Łęczyca
Stadt in Polen
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Łęczyca [] (deutsch Lenczyca oder Lentschitza, 1939–1945 Lentschütz, lateinisch Lancicia) ist eine Kreisstadt mit etwa 15.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Łódź. Sie liegt am Fluss Bzura, 40 Kilometer nördlich von Łódź und 130 Kilometer westlich von Warschau, an der Grenze der Großpolnischen Landschaft und der Masowischen Niederung.
| Łęczyca | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Łódź | |
| Powiat: | Łęczyca | |
| Fläche: | 8,90 km² | |
| Geographische Lage: | 52° 3′ N, 19° 12′ O | |
| Einwohner: | 13.065 (1. Jan. 2024)[1] | |
| Postleitzahl: | 99-100 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 24 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ELE | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Danzig–Katowice | |
| Kutno–Łódź | ||
| Eisenbahn: | Bahnstrecke Łódź–Kutno | |
| Nächster int. Flughafen: | Łódź | |
| Gmina | ||
| Gminatyp: | Stadtgemeinde | |
| Fläche: | 8,90 km² | |
| Einwohner: | 13.065 (1. Jan. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 1468 Einw./km² | |
| Gemeindenummer (GUS): | 1004011 | |
| Verwaltung (Stand: 2017) | ||
| Bürgermeister: | Paweł Kulesza (seit 2018) | |
| Adresse: | ul. Konopnickiej 14 99-100 Łęczyca | |
| Webpräsenz: | www.leczyca.info.pl | |
Geschichte
Łęczyca liegt in der sumpfigen Bzura-Niederung am alten Bett des Flusses, der hier eine scharfe Biegung nach Osten nimmt. Das Gebiet um Łęczyca war schon im 6. Jahrhundert besiedelt, die damalige Siedlung lag aber nicht auf dem Gebiete der heutigen Stadt, sondern bei einer herzoglichen Burg (deren Reste, genannt Schwedenschanze, bis heute erhalten sind) auf dem Gelände des Dorfes Tum östlich von der heutigen Stadt, das von großen Sümpfen umgeben war. Łęczyca war damals höchstwahrscheinlich die Hauptstadt eines heidnischen Stammesfürstentums. Nach der Einführung des Christentums unter Mieszko I. wurde die Stadt Sitz einer von sieben Kastellaneien, die den polnischen Staat bildeten. Bolesław I. stiftete zu Anfang des 11. Jahrhunderts in Łęczyca eine Benediktiner-Abtei.[2]
Nach dem Tode des Herzogs Bolesław III. Schiefmund zerfiel Polen in viele kleine Fürstentümer; die nominelle Hauptstadt Krakau lag weit von Zentralpolen und war heftig umkämpft durch Fürsten-Fehden. Die kirchlichen Behörden wählten daher Łęczyca zum Tagungsort der Synoden, die immer im Sommer stattfanden (insgesamt 30 bis zum 17. Jahrhundert). Die erste polnische Synode und Sejm fanden im Jahr 1180 in Łęczyca statt. Die Stadt kann daher mit Recht behaupten, Polens sommerliche Hauptstadt gewesen zu sein.


Im Jahre 1263 zerfiel das Herzogtum Łęczyca in zwei Kleinstaaten, die Fürstentümer Łęczyca und Sieradz. Im Jahre 1267 erhielt Łęczyca das Stadtrecht vom Herzog Leszek II. dem Schwarzen. Eine große Blüte der Stadt kam aber erst unter Leszeks Neffen, dem letzten Piastenkönig, Kasimir III. dem Großen, der die bis heute existierende feste Burg und die Stadtmauer erbauen ließ. Auch König Władysław II. Jagiełło förderte die Stadt und machte sie zum Ort der Tagungen des Sejm. Ab 1339 war die Stadtz Sitz der Woiwodschaft Łęczyca.
Den Niedergang brachte der Stadt die schwedische Invasion des Königs Karl X. Gustav: Die Stadt und die Burg brannten nieder. Danach sank Łęczyca zu einer Ackerbürger-Stadt herab. Infolge der zweiten Teilung Polens kam die Stadt 1793 an Preußen und wurde zur Festung ausgebaut, die Woiwodschaft wurde aufgehoben und nie wieder eingerichtet. Nach Beginn des Großpolnischen Aufstands zog die preußische Garnison am 7. November 1806 kampflos ab und Łęczyca fiel 1807 an das Herzogtum Warschau.
