(530) Turandot
Asteroid des Hauptgürtels
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(530) Turandot ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 11. April 1904 vom deutschen Astronomen Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 12,6 mag entdeckt wurde.
| Asteroid (530) Turandot | |
|---|---|
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Äußerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 3,192 AE |
| Exzentrizität | 0,217 |
| Perihel – Aphel | 2,500 AE – 3,883 AE |
| Neigung der Bahnebene | 8,6° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 129,1° |
| Argument der Periapsis | 199,5° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 1. Juli 2026 |
| Siderische Umlaufperiode | 5 a 256 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 16,48 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 84,9 km ± 2,6 km |
| Albedo | 0,05 |
| Rotationsperiode | 19 h 58 min |
| Absolute Helligkeit | 9,3 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
F |
| Geschichte | |
| Entdecker | Max Wolf |
| Datum der Entdeckung | 11. April 1904 |
| Vorläufige Bezeichnung | 1904 GB, 1911 QF, 1934 JK, 1934 NE1, 1949 DD, 1966 DS |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist benannt nach einer Märchenfigur, die seit Carlo Gozzis Theaterstück Turandot (1762) als chinesische Prinzessin in Erscheinung tritt. Konkret wird als Namensgeber zwar die gleichnamige Oper Giacomo Puccinis angegeben,[1] die allerdings erst 1926, und somit 20 Jahre nach der Benennung des Asteroiden durch den Entdecker uraufgeführt wurde.[2]
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (530) Turandot, für die damals Werte von 84,9 km bzw. 0,05 erhalten wurden.[3] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 85,6 km bzw. 0,05.[4]
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (530) Turandot eine taxonomische Klassifizierung als C- bzw. Cb-Typ.[5]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 13. bis 28. Juli 1986 am La-Silla-Observatorium. Aus der während drei Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 10,77 h abgeleitet.[6] Dies war aber offenbar eine Fehlauswertung, denn neue Beobachtungen vom 31. Mai bis 30. Juni 2014 während 16 Nächten am Organ Mesa Observatory in New Mexico wurden zu einer Rotationsperiode von 19,960 h ausgewertet. Alle anderen Periodizitäten zwischen 8 und 48 h konnten dagegen sicher ausgeschlossen werden, darunter auch die doppelte Periode.[7] Dieses Ergebnis wurde auch durch Messungen vom 11. August bis 15. September 2020 an sechs Observatorien der argentinischen Grupo de Observadores de Rotaciones de Asteroides (GORA) mit einem Wert von 19,94 h bestätigt.[8]
Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (530) Turandot, für die in einer Untersuchung von 2021 erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 19,9537 h berechnet wurde.[9]
Weitere photometrische Beobachtungen erfolgten vom 1. bis 29. November 2021 während zehn Nächten wieder am Organ Mesa Observatory, wo nun eine Rotationsperiode von 19,961 h bestimmt wurde,[10] sowie vom 3. bis 26. November 2021 während 10 Nächten am Deep Sky West Observatory in New Mexico (abgeleitete Periode 19,955 h).[11] Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 19,954 h bestimmt werden.[12]
Um die Kenntnis über Rotation, Form und Größe der unter den Asteroiden vorkommenden langsamen Rotatoren zu verbessern, wurden in einem Projekt photometrische Daten gesammelt und die Lichtkurven zur Erstellung von 3D-Modellen für eine Anzahl Asteroiden benutzt. Eventuell auftretende Mehrdeutigkeiten wurden durch die Einbeziehung von Daten aus Sternbedeckungen eliminiert. Für (530) Turandot konnten in einer Untersuchung von 2023 aus Beobachtungsdaten der Jahre 1986 bis 2019 dreidimensionale Gestaltmodelle für zwei alternative Positionen der Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 19,9523 h berechnet werden. Ein Vergleich mit Beobachtungsdaten von drei Sternbedeckungen 2006, 2019 und 2020 ermöglichte eine Bevorzugung für eine der Rotationsachsen. Für den Durchmesser wurde ein Wert von 89 ± 6 km bestimmt. Eine zum Vergleich durchgeführte Anwendung der Methode All-Data Asteroid Modelling (ADAM) führte zu nahezu identischen Ergebnissen mit gleicher Periode und einem Durchmesser von 89 ± 2 km, ebenfalls mit noch deutlicherer Bevorzugung der bereits zuvor ausgewählten Achse.[13]
Trivia
Der Name des Asteroiden wurde 1945 verwendet für die Taufe des US-amerikanischen Angriffsfrachtschiffs (Attack Cargo Ship) der Artemis-Klasse USS Turandot (AKA-47).
Siehe auch
Weblinks
- (530) Turandot beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (530) Turandot in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (530) Turandot in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (530) Turandot in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).