93rd Infantry Division (Vereinigte Staaten)

Großverband der Armee der Vereinigten Staaten in beiden Weltkriegen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die 93rd Infantry Division (deutsch 93. US-Infanteriedivision) war ein infanteristischer Großverband der US-Armee in beiden Weltkriegen. Sie war gemeinsam mit ihrer Schwesterdivision, der 92nd Infantry Division, einer von zwei segregierten Großverbänden, die im Rahmen der Rassentrennung aufgestellt wurden und deren militärisches Personal zu einem großen Teil aus Afroamerikanern bestand. Im Ersten Weltkrieg erreichte die Division nie volle Stärke und war auch als Provisional 93rd Infantry Division (deutsch Provisorische 93. Infanteriedivision) bekannt.

Aktiv1918–1919
1942–1945
StaatVereinigte Staaten 48 Vereinigte Staaten
Dritte Französische Republik Frankreich (Unterstellung 1918)
TeilstreitkraftUnited States Army
Schnelle Fakten Aktiv, Staat ...

93rd Infantry Division


Ärmelabzeichen der 93. US-Infanteriedivision
Aktiv 1918–1919
1942–1945
Staat Vereinigte Staaten 48 Vereinigte Staaten
Dritte Französische Republik Frankreich (Unterstellung 1918)
Streitkräfte Streitkräfte der Vereinigten Staaten
Teilstreitkraft United States Army
Truppengattung Infanterie
Typ Infanteriedivision
Truppenteile Erster Weltkrieg:
Regimenter 369, 370, 371, 372
Zweiter Weltkrieg:
Regimenter 24, 25, 368, 369
Herkunft der Soldaten Afroamerikaner
Schlachten Erster Weltkrieg
Zweiter Weltkrieg
Schließen

Erster Weltkrieg

Die 93. Division wurde während des Ersten Weltkriegs auch als Provisional 93rd Infantry Division bezeichnet, da sie nie volle Stärke erreichte und ihre Regimenter nicht im vereinten Divisionsverbund agierten. Die Division bestand ausschließlich aus vier Infanterieregimentern. Drei dieser Regimenter waren auf segregierten Einheiten der Nationalgarde aufgebaut, während das vierte aus Wehrpflichtigen bestand. Da weiße Nationalgardisten die Zusammenarbeit mit schwarzen Regimentern verweigerten, beschloss die Armeeführung, die drei schwarzen Regimenter zu einer gemeinsamen Einheit zusammenzufassen und dieser Einheit ein viertes Regiment hinzuzufügen, um die übliche viergliedrige Struktur amerikanischer Infanteriedivisionen zu erhalten.[1.1]

Aufstellung der Regimenter

Aufstellung des 369. Regiments (15. New Yorker Nationalgarderegiment)

Das 15. New Yorker Nationalgarderegiment unter Oberst William Hayward (der den Aufbau des Regiments im Jahr 1916 geleitet hatte), welches mit 54 Offizieren und 2053 Mannschaftssoldaten in die Armee übertrat, musste seine Rekruten ursprünglich auf den Straßen von New York City trainieren, da es dem Regiment an brauchbaren Unterkünften mangelte.[1.2] Sowohl die New Yorker 6. Nationalgardedivision als auch die 42. „Regenbogen“-Infanteriedivision lehnten aus rassischen Gründen eine Zusammenarbeit mit dem neuen Regiment ab; die 42. Division ließ verlauten, dass schwarz ‚keine Farbe des Regenbogens‘ sei.[2.1] Obwohl das Parlament von New York schon acht Jahre zuvor der Aufstellung eines afroamerikanischen Nationalgarderegiments zugestimmt hatte, war dieser Verband seinerzeit offiziell aus fiskalen Gründen durch Gouverneur Charles Evans Hughes blockiert worden.[3.1] Für über 2000 Soldaten, die sich im Rahmen der Aufstellung von 1916/1917 einfanden, standen nur 250 Gewehre zur Verfügung.[1.2]

Musikgruppe des 369. Regiments spielt unter Leitung von Leutnant James Reese Europe für amerikanische Verwundete, 1918

Das Regiment baute sich in großer Improvisation und ohne große Hilfe der Zentralregierung ein Netzwerk afroamerikanischer Unterstützer auf, zu dem auch eine 43-köpfige Musikkapelle um die späteren Jazz-Stars James Reese Europe und Noble Sissle gehörte.[1.2] Europe begab sich im Mai 1917 nach San Juan (Puerto Rico), um dort Musiker zu rekrutieren.[3.2]

Das Regiment, das noch unter seiner Nationalgardebezeichnung im Dezember 1917 in See stach, wurde im Januar 1918 in 369. Infanterieregiment umbenannt.[1.2] Da Regimentszahlen in den 300ern mit Wehrpflichtigen assoziiert waren, blieb es im Regiment jedoch populär, die Ordnungszahl 15 des alten New Yorker Namens weiterzuverwenden.[2.2] Das 369. Regiment wurde zum berühmtesten aller afroamerikanischen Regimenter des Ersten Weltkrieges; seine Soldaten waren auch als die „Harlem Hellfighters“ bekannt.[4]

Aufstellung des 370. Regiments (8. Illinois-Nationalgarderegiment)

