(722) Frieda
Asteroid des Hauptgürtels
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(722) Frieda ist ein Asteroid des inneren Hauptgürtels, der am 18. Oktober 1911 vom österreichischen Astronomen Johann Palisa an der Universitätssternwarte Wien bei einer Helligkeit von 13,0 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits am 9. März 1910 an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg fotografiert worden war.
| Asteroid (722) Frieda | |
|---|---|
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| Berechnetes 3D-Modell von (722) Frieda | |
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Innerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,172 AE |
| Exzentrizität | 0,146 |
| Perihel – Aphel | 1,856 AE – 2,488 AE |
| Neigung der Bahnebene | 5,635° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 45,6° |
| Argument der Periapsis | 257,4° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 23. Mai 2026 |
| Siderische Umlaufperiode | 3 a 73 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 20,11 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 8,3 km ± 0,1 km |
| Albedo | 0,25 |
| Rotationsperiode | 5 d 11 h |
| Absolute Helligkeit | 12,5 mag |
| Geschichte | |
| Entdecker | Johann Palisa |
| Datum der Entdeckung | 18. Oktober 1911 |
| Andere Bezeichnung | 1911 UN, 1926 GR, 1946 SH |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist vermutlich benannt zu Ehren von Frieda Hillebrand, Enkelin von Edmund Weiss (1837–1917), dem Direktor der Wiener Sternwarte, und Tochter von Karl Hillebrand (1861–1939), Astronom an der Universität Graz, und seiner Frau Irene, geb. Weiss.
Wissenschaftliche Auswertung
Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (722) Frieda zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 8,8 km bzw. 0,33.[1] Ein Vergleich von Daten, die von 1978 bis 2011 an der Sternwarte Ondřejov in Tschechien und am Table Mountain Observatory in Kalifornien gesammelt wurden, mit den Daten von NEOWISE ergab 2012 Werte für den Durchmesser und die Albedo von 8,8 km bzw. 0,27.[2] Nachdem die Werte nach neuen Messungen mit NEOWISE 2012 auf 9,2 km bzw. 0,25 geändert worden waren,[3] wurden sie 2014 auf 8,3 km bzw. 0,43 korrigiert.[4] Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 mit 10,5 km bzw. 0,23 angegeben, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.[5]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 9. November 1991 am Steward-Observatorium auf dem Kitt Peak in Arizona. In der nur über etwa 1 ½ Stunden aufgezeichneten Lichtkurve konnte keine Veränderlichkeit festgestellt werden.[6] Im Rahmen der Mexican Asteroid Photometry Campaign (CMFA) erfolgten weitere Beobachtungen des Asteroiden vom 9. April bis 1. Mai 2019 am Observatorio Astronómico Nacional (OAN) auf der Sierra de San Pedro Mártir, dem Carl Sagan Observatory der Universidad de Sonora (UNISON) und dem Tonantzintla-Observatorium, alle in Mexiko. Die aus den während zehn Nächten aufgezeichneten Daten erstellte Lichtkurve wurde zu einer Rotationsperiode von 30,06 h ausgewertet.[7]
Im gleichen Zeitraum wurden auch Messungen vom 23. April bis 4. Mai 2019 am Command Module Observatory in Arizona durchgeführt. Aus der während 14 Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde hier allerdings eine wesentlich längere Rotationsperiode von 131,1 h bestimmt. (722) Frieda ist damit ein sehr langsamer Rotator.[8]
Im Jahr 2019 wurde mit einer Auswertung photometrischer Daten des Lowell-Observatoriums in Arizona und des Gaia DR2-Katalogs erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit retrograder Rotation und einer Periode von 131,166 h berechnet.[9]
Auch neue Messungen vom 30. Oktober bis 22. November 2020 während elf Nächten am Deep Sky West Observatory in New Mexico bestätigten die längere Periode mit einem abgeleiteten Wert von 129,0 h. Besonderheiten in der Lichtkurve schienen auch auf ein mäßiges Taumeln des Asteroiden hinzudeuten.[10]
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 131,5 h bestimmt werden.[11]
Siehe auch
Weblinks
- (722) Frieda beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (722) Frieda in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (722) Frieda in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (722) Frieda in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).
