Ökoeffektivität

Buch von William McDonough From Wikipedia, the free encyclopedia

Ökoeffektivität, auch Konsistenz im Kontext der Nachhaltigkeit,[1] ist ein Konzept zur Erlangung der Vereinbarkeit von Natur, Arbeit und Technik. Der Grundgedanke besagt, in nachhaltigen Systemen dürfe es keine Abfälle, sondern nur Produkte geben. Das Konzept zielt statt auf die Ökoeffizienz eines einzelnen Produktes auf die ökologische Gesamtwirkung.[2]

Begriff

Der Begriff wurde von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough in ihrem 2002 erschienenen Buch Cradle to Cradle (C2C, „von der Wiege bis zur Wiege“)[3] verwendet. Sie stellten den Begriff „Ökoeffektivität“ in Kontrast zur „Ökobilanz“ (die den Stoffkreislauf und dessen Umweltwirkungen von der Wiege bis zur Bahre analysiere) und zur „Ökoeffizienz“.

Ökoeffektiv sind nach Braungart und McDonough Produkte, die entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.

Das Prinzip für einen ökoeffektiven Lösungsansatz laute: Abfall ist Nahrung (waste equals food). Bei vielen natürlichen Prozessen werde sowohl Energie als auch Material verschwendet. Pflanzen und Tiere produzierten große Mengen „Abfall“. Sie sind nicht ökoeffizient. Sie seien gleichwohl ökoeffektiv, weil sie Teil eines nachhaltigen Systems sind, das jedes Stück Abfall wiederverwendet, zum Beispiel als Dünger.

„Die Natur produziert seit Jahrmillionen völlig uneffizient, aber effektiv. Ein Kirschbaum bringt tausende Blüten und Früchte hervor, ohne die Umwelt zu belasten. Im Gegenteil: Sobald sie zu Boden fallen, werden sie zu Nährstoffen für Tiere, Pflanzen und Boden in der Umgebung.“

Michael Braungart: zitiert in Berliner Zeitung[4]

Analog dazu könne eine technische Produktion effektiv sein, wenn sie Stoffe abgibt, die in anderen Produktionen einsetzbar sind.

Beispiele

Biologischer und Technischer Zyklus

Ökoeffektivität

Ökoeffizienz

  • Den Benzinverbrauch um fünfzig Prozent reduzieren, aber die Gesamtzahl der Autos weltweit verdreifachen (Rebound).
  • Bremsbeläge so entwickeln, dass sie weniger Partikel abgeben, aber dennoch insgesamt tausende von Tonnen an Schadstoffen auf den Straßen lassen.
  • Den Anteil von recyceltem Material in Polymerprodukten erhöhen, ohne auf die Qualitätsminderung des recycelten Materials zu achten (Downcycling).
  • Das Abwasservolumen in der Textilherstellung verringern, aber die Anzahl der Additive erhöhen und daher am Ende immer noch ein nicht wiederverwendbares Produkt zu haben.[5]

Anmerkungen

Ein prominenter Kritiker von Braungart ist Friedrich Schmidt-Bleek, der langjährige Leiter des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Dass das Konzept in großem Rahmen ohne Schädigung der Natur umsetzbar sein könnte, hält Schmidt-Bleek für völlig ausgeschlossen.[6] Auch Befürworter eines ökoeffektiven Ansatzes übten Kritik an Cradle to Cradle, etwa der Wirtschaftsethiker Rahim Taghizadegan. Das Konzept von Braungart zertifiziert seine eigenen Analysen und entspricht somit nicht den ISO-Normen 14040 und 14044 für die Ökobilanzierung, die eine kritische Nachprüfung eines unabhängigen Gutachters vorschreiben.

Dass beispielsweise ein Transportmittel leicht sein muss, um möglichst wenig Treibstoff zu verbrauchen, ist Allgemeinwissen. Braungart weicht Kritik auf wissenschaftlicher Ebene aus und macht mit seinen Thesen, Wirtschaftswachstum salonfähig. Die Idee, Abfälle als Wertstoffe zu sehen, ist alt. In Deutschland führte sie 1994 zum Kreislaufwirtschaftsgesetz. Hohe Entsorgungskosten müssten es attraktiv machen, Abfälle zu upcyceln. Vom Bezugspreis eines Rohstoffes hängt ab, wie attraktiv Upcycling ist. Die Beschaffungskosten zahlreicher Rohstoffe steigen weiter an.

Siehe auch

Fußnoten

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