(832) Karin

Asteroid des Hauptgürtels From Wikipedia, the free encyclopedia

(832) Karin ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 20. September 1916 vom deutschen Astronomen Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 13 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er am gleichen Ort bereits am 22. November 1902 fotografiert worden war.

Schnelle Fakten Asteroid ...
Asteroid
(832) Karin
Berechnetes 3D-Modell von (832) Karin
Berechnetes 3D-Modell von (832) Karin
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Eigenschaften des Orbits Animation
Epoche: 21. November 2025 (JD 2.461.000,5)
Orbittyp Äußerer Hauptgürtel
Asteroidenfamilie Koronis-Familie
Große Halbachse 2,862 AE
Exzentrizität 0,083
Perihel – Aphel 2,625 AE  3,100 AE
Perihel  Aphel  AE   AE
Neigung der Bahnebene 1,010°
Länge des aufsteigenden Knotens 253,7°
Argument der Periapsis 120,5°
Zeitpunkt des Periheldurchgangs 21. Juli 2023
Siderische Umlaufperiode 4 a 308 d
Siderische Umlaufzeit {{{Umlaufdauer}}}
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit {{{Umlaufgeschwindigkeit}}} km/s
Mittlere Orbital­geschwin­digkeit 17,58 km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 15,8 km ± 0,1 km
Abmessungen
Masse Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,22
Mittlere Dichte g/cm³
Rotationsperiode 18 h 21 min
Absolute Helligkeit 11,2 mag
Spektralklasse {{{Spektralklasse}}}
Spektralklasse
(nach Tholen)
Spektralklasse
(nach SMASSII)
Geschichte
Entdecker Max Wolf
Datum der Entdeckung 20. September 1916
Andere Bezeichnung 1902 WH, 1916 SE, 1955 SD3
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.
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Der Asteroid ist benannt nach Karin Månsdotter (1550–1612) aus der schwedischen Geschichte. Sie war im 16. Jahrhundert die Geliebte von Erik XIV. von Schweden. Karin heiratete Erik 1567, doch aufgrund dieser Ehe wurde er vom Thron gestürzt.

(832) Karin ist eines der größeren Mitglieder der Koronis-Familie, einer sehr zahlreichen Gruppe von Asteroiden, die durch eine kollisionsbedingte Zerstörung des Vorgängerkörpers von (158) Koronis entstanden.

Karin-Cluster

In einer Untersuchung von 2002 wurden 39 Objekte gefunden, die innerhalb der Koronis-Familie eine Gruppe mit sehr ähnlichen Bahnelementen bilden, wie eine Große Halbachse von etwa 2,87 AE, eine Exzentrizität von etwa 0,045 und eine Bahnneigung von etwa 2,1°. Es wurde daraus geschlossen, dass diese nach ihrem größten Mitglied Karin-Cluster genannte Gruppe eine Asteroidenfamilie zweiter Generation darstellt, die erst vor 5,8 ± 0,2 Mio. Jahren durch ein Kollisionsereignis entstanden ist. Dabei könnte ein Vorgängerkörper von etwa 25 km Größe von einem 3 km großen Impaktor getroffen worden sein, was statistisch im Hauptgürtel einmal in 5 Mio. Jahren passiert.[1] Eine verfeinerte Suche lieferte in einer neuen Untersuchung von 2004 bereits 90 Mitglieder des Karin-Clusters. Der zunächst als ein solches angesehene etwa 11 km große (4507) Petercollins erwies sich als nicht dazugehörig, die restlichen Mitglieder sind zwischen 6 und 1 km groß. Das geringe Alter des Clusters ermöglichte auch neue Erkenntnisse zur Wirkung des Jarkowski-Effekts[2] und des YORP-Effekts, die auf Oberflächen der Asteroiden aus rauem, felsigem Regolith hinwiesen. Das Alter konnte auf 5,75 ± 0,01 Mio. Jahre noch genauer eingegrenzt werden.[3]

Numerische Simulationen des Einschlagsereignisses ergaben in einer Untersuchung von 2006, dass der Ursprungskörper mit etwa 33 km deutlich größer war als zuvor angenommen und dass es sich um einen äußerst katastrophalen Impakt durch einen etwa 5,8 km großen Körper handelte, bei dem der größte Teil der Masse als Staub und bisher unentdeckte sub-km-große Partikel ausgestoßen wurde, so dass für (832) Karin nur noch etwa 15–20 % der Gesamtmasse verblieben.[4] Im Jahr 2016 waren bereits etwa 480 Mitglieder des Karin-Clusters bekannt.[3]