Einen bescheidenen Aufschwung erlebte Łęczyca in den ersten Jahren Kongresspolens, dessen Regierung die Stadt zu einem Zentrum der Textilindustrie machen wollte und viele Fachleute (Weber und andere Handwerker) aus Schlesien ermunterte, sich in der Stadt niederzulassen. Łęczyca wurde aber aus unbekannten Gründen (wahrscheinlich wegen des ungesunden Klimas, denn die großen Sümpfe, die die Stadt umgaben, wurden erst um 1900 trockengelegt) nie ein größerer Industrieort wie die benachbarte Stadt Zgierz, sondern blieb eine Stadt der Ackerbürger und Händler. Von etwa 9000 Einwohnern, die die Stadt 1914 zählte, waren je ein Drittel Polen, Deutsche (darunter polnische deutschstämmige Evangelische, die die russischen Behörden als Deutsche betrachteten) und Juden. Von deutschen Truppen der 9. Armee im Dezember 1914 eingenommen, war Łęczyca kurze Zeit Hauptquartier des Befehlshabers dieser Armee, Feldmarschall August von Mackensen. Über die damaligen hygienischen Zustände hieß es in den Memoiren Bogdan Graf von Hutten-Czapskis , seines Adjutanten: „Das Städtchen war unglaublich schmutzig, in den Straßen lag der Kehricht meterhoch. Als einziger Polnisch sprechender Offizier übernahm ich für einige Tage die Geschäfte des Ortskommandanten und zwang die gesamte Bevölkerung, auch die wohlhabendere jüdische, persönlich den Schmutz abzufahren. Es dauerte lange, bevor wir auf den Grund des Pflasters kamen, und es herrschte eine solche Feuchtigkeit auf den Straßen, dass ich Bretter legen lassen musste, damit man einigermaßen trockenen Fußes in die Häuser gelangen konnte. Die sanitären Zustände in der Stadt und im ganzen Gebiet der 9. Armee waren entsetzlich. Es herrschten Ruhr, Fleckentyphus und Blattern“.[3]
Auch im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Schauplatz von Kriegshandlungen, z. B. der großen Schlacht an der Bzura Anfang September 1939.
Während der deutschen Besatzung 1939–1945 war die Stadt dem Wartheland als nominelle Hauptstadt des Landkreises Lentschütz einverleibt, wobei die Kreisbehörden aber in Ozorków saßen. Nach der Deportation der örtlichen Juden wurden in der Stadt und dem Kreis viele baltendeutsche und wolhyniendeutsche Familien angesiedelt (für welche die NS-Behörden um 1941 eine moderne Wohnsiedlung in der Nähe des Bahnhofs erbauten), wovon noch viele Gräber auf dem evangelischen Friedhof zeugen. Im Jahre 1945, nach dem Kriegsende, gab es in der Stadt nur etwa 30 deutschstämmige evangelische Personen, um 1980 nur fünf. Die schöne hölzerne evangelische Kirche, um 1850 erbaut, wurde um 1980 wegen Baufälligkeit abgerissen.
In den 1950er Jahren begannen zaghafte Versuche, Industrie in der Stadt anzusiedeln. Das Ergebnis war, dass eine neueröffnete Zellulose-Fabrik den Fluss Bzura völlig verseuchte, der Gestank in der Stadt war unerträglich. Ein weiterer Arbeitgeber ist seit Anfang der 1950er ein zirka acht Kilometer südwestlich gelegener Militärflugplatz. Erst um 1980 wurden adäquate Reinigungsanlagen eingesetzt.
Um 1960 entdeckte man auf ehemaligem Sumpfgelände gegenüber dem evangelischen Friedhof Lager von nicht so hochwertigem Eisenerz, die man etwa 20 Jahre lang ausbeutete. Die ehemalige „Königliche Stadt Łęczyca“, wie sie sich auch heute stolz nennt, sollte zu einer „Sozialistischen Bergarbeiter- und Hüttenstadt“ werden. Für diese Bergleute errichtete man Plattenbauten. Nach etwa 20 Jahren wurde der Bergbau endgültig eingestellt, Spuren der Umweltzerstörung gibt es aber noch heute: Sogar der Friedhof wurde unterhöhlt.
