, Subotica, Serbien
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Standort
Rathaus Kecskemét
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1892–1894 Rathaus Kecskemét
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Kossuth tér
Standort
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Berzenczey-Straße 11, Budapest Datei hochladen 1895 Berzenczey-Straße 11, Budapest
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Standort

Anmerkung: Wohnhaus des Architekten

Kunstgewerbemuseum
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1893–1896 Kunstgewerbemuseum
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Üllői út 33-37.
Standort
f1

Anmerkung: gemeinsam mit Gyula Pártos

Ladislauskirche, Budapest
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1894–1896 Ladislauskirche, Budapest
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Standort
Geologisches Museum, Budapest
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1896–1899 Geologisches Museum, Budapest
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Standort
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Biedermann-Schloss, Mozsgó Datei hochladen 1896; nach Brand 1917 nach Lechners Plänen wieder vollständig aufgebaut Biedermann-Schloss, Mozsgó
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Standort
Bartók Béla út 40, Budapest Datei hochladen 1900 Bartók Béla út 40, Budapest
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Standort
Zala Villa, Budapest. Ehemalige Libysche Botschaft Datei hochladen 1901 Zala Villa, Budapest. Ehemalige Libysche Botschaft
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Standort
Postsparkasse in Budapest
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1899–1902 Postsparkasse in Budapest
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Standort
f1

Anmerkung: heute Teil der Nationalbank und nicht zu besichtigen.

BW Datei hochladen 1902 Berehove-Lyzeum
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Standort
Schmidl Mausoleum
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1903 Schmidl Mausoleum
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Standort
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Anmerkung: mit Béla Lajta

Villa Sipeki Balás Hermina út 47, Budapest Datei hochladen 1906 Villa Sipeki Balás Hermina út 47, Budapest
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Standort

Anmerkung: Heute: Ungarischer Landesverband der Blinden und Sehbehinderten

Gymnázium Grösslingová 18, Bratislava
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1908 Gymnázium Grösslingová 18, Bratislava
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Standort
Tulipanos Schule, Györ Datei hochladen 1910–1911 Tulipanos Schule, Györ
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Standort
BW Datei hochladen 1911 Vermes Haus
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Standort
Innenausstattung, Ernst Museum
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1912 Innenausstattung, Ernst Museum
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1065 Budapest, Nagymező utca 8.
Standort

Anmerkung: Hauptentwurf Gyula Fodor

Blaue Kirche, Pressburg
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1907–1913 Blaue Kirche, Pressburg
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Bezručova 2, Bratislava
Standort
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Sankt-Ladislaus-Gymnasium, Kőbánya
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1914–1915 Sankt-Ladislaus-Gymnasium, Kőbánya
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Kőrösi Csoma Sándor út 28-34
Standort
f1
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Trivia

Nach ihm wurde 2026 der Asteroid (274290) Lechnerödön (2008 QX13) benannt.

Literatur

Commons: Ödön Lechner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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