Das 8. Illinois-Nationalgarderegiment, welches von allen Regimentern der späteren 93. Division den höchsten Anteil an schwarzen Offizieren hatte (was prompt das Misstrauen weißer Rassisten in den USA erregte),[1.3] war in der Vorkriegszeit mit Abstand der größte afroamerikanische Verband der Nationalgarde gewesen.[3.1] Das 8. Regiment hatte im Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) auf Kuba gedient.[2.2] Das Regiment machte noch während seiner Ausbildung für den Fronteinsatz negative Schlagzeilen in den Südstaaten, da sich die Soldaten auf ihren Zugreisen durch Texas und Arkansas in Richtung Camp Logan bewusst über die Rassentrennung und die Jim-Crow-Gesetze hinwegsetzten. In Houston wurde einer der Soldaten von einem weißen Polizisten angeschossen und andere führten einen Streit über die Nutzung der segregierten Straßenbahn, in dem sie sogar von weißen Soldaten des 7. Illinois-Regiments gegen die weißen Südstaatler unterstützt wurden. Die Unruhen in Houston machten überregionale Schlagzeilen. Am 1. Dezember 1917 wurde das 8. Regiment offiziell zum 370. Infanterieregiment. Als sie in Newport News zur Einschiffung ankamen, begegnete ihnen Rassenhass von weiten Teilen der weißen Bevölkerung, da das Regiment in populistischen Zeitungen für die Unruhen in Houston verantwortlich gemacht worden war. Ungewöhnlich war, dass der gesamte Führungsstab des 8. bzw. 370. Regiments aus schwarzen Offizieren bestand, inklusive des Regimentskommandeurs Franklin A. Denison,[1.3] der jedoch kurz nach der Verlegung seines Regiments nach Frankreich einer Intrige zum Opfer fiel und durch einen weißen Offizier ersetzt werden würde.[1.4]

Aufstellung des 371. Regiments

Da für die anderen Regimenter (369, 370, 372) die verfügbaren schwarzen Nationalgardisten aufgebraucht waren, musste für das vierte Regiment (371) auf schwarze Wehrpflichtige zurückgegriffen werden. Die meisten der Rekruten stammten aus North Carolina und South Carolina, denen eine kleine Zahl von Wehrpflichtigen aus Georgia, Florida und Alabama beigefügt wurden. Das Regiment wurde von zwei weißen Stabsoffizieren, Oberst Perry L. Miles und Oberstleutnant Robert M. Brambila, befehligt. Bis Oktober 1917 fanden sich 3380 Rekruten in Camp Jackson ein. Die Rassenbeziehungen der schwarzen Mannschaftssoldaten zu den vornehmlich aus den Südstaaten stammenden weißen Offizieren waren von Anfang an schlecht.[1.5]

Aufstellung des 372. Regiments

Das 372. Regiment wurde aus sechs kleineren Nationalgardeeinheiten (zwei Bataillonen, vier Kompanien) zusammengestückelt, indem das 1. Nationalgarde-Bataillon Washington, D. C. zum 1. Bataillon des Regiments (Kompanien A bis D) wurde, das 2. Ohio-Nationalgarde-Bataillon zum 2. Bataillon des Regiments (Kompanien E bis H) und die Maryland-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie I, die Tennessee-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie K, die Massachusetts-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie L und die Connecticut-Nationalgarde-Kompanie zur Kompanie M. Diese vier Kompanien bildeten gemeinsam das Bataillon 3./372. Dem Regiment standen mit Oberst Glendie B. Young und Oberstleutnant Albert W. Cole zwei weiße Stabsoffiziere vor, die zudem von weißen Hauptquartier-, Logistik- und Maschinengewehr-Offizieren unterstützt wurden, aber die Offiziere der zwölf Infanteriekompanien waren Schwarze.[1.6] Dadurch hatte das Regiment eine gleichzeitig stärker durchmischte und stärker abgegrenzte Führungskultur als die anderen Regimenter.[1.7]

Aufstellung der Division

Im Januar 1918 befahl das US-Kriegsministerium formell die Fusion der vier Infanterieregimenter (369, 370, 371, 372) zur nunmehr aktivierten 93rd Infantry Division.[1.8] Dabei bildeten das 369. und das 370. Regiment gemeinsam die 185. Brigade und das 371. und 372. Regiment die 186. Brigade.[1.9] Die 185. Brigade stand unter dem Befehl von Brigadegeneral Albert H. Blanding, die 186. Brigade unter dem Befehl von Brigadegeneral John H. Harries.[1.8] Den Divisionsstab führte ab dem 15. Dezember 1917 Brigadegeneral Roy Hoffmann.[5] Da die Division nie vervollständigt und schnell in ihre Einzelregimenter geteilt wurde, war Hoffmanns Hauptquartier eine Formalität und übte wenig echte Kommandogewalt aus.[6.1]

Der Divisionsstab stach am 18. Februar 1918 von Hoboken aus in Richtung Frankreich in See.[1.8] Zeitgleich herrschte eine scharfe Debatte zwischen dem amerikanischen Oberbefehlshaber John J. Pershing und dem Generalstabsoffizier John Biddle, was überhaupt mit der 93. Division anzufangen sei. Pershing gedachte zunächst, die Afroamerikaner für Logistikdienste im Rahmen des United States Army Services of Supply (SOS) heranzuziehen, so wie es beim vorausgeschickten 369. Regiment bereits gehandhabt worden war, obwohl dies einen klaren Bruch des Versprechens darstellte, dass es sich bei den afroamerikanischen Divisionen um Kampfverbände handeln sollte. Im Februar änderte Pershing jedoch seine Meinung und entschied sich dazu, die vier Regimenter der 93. Division an die französische Armee zu überstellen, der von US-amerikanischer Seite schnelle Verstärkungen in der Stärke von vier Regimentern versprochen worden waren.[1.10] Pershing würde später in seinen Kriegsmemoiren behaupten, stets vorgehabt zu haben, die vier Regimenter zeitnah zu einer amerikanischen Division zurückzubilden,[7] aber es lassen sich keine Dokumente aus dem Ersten Weltkrieg finden, die diese Behauptung Pershings stützen würden.[1.10]

Die vier Regimenter der 93. Division waren die einzigen US-amerikanischen Regimenter des Ersten Weltkrieges, die völlig in die französische Armee integriert wurden.[1.11]

Integration in die französische Armee

Soldaten des 369. Regiments mit französischen Gewehren und Helmen proben den Grabenkrieg, Mai 1918