Politik
Wappen
Das Stadtwappen von Łęczyca zeigt eine rote Stadtmauer mit drei Türmen, die auf einer grünen Wiese steht. Im Mittelturm stößt ein schwarz gekleideter Trompeter in ein goldenes Horn. Auf der goldenen Bekränzung der Nebentürme sitzen zwei schwarze Raben.
Kulturdenkmale
In der Denkmalliste der Woiwodschaft Łódź sind unter anderem folgende Kulturdenkmale verzeichnet:[4]
- Kirche Apostel St. Andreas aus dem 15. sowie 17. bis 19. Jahrhundert
- Klosteranlage der Bernhardiner aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bestehend aus
- der Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Heiligen Jungfrau Maria
- dem Kloster
- Klosteranlage der Dominikaner, bestehend aus Kirche und Kloster, 14. Jahrhundert sowie 18. und 19. Jahrhundert
- Kloster der Prämonstratenser heutige Ursulinen, Anfang 17. bis zweite Hälfte 19. Jahrhundert
- Stadtpark 1828–1830
- Schlossanlage (heute Museum der Region Łęczyca), 14.–18. Jahrhundert bestehend aus:|
- dem Osthaus (Pulvermagazin), 18. Jahrhundert
- dem Neuen Haus
- Turm und Mauern
- Wehrturm, heute Glockenturm der Pfarrkirche, 14. Jahrhundert, 18. Jahrhundert
- Rathaus, klassizistisch, 1788–90, Anfang des 20. Jahrhunderts und 2005–07 wiederaufgebaut
- Hotel, heute Wohnhaus, ul. Kościuszki 32, Mitte des 19. Jahrhunderts
- Schule, Johannes Paul II., erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Schachtturm des Eisenerzbergwerks „Łęczyca I“, ul. Ozorkowskie Przedmieście 4
- die örtliche Schmalspurbahn für den Personennahverkehr Krośniewicka Kolej Dojazdowa
- sowie zahlreiche Häuser aus dem 19. Jahrhundert
Sehenswürdigkeiten
- Die Kleine Synagoge in der ul. Szpitalna wurde erbaut im späten 18. Jahrhundert und in der Zeit zwischen den Weltkriegen wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Deutschen zerstört. Nach dem Krieg wurde das Gebäude in Wohnungen umgewandelt. In der Kleinen Synagoge befanden sich Cheder, eine Mikwe und die Wohnung des Rabbiners von Łęczyca.
- Evangelischer Friedhof (gegr. um 1825), mit einem 1914 angelegten Militärbereich sowie Gräbern der deutschen Siedler aus der Zeit des Warthelandes (1939–45);
- Katholischer Friedhof (ul. Kaliska) mit Gräbern von deutschen und russischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, von 1920 sowie Gräbern (632) von polnischen Soldaten aus dem Jahr 1939.
- Der Orthodoxe Friedhof aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt heute innerhalb des römisch-katholischen Friedhofs.


Söhne und Töchter der Stadt
- Andrzej Kern (1937–2007), Politiker, Sejmabgeordneter
- Wojciech Wiewiórowski (* 1971), Jurist, Europäischer Datenschutzbeauftragter
- Przemysław Kaźmierczak (* 1982), Fußballspieler
- Robert Wolski (1982–2026), Hochspringer
- Michał Pacholski (* 1985), Politiker, Sejmabgeordneter
- Grzegorz Sobiński (* 1987), Leichtathlet
- Michał Pietrzak (* 1989), Leichtathlet
Landgemeinde Łęczyca
Die Landgemeinde Łęczyca, zu der die Stadt selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 150,6 km², auf der 8184 Menschen leben (Stand: 1. Januar 2024).
Literatur
- Bogdan Graf von Hutten-Czapski, Sechzig Jahre Politik und Gesellschaft, 1–2, Berlin 1936
