Üçağızlı-Höhle

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Die Üçağızlı-Höhle ist ein archäologischer Fundplatz an der Südküste der Türkei in der Provinz Hatay, südwestlich von Antakya. Die teilweise eingestürzte Kalksteinhöhle im Orontes-Tal liegt heute ungefähr 18 Meter über dem Meeresspiegel und wird seit den 1990er-Jahren von türkischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern erforscht.[1]

Es gibt zwei Höhlen mit diesem Namen, als Üçağızlı I und Üçağızlı II bezeichnet, sie sind 350 m voneinander entfernt. Die Funde aus Üçağızlı II stammen aus dem Jungpaläolithikum.[2]

Die anfangs als älteste geltenden Fundschichten wurden 2004 in die Zeit vor 44.000 bis 41.000 Jahren datiert und enthielten zahlreiche Steinwerkzeuge.[3] Ferner wurden in der Höhle in Schicht B2 hunderte von durchbohrten Schneckenhäusern entdeckt, die als Überreste von Körperschmuck („Perlenketten“) gedeutet werden und ebenfalls mindestens 40.000 Jahre alt sind. Sie gelten als die ältesten Schmuckstücke des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) außerhalb Afrikas[4] und ähneln vergleichbaren Artefakten jungpaläolithischer Kleinkunst aus dem rund 250 Kilometer entfernten Fundplatz Ksar Akil im Libanon, zehn Kilometer nordöstlich von Beirut.[5]

Die Funde aus der Höhle gelten als Bindeglied zwischen Fundorten in der Levante und in Rumänien (Peștera cu Oase) bei der Rekonstruktion der Ausbreitung des Menschen aus Afrika nach Europa.[1]

Schicht B3 enthält Knochen von Neandertalern und Moustérien-Artefakte, Schicht B2 Reste von Neandertalern und anatomisch modernen Menschen und Schicht B1 nur noch Überreste von Homo sapiens.[2]

Zahnfunden aus Üçağızlı II belegen, dass die Höhle in der Zeit vor 77.000 bis 59.000 Jahren von Neandertalern und vor 59.000 bis 47.000 Jahren von anatomisch modernen Menschen bewohnt war. Beide produzierten eine Silexindustrie des Mousterien, auch sonst ist kein kultureller Bruch festzustellen.[2][6] Die Schichten wurden über optisch stimulierte Lumineszenz datiert, da sie jenseits der Nachweisgrenze für Radiokarbondaten liegen.[2]

Literatur

  • Steven L. Kuhn et al.: The early Upper Paleolithic occupations at Üçağizli Cave (Hatay, Turkey). In: Journal of Human Evolution. Band 56, Nr. 2, 2009, S. 87–113, doi:10.1016/j.jhevol.2008.07.014.
  • Steven L. Kuhn: Questions of Complexity and Scale in Explanations for Cultural Transitions in the Pleistocene: A Case Study from the Early Upper Paleolithic. In: Journal of Archaeological Method and Theory. Band 20, Nr. 2, 2013, S. 194–211, doi:10.1007/s10816-012-9146-3, Volltext (PDF) (Memento vom 3. März 2016 im Internet Archive).
  • Steven L. Kuhn et al.: New perspectives on the Initial Upper Paleolithic: the view from Üçağızlı Cave, Turkey. Kapitel 9 in: P. Jeffrey Brantingham et al. (Hrsg.): The Early Upper Paleolithic beyond Western Europe. University of California Press, Berkeley 2004, S. 113–128.
  • Mary C. Stiner et al.: Early Upper Paleolithic shell beads at Üçağızlı Cave I (Turkey): Technology and the socioeconomic context of ornament life-histories. In: Journal of Human Evolution. Band 64, Nr. 5, 2013, S. 380–398, doi:10.1016/j.jhevol.2013.01.008. Abbildungen der Schnecken-Gehäuse

Belege

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