Da die französische Armee mit ihren eigenen Kolonialtruppen große Erfahrungen mit nichtweißen Verbänden gesammelt hatte, war die Integration afroamerikanischer Truppen in die französischen Reihen kein primär ethnisches Problem. Trotzdem ergaben sich eine Reihe administrativer Probleme, da die französische Armee in ihrer Regimentsstruktur und militärischen Ausrüstung anders aufgebaut war als das US-Heer. Die Springfield-Gewehre der Division mussten durch das weniger moderne Lebel Modell 1886 ersetzt werden, da die Munition der beiden Gewehrtypen miteinander nicht kompatibel war und da die Soldaten der 93. Division für ihren Munitionsnachschub künftig auf die Franzosen angewiesen sein würden. Sogar der Adrianhelm der französischen Armee wurde in die Division übernommen. Die für die französische Armee typische Rotweinration wurde den afroamerikanischen Soldaten (aber nicht ihren weißen Offizieren) schließlich gestrichen, da zu viele Divisionsangehörige den Wein sofort tranken, anstatt ihn wie in der französischen Armee üblich über den Tag zu verteilen.[1.12]

Die im Vergleich zur US-Armee stärker integrierte Sozial- und Rassestruktur der französischen Armee bereitete einigen US-Offizieren Unbehagen.[1.13] Im Hauptquartier der AEF hatten Männer wie der Operationsoffizier und spätere US-Generalstabschef im Zweiten Weltkrieg George C. Marshall eine schlechte Meinung von der Leistung afroamerikanischer Truppen.[2.3] Der französische Oberst Louis Linard, französischer Missionsführer beim AEF-Hauptquartier,[2.2] übermittelte ein Dokument über ‚Geheime Informationen bezüglich schwarzer amerikanischer Truppen‘ (englisch Secret Information Concerning Black American Troops), welches die französischen Offiziere und hochrangigen Zivilisten, die wahrscheinlich in Kontakt mit den Afroamerikanern treten würden, vor den negativen Effekten einer Fraternisierung mit den Schwarzen warnen sollte. Die Franzosen wurden gewarnt, die soziale Stellung der Afroamerikaner in den USA im Hinterkopf zu halten, egal ob sie diese guthießen oder nicht. Die Leser sollten bedenken, dass übermäßige Freundlichkeit eine Gefahr der Rassenvermischung böte, welche die öffentliche Meinung in den USA bezüglich der Unterstützung für Frankreich negativ beeinflussen könnte. Die französischen Offiziere wurden gebeten, nur die absolut notwendigsten Freundlichkeiten mit afroamerikanischen Offizieren auszutauschen und Privatgespräche, gemeinsame Essenstermine oder das Händeschütteln zu vermeiden.[1.13] Das Dokument wurde zwölf Tage später vom französischen Generalstab eingezogen; stattdessen wirkte der französische Oberbefehlshaber Ferdinand Foch am 26. August persönlich auf seinen amerikanischen Amtskollegen Pershing ein, dass der von den Amerikanern angestrebte Transfer der vier Regimenter zurück in amerikanischen Dienst die Franzosen um zwei Infanteriedivisionen abschwächen würde.[2.4] Das Dokument von Oberst Linard wurde nach Kriegsende im Juni 1919 von Achille René-Boisneuf in der französischen Nationalversammlung verlesen, wo es Protestrufe auslöste. Die französischen Parlamentarier bekannten sich in unmittelbarer Antwort auf den Vorfall in einer demonstrativen Parlamentsabstimmung zur Achtung der Menschenrechte ungeachtet der Hautfarbe.[1.13]

Das 369. Regiment, welches als erster Verband der 93. Division in Frankreich angekommen war, wurde zunächst im Rahmen der SOS zu logistischen Aufgaben herangezogen und verlor sogar seine Musikkapelle, die sich stattdessen auf eine 37-tägige Musiktournee durch Frankreich begab.[1.14] Nachdem das 369. Regiment kurz vor Frühlingsbeginn endlich Marschbefehl bekommen hatte, brach das Regiment das bisherige Lager in Saint-Nazaire ab und rückte nach Givry-en-Argonne, wo es der französischen 16. Infanteriedivision (8. Korps, 4. Armee) angegliedert wurde.[1.14]

Kampfeinsätze 1918

Die Regimenter der 93. Division kämpften im Ersten Weltkrieg separat voneinander.[5]

369. Regiment

Das 369. Regiment hatte als Teil der französischen 16. Division seine Feuertaufe im Argonnerwald. Während der Kämpfe des 369. Regiments im Frühjahr 1918 kam es auch zu einer später berühmten Episode, als Henry Johnson und Needham Roberts einen deutschen Überraschungsangriff in Zugstärke abwehrten und den deutschen Angreifern dabei etwa vier Tote und 32 Verwundete zufügten. Da Roberts schwer verwundet wurde, erwarb besonders Henry Johnson durch seine Einzeltat Ruhm und Bekanntheit für sich und sein Regiment, welches in der französischen Presse gewürdigt wurde. Selbst der US-amerikanische Korrespondent Irvin S. Cobb, dem das Fraternisierungsverbot des AEF-Hauptquartiers nicht bekannt war, schrieb Lobeshymnen auf den Heldenmut der afroamerikanischen Soldaten.[1.15] Als schließlich auch Oberbefehlshaber John J. Pershing die beiden Soldaten in einem Communique lobend erwähnte, überschlugen sich in den USA die Schlagzeilen sowohl der schwarzen als auch der weißen Zeitungen, da bis dahin kaum bekannt gewesen war, dass bereits eine afroamerikanische Einheit an der Westfront kämpfte. Der französische Kriegsminister André Tardieu bat seine Generäle kurzerhand, bei Pershing um den Transfer aller afroamerikanischen Einheiten zur französischen Armee nachzusuchen.[2.2]

Das 369. Regiment stand auch im Rahmen der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 in schweren Kämpfen, da die Afroamerikaner Anfang Juni 1918 bei Château-Thierry in die Linie geworfen wurden und sich auch in der Schlacht im Wald von Belleau gut schlugen.[1.16] Am 4. Juli wurde das 369. Regiment der französischen 161. Division angegliedert, zu der sie sich unter teilweise schwerem deutschen Artilleriebeschuss bis zum 15. Juli durchschlugen, um dort ein ermüdetes marokkanisches Regiment abzulösen. Hier kämpfte das 369. Regiment bis Mitte August, wurde dann nach 130 Tagen an der Front für einen Wochenurlaub aus der Linie genommen und bei der Rückkehr vollständig in die 161. Division integriert (statt nur angegliedert).[1.17]

Das Historiengemälde Hell Fighters from Harlem (H. Charles McBarron, Jr., 1980er-Jahre) stellt das 369. Regiment im Argonnerwald dar.

