(714) Ulula
Asteroid des Hauptgürtels
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(714) Ulula ist ein Asteroid des mittleren Hauptgürtels, der am 18. Mai 1911 vom deutschen Astronomen Joseph Helffrich an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 12,5 mag entdeckt wurde. Es war seine letzte von insgesamt elf Asteroidenentdeckungen.
| Asteroid (714) Ulula | |
|---|---|
| Berechnetes 3D-Modell von (714) Ulula | |
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Mittlerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,535 AE |
| Exzentrizität | 0,056 |
| Perihel – Aphel | 2,394 AE – 2,677 AE |
| Neigung der Bahnebene | 14,272° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 233,7° |
| Argument der Periapsis | 233,6° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 8. April 2027 |
| Siderische Umlaufperiode | 4 a 13 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 18,69 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 41,3 km ± 2,3 km |
| Albedo | 0,26 |
| Rotationsperiode | 7 h 0 min |
| Absolute Helligkeit | 9,0 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
S |
| Geschichte | |
| Entdecker | Joseph Helffrich |
| Datum der Entdeckung | 18. Mai 1911 |
| Andere Bezeichnung | 1911 KG |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist benannt mit dem lateinischen Begriff für „Käuzchen“, es gibt aber mit der Sperbereule (Surnia ulula) nur eine Art von Eulen, die dieses Wort in ihrem Gattungs- oder Artnamen trägt.
Aufgrund ihrer Bahneigenschaften wird (714) Ulula zur Maria-Familie gezählt.
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (714) Ulula, für die damals Werte von 39,2 km bzw. 0,27 erhalten wurden.[1] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 41,3 km bzw. 0,26.[2] Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 angegeben mit 50,8 km bzw. 0,21, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.[3]
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (714) Ulula eine taxonomische Klassifizierung als S- bzw. L-Typ.[4]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 20. bis 24. Januar 1983 am La-Silla-Observatorium. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 7,000 h bestimmt.[5] Dieses Ergebnis konnte auch durch weitere Beobachtungen vom 2. bis 5. August 2005 am R. P. Feynman Observatory in Italien mit einer abgeleiteten Periode von 6,998 h bestätigt werden.[6][7]
Aus archivierten Daten des Uppsala Asteroid Photometric Catalogue (UAPC) wurde in einer Untersuchung von 2009 für (714) Ulula erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 6,99838 h berechnet.[8] Mit Hilfe der archivierten Daten aus 1983 in Verbindung mit neuen Beobachtungen an verschiedenen Observatorien in Polen, Südafrika, Spanien und Frankreich aus dem Zeitraum September 2001 bis September 2009 konnte in einer Untersuchung von 2011 mit der Methode der konvexen Inversion erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 6,99838 h berechnet werden.[9]
Eine Auswertung von archivierten Lichtkurven des United States Naval Observatory (USNO) in Arizona und der Catalina Sky Survey ermöglichte in einer weiteren Untersuchung von 2011 ebenfalls die Berechnung eines dreidimensionalen Gestaltmodells des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 6,99837 h.[10]
Neue photometrische Beobachtungen am 3. Dezember 2018 mit dem Telescopio Abierto Robótico (TAR2) am Observatorio del Teide auf Teneriffa wurden zu einer Rotationsperiode von 6,99 h ausgewertet.[11] Mit dem Weltraumteleskop Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) konnten während dessen Durchmusterung des Südhimmels 2018 bis 2019 auch Objekte des Sonnensystems beobachtet werden. Dabei wurden auch die Lichtkurven von fast 10.000 Asteroiden aufgezeichnet. Für (714) Ulula wurde aus Messungen vom 15. bis 24. Dezember 2018 eine Rotationsperiode von 7,00106 h erhalten.[12]
Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (714) Ulula, für die in einer Untersuchung von 2021 ein verbessertes dreidimensionales Gestaltmodell für eine Rotationsachse mit retrograder Rotation und einer Periode von 6,99837 h berechnet wurde.[13] Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 6,9983 h bestimmt werden.[14]
Siehe auch
Weblinks
- (714) Ulula beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (714) Ulula in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (714) Ulula in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (714) Ulula in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).