92nd Infantry Division (Vereinigte Staaten)

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Die 92nd Infantry Division (deutsch 92. US-Infanteriedivision) war ein infanteristischer Großverband der US-Armee in beiden Weltkriegen. Im Rahmen der US-amerikanischen Rassentrennung war die 92. Division ein ausschließlich aus Afroamerikanern zusammengesetzter Großverband, dem lediglich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zeitweise weiße sowie asiatische Verbände unterstellt wurden, wobei auch hier die Rassentrennung innerhalb dieser Verbände bestehen blieb.

Aktiv1917–1919
1942–1945
StaatVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
TeilstreitkraftUS-Armee
Schnelle Fakten Aktiv, Staat ...

92nd Infantry Division
deutsch 92. US-Infanteriedivision

Aktiv 1917–1919
1942–1945
Staat Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Teilstreitkraft US-Armee
Typ Division
Truppenteile Erster Weltkrieg:
Regimenter 365, 366, 367, 368
Zweiter Weltkrieg (1944):
Regimenter 365, 366, 370, 371
Zweiter Weltkrieg (Kriegsende):
Regimenter 370, 442, 473
Herkunft der Soldaten Afroamerikaner
Spitzname „Büffeldivision“
(englisch Buffalo Division)
Motto „Taten, keine Worte“
(englisch Deeds, not words)
Schlachten Erster Weltkrieg: Westfront
 Maas-Argonnen-Offensive
Zweiter Weltkrieg: Italienfeldzug
 Kämpfe an der Gotenstellung
 Frühjahrsoffensive in Italien 1945
Führung
Ehemalige
Kommandeure

Charles C. Ballou
Charles H. Martin
James B. Erwin
Edward Almond
John E. Wood

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Gemeinsam mit ihrer Schwesterndivision, der 93rd Infantry Division, war die 92. Division sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg eine von nur zwei mehrheitlich afroamerikanischen Heeresdivisionen der US-Armee.[1.1][2] Diese beiden Divisionen waren mit Abstand die größten afroamerikanischen Verbände, die aufgestellt wurden.[3.1]

Erster Weltkrieg

Aufstellung der Division

Die 92. Division wurde am 24. Oktober 1917 aktiviert. Alle Generäle und Stabsoffiziere waren Weiße. Am 26. Oktober übernahm der weiße Brevet-Generalmajor Charles C. Ballou bei Camp Upton auf Long Island den Befehl über die Division. Ballou war zuvor der Kommandeur des Ausbildungslager für farbige Offiziere (englisch Colored Officers Training Camp) bei Des Moines gewesen und schien deshalb als Befehlshaber einer schwarzen Division geeignet.[4] Im Ausbildungslager hatten am 15. Oktober 639 Afroamerikaner (inklusive 250 bisherigen Unteroffizieren) ihre Offizierslehrgänge bestanden und wurden als Offiziere für den Dienst in der 92. Division übernommen.[5] Von diesen 639 Absolventen (von ursprünglich 1250 Bewerbern) wurden 106 zu Hauptmännern, 329 zu Oberleutnanten und 204 zu Leutnanten ernannt. Die meisten der Hauptmänner waren zuvor erfahrene Unteroffiziere der regulären afroamerikanischen Regimenter der Vorkriegszeit gewesen.[6.1] Der neue Divisionskommandeur Ballou hatte jedoch eine sehr geringe Meinung vom militärischen Kampfwert von Afroamerikanern und befürwortete den Einsatz von Schwarzen nur in Unterstützungsaufgaben, nicht aber in Kampfeinsätzen.[4] Trotzdem versuchte Ballou (nicht zuletzt um seiner eigenen Karriere willen), das Potenzial seiner Division auszuschöpfen.[6.2]

Die 92. Division bestand während des Ersten Weltkrieges aus der 183. Infanteriebrigade, 184. Infanteriebrigade und 167. Feldartilleriebrigade.[4] Die 183. Brigade aus dem 365. und dem 366. Infanterieregiment zusammen und wurde von Brigadegeneral Malvern Hill Barnum befehligt, der bereits in den regulären schwarzen Kavallerieregimentern Erfahrungen im Umgang mit afroamerikanischen Soldaten gesammelt hatte. Die 184. Brigade bestand aus dem 367. und dem 368. Infanterieregiment. Darüber hinaus besaß die Division drei Feldartillerieregimenter (349, 350, 351).[6.3] Besonders die Artillerie sollte an der Westfront auf Probleme stoßen, da es den Soldaten in den USA verboten gewesen war, mit scharfer Munition zu üben.[6.4]

„Die 92. Division schwarzer Truppen wurde vom Kriegsminister aufgestellt und von Präsident Wilson trotz Protesten des Generalstabs genehmigt. Es wurden jedoch keine Anstrengungen unternommen, dieser Division die notwendigen Fachkräfte mit technischer Ausbildung zuzuführen. (...) Die Genehmigung für solche Versetzungen wurde vom Kriegsministerium verweigert. Solange diese Entscheidung nicht revidiert wird, ist die 92. Division als Einheit zum Scheitern verurteilt. Ist es möglich, dass im Kriegsministerium das Scheitern dieser Division beabsichtigt ist?“

W. E. B. Du Bois: The Crisis (Mai 1918)[6.5]

Das 365. Regiment (Oberst Vernon A. Caldwell) bestand vornehmlich aus Rekruten aus Texas und Oklahoma, das 366. Regiment (Oberst Ralph B. Parrott) umfasste viele Männer aus Alabama, das 367. Regiment (Oberst James A. Moss) verfügte über viele Soldaten aus New York und das 368. Regiment (Oberst William P. Jackson) bestand aus Männern aus Pennsylvania, Tennessee und Maryland.[6.3] Die disparate Herkunft der Rekruten, die darüber hinaus zumeist militärisch völlig unerfahrene Wehrpflichtige waren, war für den direkten Vergleich mit weißen Infanteriedivisionen nachteilhaft, da diese oft auf Vorkriegsregimentern der amerikanischen Nationalgarde mit vielen erfahrenen Reservisten und starker regionaler Identität aufgebaut waren.[6.4] Unter den vier Regimentern der Division tat sich früh das 367. Regiment bei Paraden und Übungen besonders hervor. Die Rassenbeziehungen im hauptsächlich aus Nordstaatlern bestehenden 367. Regiment waren vergleichsweise harmonisch; der weiße Regimentskommandeur James A. Moss wählte für die schwarzen Soldaten seines Regiments den aus den Indianerkriegen stammenden positiv konnotierten Spitznamen Buffalo Soldiers, der schon bald von der gesamten Division übernommen wurde.[6.3]

Während der Aufstellung der Division kam es mehrfach zu Zwischenfällen zwischen Schwarzen und Weißen. Als ein schwarzer Unteroffizier im April 1918 in der Nähe von Camp Funston ein Theater in Manhattan betreten wollte und daran (trotz eines in Kansas gültigen Verbots derartiger Rassendiskriminierung) gehindert wurde, stellte sich der weiße Divisionskommandeur Ballou auf die Seite der Zivilisten und ermahnte in seinem Rundschreiben Nr. 35 (englisch Bulletin No. 35), dass ein Unteroffizier trotz seiner juristischen Rechte darauf zu achten haben, das Schüren von Rassenunruhen um jeden Preis zu vermeiden, da ansonsten die weiße Bevölkerungsmehrheit der Vereinigten Staaten dem Experiment der mehrheitlich schwarzen 92. Division ein Ende setzen könnte. Das Rundschreiben wurde in der afroamerikanischen Presse bekannt und löste unter Schwarzen einen Proteststurm aus. Die NAACP reichte Beschwerde ein, da der fragliche Unteroffizier nur seine Bürgerrechte wahrgenommen hatte und Opfer illegaler Rassendiskriminierung geworden sei. General Ballou verteidigte seine Linie unter Verweis auf die Wahrung öffentlichen Friedens auch in einem Briefwechsel mit dem berühmten schwarzen Bürgerrechtler W. E. B. Du Bois. Für die schwarzen Soldaten der 92. Division war der öffentlichkeitswirksame rassistische Zwischenfall ein bedeutender Einschnitt in ihrem Vertrauensverhältnis zu ihrem weißen Divisionskommandeur.[6.6]