Wissenschaftliche Auswertung

Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 für (832) Karin zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 16,3 km bzw. 0,21.[5] Nachdem die Werte nach neuen Messungen mit NEOWISE 2012 auf 17,7 km bzw. 0,19 geändert worden waren,[6] wurden sie 2014 auf 15,8 km bzw. 0,22 korrigiert.[7]

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 28. bis 30. Oktober 1984 am McDonald-Observatorium in Texas. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde zunächst eine Rotationsperiode von 18,82 h abgeleitet.[8]

Aus umfangreichen Beobachtungen vom 22. August bis 29. September 2003 am Vatican Advanced Technology Telescope (VATT) in Arizona, am Kiso-Observatorium und an der Pädagogischen Hochschule Fukuoka, beide in Japan, sowie Infrarot-Beobachtungen am 14. September 2003 mit dem Subaru-Teleskop am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi konnte die Rotationsperiode nun zu 18,348 h bestimmt werden. Farbmessungen bestätigten die taxonomische Klassifizierung als S-Typ, außerdem konnte eine unterschiedliche Färbung der Oberfläche von (832) Karin festgestellt werden, was durch Unterschiede zwischen der durch das Entstehungereignis des Karin-Clusters frisch freigelegten und der älteren, verwitterten Oberfläche erklärt wurde.[9][10][11] Neue Beobachtungen im September 2004 zeigten dagegen keine veränderliche Färbung, möglicherweise durch eine veränderte Sicht auf die Rotationsachse und die Gestalt des Asteroiden.[12] Aber auch Beobachtungen vom 7. bis 14. Januar 2006 mit der Infrared Telescope Facility (IRTF) am Mauna-Kea-Observatorium zeigten keine spektrale Veränderlichkeit in Verbindung mit der Rotation,[13] ebenso wie weitere Beobachtungen vom 29. Januar bis 1. Februar 2006 im sichtbaren Bereich mit dem New Technology Telescope (NTT) am La-Silla-Observatorium in Chile und vom 17. bis 19. April 2006 mit der IRTF.[14]

Eine Auswertung von archivierten Lichtkurven des United States Naval Observatory (USNO) in Arizona und der Siding Spring Survey sowie den Beobachtungen von 2003 und 2004 ermöglichte dann in einer Untersuchung von 2011 erstmals die Berechnung eines dreidimensionalen Gestaltmodells des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 18,3512 h.[15] Eine Untersuchung von 2012 konnte mit neuen Beobachtungen aus den Jahren 2006 bis 2008 am Whitin Observatory in Massachusetts sowie vom Dezember 2009 an der Außenstelle in Rehoboth (New Mexico) des Calvin College in Grand Rapids (Michigan) eine Rotationsperiode von 18,3513 h und verbesserte Werte für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation bestimmen.[16]

Neue photometrische Beobachtungen erfolgten vom 9. März bis 2. April 2016 während fünf Nächten sowie vom 22. bis 30. Mai 2016 während sechs Nächten am Blue Mountains Observatory und am Darling Range Observatory, beide in Australien. Aus den aufgezeichneten Lichtkurven wurden Rotationsperioden von 18,348 bzw. 18,355 h abgeleitet.[17] Eine Auswertung der Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus den Jahren 2015 bis 2018 bestätigte die Rotationsperiode in einer Untersuchung von 2020 mit 18,359 h, darüber hinaus konnte eine taxonomische Zuordnung mit einer Wahrscheinlichkeit von 29 % für einen C-Typ und 71 % für einen S-Typ angegeben werden.[18]

Im Jahr 2021 wurde aus archivierten Daten und photometrischen Messungen von Gaia DR2 wieder ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 18,35132 h berechnet.[19] Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (832) Karin, für die in einer Untersuchung von 2021 ein verbessertes dreidimensionales Gestaltmodell für zwei alternative Rotationsachsen mit prograder Rotation und einer Periode von 18,3513 h berechnet wurde.[20]

Siehe auch

Commons: (832) Karin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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