Österreichische Bundesforste
Nutzungsgellschaft der staatlichen Forste
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Die Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf AG) sind eine Aktiengesellschaft im Eigentum der Republik Österreich. Sie bewirtschaften für die Republik Österreich rund 850.000 Hektar Naturflächen, davon etwa 510.000 Hektar Wald – rund ein Zehntel der gesamten Staatsfläche. Für mehr als die Hälfte dieser Flächen gelten naturschutzrechtliche Bestimmungen.
| Österreichische Bundesforste AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1997 |
| Sitz | Purkersdorf (Niederösterreich) |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 1.032 |
| Umsatz | 353,3 Mio. Euro |
| Branche | Forstwirtschaft |
| Website | bundesforste.at |
| Stand: Dezember 2024 | |
Die Bundesforste haben ihren Sitz in der Pummergasse 10-12 in Purkersdorf. Davor hatte die Generaldirektion der Bundesforste ab 1925 ihren Sitz im vormaligen Amtsgebäude der k.u.k. Marinesektion in der Vordere Zollamtsstraße 9 in Wien.
Geschichte
Erste Republik
Gegründet wurden die Bundesforste 1925 aus den Besitzungen der Monarchie (Staatswald und der Privatwald des mit dem Habsburgergesetz enteigneten vormals regierenden Hauses Habsburg-Lothringen) mit Sitz in Wien als eigener Wirtschaftskörper unter der Bezeichnung „Österreichische Bundesforste“ (BGBl. Nr. 282/1925).[1]
Die heutigen Österreichischen Bundesforste stehen in der Rechtsnachfolge des k.k. Forstärars, wie zum Beispiel in einem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Oktober 2005 höchstgerichtlich festgehalten wurde.[2]
Teil der Reichsforstverwaltung im „Dritten Reich“
Nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 an den NS-Staat wurden die Österreichischen Bundesforste aufgelöst und wurden zu einem Teil der deutschen Reichsforstverwaltung. Die Verwaltung des bisher österreichischen Forst- und Jagdwesens wurde dem des reichsdeutschen Systems angepasst. Mit dieser Aufgabe wurde ein Dipl.-Ing. Güde betraut, der im Auftrag von Hermann Göring, dem Reichsforstmeister und Reichsminister unter anderem auch mit Ankäufen von Gütern zur „Mehrung des staatlichen Waldbesitzes“ in Österreich wurde. Angestrebt war eine Verdopplung des Staatsanteils. Die Vermehrung des Staatsanteils wurde erreicht durch die Enteignung der jüdischen Forst- und Jagdbesitzer. Nach zumindest teilweiser Restituierung dieses 1938 bis 1945 „arisierten“ erreichte das im heutigen Bundesforstbesitz befindliche Vermögen 2.860 Hektar, das sind 11 Prozent der insgesamt als Deutsches Eigentum übernommenen Flächen. 1.660 Hektar davon gehören direkt der Republik Österreich, 1.200 Hektar entfallen auf die ÖBf AG.[3]
Zweite Republik