Die äußerst beschränkten Karrieremöglichkeiten für schwarze Offiziere der US-Armee im Ersten Weltkrieg waren auf die 92. und 93. Division begrenzt. Auch hier konkurrierten schwarze Offiziere jedoch mit Weißen: Der Anteil weißer Offiziere in der 92. Division stieg bis Kriegsende von zunächst 18 % auf 42 %.[7.1] Der wichtigste Befehlshaber der 92. Division im Ersten Weltkrieg war der weiße Generalmajor Charles C. Ballou.[8]

Verlegung nach Frankreich

Zwischen dem 16. Juni und 12. Juli 1918 schiffte die 92. Division in den französischen Häfen Brest und Saint-Nazaire ein. Das erste Hauptquartier schlug die Divisionsführung am 29. Juni in Bourbonne-les-Bains auf, wo im Ausbildungsareal Nr. 11 am 6. Juli eine weitere Ausbildungsphase begann. Bei einem Divisionsbesuch am 27. Juni hatte der amerikanische Generalstabsoffizier Oberst Harold B. Fiske jedoch bereits eklatante Mängel festgestellt: Der Division fehlte es völlig an Lastwagen, schweren Maschinengewehren, Pistolen für die Offiziere und Unteroffiziere, 37-mm-Geschützen, Mörsern und Handgranaten. Drei Wochen später waren zwar drei Maschinengewehr-Bataillone zur Division gestoßen, aber die meisten von Fiske festgestellten Mängel waren nicht behoben; besonders die drei Artillerieregimenter waren in einem desolaten Zustand. Die 167. Artilleriebrigade musste bis Oktober von der Division abgetrennt werden, um zunächst artilleristische Lehrgänge nachzuholen, die in den USA nicht durchgeführt worden waren.[9.1] Die geringe Effizienz und der schlechte Trainingsstand der Division erregten schnell das Missfallen der übergeordneten Führung inklusive des amerikanischen Oberbefehlshabers John J. Pershing.[6.7]

Anders als die 93. Division, die in ihre Einzelregimenter unterteilt der französischen Armee angegliedert wurde, verblieb die 92. Division unter dem Oberbefehl der American Expeditionary Forces (AEF).[5] Die Division litt von Anfang an unter der Fehde zwischen ihrem Divisionskommandeur Charles C. Ballou sowie dem übergeordneten Armeebefehlshaber Robert Lee Bullard, dem Kommandeur der 2. US-Armee, der neben seiner persönlichen Abneigung gegenüber Ballou auch ein ausgeprägter Rassist war und nach dem Krieg entscheidend zum schlechten Ruf der 92. Division beitragen sollte. Auch der Stabschef der 92. Division und Ballous rechte Hand, Oberst Allen J. Greer, verunglimpfte den Ruf seines eigenen Verbandes, indem er schon vor der Verlegung nach Frankreich in Zirkularen unwahre oder übertriebene Geschichten über die schwarzen Soldaten verbreitete.[6.8]

Soldat des 366. Regiments mit Gasmaske, 8. August 1918

Am 12. August wurde die Division nach Bruyères und Saint-Dié-des-Vosges in die frontnahen Vogesen verschoben. Zwischen dem 23. und 29. August deckte die 92. Division den Rückzug der französischen 87. Infanteriedivision und übernahm ihren Sektor, ohne die eigentlich vorgesehenen Ausbildungseinheiten von der fronterfahrenen 87. Division zu erhalten. Ein für die schlechten Rassenbeziehungen des amerikanischen Militärs typischer Vorfall dieser Zeit war, dass der ungeklärte Tod einer französischen Zivilistin in der Nacht des 22./23. August 1918 durch Schusswaffeneinwirkung ohne Beweise einem Soldaten des 367. Regiments angelastet wurde, was zu einer persönlichen Rüge des Oberbefehlshabers John J. Pershing an den Divisionskommandeur Charles C. Ballou führte. Pershing drohte sofort die Auflösung der gesamten Division an. In der Realität gibt es weder in diesem noch in anderen Fällen historische Belege dafür, dass die Soldaten der 92. Division gegenüber Französinnen sexuelle oder andersartige Gewalt angewandt hätten, zumal die weißen Offiziere der Division ihre schwarzen Untergebenen spezifisch überwachten, um exakt solches Verhalten zu vereiteln.[9.1]

Maas-Argonnen-Offensive

Die 92. Division nahm als Teil der gemeinsamen französischen und US-amerikanischen Operationen an der Maas-Argonnen-Offensive teil,[1.2] wobei sie im Argonnerwald zum Angriff antrat.[6.9] Ab dem 26. September bewegten sich die Truppen des 368. Regiments bei Vienne-le-Château und Binarville vorwärts, gerieten aber in schweres Abwehrfeuer und brachen am 28. September zusammen. Die Soldaten zunächst des 2./368 und dann des 3./368 flossen aus der Linie rückwärts, ohne dass ihre Offiziere sie daran hätten hindern können.[9.2]

Die wenig erfolgreichen Feindkontakte der jungen 92. Division gegen hocherfahrene deutsche Gegner dienten weißen Rassisten in den USA als willkommene Propaganda gegen den Einsatz afroamerikanischer Truppen,[10] obwohl sowohl schwarze als auch weiße Soldaten vor den Deutschen hatten fliehen müssen.[11.1] Auch die höheren weißen Offiziere des US-Heeres machten rassische Unzulänglichkeiten für die Probleme der 92. Division verantwortlich, obwohl die französische Armee zur gleichen Zeit nichtweiße Kolonialtruppen mit wesentlich größerem Erfolg einzusetzen wusste.[12] Die unzureichend ausgebildeten und wenig motivierten Soldaten schlugen sich gegen die Deutschen schlecht, weswegen die 92. Division schnell aus der Linie gezogen wurde. Die Rückkehr in die Frontlinie war für Mitte November 1918 veranschlagt.[11.1] Am letzten vollen Kriegstag, dem 10. November 1918, konnte das Bataillon 1./365 befestigte deutsche Stellungen bei Bois-Fréhaut (Bavay) einnehmen. Dabei schlug sich das Bataillon auffällig besser als benachbarte weiße Einheiten. Dies vermochte den zweifelhaften Ruf der 92. Division jedoch nicht mehr zu retten.[13] Die afroamerikanische Schwesterdivision, die der französischen Armee angegliederte 93. Division, hatte sich insbesondere mit dem berühmten 369. Regiment („Harlem Hellfighters“) wesentlich mehr Ruhm verdient als die 92. Division.[11.1]

Afroamerikanische Offiziere der 92. Division an Bord der Aquitania während der Rückfahrt in die USA, 1918/1919

Kurz nach Kriegsende übernahm am 19. November 1918 Generalmajor Charles H. Martin die Division. Er wurde am 16. Dezember von Brigadegeneral James B. Erwin abgelöst, der die Division während der Demobilisierung bis zur Deaktivierung im Februar 1919 leitete.[14]

Insgesamt erlitt die 92. Division im Ersten Weltkrieg 1647 militärische Verluste, darunter 120 Tote und 1527 Verwundete.[14]

Übergang in die Zwischenkriegszeit

Soldaten des 367. Regiments bei einer Flaggenparade nach Kriegsende, ca. März 1919

Nach dem Kriegsende erfuhren viele afroamerikanische Veteranen der 92. und 93. Divisionen einen Mangel an Dankbarkeit und häufig offene Diskriminierung durch weiße Amerikaner.[15] Die 92. Division erwarb sich in der Historiographie des Ersten Weltkriegs einen zweifelhaften Ruf, wobei der Vorwurf des niedrigen Kampfwerts durch rassistische Vorurteile der weißen Mehrheitsbevölkerung im amerikanischen Mutterland erleichtert und verstärkt wurde.[16]