Die folgende Maas-Argonnen-Offensive, an der französische und amerikanische Großverbände gemeinsam teilnahmen, erlebte das 369. Regiment also als Teil einer französischen Division.[1.18] Am 26. September trat des Regiment gemeinsam mit anderen französischen Einheiten zum Großangriff an.[2.4] In den folgenden Tagen erlitt das Regiment schwerste Verluste, gewann aber gegen gut vorbereitete deutsche Gegner bei geringem Flankenschutz und mangelndem Nachschub vierzehn Kilometer an Boden. Als es endlich aus der Linie genommen wurde, hatte das Regiment 161 Tote und 636 Verwundete zu beklagen. Das 369. Regiment wurde Mitte Oktober in einen inaktiven Sektor der Vogesen verlegt, um dort wieder zu Kräften zu kommen. Dort war das Regiment auch zum Kriegsende am 11. November 1918. Am 19. November rückte das Regiment im Rahmen des Waffenstillstands vor und erreichte am 26. November als erstes alliiertes Regiment das Westufer des Rheins. Der Regimentskommandeur Hayward beanspruchte für sein Regiment später, mit 191 Kampftagen länger an der Frontlinie gekämpft zu haben als jedes Regiment des AEF.[1.18] Das 369. Regiment hatte sich in Frankreich außerordentlich beliebt gemacht, zumal viele Regimentsangehörige sich durch Französischkenntnisse hervortaten. US-Kriegsminister Newton Baker bezeichnete das 369. Regiment ohne rassische Einschränkung als das ‚rundherum einsatzfähigste Regiment, welches nach Frankreich geschickt worden war‘.[1.17] Die vergleichsweise guten Rassebeziehungen innerhalb des 369. Regiments, insbesondere zum weißen Gründervater und Regimentskommandeur Oberst William Hayward, hatten während des gesamten Krieges einen positiven Einfluss auf die Kampfmoral der Soldaten, während andere Regimenter mit stärker antagonistischen Rassebeziehungen in der 93. sowie in der 92. Division deutlich schlechtere Ergebnisse produzierten.[2.5]

370. Regiment

Afroamerikanische Offiziere des 370. Regiments mit französischen und amerikanischen Orden, ca. 1919

Das 370. Regiment, dem schon kurz nach seiner Ankunft in Frankreich im April 1918 aus verschiedenen Gründen viele seiner höheren schwarzen Offiziere entzogen wurden, wurde Anfang Juli dem Kommando des weißen Obersten Thomas A. Roberts unterstellt, der sich bei seinen schwarzen Untergebenen sofort unbeliebt machte. Roberts suchte um die Ablösung seiner schwarzen Offiziere nach, was ihm einerseits nicht gewährt wurde und andererseits eben diesen Offizieren zu Ohren kam, wodurch das Vertrauensverhältnis zur Regimentsführung praktisch zerstört wurde. Das 370. Regiment hatte seine Feuertaufe Mitte Juli im Argonnerwald, wo es sich der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 erwehren musste. Im August zeichnete sich das Regiment durch die Gefangennahme von 1900 deutschen Soldaten und die Erbeutung von vier Feldgeschützen, 45 Mörsern und 200 Maschinengewehren aus. Ab August verbesserten sich auch die Berichte, die der weiße Regimentskommandeur Roberts über sein Regiment an seine Vorgesetzten schickte. Obwohl Roberts die Wiedervereinigung der 93. Division befürwortete, wurde sein Regiment im Sommer 1918 zwischen vier französischen Infanteriedivisionen (73., 10., 34., 36.) hin- und hergeschoben. Anfang September war das 370. Regiment bei Soissons der französischen 59. Division angegliedert[1.19] und blieb dort bis Kriegsende.[2.2]

Am 30. September erlitt das 370. Regiment als Teil der 59. Division einen Rückschlag, als es am Aisne-Oise-Kanal eine deutsche Stellung angreifen sollte und dabei die regimentsinterne Koordination verlor. Teile des Regiments gingen verloren und der Angriff verpuffte. Der weiße Major L. R. Fredenhall stellte bei einer Inspektionsreise am 5.–6. Oktober fest, dass zu wenige schwarze Offiziere die Karten richtig lesen könnten und empfahl prompt, das komplette schwarze Offizierskorps des Regiments durch weiße Offiziere zu ersetzen.[1.19] Das Regiment wurde am 13./14. Oktober abgelöst und am 30. Oktober nordöstlich von Laon wieder in die Linie geschickt.[2.4] In der letzten Kriegswoche nahmen Soldaten des 370. Regiments den Ort Logny an der belgischen Grenze ein und betraten unmittelbar vor Kriegsende noch belgischen Boden, bevor die Nachricht vom Waffenstillstand das Regiment erreichte.[1.19]

371. Regiment

Aufgrund seiner nicht auf der Nationalgarde basierenden Herkunft unterschied sich das 371. Regiment grundlegend von den anderen drei, blieb aber in seiner militärischen Leistung nicht weit zurück. Es kam gemeinsam mit dem 370. und 372. Regiment im April 1918 in Frankreich an und wurde überraschend kurz nach der Landung nach Rembercourt befohlen, um dort eine geschwächte französische Division aufzufrischen. Im Juni wurde das Regiment zur französischen 157. Division verlegt, die es gemeinsam mit dem 372. US-Regiment sowie dem französischen 333. Regiment auffüllen sollte. Das 371. Regiment übernahm die Symbolsprache der französischen Division, die sich Rothand-Division nannte und eine rote Hand als Insigne führte, wodurch das 371. Regiment sich selbst den Spitznamen Rothand-Regiment (englisch Red Hand regiment) verlieh.[1.20]

