Ökoregion

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Ökoregion ist ein ursprünglich geowissenschaftlich geprägter Begriff zur Einteilung der Erde nach Großräumen unter verschiedenen geo- oder bioökologischen Gesichtspunkten. In diesem Sinne wurde sie definiert als ein „wiederkehrendes Muster von Ökosystemen, die mit charakteristischen Kombinationen von Boden und Geländeformen verbunden sind und eine Region charakterisieren.“[1]

846 Ökoregionen der Erde nach Dinerstein, als interaktive Karte im Internet abrufbar

Der mehr biowissenschaftlich geprägte Begriff „Biom“ weist eine große inhaltliche Nähe zu Ökoregion auf, ist aber nicht deckungsgleich. Während ein Biom in der Regel großräumige Lebensräume nach Klima, Vegetation und vorherrschender Pflanzenformation zusammenfasst, bezeichnet eine Ökoregion meist eine räumlich konkretere Einheit mit einer charakteristischen Kombination aus Lebensgemeinschaften, Arteninventar und Umweltbedingungen. Häufig werden Ökoregionen zur Untergliederung von Biomen aufgeführt. Je nach Autor und Anwendungsgebiet werden beide Begriffe dennoch teilweise ähnlich oder überlappend verwendet. Das Gleiche gilt für geozonale Ableitungen wie „Zonobiom“.

Abgrenzung

Eine Ökoregion ist eine großräumige, aber regional begrenzte ökologische oder biogeographische Einheit. Ökoregionen umfassen relativ große Gebiete von Land oder Wasser und enthalten charakteristische Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Im Unterschied zur Ökozone ist ihre Ausdehnung jedoch nicht zwingend geozonal oder erdumspannend, sondern kann auf bestimmte Kontinente, Landschaftsräume, Einzugsgebiete oder Meeresräume beschränkt sein.

Eine Ökoregion kann sich auf regionale Vegetationstypen beziehen, die nach ihrer vorherrschenden Pflanzenformation – also nach ihrem äußeren Erscheinungsbild – benannt werden (Tundra von Westsibirien, Wüstenvegetation des Nahen Ostens usw.). In diesem Sinne nähert sich der Begriff dem Eu-Biom an. Abweichend davon wird der Ökoregion-Begriff auch verwendet, um regionale Floren- oder gar Faunenregionen zu bezeichnen. Solche Regionen ergeben sich nicht allein aus ihrem äußeren Erscheinungsbild, sondern aus einer gemeinsamen erdgeschichtlichen Entwicklung (Zentral-sibirische Tundra, Zentral-asiatische Nordwüste usw.), die sich in ihrem Arteninventar ausdrückt. Häufig werden der floristisch-faunistische und der formative Ansatz kombiniert, um Ökoregionen auszuweisen. Dies ist insbesondere für naturschutzfachliche Fragestellungen von Bedeutung.

Die Grenzziehung von Ökoregionen ist grundsätzlich modellhaft. Übergänge zwischen benachbarten Regionen sind in der Natur häufig fließend; die Abgrenzung hängt daher vom jeweiligen Zweck der Klassifikation, von den berücksichtigten Organismengruppen und von der räumlichen Auflösung ab.

Umgangssprachlich wird der Begriff Ökoregion häufig recht undifferenziert für verschiedene biologisch-geographische Einteilungen verwendet. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff „Ecozones“ zum Teil synonym zu „Ecoregions“ und sowohl für kontinental begrenzte „Ökoregionen“ als auch für weltumspannende Ökozonen verwendet.

WWF-Ökoregionen

Terrestrische Ökoregionen nach der vom WWF veröffentlichten Klassifikation

Die Umweltstiftung WWF USA veröffentlichte 2001 unter dem Titel Terrestrial Ecoregions of the World eine weltweite Einteilung der Landflächen in 867 terrestrische „ecoregions“ (Ökoregionen), die 14 „major habitat types“ (Haupt-Biome) und acht biogeographischen Reichen zugeordnet wurden.[2] Im Mittelpunkt stand nicht die aktuelle Landbedeckung, sondern die annähernde ursprüngliche Verbreitung natürlicher Lebensgemeinschaften vor großräumigen Landnutzungsänderungen. Damit unterschied sich die Klassifikation von reinen Vegetations- oder Landnutzungskarten.

Bereits zuvor hatten Mitarbeiter des WWF eine Auswahl besonders bedeutsamer und gefährdeter Ökoregionen unter dem Titel „Global 200“ veröffentlicht.[3] Die Global 200 sind jedoch keine vollständige Gliederung der Erde, sondern eine Prioritätenliste für den globalen Naturschutz.

Darüber hinaus wurden nach ähnlichen Kriterien limnische und marine Ökoregionen ausgewiesen. Dies war ein neuer Ansatz, weil das Konzept von Biomen bis dahin fast[4] ausschließlich auf terrestrische Bereiche der Ökosphäre angewendet worden war. Weltweit wurden 426 Ökoregionen des Süßwassers[5] und 232 Ökoregionen des Meerwassers in 12 realms bestimmt.[6] Ökoregionen der Tiefsee konnten dabei noch nicht berücksichtigt werden.[7]

Das terrestrische WWF-Modell wurde später überarbeitet. Eine wichtige aktuelle Fortführung ist der Datensatz Ecoregions 2017 von Dinerstein u. a., der 846 terrestrische Ökoregionen in 14 Biome und acht biogeographische Reiche gliedert.[8] Die zugehörige interaktive Karte wird unter anderem über Ecoregions 2017 bereitgestellt.[9]

Siehe auch

Einzelnachweise

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