Der Befehlshaber der übergeordneten 2. US-Armee Robert Lee Bullard hatte bereits unmittelbar nach Kriegsende empfohlen, die 92. Division als erste aller amerikanischen Einheiten nach Hause zu schicken, da gegen die afroamerikanischen Soldaten z. B haltlose Vergewaltigungsvorwürfe im Raum standen. Einige weiße Offiziere in der Division häuften um das Kriegsende herum Horrorgeschichten über ihre schwarzen Untergebenen an, die offenbar darauf abzielten, den schnellstmöglichen Abtransport der Afroamerikaner in die USA zu sichern. Von den 15 verschiedenen Vergewaltigungsvorwürfen, die Bullard gegen die 92. Division in den Raum stellte, erwiesen sich 14 als haltlos; bei über 28.000 Soldaten, die in den Jahren 1917–1919 insgesamt in der 92. Division gedient hatten, wurde exakt einer der Vergewaltigung schuldig befunden.[13] Bullard hielt in seinen Memoiren aus dem Jahr 1925 eine für die weißen US-Offiziere seiner Generation typische Beurteilung der afroamerikanischen Soldaten fest: „Wenn Sie Soldaten für den Kampf brauchen, und vor allem, wenn es schnell gehen muss, sollten Sie Ihre Zeit nicht mit Schwarzen verschwenden.“ Für Bullard waren die schwarzen Soldaten „hoffnungslos unterlegen, faul und träge“. Eine Reihe von Studien des United States Army War College aus der Zwischenkriegszeit schlossen sich allesamt der Schlussfolgerung Bullards an, dass schwarze Soldaten für Kampfhandlungen ungeeignet seien und dass schwarze Verbände für Unterstützungsaufgaben verwendet werden sollten.[11.2] Die Tagebucheinträge Bullards aus dem November 1918 zeigen ähnliche Verachtung für die schwarzen Soldaten der 92. Division sowie für den von Bullard verhassten weißen Divisionskommandeur Ballou. Der weiße Stabschef der Division, Allen J. Greer, hatte bereits am 6. Dezember 1918 an den Senator von Tennessee Kenneth McKellar geschrieben, dass ausnahmslos alle schwarzen Kompaniechefs der 92. Division sich während des Krieges als inkompetent bewiesen hätten und dass das 368. Regiment zu Beginn der Argonnenoffensive feige desertiert sei.[13]

Zweiter Weltkrieg

Neuaufstellung der Division

Soldaten der 92. Division proben Angriffe durch eine Nebelwand, Ende 1942

Bereits vor der aktiven Kriegsteilnahme der Vereinigten Staaten (1941–1945) sollte das amerikanische Wehrpflichtsgesetz vom 16. September 1940 eine Verfügbarkeit von Reservisten und Rekruten sicherstellen, die sich auch auf Afroamerikaner erstreckte.[17.1] Obwohl mehr als eine Million Afroamerikaner im Zweiten Weltkrieg in der US-Armee Dienst taten, wurden die allermeisten in Logistik- und Unterstützungsrollen eingesetzt.[18] Nur etwa 50.000 Afroamerikaner taten in verschiedenen Kampfverbänden ihren Dienst.[11.3] Afroamerikanische Männer wurden ebenso wie die Angehörigen anderer Ethnien ab 1940 zum Wehrdienst herangezogen; bis zur Wiederaufstellung der 92. Infanteriedivision im Fort McClellan im US-Bundesstaat Alabama dauerte es jedoch bis zum 15. Oktober 1942.[17.1] Der Divisionskommandeur Edward Almond legte in der Ausbildung einen großen Fokus auf militärischen Drill und Exerzierdienst, wodurch die persönliche Bindung seiner weißen Offiziere an ihre schwarzen Untergebenen litt und die Kampfmoral der schwarzen Mannschaftssoldaten von Anfang an defizitär war. Die auch innerhalb der Division praktizierte Rassentrennung verhinderte die soziale Verschmelzung und die Bildung einer größeren Kohäsion innerhalb der Division.[11.4]

Im Verlauf des Jahres 1943 wurde die bisher disparate Division nach Fort Huachuca in Arizona verlegt, um dort erstmals als vereinter Verband zu trainieren. Der geographisch isolierte Standort diente nicht zuletzt dem Zweck, Interaktionen zwischen schwarzen Soldaten und weißen Zivilisten zu vermeiden. Benzinrationierung und die beträchtliche Entfernung zu den nächsten Ortschaften (Naco, Bisbee), wo die überwiegend weiße Bevölkerung zudem den schwarzen Soldaten feindselig eingestellt war, sorgte für eine eher triste Freizeitgestaltung der afroamerikanischen Soldaten, die Ablenkung nicht zuletzt südlich der amerikanisch-mexikanischen Grenze in den weniger feindlich gestimmten Ortschaften Nogales und Aqua Prieta suchten.[11.4]

Die Ausbildungsphase dauerte mit neunzehn Monaten deutlich länger als die vom US-Kriegsministerium geforderten zehn bis zwölf Monate, in denen eine Heeresdivision kampfbereit sein sollte. Ein wichtiger fortschrittshemmender Faktor war der sehr große Analphabetismus der hauptsächlich aus verarmten ländlichen Verhältnissen stammenden schwarzen Mannschaftssoldaten. Da ein Großteil der Rekruten zum Lesen der Vorschriften und Handbücher nicht in der Lage waren, musste die Ausbildung um mehrere Wochen verlängert werden, um den Soldaten zunächst das Lesen und Schreiben beizubringen. Die geringe Alphabetisierung und schlechte Schulbildung der afroamerikanischen Rekruten zeigte sich auch in den Army General Comprehensive Tests (AGCT), in denen 71,3 % der Mannschaftssoldaten in den schlechten Kategorien IV und V landeten, was weit über dem Heeresdurchschnitt von 45,4 % lag.[11.5]

Die 92. Division war der einzige afroamerikanische Großverband auf dem europäischen Kriegsschauplatz; ihre Schwesterndivision, die 93. Division, wurde in Reserverollen im Pazifikkrieg eingesetzt.[2][19.1] Obgleich es zwischenzeitlich zur Ernennung des ersten schwarzen Generals der US-Militärgeschichte, Benjamin O. Davis Sr., gekommen war, blieben die meisten höheren Kommandoposten weißen Offizieren vorbehalten, was die Rassenbeziehungen auch innerhalb der 92. Division verschlechterte, wo viele schwarze Mannschaftssoldaten den Eindruck hatten, einen „Krieg des weißen Mannes“ (englisch white man's war) auszufechten.[7.2] General Davis beklagte als Beobachter die schlechten Rassenbeziehungen in der 92. Division; schwarze Offiziere mussten das Kommandeursbüro durch die Hintertür betreten, da die Vordertür nur Weißen vorbehalten war.[11.6] Es kam innerhalb der Division immer wieder zu Zwischenfällen entlang Rassenlinien; einmal bewarfen afroamerikanische Mannschaftssoldaten ein mit weißen Offizieren besetztes Auto mit Steinen.[20] Obwohl sich die US-Regierung vom Druck afroamerikanischer Gruppen hatte überreden lassen, schwarze Offiziere auszubilden, blieb es diesen untersagt, weiße Soldaten zu befehligen.[3.1] Disproportional viele schwarze Offiziere entfielen auf die Leutnantsdienstgrade sowie seltener auf den Dienstgrad Hauptmann. Schwarze Stabsoffiziere gab es in der Kampftruppe der 92. Division nur sechs, die ausnahmslos Artillerieoffiziere waren. Die ranghöchsten schwarzen Offiziere der Division waren zwei Oberstleutnante, welche das 597. sowie das 600. Bataillon der Divisionsartillerie befehligten. Die Bindung der schwarzen Offiziere an die niedrigeren Ränge verminderte ihr Prestige auch in den Augen der schwarzen Mannschaftssoldaten, was auf Gruppen- und Zugebene Kohäsionsprobleme verursachte.[11.7] Viele der weißen Offiziere, die innerhalb der 92. Division eingesetzt waren, kamen zudem aus dem mit besonders tiefen Rassenkonflikten belasteten amerikanischen Süden, was die Rassenbeziehungen zusätzlich belastete. Auch der Divisionskommandeur Edward Almond hatte nur eine geringe Meinung vom Kampfwert seiner eigenen afroamerikanischen Untergebenen.[15]

Das 370. Regiment bei der 1. Panzerdivision

Soldaten des 370. Regiments bei der finalen Befehlsausgabe vor der Überquerung des Arno, 1. September 1944