Nachdem mit der Österreichischen Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 die Republik Österreich wiederhergestellt war und die NS-Gesetze und -Verordnungen aufgehoben wurden, betraf dies auch die Verordnungen das Forst- und Jagdwesen. Mit § 43 Abs. 1 Behörden-Überleitungsgesetz (StGBl. Nr. 94/1945)[4] wurde der selbständige Wirtschaftskörper, vormals „Österreichische Bundesforste“, unter der Bezeichnung „Österreichische Staatsforste“ wieder errichtet. Mit Abs. 2 wurde festgeschrieben, dass dieser Wirtschaftskörper auch „für den Bereich der Staatsforste auch die Geschäfte des bisherigen Amtes für Forsteinrichtung und -bauwesen“ übernimmt. Gemäß § 42 wurden die Landeforstämter (Abs. 1), die Forstämter (Abs. 2) aufgelöst, wobei die behördlichen Aufgaben letzterer nach dem Stand vom 13. März 1938 auf die Bezirksverwaltungsbehörden übergingen. Das Personal der aufgelösten Landesforstämter wurde, ausgehend von den tatsächlichen Verhältnissen, auf die Österreichischen Bundesforste und die Landes- bzw. Bezirksforstinspektionen aufgeteilt. Die Wiederherstellung der Grundbuchverhältnisse fand ab 1946 statt, als neue Eigentümerin wurde die „Republik Österreich (Österreichische Bundesforste)“ (nunmehr wieder in der ursprünglichen Bezeichnung Bundesforste statt Juli 1945: Staatsforste) in den Grundbüchern eingetragen. Betreffend die Besitzbereinigungen wird hinsichtlich der zwangsweise zu den Reichsforsten gekommenen Grundstücke (siehe oben, Teil der Reichsforstverwaltung im „Dritten Reich“) wird von Weinfurter (2008) auf sein „Kapitel 4.3 Rückstellungen“[3] verwiesen.[5]
Mit dem Bundesgesetz vom 17. November 1977 über den Wirtschaftskörper „Österreichische Bundesforste“ (BGBl. Nr. 610/1977) wurden nähere Bestimmungen erlassen über Aufgaben, Betriebsführung, Vorstand, Wirtschaftsrat und Gebarung der Bundesforste. Dieses Bundesgesetz trat am 1. Jänner 1978 in Kraft. Gleichzeitig trat – unbeschadet der Bestimmung des § 14 Abs. 1 - das Bundesgesetz BGBl. Nr. 282/1925 (Gründung der Österreichischen Bundesforste als eigenständiger Wirtschaftskörper, siehe oben Erste Republik) außer Kraft.[6]
Mit 1. Jänner 1997 wurden die Bundesforste aus der öffentlichen Verwaltung und damit aus dem Bundesbudget ausgegliedert und mit Gründungsdatum 30. Dezember 1996[7] in die Österreichische Bundesforste AG umgewandelt. Die rechtlichen Grundlagen für die Tätigkeit der Österreichischen Bundesforste sind im Bundesforstegesetz 1996 (BGBl. Nr. 793/1996), mit dem gleichzeitig das Bundesgesetz vom 17. November 1977 aufgehoben wurde,[8] sowie im Forstgesetz 1975 (BGBl. Nr. 440/1975)[9] verankert. Alleinaktionärin des Grundkapitals von 150 Millionen Euro ist die Republik Österreich, vertreten durch das Forstwirtschaftsministerium in der jeweils aktuellen Benennung gemäß Bundesministeriengesetz. 96 Prozent der ÖBf-Flächen stehen im Eigentum der Republik. Das Unternehmen ÖBf AG ist zum Substanzerhalt verpflichtet und arbeitet gewinnbringend, wobei 50 Prozent des Jahresüberschusses als Fruchtgenussentgelt für die wirtschaftliche Nutzung der staatlichen Flächen an die Republik abzuliefern sind.[10]
Unternehmen
Geschäftsfelder