Zwischen Juli und September bestand die Aufgabe des 371. Regiments abgesehen von einem größeren Überraschungsangriff hauptsächlich darin, Patrouillen und Stoßtrupps zu bilden. Während des Überraschungsangriffs auf die deutschen Linien zeigte sich der französische Divisionskommandeur Mariano Goybet mit der Leistung der Junioroffiziere des 371. Regiments unzufrieden, da diese ihre Maschinengewehre nicht richtig einzusetzen wüssten. Da es sich bei den Offizieren aber um Weiße handelte, wurde diese Meinungsverschiedenheit in der US-Presse nicht weiter ausgeschlachtet. Ende September machte sich das 371. Regiment für die Maas-Argonnen-Offensive bereit. Zunächst wurde das Regiment in der Reserve gehalten, wurde aber dann am dritten Gefechtstag (dem 28. September 1918) in die Linie geworfen, um eine Lücke zwischen zwei Divisionen zu füllen. Ohne Artillerieunterstützung griffen die Soldaten des 371. Regiments immer wieder auf Bajonettangriffe auf deutsche MG-Nester zurück und gewannen bei hohen Verlusten am ersten Gefechtstag nur etwa 500 Meter an Boden.[1.21] An diesem Tag fiel ein Truppführer innerhalb des 371. Regiments, Korporal Freddie Stowers, den Präsident George H. W. Bush am 24. April 1991 postum mit der Medal of Honor auszeichnete, wodurch Stowers zum ersten afroamerikanischen Soldaten beider Weltkriege wurde, der diese höchste Auszeichnung erhielt.[8] Zum Monatsende konnte das Regiment seine Vorstöße auf einige Kilometer pro Tag beschleunigen. Anfang Oktober wurde die 157. Division aus der Linie herausgelöst und in einen inaktiven Sektor der Front verlegt, wo sie bis zum Waffenstillstand blieb.[1.21]

Insgesamt hatte das 371. Regiment während seiner Dienstzeit in Frankreich 113 Gefechtstote zu beklagen (4 Offiziere, 109 Unteroffiziere und Mannschaften), zu denen später 13 weitere Tote durch Verwundung kamen. Darüber hinaus wurden 914 Regimentsmitglieder (41 Offiziere, 873 Unteroffiziere und Mannschaften) verwundet. Das Regiment hatte 93 Deutsche gefangen genommen (drei Offiziere, 90 Unteroffiziere und Mannschaften) und acht Mörser, 37 77-mm-Kanonen und 47 Maschinengewehre erbeutet.[1.22]

Nach dem Kriegsende und mit der Wiederunterstellung unter amerikanischen Oberbefehl wurde es den Soldaten der 371. Regiment prompt verboten, das selbst gewählte Rothand-Schulterabzeichen an den Uniformen zu tragen.[1.23]

372. Regiment

Afroamerikanische Meldegänger der Motorradtruppe des 372. Regiments

Obwohl das 372. Regiment ebenso wie das 369. und das 370. Regiment ursprünglich der Nationalgarde entstammte, hatte es mit seiner zwischen Schwarzen und Weißen gemischten Führungsriege größere Führungsprobleme als das hauptsächlich von Weißen geführte 369. Regiment oder das hauptsächlich von Schwarzen geführte 370. Regiment. Der weiße Regimentskommandeur Oberst Glendie Young machte sich bei seinen schwarzen Offizieren sofort unbeliebt, als er es den weißen Offizieren erlaubte, in Frankreich größere Teile der Kasernengebäude für Weiße zu reservieren. Youngs Ablösung, Oberst Herschel Tupes, setzte den Trend dadurch fort, sofort um die Ablösung aller schwarzen Offiziere zu bitten, denen er Fürsorge, Pünktlichkeit und Kameradschaft absprach. Oberst Tupes stellte den Antrag, keine weiteren schwarzen Offiziere zum Regiment zu schicken. Als dies in der Truppe bekannt wurde, brach die Moral des 372. Regiments in sich zusammen. Ein aus weißen Offizieren des 371. und 372. Regiments gebildetes Tribunal befand 20 von 21 schwarzen Offizieren für unfähig und empfahl ihre Amtsenthebung. Die Rassenunruhen nahmen zu, als ein weißer Offizier einen schwarzen Mannschaftssoldaten erschoss.[1.7]

Das 372. Regiment hatte seine Feuertaufe am 27. September im Rahmen der Maas-Argonnen-Offensive, als es in der Champagne in Richtung Séchault vorstieß. Am 30. September löste das 372. Regiment das 371. Regiment aus der Linie, bevor es selbst Anfang Oktober vom französischen 70. Regiment abgelöst wurde. Während der kurzen und heftigen Kämpfe zum Monatswechsel September/Oktober 1918 erlitt das Regiment derart schwere Verluste, dass die Bataillone 1./372 und 3./372 zusammengelegt werden mussten. Das Regiment erhielt die persönliche Anerkennung des französischen Generals Mariano Goybet, dem Befehlshaber der französischen 157. Infanteriedivision, der das 372. Regiment beigeordnet war. Im letzten Kriegsmonat wurde das Regiment gemeinsam mit der französischen Mutterdivision in einen inaktiven Sektor der Elsaß-Front verschoben, wo es bis Kriegsende noch 33 Verluste erlitt. Nach dem Waffenstillstand wurde das Regiment nach Granges-sur-Vologne verlegt.[1.24]

Auflösung der Division 1919

Insgesamt hatten die vier Regimenter der 93. Division gemeinsam 584 Tote und 2582 Verwundete zu beklagen. Die Gesamtverlustzahl der Division von 3166 stellt eine Verlustquote von 32 % der Division dar.[1.23] Generell wird den Regimentern der 93. Division eine gute Gesamtleistung im Ersten Weltkrieg bescheinigt, während die Leistung der Schwesterdivision (92. Division) durchwachsener war.[9]