Am 4. April 1944 wurde bei Fort Huachuca die Regimentskampfgruppe 370 (englisch 370th Regimental Combat Team) aufgestellt, die aus dem 370. Infanterieregiment, dem 598. Feldartilleriebataillon und verschiedenen Divisionstruppen der 92. Division bestand. Zwischen dem 5. April und dem 28. Juni 1944 wurde das 370. Regiment intensiv auf einen Einsatz in Italien vorbereitet, wobei schlechte Leistungen durch einzelne Soldaten mit Ablösung und Ersatz bestraft wurden. Dadurch zog sich das 370. Regiment allmählich einige der besten Infanteristen der 92. Division zusammen. Die von Oberst Raymond Sherman befehligte Regimentsgruppe sollte als erstes Element nach Europa verschoben werden und schiffte am 15. Juli 1944 bei Hampton Roads zur Überfahrt nach Neapel ein.[11.8]

„[Die 370. Regimentskampfgruppe] war am besten geführt und personell am besten ausgestattet und eignete sich wahrscheinlich besser für einen frühen Einsatz im Kampfgebiet als jede andere Einheit der Division. Deshalb wählten wir die Kampfgruppe 370 als erstes aus, um Huachuca zu verlassen.“

Raymond Sherman (Regimentskommandeur, Kampfgruppe 370)[21.1]

Im August 1944 kam das 370. Regiment zur Verstärkung zur 5. Armee,[17.1] wo es am 18. August der 1. US-Panzerdivision unter Vernon Prichard angegliedert wurde, welches zum IV. US-Korps unter dem Befehl von Willis D. Crittenberger gehörte.[21.2] Die Soldaten des 370. Regiments, die ab dem Morgen des 30. Juli in Neapel an Land gingen, waren die ersten afroamerikanischen Infanteristen auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs.[21.3] Als Teil der 1. Panzerdivision nahm das 370. Regiment gemeinsam mit Truppen der südafrikanischen 6. Panzerdivision am 31. August am Vormarsch über den Fluss Arno teil, nachdem die Deutschen ab dem 29. August ihre Abwehrstellungen am Arno und in Florenz geräumt hatten.[17.2] Am 29. August schoss die C-Batterie des 598. Feldartilleriebataillons erstmals Granaten in Richtung Feind und am 30. August nahm eine Kampfgruppe von 22 Soldaten der F-Kompanie nach einem Angriff auf ein deutsches MG-Nest bei Calcinaia zwei deutsche Soldaten gefangen, was die erste Gefangennahme von Wehrmachtssoldaten durch Afroamerikaner darstellte.[21.4]

Für die Morgenstunden des 1. September befahl das IV. US-Korps, den Arno in Stärke zu queren, um die Hügelketten um den Monte Pisano und den Monte Albano zu sichern. Das 370. Regiment, dessen Hauptquartier noch am gleichen Tag nach Pontedera vorverlegt wurde, nahm den Monte Pisano ins Visier und übertrat den Arno mit drei Bataillonen. Das 2. Bataillon erreichte um 17:00 Uhr die Ortschaft Brientina und näherte sich an Buti an, während das 3. Bataillon in den Abendstunden Calci-Pieve erreichte. Bis zum Abend des 2. September sicherten die Truppen der 92. Division den Monte Pisano.[21.5]

„Die amerikanische 5. Armee startete heute eine neue Offensive, durchbrach den Arno auf breiter Front, nahm Pisa ein und stürmte strategisch wichtige Höhenzüge im Osten, zeitgleich mit einem neuen Vorstoß der 8. Armee durch einen 32 Kilometer langen Abschnitt der Gotenlinie. Schwarze Soldaten der 92. US-Division, die erstmals an der Frontlinie zum Einsatz kamen, stürmten die südöstlichen Hänge des Monte Pisano, von dessen steilen Höhen der Feind während des langen Stellungskrieges an dieser Front Granaten auf die amerikanischen Linien abgefeuert hatte.“

New York Times: September 1944[21.5]

Anfang September kämpften die Bataillone des 370. Regiments entlang der Außenbezirke von Lucca bei Ripafratta-Farneta sowie an der Küste des Ligurischen Meeres.[21.6] Die zunächst unerfahrenen Soldaten des 370. Regiments machten im Verlauf des Septembers viele Anfängerfehler (Freundbeschuss durch nervöse Wachtposten, laute Geräusche oder Gespräche bei Patrouillengängen, übermäßig enge Formationen trotz feindlichen Artilleriebeschusses etc.), aber verbesserten ihre Leistungen in den Folgemonaten beständig. Die Soldaten erwiesen sich sowohl als eigenständiger Verband als auch im Gefecht der verbundenen Waffen mit den weißen Soldaten der 1. Panzerdivision als fähige Kämpfer, die zumindest kleinere deutsche Widerstandsnester effektiv zersprengen konnten. Trotzdem wurden die Soldaten des 370. Regiments auffällig häufig mit Beschwerden ihrer weißen Offiziere konfrontiert, dass sie ‚unzureichende Aggressivität im Gefecht‘ zeigen würden. Diese aus Sicht der schwarzen Mannschaftssoldaten ungerechte Aburteilung belastete die Rassenbeziehungen in der Division. Der weiße Regimentsbefehlshaber Raymond G. Sherman war hingegen zufrieden mit den Ergebnissen, die sein Regiment im September und Oktober 1944 erzielt hatte, auch wenn es noch nicht zu schweren Gefechten gegen deutsche Großverbände gekommen war.[11.9]

Deutscher Kriegsgefangener im Gewahrsam der 92. Division, Ende 1944

Am 6. Oktober attackierte das 370. Regiment gemeinsam mit der 2. US-Panzergruppe entlang der Küste in Richtung Massa, um einen zeitgleichen Angriff des brasilianischen 6. Regiments im Serchio-Tal zu unterstützen.[17.3] Während der Offensive in Richtung Massa zeigten sich erstmals die schweren Probleme, welche die Division für den Rest des Krieges plagen sollten: Schweres MG- und Mörserabwehrfeuer der gut vorbereiteten deutschen Verteidiger zwangen die Soldaten des 370. Regiments, unter mitunter schweren Verlusten steile Hügel hinauf- und herabzusteigen, um während ihrer Nachtangriffe immer wieder neue Angriffsrouten gegen die deutschen Stellungen zu testen. In den sechs Gefechtstagen ab dem 6. Oktober gewann das 370. Regiment nur etwa acht Kilometer an Boden und musste über 800 Verluste hinnehmen. Die deutschen Stellungen entlang der Hügelkämme erwiesen sich für die Soldaten als wesentlich anspruchsvollere Ziele als die vereinzelten Widerstandsnester am Arno. Ein Nachtangriff des 370. Regiments am 9. Oktober wurde durch den leichten Beschuss möglicherweise nur eines einzelnen deutschen Schützen zurückgeschlagen, da die vordere Kompanie in Panik geriet und sich durch den bereits durchschnittenen deutschen Stacheldraht zurückzog, ohne dass die Offiziere in der Lage gewesen wären, die Soldaten zu beruhigen. Ein weiterer Moralzusammenbruch während eines Nachtangriffs am 12. Oktober resultierte im Verlust eines wichtigen Hügels.[11.10]

Das gegenseitige Misstrauen zwischen Mannschaftssoldaten und Offizieren (insbesondere über Rassengrenzen hinweg) sorgte dafür, dass die Vorgesetzten sich nicht auf die Untergebenen verließen und sich die Untergebenen von den Vorgesetzten prinzipiell missachtet und schlecht geführt fühlten. Trotzdem gab es Momente großer individuellen Tapferkeit, als etwa die Kompanien F und I am Morgen des 12. Oktober unter schwerstem feindlichen Feuer die eigene Stellung hielten oder als ein Zug der L-Kompanie, der in der Dunkelheit vergeblich auf Verstärkung wartete, acht deutsche Angriffe abwehre, bis die Munitionsvorräte erschöpft waren.[11.10]

„Während meiner Beobachtungszeit habe ich von ebenso vielen Akten individuellen Heldentums unter schwarzen Soldaten gehört wie unter Weißen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass es ihnen an Mut mangeln würde.“

