(679) Pax
Asteroid des Hauptgürtels
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(679) Pax ist ein Asteroid des mittleren Hauptgürtels, der am 28. Januar 1909 vom deutschen Astronomen August Kopff an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 12,6 mag entdeckt wurde.
| Asteroid (679) Pax | |
|---|---|
| Berechnetes 3D-Modell von (679) Pax | |
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Mittlerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,586 AE |
| Exzentrizität | 0,310 |
| Perihel – Aphel | 1,783 AE – 3,388 AE |
| Neigung der Bahnebene | 24,418° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 112,1° |
| Argument der Periapsis | 267,0° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 9. Juli 2024 |
| Siderische Umlaufperiode | 4 a 58 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 18,07 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 63,9 km ± 0,2 km |
| Albedo | 0,11 |
| Rotationsperiode | 8 h 27 min |
| Absolute Helligkeit | 9,1 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
I |
| Spektralklasse (nach SMASSII) |
K |
| Geschichte | |
| Entdecker | August Kopff |
| Datum der Entdeckung | 28. Januar 1909 |
| Andere Bezeichnung | 1909 BR, 1973 QD |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist benannt nach der römischen Friedensgöttin Pax. Die Benennung erfolgte durch den italienischen Astronomen Giovanni Zappa (1884–1923), der die Umlaufbahn berechnet hatte.[1]
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Daten radiometrischer Beobachtungen im Infraroten vom November 1974 am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi und aus dem gleichen Jahr am Cerro Tololo Inter-American Observatory in Chile wurden für (679) Pax erstmals Werte für den Durchmesser und die Albedo von 77 und 66 km bzw. 0,13 und 0,18 bestimmt.[2][3][4] Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (679) Pax, für die damals Werte von 51,5 km bzw. 0,17 erhalten wurden.[5] Mit hochaufgelösten Aufnahmen mit dem Adaptive Optics (AO)-System am Teleskop II des Keck-Observatoriums auf Hawaiʻi im Infraroten vom 7. Dezember 2003 konnte ein elliptischer Querschnitt von etwa (78 × 47) km, entsprechend einem mittleren Durchmesser von 62 km beobachtet werden.[6] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 64,8 oder 68,8 km bzw. 0,10 oder 0,09.[7] Nach neuen Messungen mit NEOWISE wurden die Werte 2014 auf 63,0 oder 63,9 km bzw. 0,11 oder 0,10 korrigiert.[8] Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2016 angegeben mit 44,0 oder 55,7 km bzw. 0,14 oder 0,11, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.[9]
Beobachtungen des Asteroiden (234) Barbara hatten im Jahr 2006 ein ungewöhnliches polarimetrisches Verhalten aufgezeigt, für das zunächst keine Erklärung angegeben werden konnte. Vermutungen bewegten sich im Bereich einer ungewöhnlich strukturierten Oberfläche mit vielen tiefen Kratern oder einer abnormen Mikrostruktur des Regoliths auf der Oberfläche.[10] Bei weiteren Beobachtungen an der Astronomischen Einrichtung Leoncito (CASLEO) in Argentinien im September 2007 konnte ein Barbara-ähnliches polarimetrisches Verhalten auch bei (679) Pax festgestellt werden.[11]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 2. und 5. Oktober 1978 am La-Silla-Observatorium in Chile. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 7,625 h abgeleitet.[12] Dies erwies sich aber als Fehlauswertung, denn bei neuen Beobachtungen vom 15. bis 25. September 1982 am gleichen Ort konnte nun aus der während drei Nächten aufgezeichneten Lichtkurve eine Rotationsperiode von 8,452 h bestimmt werden.[13]
Vom 19. bis 31. Mai 1998 und während der Opposition 2000 gab es an der Außenstelle Tschuhujiw des Charkiw-Observatoriums in der Ukraine und am Krim-Observatorium in Simejis photometrische Beobachtungen des Asteroiden. Die gemessenenen Lichtkurven passten zu einer Periode von 8,452 h.[14] In einer Untersuchung von 2009 wurden aus archivierten Daten aus den Jahren 1998 bis 2005 zwei alternative, nahezu in der Ebene der Ekliptik gelegene Rotationsachsen sowie die Achsenverhältnisse eines deiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells berechnet.[15]
Mit Hilfe der archivierten Daten aus den Jahren 1978 und 1982 in Verbindung mit neuen Beobachtungen am Observatorium Borówiec in Polen, der Stazione Astronomica di Sozzago in Italien und dem Observatoire Les Engarouines in Frankreich aus dem Zeitraum März 2002 bis Juni 2010 konnte in einer Untersuchung von 2011 mit der Methode der konvexen Inversion erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen, eine nahe zur Ekliptik gelegen und eine mit prograder Rotation, sowie eine Periode von 8,45602 h berechnet werden. Der Vergleich mit den Keck-II-Aufnahmen aus 2003 (siehe oben) führte zu einer Bevorzugung der zweiten (prograden) Rotationsachse.[16] Eine weitere Untersuchung von 2018 kam mit archivierten Daten aus den Jahren 2006, 2009 und 2010 zu vergleichbaren Ergebnissen betreffend die prograde Rotationsachse und einer Periode von 8,45645 h.[17]
Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (679) Pax, für die in einer Untersuchung von 2021 ein verbessertes dreidimensionales Gestaltmodell für zwei alternative Rotationsachsen, eine mit prograder und eine mit retrograder Rotation, sowie eine Periode von 8,4559 h berechnet wurde.[18]
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 8,4561 h bestimmt werden.[19] Im Jahr 2023 wurde aus photometrischen Messungen von Gaia DR3 erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 8,4561 h berechnet.[20]
Abschätzungen von Masse und Dichte für den Asteroiden (679) Pax aufgrund von gravitativen Beeinflussungen auf Testkörper führten in einer Untersuchung von 2012 zu einer Masse von etwa 0,714·1018 kg und mit einem angenommenen Durchmesser von etwa 65 km zu einer Dichte von 4,99 g/cm³ bei keiner Porosität. Die Werte besitzen eine Unsicherheit im Bereich von ±32 %.[21]
Siehe auch
Weblinks
- (679) Pax beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (679) Pax in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (679) Pax in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (679) Pax in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).