Şara Sayın
türkische Hochschullehrerin, Germanistin und Turkologin
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Şara Sayın (* 6. Juni 1926 in Istanbul; † 14. August 2017 ebenda) war eine türkische Germanistin, Turkologin, Literaturwissenschaftlerin und Hochschullehrerin.[1][2] Sie gilt als wichtige Vermittlerin deutscher Literatur und Kultur in der Türkei und hatte an der Universität Istanbul einen starken Einfluss auf die Germanistik, die Deutschlehrerausbildung und die Übersetzungswissenschaft.[3][4]
Leben
Nach dem Besuch der Namık-Kemal-Schule in Istanbul von 1934 bis 1936 erwarb Sayın 1944 ihr Abitur an der dortigen Deutschen Oberrealschule, an der sie ab ihrem elften Lebensjahr Deutsch gelernt hatte.[2][5] Im Anschluss studierte sie Germanistik und Turkologie an der Universität Istanbul und schloss das Studium 1948 mit dem Staatsexamen ab.[1][5] Ihr akademisches Umfeld war von aus Deutschland emigrierten Philologen wie Leo Spitzer und Erich Auerbach beeinflusst, deren Arbeit auch die Ausbildung später einflussreicher türkischer Geisteswissenschaftler beeinflusste.[6][7] 1951 wurde sie wissenschaftliche Assistentin an der Abteilung für Deutsche Sprache und Deutsche Literatur der Philosophischen Fakultät der Universität Istanbul, an der sie 1953 mit einer Dissertation zum Thema „Untersuchungen über den tragischen Vorgang im Drama Grillparzers“ zum Dr. phil. promoviert wurde.[1] 1958 schloss sie ihre Habilitation mit einer Arbeit über „Der Ring“ von Heinrich Wittenwiler: Ein spätmittelalterlich komisch-didaktisches Epos ab.[6][2] 1967 erfolgte ihre Berufung zur Professorin am Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur an der Philosophischen Fakultät der Universität Istanbul; diese Professur hatte sie bis zu ihrer Emeritierung 1993 inne.[1][2] Sayın lebte später in Istanbul und Deutschland und starb am 14. August 2017 im Alter von 91 Jahren.[2]
Wirken
Sayın trug wesentlich zur institutionellen Entwicklung der Germanistik, der Deutschlehrerausbildung und der Übersetzungswissenschaft an der Universität Istanbul bei.[6][4] Im Jahr 1972 wurde sie mit der Gründung der Abteilung Deutsch als Fremdsprache der Fremdsprachenhochschule der Universität Istanbul beauftragt und war von 1972 bis 1973 zunächst Leiterin des Fachbereichs bzw. später der Abteilung Deutsch als Fremdsprache.[2] In diesem Zusammenhang wirkte sie 1972 auch an der Gründung des Fachs Deutschlehrerausbildung mit.[2] Zwischen 1988 und 1991 war sie Leiterin des Fachbereichs Deutsche Sprache und Literatur und Leiterin der Abteilung Westliche Sprachen und Literaturen.[1] 1992 war sie eine treibende Kraft bei der Einrichtung der Übersetzungsabteilung, aus der 1993 ein Masterprogramm und 1994/1995 ein deutschsprachiger Studiengang für Übersetzen und Dolmetschen hervorgingen.[2] In ihren literaturwissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte sie sich mit Georg Büchner, Franz Kafka und Johann Wolfgang von Goethe.[6][4] Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf dem Thema „Das Revolutionäre in Büchners Dramen“; zu ihren Büchern zählen Devrimci Dram Yazarı Georg Büchner und Metinlerle Söyleşi.[6][4] Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte sie 2010 als Germanistin, deren Schriften und Lehre die „Identitätsarbeit am Schnittpunkt der Kulturen“ und das wechselseitige Verstehen zwischen deutschen und türkischen Denk- und Literaturtraditionen beeinflusst hätten.[3] Sayın saß im Türkisch-Deutschen Kulturbeirat und war bereits in den 1980er-Jahren an Überlegungen zur Gründung einer Deutsch-Türkischen Universität beteiligt.[8]
Auszeichnungen
Für ihre Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur wurde Sayın 1992 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[6] Im Jahr 2000 erhielt sie die Goethe-Medaille.[2] 2010 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland der mit 12.500 Euro dotierte Friedrich-Gundolf-Preis verliehen.[9][10]
Weblinks
- Literatur von und über Şara Sayın im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Manfred Durzak, Nilüfer Kuruyazıcı: Interkulturelle Begegnungen: Festschrift für Şara Sayın, 2004, ISBN 3-8260-2899-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)