John Phelan (Operationsoffizier, 370. Regiment): Bericht des Operationsoffiziers des 370. Regiments an den Kommandeur der 92. Division, 13. Oktober 1944[21.7]

Die alliierten Angriffe wurden am 23. Oktober mit minimalen operativen Ergebnissen abgebrochen.[17.3] Die ergebnislosen Rückschläge erzeugten sowohl bei Soldaten wie Offizieren der 92. Division tiefe Frustrationen.[11.11]

Die zwischenzeitliche Zusammenarbeit mit den Truppen des Brasilianischen Expeditionskorps (FEB) war eine weitere Belastungsprobe für die Rassenbeziehungen innerhalb der 92. Division, da die brasilianischen Soldaten ohne offensichtliche Rassentrennung kämpften und es dort auch schwarzen Unteroffizieren und Hauptleuten möglich war, weißen Mannschaftssoldaten Befehle zu geben. Sowohl die weißen Offiziere als auch die schwarzen Mannschaftssoldaten der 92. Division waren von der vergleichsweise höheren interethnischen Kooperationsbereitschaft brasilianischer Soldaten überrascht.[22]

Vervollständigung der 92. Division

Mörsertrupp der 92. Division, November 1944

Der Rest der 92. Division folgte dem 370. Regiment bis November 1944 nach Italien.[17.1] Der Divisionskommandeur, Edward Almond, kam am 5. Oktober in Italien an.[11.12] Die 92. Division und das mit ihm oft gemeinsam eingesetzte, aber organisatorisch separate, 758. Panzerbataillon waren die einzigen afroamerikanischen Verbände des Italienfeldzugs.[23] Am 8. November war die 92. Division im Bereich des IV. US-Korps vollständig kampfbereit,[17.3] es kam zu ersten kleineren Kampfhandlungen der jetzt eigenständigen Division.[24] Das IV. Korps blieb jedoch nach dem Abbruch der Operationen im Oktober zunächst für anderthalb Monate weitgehend inaktiv.[17.3]

Unternehmen Wintergewitter

Am 26. Dezember 1944 ergriff die deutsche 14. Armee mit dem Unternehmen Wintergewitter überraschend die Initiative.[25] Die noch kampfunerfahrene 92. Division wurde von Elementen der deutschen 148. Infanterie-Division, des Gebirgsjäger-Lehr-Bataillons Mittenwald sowie der italienischen Division „Monte Rosa“ attackiert.[17.3] Der deutsche Vorstoß war erfolgreicher als erwartet und löste bei den Alliierten auch vor dem Hintergrund der deutschen Gegenangriffe während Ardennenoffensive an der Westfront Sorge aus.[26] Teile der 92. Division wie das Bataillon 2./366 zogen sich desorganisiert zurück, ohne nennenswerte Gegenwehr zu leisten.[11.13] Die überraschten Truppen der 92. Division wurden etwa 25 Kilometer zurückgedrängt, woraufhin das alliierte Oberkommando überhastet die 19. Brigade der britisch-indischen 8. Division in die Linie warf, um die Front zu stabilisieren.[17.3] Der Artillerieoffizier John R. Fox wurde im Jahr 1997 postum mit der Medal of Honor ausgezeichnet, nachdem er einen Artillerieschlag auf seine eigene Position befohlen hatte, um einen deutschen Angriff zu zerschlagen.[11.14] Fox war bereits 1945 für ein Distinguished Service Cross vorgeschlagen worden, erhielt dies aber aus unbekannten Gründen nicht, wobei verschiedene Theorien (Verwaltungsfehler, Vertuschung, Rassismus) präsentiert wurden.[11.15]

Soldaten der 92. Division wärmen sich in einem schwer beschädigten italienischen Haus, Dezember 1944

Am 27. Dezember übernahmen die britisch-indischen Verstärkungen den Sektor des 370. Regiments, welches sich nach einer Reorganisationsphase am 29. Dezember dem alliierten Gegenangriff anschloss und dazu zeitweise der 8. Division unterstellt wurde. Die zeitweise an die Deutschen verlorenen Ortschaften Barga und Sommocolonia wurden am 29. bzw. 30. Dezember von den Alliierten zurückerobert. Zum Neujahrstag 1945 kehrten die Truppen der 92. Division annähernd in die Linie zurück, die sie zu Beginn der deutschen Attacke am 26. Dezember gehalten hatten.[11.16]

In einer Befragung während der Nachkriegszeit machte der Divisionskommandeur der deutschen 148. Division, Otto Fretter-Pico, amerikanische Führungsfehler für die deutschen Erfolge während Wintergewitter verantwortlich: Die 92. Division sollte mit zu wenigen Soldaten eine zu breite Linie verteidigen, während die Reserveverbände sich zu weit hinter den amerikanischen Linien befunden hätten, um sofort für Gegenangriffe zur Verfügung zu stehen. Die Offiziere der 92. Division hätten darin versagt, den sich tagelang anbahnenden Angriff der 148. Division vorauszusehen und entsprechende Reserven bereitzustellen.[11.17]

Operation Fourth Term

Am 8. Februar 1945 trat die 92. Division im Rahmen der Operation Fourth Term zu einem kurzlebigen Angriff gegen die Strettoia-Hügel an. Das Ziel war es, die das Umland dominierende Hügelgruppe einzunehmen, den Cinquale-Kanal zu queren und das Serchio-Tal bis zum Landrücken bei Lama di Sotto zu sichern. Der dreigliedrige Angriff verfügte über beträchtliche Luftunterstützung in Form leichter und mittlerer Bomber des 22. Taktischen US-Luftkommandos sowie über Schiffsgeschütze, Panzerjäger und Artillerie als Unterstützungswaffen. Als Angriffsgruppe wurde die Task Force 1 aufgestellt, die aus dem Bataillon 3./366, dem 760. Panzerbataillon, dem 84. Chemiemörserbataillon, der B-Kompanie des Pionierbataillons 317 sowie dem 27. Feldartilleriebataillon bestand. Die von Oberst Edward Rowney befehligte Kampfgruppe sollte zwischen der Küste des Ligurischen Meeres und der Autobahn 1 vorgehen und den Cinquale-Kanal nahe seiner Mündung überqueren. Dieser auf dem Papier simple Auftrag begann am 8. Februar um 06:00 Uhr morgens unter Beobachtung von Divisionskommandeur Almond sowie dem Armeekommandeur Lucian Truscott sowie dem Heeresgruppenbefehlshaber Mark Clark.[11.18]

Auf der rechten Flanke kämpften die Infanterieregimenter 370 und 371 an den Strettoia-Ausläufern bzw. am Monte Folgorito, während die Task Force 1 auf der linken von deutschem Unterdrückungsfeuer sowie schlechten Bodenverhältnissen niedergehalten wurde. Die deutschen Verteidiger hatten einen Angriff entlang des Küstenstreifens vorausgesehen und hier im Schwerpunkt die Soldaten des Füsilierbataillons 148 der 148. Infanterie-Division aufgestellt, die mit ihren Handwaffen sowie mit Mörser- und Artillerieunterstützung auf die Soldaten der Task Force 1 einwirkten. Der Versuch, den Cinquale-Kanal zu queren, scheiterte u. a. wegen des Beschusses durch die schwere Küstenbatterie bei Punta Bianca.[11.19]

Im Verlauf der Operation Fourth Term zeigte sich wiederum das Problem, dass die Offiziere demoralisierte Mannschaftssoldaten nur schlecht unter Kontrolle bekamen, sobald in einem Teil der Division Panik ausbrach. Divisionskommandeur Almond befahl für die Dauer der Operation den Aufbau einer Nachzüglerlinie (englisch straggler line) von zunächst einem Offizier und 20 Militärpolizisten, die bis zum 10. Februar auf zwei Offiziere und 62 Militärpolizisten anwuchs. Zwischen dem 8. und 10. Februar griffen die Militärpolizisten insgesamt 751 divisionsangehörige Nachzügler auf, die sich entweder versehentlich oder absichtlich von ihren Einheiten entfernt hatten und durch die italienischen Hügel irrten. Zwischen November 1944 und dem 12. Mai 1945 verzeichnete die Division nicht weniger als 2184 aufgegriffene Nachzügler, was eine für eine amerikanische Division ungewöhnlich hohe Zahl von Versprengten darstellte.[11.20]