Durch die frühe Heimkehr der afroamerikanischen Truppen in die USA im Januar/Februar 1919 war es den schwarzen Soldaten der 92. und 93. Divisionen verwehrt, an der großen Entente-Siegesparade zum französischen Nationalfeiertag (14. Juli 1919) teilzunehmen.[2.5] Mitte Februar 1919 nahm das 369. Regiment bei der Rückkehr nach New York City an einer eigenen Willkommensparade teil, welcher der Gouverneur Alfred E. Smith und der Ex-Gouverneur Charles S. Whitman sowie der stellvertretende Bürgermeister Robert L. Moran beiwohnten. Anlässlich ihrer Rückkehr wurden die Soldaten des 369. Regiments auch von nicht-afroamerikanischen Zeitungen wie der Jewish Daily News gewürdigt.[3.3]

Nach den Abschiedsparaden im Februar 1919 wurde die Division deaktiviert.[10]

Militärische Auszeichnungen im Ersten Weltkrieg

Eine Gruppe von mit dem Croix de guerre ausgezeichneten Soldaten des 369. Regiments, ca. 1919

Viele Mitglieder der 93. Division erhielten das französische Croix de guerre (CDG), die französische Militärmedaille (MM) sowie das amerikanische Distinguished Service Cross (DSC).[1.25] Der weiße Leutnant George S. Robb (369. Rgt.) erhielt im Jahr 1919 als erstes Mitglied der Division die höchste US-amerikanische Tapferkeitsauszeichnung, die Medal of Honor (MOH).[11] Ihm folgten postum zwei afroamerikanische Mannschaftssoldaten: Freddie Stowers (371. Rgt.) erhielt die MOH im Jahr 1991 zugesprochen,[8] Henry Johnson (369. Rgt.) im Jahr 2015.[12]

  • 170 Mitglieder des 369. Regiments erhielten das CDG, und das Regiment selbst erhielt das CDG als Kollektivauszeichnung.[1.17] Dazu kommen zwei MOH (George S. Robb (1919), Henry Johnson (2015)).[11][12]
  • 71 Mitglieder des 370. Regiments erhielten das CDG und weitere 21 das DSC. Die C-Kompanie (1./370) erhielt kollektiv das CDG mit Palme.[1.26]
  • 184 Mitglieder des 371. Regiments wurden mit CDG oder DSC ausgezeichnet,[1.27] dazu kommt eine MOH (Freddie Stowers (1991)).[8] Das 371. Regiment erhielt kollektiv das CDG mit Palme.[1.28]
  • 153 Mitglieder des 372. Regiments (41 Offiziere, 14 Unteroffiziere, 97 Mannschaftssoldaten) erhielten das CDG und 21 Mitglieder das DSC. Das Regiment selbst erhielt das CDG mit Palme als Kollektivauszeichnung und wurde von der französischen Regierung für einen ‚großartigen Geist und eine bewundernswerte Verachtung der Gefahr‘ gelobt.[1.29]

Henry Johnson (369. Rgt.) war der erste US-amerikanische Soldat, der im Ersten Weltkrieg ein CDG gewann.[1.14] Johnson wurde postum sukzessive mit dem Purple Heart (1996), dem DSC (2002) sowie schließlich mit der Medal of Honor (2015) ausgezeichnet.[13][12] Feldwebel Bob Collins (369. Rgt.) erhielt das CDG für diszipliniertes MG-Feuer unter schwerem deutschen Beschuss Mitte Juni 1918.[1.16] Leutnant Harvey Taylor (370. Rgt.), der am 16. Juli sechsmal verwundet wurde, erhielt ebenfalls das CDG.[1.4] Feldwebel Matthew Jenkins (370. Rgt.) erhielt sowohl das CDG als auch das DSC, da er einige Soldaten der F-Kompanie (2./370) in einen befestigten deutschen Tunnel führte und diesen ohne Verstärkung oder Nachschub für 36 Stunden verteidigte.[1.30] Leutnant Charles Clayton Jackson (370. Rgt.) gewann das CDG für seinen Dienst in einer Maschinengewehr-Kompanie.[14] Korporal Clarence Van Allen (372. Rgt.) erhielt das CDG mit Palme sowie das DSC für eine Einzelaktion gegen ein deutsches MG-Nest, während derer er vier Deutsche tötete und drei weitere gefangen nahm, bevor er eine deutsche Mörserbesatzung festsetzte und den Mörser erbeutete.[1.31]

Verleihung der Congressional Gold Medal an das 369. Regiment des Ersten Weltkriegs, 3. September 2025

Am 3. September 2025 wurde das 369. Regiment in einer von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth geleiteten Zeremonie retroaktiv mit einer Congressional Gold Medal ausgezeichnet,[15] nachdem US-Präsident Joe Biden am 25. August 2021 den Harlem Hellfighters Congressional Gold Medal Act unterzeichnet hatte.[16]

Zweiter Weltkrieg

Neuaufstellung der Division

Nach dem Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg (8. Dezember 1941) wurde die 93. Division am 15. Mai 1942 erneut aktiviert.[5] Das erste Hauptquartier wurde bei Fort Huachuca (Arizona) aufgeschlagen. Einzelne Ausbildungseinheiten erfolgten auch in Kalifornien und Louisiana.[6.2] In der Heimat wurde die Division von Mai bis Oktober 1942 durch Generalmajor Charles P. Hall befehligt, zwischen Oktober 1942 und Mai 1943 von Generalmajor Fred W. Miller und ab Mai 1943 bis zum Verschiffungsbefehl zum Jahreswechsel 1943/1944 sowie darüber hinaus von Generalmajor Raymond G. Lehman.[5]

Am 18. September 1942 wurde die erste Ausgabe der wöchentlichen Divisionszeitung, 93d Blue Helmet, herausgegeben, die im Verlauf der nächsten 28 Wochen erschien. Im Oktober 1942 brüstete sich die Redaktion der Divisionszeitung damit, mit einer Auflage von 20.000 zur Zeitung mit der zweitgrößten Auflage im gesamten Bundesstaat geworden zu sein, nur noch übertroffen von der Tageszeitung The Arizona Republic. Die Garnisonsstadt der 93. Division, Fort Huachuca, wurde durch den Zuzug der Rekruten der 93. Division in kurzer Zeit zur drittbevölkerungsreichsten Ortschaft in Arizona.[17]