Das Kerngeschäft ist die Forstwirtschaft. Sie wird naturnah und nach dem Prinzip der forstlichen Nachhaltigkeit betrieben. Produktionszyklen von durchschnittlich mehr als 120 Jahren verlangen Generationen übergreifendes Denken. Versorgt werden Sägeunternehmen, Papier-, Platten- und Zellstoffindustrie sowie Biomasse-Kraftwerke. Wichtigstes Standbein neben dem Kerngeschäft Forst/Holz ist die Bewirtschaftung und Entwicklung von Immobilien – das ist die Vermietung von Grundstücken und Gebäuden ebenso wie Tourismus-Infrastruktur, z. B. Reitwege, Mountainbike-Strecken und Skipisten. Dritter Geschäftsbereich sind Dienstleistungen: Das Angebot reicht von forstlicher Beratung über Bewirtschaftung von Privatwäldern bis hin zu Naturraumplanungen. Mit dem vierten Standbein, dem Bereich Erneuerbare Energie, engagieren sich die Bundesforste für Wind- und Kleinwasserkraft, Waldbiomasse sowie Photovoltaik und tragen damit zur Energiewende bei. Das Unternehmen ist in zwölf Forstbetriebe und zwei Nationalpark-Betriebe unterteilt und hat insgesamt 1.032 Mitarbeiter, davon 666 Angestellte (Vollzeitäquivalente im Jahresdurchschnitt, Stand per 31. Dezember 2024).[11]
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
Die Anteile der ÖBf-Tochtergesellschaften und ÖBf-Beteiligungen werden über die in Vollkonsolidierung konsolidierungspflichtige 100-Prozent-Tochter ÖBf Beteiligungs GmbH (Gründungsdatum: 16. Mai 2000) gehalten.[7][12] Der Konzernabschluss der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf AG) umfasst folgende Unternehmen (Stand 31. Dezember 2024; jeweils mit Anteil der ÖBf am Kapital).[11]
Konsolidierungspflichtige Tochterunternehmen - Vollkonsolidierung:
- Windpark Pretul GmbH, Purkersdorf, 100,00 %
- ÖBf Wasserkraft GesmbH, Purkersdorf, 100 %
- Wasserkraftwerk Forstaubach Gleiming GmbH, Purkersdorf, 60,00 %
- Wasserkraftwerk Taurach GmbH, Purkersdorf, 60,00 %
- Hallstatt Wasserkraft GmbH, Purkersdorf, 51,00 %
Angeschlossene (assoziierte) Unternehmen mit Konzernzugehörigkeit seit:
- KW Elsbethen GmbH, Hopfgarten im Brixental, 40,00 %, 18.10.2023
- Kraftwerk Dientenbach GmbH, Salzburg, 33,33 %, 16.12.2009
- WIEN ENERGIE Bundesforste Biomasse Kraftwerk GmbH, Wien, 33,33 %, 19.05.2004 (WIEN ENERGIE GmbH, 66,67 %)[13]
- Kommanditistin der WIEN ENERGIE Bundesforste Biomasse Kraftwerk GmbH & Co KG, Wien, 33,33 %, 20.05.2004[14]
Nicht wesentliche Beteiligung:
- Hauserberg Mautstraße GesnbR, Mayrhofen[15]
(Noch) nicht im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2024 enthalten:
- ÖBf Beteiligungs GmbH als Aktionärin: Dachstein Tourismus AG, 2,53%
- gegründet 6. Dezember 2024: Windpark Kobernaußerwald FlexCo, 45,00 %[16][17]
- gegründet 2. April 2026: Windpark Rosskogel GmbH, 37,45 %[18][19]
Die frühere 25-prozentige Beteiligung an der Mayr-Melnhof Holz Holding AG wurde 2014 aufgegeben.[20][21]
Nachhaltigkeit
Die Bundesforste orientieren ihre gesamte Arbeit am Prinzip der Nachhaltigkeit. Das heißt, aus der Natur wird nur so viel Rohstoff entnommen, wie auch wieder nachwachsen kann. Der wirtschaftliche Gewinn steht laut Angaben des Unternehmens gleichwertig neben dem Ziel, die Natur und ihre Artenvielfalt zu erhalten. Dazu betreiben die Bundesforste gemeinsam mit Naturschutzorganisationen wie dem WWF oder Birdlife verschiedenste Artenschutzprojekte, etwa zur Rettung der Gelbbauchunke und des Schwarzstorchs oder zur Wiederansiedlung des Braunbären in Österreich.