Die Operation Fourth Term wurde am 11. Februar mit Verlusten von 47 Offizieren und 659 Unteroffizieren und Mannschaften abgebrochen.[17.4]

Reorganisation der 92. Division

Die frühen Feindkontakte der 92. Division waren für die übergeordnete Führung unbefriedigend, weswegen im März/April 1945 eine Reorganisation der Division befohlen wurde.[17.1] Die ernüchternden Ergebnisse der 92. Division im Kampf gegen deutsche und italienische Truppen waren auf den unvorteilhaften Führungsstils des offen rassistischen Divisionskommandeurs Edward Almond, auf die anfängliche Unerfahrenheit der afroamerikanischen Soldaten sowie auf die schlechte Kampfmoral der Division zurückzuführen, die nicht zuletzt wegen der schlechten Rassenbeziehungen zwischen schwarzen Soldaten und weißen Offizieren innerhalb der Division belastet war.[3.2] Der Division wurde im Zuge ihrer Umstrukturierung das afroamerikanische 366. Regiment, das aus Japanisch-Amerikanern (‚Nisei‘) aufgebaute 442. Regiment sowie das aus weißen Amerikanern zusammengesetzte 473. Regiment zugeordnet.[17.1] Das 442. Regiment galt als eines der besten Regimenter der US-Armee, hatte auch bei weißen Offizieren einen guten Ruf und besaß in George C. Marshall einen besonderen Fürsprecher, der dem Divisionskommandeur Almond in Aussicht stellte, mit dem 442. Regiment den Kampfwert der 92. Division drastisch erhöhen zu können.[11.21]

Einige Dutzend Offiziere und über 1300 der besten Mannschaftssoldaten aus den afroamerikanischen 365. und 371. Regimentern wurden in das 370. Regiment überführt, um den Kampfwert des verbliebenen afroamerikanischen Regiments der Division zu stärken.[11.22] Der Rest des 365. Regiments wurde aus der 92. Division ausgegliedert und separat in die Linie des IV. Korps eingefügt.[11.23] Das 366. Regiment wurde aus der Linie genommen und einige Monate später ohne großes Zeremoniell in eine Pioniereinheit überführt.[11.24]

Die Hinzunahme nichtschwarzer Verbände in die 92. Division wurde von einigen Afroamerikanern in den USA scharf kritisiert, da sie darin eine Beleidigung gegen schwarze Soldaten sahen.[20]

Nach der Reorganisation bestand die 92. Infanteriedivision aus folgenden Verbänden:[11.25]

  • 370. Infanterieregiment (afroamerikanisch)
  • 442. Infanterieregiment (japanisch-amerikanisch)
  • 473. Infanterieregiment (weiß)
  • Divisionsartillerie (afroamerikanisch)
  • Divisionsunterstützungseinheiten (afroamerikanisch)
  • 758. Panzerbataillon (afroamerikanisch)
  • 760. Panzerbataillon (weiß)
  • 679. Panzerjägerbataillon (afroamerikanisch)
  • 894. Panzerjägerbataillon (weiß)
Inspektion von Soldaten der 92. Division durch den Divisionskommandeur Edward Almond, März 1945

Da nach der Umgliederung nur noch drei der sieben Kampfelemente aus Afroamerikanern bestanden, konnte die 92. Division ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine rein schwarze Division gelten. Das Ziel der Reorganisation wurde trotzdem erreicht: Der Kampfwert der Division konnte erheblich gesteigert werden, da sich sowohl die neu hinzugezogenen 442. und 473. Regimenter sowie nach einer kurzen Übergangsphase sehr angespannter Rassenbeziehungen auch das 370. Infanterieregiment im Kampf vorzüglich bewährten.[11.25]

Teilnahme an der Frühjahrsoffensive 1945

Ende März stand die 92. Division nach wie vor auf dem linken Flügel des IV. Korps, welches wiederum auf dem linken Flügel der 5. Armee stand. Damit hielt die Division das Gebiet zwischen dem Ligurischen Meer und dem mittlerweile eigenständigen 365. Infanterieregiment, an welches sich rechts die brasilianische 1. Division, die amerikanische 10. Gebirgsdivision und die amerikanische 81. Kavallerieaufklärungsschwadron anschlossen. Zur Rechten des IV. Korps stand östlich des Reno sodann das amerikanische II. Korps sowie das britische XIII. Korps und der Rest der britischen 8. Armee. Den alliierten Streitkräften gegenüber standen zu Frühlingsbeginn 23 Divisionen der deutschen Wehrmacht und das Äquivalent von sechs Divisionen der faschistischen Italienischen Sozialrepublik. Die Achsenmächte hatte während der Kampfpause des Winters 1944/1945 einige Verstärkungen nach Italien bringen können, was ihren Kampfwert für das Frühjahr 1945 noch einmal erhöht hatte.[11.26] Der Hauptgegner der 92. Division war nach wie vor die deutsche 148. Infanterie-Division, deren Hauptverteidigungslinie zusätzlich von Elementen des Maschinengewehr-Bataillons Kesselring, des 4. Gebirgsbataillons sowie der italienischen Divisionen „San Marco“ und „Monte Rosa“ verstärkt wurde.[11.27]

Vernon Joseph Baker erhielt in für einen tapferen Angriff am 5. April 1945 zunächst das Distinguished Service Cross (1945) und nach langer Wartezeit auch die Medal of Honor (1997).

In der Nacht des 3./4. April 1945 begannen die Truppen der Division, sich für den kommenden alliierten Großangriff in Stellung zu begeben.[11.28] Am 5. April attackierte die 92. Division entlang der ligurischen Küste in Richtung Massa und La Spezia.[27.1] Damit deckten sie die linke Flanke der 5. US-Armee, deren restliche Truppen ab dem 14. April mit gewaltiger Luftunterstützung auf enger Front in Richtung Bologna durchbrechen sollten.[28] Ab 05:00 Uhr morgens am 5. April griff das 370. Regiment in Richtung der Strettoia-Hügel an. In den heftigen Kämpfen um die drei Haupthügel (in den alliierten Planungen „X“, „Y“ und „Z“ getauft) mussten mehrere deutsche MG-Stellungen und Bunker eingenommen werden. Leutnant Vernon Joseph Baker, eroberte an der Spitze seines zur C-Kompanie (1./370) gehörigen Zugs mehrere deutsche Stellungen und MG-Nester, während sein Zug unter schwerem Mörserfeuer eine Verlustrate von zwei Dritteln hinnehmen musste.[11.29] Baker wurde für seine Leistung im Jahr 1997 der einzige nicht-postume schwarze Empfänger der Medal of Honor für eine Einzeltat im Zweiten Weltkrieg,[11.30] erhielt im Jahr 1945 aber zunächst nur das Distinguished Service Cross.[11.31] Am 6. April sollte das Bataillon 2./370 in Richtung der Burg Aghinolfi angreifen, nachdem die Divisionsartillerie ab 05:55 Uhr Beschuss mit der deutschen Artillerie ausgetauscht hatte. Das deutsche Artilleriefeuer erwies sich als hochpräzise, weshalb die 2./370 unter schwerstem Beschuss niedergehalten wurde und nicht zum Angriff antreten konnte. Stattdessen ging die 1./370 ab 13:30 Uhr zum Angriff über, wurde aber durch den Tod des Hauptmanns der E-Kompanie desorganisiert, weshalb sich die Kampfstärke des Bataillons im Allgemeinen Befehlschaos stark reduzierte. Stattdessen wurde schließlich der Befehl gegeben, die Stellung zu halten, bis das weiße Bataillon 2./473 am nächsten Tag die Mission übernehmen könnte. Nachdem zwei schwarze Bataillone am 6. April ihre Aufträge nicht hatten ausführen können, sah sich Divisionskommandeur Almond in seinen Vorurteilen bestätigt und befahl, die Sektoren des schwarzen 370. Regiments mit dem weißen 473. Regiment zu tauschen, damit die seiner Meinung nach hochwertigeren weißen Infanteristen den Schwerpunkt des Angriffs führen könnten.[11.32]