Zum Zeitpunkt der Aktivierung bestand die 93. Infanteriedivision aus den folgenden Elementen:[17]

  • Infanterieregimenter 25, 368, 369
  • Feldartilleriebataillone 593, 594, 595, 596
  • 318. Quartiermeisterbataillon
  • 318. Pionierbataillon
  • 714. Sanitätskompanie
  • 93. Divisionsfernmeldekompanie
  • Aufklärungskavallerietrupp
  • 646. Panzerjägerbataillon
  • Divisionsfeldlazarett

Das afroamerikanische 24. Regiment diente ebenfalls im Pazifik, war aber nicht Teil der 93. Division.[6.3]

Einsatz im Pazifik

Im Zweiten Weltkrieg wurde die 93. Division auf verschiedene Kleingruppen verteilt für logistische und besatzungstechnische Reserveaufgaben im Pazifikkrieg eingesetzt.[18] Im Dezember 1943 erhielt die Division Marschbefehl; die Vorausabteilung unter dem Divisionskommandeur, Generalmajor Raymond G. Lehman, verließ am 11. Januar 1944 den Hafen von San Francisco und schiffte in Richtung Südpazifik aus. Zwischen Januar und Februar 1944 wurde der Großteil der Division in die Salomonen verlegt, wo der Großverband auf Guadalcanal noch einigermaßen geeint war, bevor sich die verschiedenen Teile der Division auf verschiedene Inseln begaben. Die Spezialtruppen und das 25. Infanterieregiment blieben auf Guadalcanal zurück, während sich die Regimentskampfgruppe 368 nach Mbanika (Russell-Inseln) begab, wo sie am 7. Februar ankam, während die Regimentskampfgruppe 369 nach ein paar Tagen auf Guadalcanal in Richtung Neugeorgien ausschiffte, wo es die 43. US-Infanteriedivision entlasten sollte.[19.1]

Soldaten der 93. Division auf Bougainville, 15. April 1944

Die Regimentskampfgruppe 25, die ab dem 17. Februar in Guadalcanal einsatzbereit war, unternahm dort hauptsächlich Aufgaben in der Hafenlogistik und trainierte ab dem 28. Februar den Dschungelkampf. Am 22. März wurde die 25. Kampfgruppe ans Südende von Bougainville befohlen, wo am 8. März ein heftiger Angriff durch japanische Truppen erfolgt war. Bis Ende März wurde die japanische 6. Division fast vollständig zerstört, während die US-Amerikaner nur geringe Verluste erlitten. Am 28. März, als die Kämpfe gegen die japanischen Truppen abklangen, kam die 25. Regimentskampfgruppe in Bougainville an, um unter dem Befehl von Oberst Everett M. Yon Besatzungsaufgaben wahrzunehmen. Der erste bestätigte Abschuss der 93. Division im Zweiten Weltkrieg gelang dem Gefreiten James H. O’Banner am 31. März, als er einen versprengten japanischen Soldaten tötete.[19.1] Das 25. Regiment wurde im November 1944 von australischen Truppen in der Wahrnehmung der Besatzungsaufgaben abgelöst und schiffte im Februar/März 1945 in Richtung Finschhafen aus.[19.2]

Erst im April 1945 trat die 93. Division erstmals seit Februar 1944 wieder einigermaßen geeint auf, als der Verband auf die Insel Morotai verlegt wurde.[6.2]

Im August 1944 übernahm Generalmajor Harry H. Johnson den Befehl über die 93. Division, den er bis zum September 1945 innehaben sollte.[5] Im gleichen Monat verschickte der US-Oberbefehlshaber im Pazifik Douglas MacArthur Berichte ans US-Kriegsministerium, denen zufolge die 93. Division ‚keine gute Division‘ sei, aber Anstrengungen unternommen werden würden, um den Kampfwert des Großverbands zu steigern.[6.4]

Die 93. Division setzte ihr Aufgabenprofil fort, während der Island-Hopping-Kampagne als Teil der zweiten Linie mehrheitlichen weißen Frontdivisionen zu folgen und diese immer wieder aus ihren Besatzungsaufgaben herauszulösen, um sie für neue Landungen freizumachen. Auf ihren jeweiligen Inseln nahmen die Soldaten der 93. Division Sicherungsaufgaben, Fragen der Hafenlogistik, Depot- und Warenhausaufträge sowie Patrouillendienste wahr. Die Hauptfeinde der Division waren hierbei die hochgefährlichen Holdouts, also versprengte japanische Soldaten, die sich zum Zeitpunkt alliierter Landungen auf ihren jeweiligen Inseln ins Landesinnere zurückgezogen und dort versteckt hatten, um von dort aus zu Guerillaoperationen überzugehen. Zu größeren Schlachten gegen vollwertige japanische Großverbände kam es nicht.[19.3] Gegen Kriegsende übernahm die 24. Regimentsgruppe auch Besatzungsaufgaben auf Saipan, Tinian und in den Ryūkyū-Inseln.[19.4]

Zu Spitzenzeiten verfügte die 93. Division während des Zweiten Weltkriegs über eine Gesamtpersonalstärke von 28.000 Soldaten, die verschiedene Besatzungs-, Verwaltungs- und Operationsaufgaben wahrnahmen.[19.5]

Auflösung der Division 1946

Im September 1945, dem Monat des Kriegsendes, übernahm Brigadegeneral Leonard R. Boyd den Befehl über die 93. Division. Die Truppen der 93. Division kehrten im Januar 1946 ins amerikanische Mutterland zurück und kamen dort am 1. Februar an. Am 3. Februar 1946 wurde die Division formell deaktiviert.[5]

