(891) Gunhild
Asteroid des Hauptgürtels
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(891) Gunhild ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 17. Mai 1918 vom deutschen Astronomen Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 13 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte der Asteroid bereits auf einer Aufnahme nachgewiesen werden, die am 9. November 1915 am Krim-Observatorium in Simejis gemacht worden war.
| Asteroid (891) Gunhild | |
|---|---|
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| Berechnetes 3D-Modell von (891) Gunhild | |
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Äußerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,861 AE |
| Exzentrizität | 0,026 |
| Perihel – Aphel | 2,787 AE – 2,935 AE |
| Neigung der Bahnebene | 13,546° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 105,8° |
| Argument der Periapsis | 296,1° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 6. Januar 2027 |
| Siderische Umlaufperiode | 4 a 306 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 17,61 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 55,7 km ± 0,3 km |
| Albedo | 0,07 |
| Rotationsperiode | 11 h 54 min |
| Absolute Helligkeit | 10,0 mag |
| Geschichte | |
| Entdecker | Max Wolf |
| Datum der Entdeckung | 17. Mai 1918 |
| Andere Bezeichnung | 1915 VE, 1918 KB, 1977 FH, 1999 CF154 |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Ein Bezug dieses Namens zu einer Person oder einem Ereignis ist nicht bekannt.
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (891) Gunhild, für die damals Werte von 52,0 km bzw. 0,07 erhalten wurden.[1] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 58,1 km bzw. 0,06.[2] Nach neuen Messungen mit NEOWISE wurden die Werte 2014 auf 55,8 km bzw. 0,06 korrigiert.[3] Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 zunächst mit 65,1 km bzw. 0,05 angegeben[4] und dann 2016 korrigiert zu 47,9 oder 51,1 km bzw. 0,07, diese Angaben beinhalten aber alle hohe Unsicherheiten.[5]
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (891) Gunhild eine taxonomische Klassifizierung als D- bzw. T-Typ.[6]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 27. April bis 2. Mai 2000 am Santana Observatory in Kalifornien. Aus der während vier Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde zunächst eine Rotationsperiode von 7,93 h abgeleitet.[7] Mit zwei Teleskopen der Southeastern Association for Research on Astronomy (SARA) wurde (891) Gunhild im Jahr 2015 erneut photometrisch untersucht. Die Aufnahmen erfolgten am 2. Juli mit dem SARA-North-Teleskop am Kitt-Peak-Nationalobservatorium (KPNO) in Arizona und am 7. Juli mit dem SARA-South-Teleskop am Cerro Tololo Inter-American Observatory (CTIO) in Chile. Die Rotationsperiode wurde nun zu 10,56 h ausgewertet, während eine kürzere Periode sicher ausgeschlossen wurde. Außerdem wurde ein vorläufiges dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden erstellt.[8]
Aber auch dieser Wert für die Rotationsperiode beruhte noch auf einer Fehlauswertung, denn die Beobachtergruppe Observadores de Asteroides (OBAS) beobachtete (891) Gunhild von verschiedenen Observatorien in Spanien vom 14. Juni bis 17. Juli 2015 und bestimmte aus der Lichtkurve eine Rotationsperiode von 11,892 h.[9]
Im Jahr 2019 wurde mit einer Auswertung von Daten des Lowell-Observatoriums in Arizona und von Gaia DR2 erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 11,88721 h berechnet.[10] Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 11,883 h bestimmt werden.[11]
Asteroidenpaar
(891) Gunhild bildet mit dem Asteroiden (412) Elisabetha ein quasi-complanares Asteroidenpaar.[12] Sie besitzen sehr ähnliche Bahnelemente und bewegen sich nahezu in der gleichen Bahnebene, allerdings sind ihre Apsidenlinien deutlich gegeneinander verdreht. (412) Elisabetha besitzt eine kürzere Umlaufzeit um die Sonne als (891) Gunhild, so dass sie diese etwa alle 90 Jahre überholt. In den 1000 Jahren um die derzeitige Epoche herum kommen sich die beiden Körper aber nicht näher als 1,4 Mio. km.[13]
Siehe auch
Weblinks
- (891) Gunhild beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (891) Gunhild in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (891) Gunhild in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (891) Gunhild in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).