Seen und Kulturgüter
Die Bundesforste sind der größte Gewässerbewirtschafter des Landes; sie pflegen, schützen und bewirtschaften 74 Seen mit mehr als einem Hektar Wasserfläche sowie zahlreiche Kleinseen für die Republik Österreich - darunter die touristisch besonders bedeutenden Seen im Salzkammergut (u. a. Wolfgangsee, Hallstätter See, Attersee und Grundlsee) und in Kärnten (u. a. Wörthersee und Millstätter See). Der Großteil der Ufergrundstücke an diesen Seen sind nicht verpachtete, frei betretbare Naturlandschaften.
Zu den Immobilien, die die Bundesforste verwalten, gehören neben den Seen auch viele historische Kulturgüter wie z. B.
Nationalparks
Als Forst- und Naturmanager sind die Bundesforste in der Betreuung des Nationalpark Donau-Auen und des Nationalpark Kalkalpen engagiert. Die Forstbetriebe bieten Führungen durch diese Nationalparkgebiete, die jährlich von rund 15.000 Besuchern genutzt werden.
Biosphärenpark Wienerwald
Anfang 2005 wurde der Wienerwald von der UNESCO ins weltweite Netz der Biosphärenparks aufgenommen. In einem Biosphärenpark steht die Entwicklung von ökologisch, wirtschaftlich und soziokulturell nachhaltigen Landnutzungsformen im Vordergrund. Nur in den Kernzonen des Biosphärenparks wird jede wirtschaftliche Nutzung eingestellt. Die Bundesforste haben als größter Grundbesitzer der Region 39.000 Hektar, davon 4.200 in der Kernzone, in den Biosphärenpark eingebracht und unterstützen das Biosphärenpark Wienerwald Management bei der Erreichung und Umsetzung der im Biosphärenpark verfolgten Ziele.
Literaturstipendium WALD
Gemeinsam mit dem Magazin WALD vergaben die Bundesforste ab 2011 bis nachweisbar 2014 ein Literaturstipendium. Das Stipendium war als zweimonatiges Aufenthaltsstipendium ausgeschrieben. 2011 wurde der Autor Erich Wimmer erster Wald-Stipendiat, er verbrachte sein mit 1.500 Euro dotiertes Stipendium auf einer auf 1.600 Meter Seehöhe an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern im Pinzgau gelegenen Hütte bei Neukirchen am Großvenediger.[22] Ebenfalls mit 1.500 Euro war das zweite Wald-Stipendium dotiert,[23] das an den Leipziger Lyriker Chris Michalski ging, der in einer Hütte in Gosau am Fuße des Gosaukamms sein Stipendiat verbrachte. 2013 ging das Stipendium an die Berlinerin Lara Sielmann als „Waldschreiberin“, die von August bis Oktober dieses Jahres auf einer ÖBf-Hütte im steirischen Wald nahe Gußwerk verbrachte.[24][25] Zuletzt nachweisbar ist das Wald-Stipendium im Jahr 2014, das mit einer Dotierung von 2.000 Euro in der Thurnauhütte nahe der Postalm inmitten der Osterhorngruppe in Salzburg ausgeschrieben war.[25][26]
Literatur
- Peter Weinfurter: Chronik 1925–2005: 80 Jahre Bundesforste. Geschichte der Österreichischen Bundesforste. Österreichische Bundesforste AG (Hrsg. und Verleger), Purkersdorf 2008 (Volltext online (PDF; 12,5 MB; 12. September 2008) auf der Website der ÖBf).
- Oliver Rathkolb, Maria Wirth, Michael Wladika: Die „Reichsforste“ in Österreich 1938–1945. Arisierung, Restitution, Zwangsarbeit und Entnazifizierung. Studie im Auftrag der Österreichischen Bundesforste. Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-205-78482-1.
Weblinks
- bundesforste.at – Website der Österreichischen Bundesforste (ÖBf)
- 100 Jahre Österreichische Bundesforste. In der Zukunft verwurzelt. – Schwerpunktseiten zum Jubiläum im Jahr 2025 auf der Website der ÖBf.
- Österreichische Bundesforste AG (154148p) – Firmenbuchdaten in der Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI).