Militärische Auszeichnungen im Zweiten Weltkrieg

Die Divisionsgeschichte von 1948 listet einen Empfänger des Distinguished Service Cross (DSC), einen Empfänger der Army Distinguished Service Medal (DSM), fünf Empfänger des Silver Star (SS), fünf Empfänger der Legion of Merit (LM), 16 Empfänger der Soldier’s Medal (SM), 686 Empfänger der Bronze Star Medal (BSM) und 27 Empfänger der Air Medal (AM).[5] Der Empfänger des DSC war Staff Sergeant Leonard A. Dowden (368. Rgt.), der am 20. Dezember 1945 für eine Einzeltat am 17. Juli 1945 ausgezeichnet wurde.[6.5] Dowden hatte seinen Zug der I-Kompanie gegen eine zahlenmäßig überlegene japanische Angriffsgruppe geführt, war auf weniger als 30 Metern Feindentfernung schwer verwundet worden und hatte seinen Vormarsch trotzdem kriechend fortgesetzt. Beim Versuch, ein japanisches Maschinengewehr mit einer Handgranate auszuschalten, wurde er tödlich getroffen. Nach seinem Tod konnten seine Männer den japanischen Angriff trotzdem abwehren, wofür Dowden postum mit dem DSC ausgezeichnet wurde.[6.6]

Shoulder sleeve insignia

Der Adrianhelm als Ursprung des Ärmelabzeichens (Shoulder sleeve insignia) der US 93rd Infantry Division

Das so genannte Shoulder sleeve insignia (auf Deutsch Ärmel- oder Schulterabzeichen) zeigt einen stilisierten französischen Adrianhelm auf schwarzem Grund. Da die Regimenter der 93rd hauptsächlich unter französischem Kommando kämpften, waren sie mit diesem hellblau lackierten Helm ausgestattet, was ihnen von den Franzosen den Spitznamen „Casques Bleus“ (deutsch Blauhelme) einbrachte.[20][21] Der Begriff wurde von den Divisionsangehörigen ins englische übersetzt, als Eigenbezeichnung übernommen, und später (im WWII) auch als Namen für die wöchentliche Divisionszeitung, 93d Blue Helmet, verwendet.

Bekannte Angehörige

  • Leonard A. Dowden (1921–1945): Mitglied des 368. Regiments im Zweiten Weltkrieg, am 17. Juli 1945 gefallen, einziger Empfänger des Distinguished Service Cross innerhalb der Division während des Zweiten Weltkriegs.[6.5]
  • James Reese Europe (1881–1919): Mitglied der Musikkapelle des 369. Regiments im Ersten Weltkrieg; später berühmter Jazzmusiker.[1.32]
  • Hamilton Fish III (1888–1991): Offizier des 369. Regiments im Ersten Weltkrieg, später Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus für den Bundesstaat New York.[2.2]
  • Henry Johnson (1892–1929): Soldat des 369. Regiments im Ersten Weltkrieg. Erster amerikanischer Träger des Croix de guerre.[1.14]
  • Noble Sissle (1889–1975): Mitglied der Musikkapelle des 369. Regiments im Ersten Weltkrieg; später berühmter Jazzmusiker.[1.32]
  • Freddie Stowers (1896–1918): Soldat des 371. Regiments im Ersten Weltkrieg, gefallen am 28. September 1918. Stowers wurde am 24. April 1991 postum mit der Medal of Honor ausgezeichnet und war der erste afroamerikanische Soldat beider Weltkriege, dem diese Ehre zuteilwurde.[8]
Commons: 93rd Infantry Division (United States) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • 93rd Division. George S. Robb Centre for the Study of the Great War; (englisch).
  • 93d Infantry Division. In: Combat Chronicles. U.S. Army Center of Military History, 1948, archiviert vom Original; (englisch).
  • Blue Helmets: The 93rd Infantry Division and its early service in the Pacific. Buffalo Soldiers National Museum; (englisch).
  • Stephen D. Lutz: The 93rd Infantry Division: The African-American Soldiers in the Pacific. Warfare History Network, 2017; (englisch).

Literatur

  • Arthur E. Babeau, Florette Henri: The Unknown Soldiers: Black American Troops in World War I. Temple University Press, Philadelphia 1974 (englisch).
  • Michael Cooper: Hell Fighters: African American Soldiers in World War I. 1997 (englisch). — Regimentsgeschichte des 369. Regiments.[22]
  • Stephen Harris: Harlem's Hell Fighters: The African American 369th Infantry in World War I. 2003 (englisch). — Regimentsgeschichte des 369. Regiments.[22]
  • Ulysses Lee: The Employment of Negro Troops. CMH Publication 11–4–1. Center of Military History (United States Army), Washington, D.C. 1963 (englisch).
  • John H. Morrow Jr.: “Only America left her Negro Troops behind”: The African American Military Experience in the First World War. In: Geoffrey W. Jensen (Hrsg.): The Routledge Handbook of the History of Race and the American Military. Routledge, New York/Abingdon 2016, ISBN 978-1-138-01601-9, S. 151–159 (englisch).
  • Bernard C. Malty: Strength for the Fight: A History of Black Americans in the Military. Free Press, New York City 1986 (englisch).
  • Peter N. Nelson: A More Unending Battle: The Harlem Hellfighters Struggle for Freedom in World War I and Equality at Home. 2009 (englisch). — Regimentsgeschichte des 369. Regiments.[23]
  • Frank E. Roberts: The American Foreign Legion: Black Soldiers of the 93rd in World War I. Naval Institute Press, Annapolis 2004 (englisch). — Divisionsgeschichte der 93. Division in Form einer regimentsweisen Abhandlung über den Ersten Weltkrieg, welche die These einer amerikanischen Fremdenlegion innerhalb des französischen Heeres vertritt.[22]
  • Jeffrey T. Sammons, John H. Morrow Jr.: Harlem’s Rattlers and the Great War: The Undaunted 369th Regiment and the African American Quest for Equality. University Press of Kansas, Lawrence 2014 (englisch). — Regimentsgeschichte des 369. Regiments.[23]
  • Emmett Scott: The American Negro in the World War. 1919 (englisch).
  • W. Allison Sweeney: History of the American Negro in the Great War. 1919 (englisch).
  • Charles H. Williams: Negro Soldiers in World War I: The Human Side. 1923 (englisch).

Einzelnachweise

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