(758) Mancunia
Asteroid des Hauptgürtels
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(758) Mancunia ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 18. Mai 1912 vom südafrikanischen Astronomen Harry Edwin Wood am Union-Observatorium in Johannesburg entdeckt wurde.
| Asteroid (758) Mancunia | |
|---|---|
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Äußerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 3,191 AE |
| Exzentrizität | 0,148 |
| Perihel – Aphel | 2,718 AE – 3,664 AE |
| Neigung der Bahnebene | 5,609° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 106,0° |
| Argument der Periapsis | 313,2° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 25. Oktober 2023 |
| Siderische Umlaufperiode | 5 a 256 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 16,58 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 89,0 km ± 0,6 km |
| Albedo | 0,12 |
| Rotationsperiode | 12 h 44 min |
| Absolute Helligkeit | 8,4 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
X |
| Geschichte | |
| Entdecker | Harry Edwin Wood |
| Datum der Entdeckung | 18. Mai 1912 |
| Andere Bezeichnung | 1912 KB, 1914 WC, 1938 AG |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist benannt nach der Stadt Manchester in England, der Heimatstadt seines Entdeckers. Mancunia ist der lateinische Name von Manchester.
Aufgrund ihrer Bahneigenschaften gilt (758) Mancunia als eines der größeren Mitglieder der Hygiea-Familie.
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (758) Mancunia, für die damals Werte von 85,5 km bzw. 0,13 erhalten wurden.[1] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 85,0 km bzw. 0,13.[2] Nach neuen Messungen mit NEOWISE wurden die Werte 2014 auf 89,0 km bzw. 0,12 korrigiert.[3]
Spektroskopische und radarastronomische Untersuchungen ergaben eine wahrscheinliche Zusammensetzung von (758) Mancunia aus gewöhnlichem Chondrit mit einem hohen NiFe-Gehalt.[4]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 28. Januar bis 21. Februar 1996 durch einen Amateurastronomen in Texas. Aus der während sieben Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 6,902 h abgeleitet. Eine ebenso mögliche Periode von 10,346 h wurde als unwahrscheinlich angesehen.[5] Weitere Beobachtungen erfolgten vom 24. bis 27. Dezember 2006 am Palmer Divide Observatory in Colorado, die zu einer Rotationsperiode von 12,738 h ausgewertet wurden. Zu dieser Zeit gab es auch weitere unabhängige Messungen am 21. und 22. Dezember 2006 am Observatorie Le Crès sowie am 3. und 4. Januar 2007 am Observatorie Farigourette, beide in Frankreich, die zusammen zu einer Periode von 12,723 h führten. Schließlich wurden alle Datensätze miteinander kombiniert, um daraus einen verbesserten Wert für die Rotationsperiode von 12,7253 h zu bestimmen.[6]
Vom 15. bis 18. Februar 2013 wurden am Palomar-Observatorium in Kalifornien im Rahmen des Projekts Ten Thousand Asteroid Rotation Periods (10kARPs) große Bereiche des Himmels durchmustert und die Lichtkurven von Asteroiden aufgenommen, darunter auch (758) Mancunia, für die dabei eine Rotationsperiode von 12,77 h gefunden wurde.[7]
Weitere Beobachtungen erfolgten vom 27. Mai bis 6. Juni 2015 durch die Gruppe Observadores de Asteroides (OBAS) an verschiedenen Observatorien in Spanien. Die während vier Nächten registrierte unvollständige Lichtkurve wurde zu einer Rotationsperiode von 12,77 h ausgewertet.[8]
Im Jahr 2016 führte die Auswertung von archivierten Lichtkurven der Lowell Photometric Database und von Beobachtung aus dem Zeitraum 2006 bis 2015 erstmals zur Erstellung eines dreidimensionalen Gestaltmodells des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 12,72011 h.[9]
Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (758) Mancunia, für die in einer Untersuchung von 2021 ein verbessertes dreidimensionales Gestaltmodell für eine Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 12,7200 h berechnet wurde.[10]
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 12,7204 h bestimmt werden.[11] Im Jahr 2023 wurde aus photometrischen Messungen von Gaia DR3 erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 12,7199 h berechnet.[12]
Abschätzungen von Masse und Dichte für den Asteroiden (758) Mancunia aufgrund von gravitativen Beeinflussungen auf Testkörper führten in einer Untersuchung von 2012 zu einer Masse von etwa 0,931·1018 kg und mit einem angenommenen Durchmesser von etwa 87 km zu einer Dichte von 2,69 g/cm³ bei einer Porosität von 3 %. Die Werte besitzen eine Unsicherheit im Bereich von ±9 %.[13]
Siehe auch
Weblinks
- (758) Mancunia beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (758) Mancunia in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (758) Mancunia in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (758) Mancunia in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).