Am 7. April ab 05:00 trat das weiße Bataillon 2./473 in die Linie, wo es u. a. von Vernon Baker in die Geographie eingewiesen wurde. Bis zum Ende des Tages arbeitete sich das vorderste Element, die F-Kompanie, bis fast an die Burg Aghinolfi heran, wurde dort aber von ausgedehntem deutschen Artillerie- und Mörserbeschuss niedergehalten. Der Beschuss verebbte in der Nacht vom 7./8. April, und in den Morgenstunden zeigte sich, dass sich die deutschen Verteidiger eilig zurückgezogen hatten. Die Bataillone 3./370 und 2./473 tasteten sich vorsichtig an bekannte deutsche Stellungen heran, nur um diese wiederholt leer vorzufinden. Das 473. Regiment besetzte am gleichen Tag Montignoso und konnte an der rechten Flanke die Linie zum japanisch-amerikanischen 442. Regiment schließen. In der Nacht vom 8./9. April bewegten sich Einheiten des 1./473 mit Panzerunterstützung des weißen Panzerbataillons 760 an die Außenbezirke von Massa heran, wo eine schnelle Besetzung der Ortschaft jedoch durch Panzersperren, Landminen, Artilleriebeschuss und Mörserfeuer vereitelt wurde. Die Außenbezirke von Massa blieben über den gesamten 9. April umkämpft. Schließlich gelang es der 92. Division mithilfe der beiden Panzerbataillone, die MG-Nester und Scharfschützen der Deutschen zu überwinden und das Stadtzentrum noch vor Tagesende einzunehmen. In den frühen Morgenstunden des 10. April rückte die B-Kompanie des 1./473 in Massa ein, ohne auf größeren Widerstand zu stoßen. Ab 08:00 wurden die Truppen der 92. Division im Raum Massa von einem größeren Partisanenangriff der Resistenza unterstützt.[11.33]

Der deutsche Rückzug wurde teilweise vom Flankenangriff des japanisch-amerikanischen 442. Regiments vereitelt, welches sich seit dem 5. April entlang der Anhöhen östlich von Massa vorwärts bewegt hatte und am fünften Operationstag das rückwärtige Gefechtsfeld dominieren konnte.[11.33] In der Regimentsgeschichte des 442. Regiments wurde dieser Angriff später als für den gesamten Italienfeldzug kriegsentscheidend gefeiert.

Am 11. April nahmen Truppen der 92. Division die Ortschaft Carrara ein.[29.1] Am 24. April rückte die 92. Division in La Spezia ein.[29.2] Am 27. April erreichte die Division die Großstadt Genua.[14] Am 1. Mai trafen Elemente der 92. Division und des brasilianischen Expeditionskorps in Alessandria zusammen.[27.2]

Kriegsende und Auflösung der Division

Am 2. Mai 1945 unterzeichnete Heinrich von Vietinghoff als deutscher Oberbefehlshaber in Italien die Teilkapitulation der deutschen Truppen der Heeresgruppe C, womit der Italienfeldzug für die Alliierten siegreich zu Ende ging.[11.34] Zum Kriegsende war die 92. Division eine von sieben amerikanischen Kampfdivisionen in Italien (neben der 34. Infanterie-, 85. Infanterie-, 88. Infanterie-, 91. Infanterie-, 10. Gebirgs- und 1. Panzerdivision).[30.1] Nach dem Ende der Kampfhandlungen übergab Generalmajor Almond im August 1945 das Divisionskommando an Brigadegeneral John E. Wood, der die Division bis zu ihrer formellen Deaktivierung im November 1945 leitete.[14]

Am 10. Juni verließ die 92. Division, die zwischenzeitlich Besatzungsaufgaben wahrgenommen hatte und mittlerweile auf ihre drei ursprünglichen Infanterieregimenter zurückgesetzt worden war, die Stadt Genua und begab sich in ein Gebiet südlich von Viareggio. Hier stellte die Division am 17. Juni Arbeitsbereitschaft her und begann ein intensives Training, welches die Soldaten auf einen Einsatz im noch immer aktiven Pazifikkrieg vorbereiten sollte. Generalmajor Almond überwachte das Trainingslager bei Viareggio bis zu seiner Abreise am 12. August, wonach er das Divisionskommando der 2. Infanteriedivision übernehmen sollte. Ein Einsatz der 92. Division im Pazifik wurde durch die wenige Tage später verkündete japanische Kapitulation überflüssig, wodurch der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Stattdessen bereitete sich die Division jetzt auf die Heimreise vor, die der Großteil des Divisionspersonals am 16. November 1945 von Livorno aus antrat.[11.35] Die Division wurde am 28. November 1945 in Fort McClellan (Alabama) aufgelöst.[19.2]

Insgesamt hatten die Truppen der 92. Division zwischen 1944 und 1945 etwa 5.000.000 Schuss Munition mit einem Gesamtgewicht von 9000 Tonnen verschossen.[11.34]

Militärische Auszeichnungen

Eine vom Historischen Komitee der 92. Division sowie vom US-amerikanischen Mittelmeerkommando im Jahr 1945 herausgegebene Divisionsgeschichte der 92. Division nennt für die Zeit von Oktober 1942 bis Juli 1945 insgesamt 542 Träger des Bronze Star, 82 Träger des Silver Star, 12 Träger der Legion of Merit sowie zwei Träger des Distinguished Service Cross (DSC) und einen Träger der Distinguished Service Medal (DSM). Die beiden Träger des DSC waren Hauptmann Gilbert S. Holbrook (postum) sowie Leutnant Vernon Joseph Baker,[31] der darüber hinaus im Jahr 1997 die die höchste Tapferkeitsauszeichnung der USA, die Medal of Honor (MOH), erhalten würde.[11.30] Der 1944 in Italien gefallene Oberleutnant John R. Fox erhielt im Jahr 1982 das DSC und im Jahr 1997 die MOH.[32.1] Während des Zweiten Weltkriegs selbst hatte es keine afroamerikanischen Empfänger der Medal of Honor gegeben, obwohl dies auf dem Papier möglich gewesen wäre.[32.2] Zum Kriegsende 1945 waren 294 Medals of Honor vergeben worden, von denen keine einzige an einen Afroamerikaner ging.[32.3] Nicht zuletzt lag dies am rassistisch aufgeladenen Klima in der US-Armee generell sowie speziell an den schlechten Rassenbeziehungen zwischen den schwarzen Soldaten der 92. Division und ihren weißen Offizieren, die sie für eine solche Auszeichnung hätten vorschlagen müssen.[32.2] Die nächstniedrigere Auszeichnung, das DSC, war bis Mitte 1947 insgesamt 4750-mal vergeben worden, wobei acht Verleihungen (weniger als 0,2 %) an Afroamerikaner gingen.[32.4]

Die 92. Infanteriedivision erhielt im Jahr 1950 das italienische Kriegsverdienstkreuz mit Fahnenband.[19.2]

Nachdem der US-Heeresminister John W. Shannon im Jahr 1990 eine Studie in Auftrag gegeben hatte, warum im Zweiten Weltkrieg keinem einzigen Afroamerikaner die Medal of Honor verliehen worden war, stellte das zur US-Army gehörige Army Awards Branch eine Diskriminierung bezüglich der Verleihung der Medal of Honor an US-Amerikaner fest. Shannons Nachfolger Togo D. West junior gab eine letztlich zweijährige Überprüfung herausragender Leistungen in Auftrag, nach welcher das zu diesem Zweck begründete Awards Board sechs Träger des Distinguished Service Cross sowie einen Träger des Silver Star für Aufwertungen zur Medal of Honor empfahl. Zwei der sieben neuen Medals of Honor gingen hierbei an ehemalige Mitglieder der 92. Division: Im Januar 1997 verlieh US-Präsident Bill Clinton die Medal of Honor an Leutnant Vernon Joseph Baker sowie postum an John R. Fox. Vernon Baker war der einzige Afroamerikaner, der für Tapferkeit im Zweiten Weltkrieg die Medal of Honor lebend erhielt.[11.30]

Kulturgeschichte

Schulterabzeichen der 92. Infanteriedivision

In Anlehnung an die afroamerikanischen Buffalo Soldiers des 19. Jahrhunderts führte die 92. Division den Büffel als Wappentier und als Divisionsspitznamen.[20] Das Büffelmotiv hatte die Division im Ersten Weltkrieg von dem ihr unterstellten 367. Infanterieregiment übernommen.[19.2] Die 92. Division wurde auch Buffalo Division genannt. Als Schulterabzeichen führte die Division einen olivfarbenen Kreis mit schwarzem Rand und schwarzem Büffelmotiv. Das Divisionsmotto war „Taten, keine Worte“ (englisch Deeds, not words).[14]

Während des Zweiten Weltkriegs gab es ab Dezember 1942 eine eigene Zeitung der 92. Division, die The Buffalo hieß. Einer der Zeichner der Zeitung war der spätere berühmte Cartoonist Ted Shearer (1919–1992). Die Zeitung sollte nicht nur Nachrichten an die Soldaten der 92. Division verteilen, sondern entwickelte auch eine eigene Sammlung verschiedener Comicstrips: In G. I. Smoothie fand sich ein charmanter afroamerikanischer Soldat in verschiedenen verzwickten und lustigen Situationen, Strechin' a-Point satirisierte das tägliche Leben in der Armee und Wacky Women stellte leicht bekleidete Mitarbeiterinnen des Women’s Army Corps dar.[33]

Historiographie

Die 92. Division hat eine mehrbändige Historiographie inspiriert. Neben der Memoirenliteratur von Divisionsangehörigen wie Thomas St. John Arnold haben sich auch kritische Historiker besonders auf dem Feld US-amerikanischer Rassenbeziehungen mit der 92. Division befasst, deren afroamerikanische Mitglieder sie zu einer für Historiker interessanten Fallstudie macht.[30.2]

„Einerseits kann [die Geschichte der 92. Division] als Mikrogeschichte der Rassenbeziehungen in Amerika betrachtet werden, als Geschichte zweier großer Rassen innerhalb der amerikanischen Geographie, von denen die eine deutlich dominant und die andere offensichtlich unterdrückt war, die gegen erhebliche Widerstände darum kämpften, innerhalb der starren Grenzen der Rassentrennung eine funktionierende Beziehung auszuhandeln und zu gestalten. Andererseits ist sie auch eine Geschichte taktischer Fehlentscheidungen und schlechter Führung, strategischer Irrtümer und kurzsichtiger Planung, durchsetzt mit einzelnen Akten des Mutes und des Heldentums.“

Daniel K. Gilbran: The 92nd Infantry Division and the Italian Campaign in World War II, Einleitung

Wichtige Personen

  • Edward Almond (1892–1979): Divisionskommandeur während des Zweiten Weltkriegs
  • Charles C. Ballou (1862–1928): Divisionskommandeur während des Ersten Weltkriegs
  • Vernon Joseph Baker (1919–2010): Offizier des 370. Regiments im Zweiten Weltkrieg. Im Januar 1997 für Tapferkeit im April 1945 mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Einziger afroamerikanischer Träger der Medal of Honor des Zweiten Weltkriegs, der seine Auszeichnung nicht postum erhielt.[11.30] Zuvor am 10. Juni 1945 mit dem Distinguished Service Cross ausgezeichnet.[32.4]
  • John R. Fox (1915–1944): Offizier des 366. Regiments im Zweiten Weltkrieg. Am 26. Dezember 1944 gefallen,[11.36] postum im Jahr 1982 mit dem Distinguished Service Cross[32.4] und im Januar 1997 mit der Medal of Honor[11.36] ausgezeichnet.
  • Charles Hamilton Houston (1895–1950): Offizier des 368. Regiments im Ersten Weltkrieg, später afroamerikanischer Bürgerrechtler.[34]
  • Parren Mitchell (1922–2007): Offizier und Kompaniechef des 370. Regiments. Später Kongressabgeordneter für den US-Bundesstaat Maryland.[11.37]
  • Ted Shearer (1919–1992): Zeitungszeichner der Divisionszeitung The Buffalo im Zweiten Weltkrieg, später berühmter Cartoonist[33]

Siehe auch

Literatur

Divisionsgeschichte

  • Major Clark: Derricks' Bridgehead: The History of the 92nd Division, 597th Field Artillery Battalion, and the Leadership Legacy of Col. Wendell T. Derricks. Hrsg.: Vivian Clark-Adams, Wenona Clark. Casemate, Havertown 2023 (englisch).
  • Robert H. Ferrell: Unjustly Dishonored: An African American Division in World War I. University of Missouri Press, 2011 (englisch). — Versuch einer Revision der negativen Bewertung des Kampfwerts der 92. Division im Ersten Weltkrieg.[35]
  • Daniel K. Gilbran: The 92nd Infantry Division and the Italian Campaign in World War II. McFarland, Jefferson (North Carolina) 2001 (englisch). — Abhandlung über die Mängel der Division im Italienfeldzug.[30.2]
  • Paul Goodman: A Fragment of Victory in Italy during World War II, 1942–1945: A Special Study Concerned with the 92nd Infantry Division and its Principal Attachments. US Army War College, Carlisle Barracks 1993 (englisch). — Studie zur 92. Division sowie zum 442. und 475. Regiment im Zweiten Weltkrieg.[30.2]
  • Dale E. Wilson: Recipe for Failure: Major General Edward M. Almond and Preparation of the U.S. 92nd Infantry Division for Combat in World War II. In: The Journal of Military History. Band 56, Juli 1992, S. 473–488 (englisch). — Kritische Auseinandersetzung mit den von der US-Armee unzureichend sanktionierten Führungsfehlern des Divisionskommandeurs Edward Almond.[30.2]

Werke von Divisionsangehörigen

  • Thomas St. John Arnold: Buffalo Soldiers: 92nd Infantry Division and Reinforcements in World War II. Sunflower University Press, Manhattan (Kansas) 1990 (englisch). — Divisionsgeschichte der 92. Division im Zweiten Weltkrieg durch einen ehemaligen Operationsoffizier.[30.2]
  • Hondon B. Hargrove: Buffalo Soldiers in Italy. McFarland, Jefferson (North Carolina) 1985 (englisch). — Studie mit Fokus auf die afroamerikanischen Soldaten der 92. Division im Zweiten Weltkrieg.[30.2] Der Autor war während des Krieges selbst ein afroamerikanischer Offizier der Division gewesen.[11.38]
  • Ivan J. Houston: Black Warriors: The Buffalo Soldiers of World War II. Memories of the Only Negro Infantry Division to Fight in Europe During World War II. Hrsg.: Gordon Cohn. 2009 (englisch).
  • Ivan J. Houston: Black Warriors: The Return of the Buffalo Soldier. 2023 (englisch).

Weitere Literatur

  • Arthur E. Babeau, Florette Henri: The Unknown Soldiers: Black American Troops in World War I. Temple University Press, Philadelphia 1974 (englisch).
  • Mary Penick Motley: The Invisible Soldier: The Experience of the Black Soldier, World War II. Wayne State University Press, 1975 (englisch).
  • J. Lee Ready: Forgotten Allies: The Military Contribution of the Colonies, Exiled Governments and Lesser Powers to the Allied Victory in World War II – The European Theatre (= Forgotten Allies. Band 1). McFarland & Company, 1985 (englisch).
  • 92d Infantry Division. In: Combat Chronicle. United States Army Center of Military History, 1948, archiviert vom Original; abgerufen am 27. März 2026 (englisch).
  • Medal of Honor Recipients, World War II (Recipient A–F): Baker, Vernon. In: United States Army Center of Military History. Archiviert vom Original; (englisch).
  • Division History: 92nd Infantry Division. In: Lone Sentry. 1950; (englisch, Duplikat des 'Army Almanac' von 1950).
  • October 1942 – June 1945: With the 92d Infantry Division. In: HathiTrust. 1945; (englisch).
  • World War II African American MEDAL OF HONOR RECIPIENTS. In: CMH Online. 2003, archiviert vom Original; (englisch).

Einzelnachweise

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