A. M. Luther

deutsches holzverarbeitendes Unternehmen in Tallinn von 1877 bis 1940 From Wikipedia, the free encyclopedia

A. M. Luther war ein deutsches holzverarbeitendes Unternehmen in Tallinn von 1877 bis 1940.

A. M. Luther, um 1930

Geschichte

Der Unternehmer Christian Wilhelm Luther gründete 1877/1878 ein dampfbetriebenes Sägewerk neben dem Holzplatz seines kurz zuvor verstorbenen Vaters Alexander Martin Luther in Reval (Tallinn), (das damals zum Russischen Reich gehörte).[1] Dieses produzierte zunächst vor allem Dachschindeln aus Holz nach finnischem Vorbild. 1882 erweiterte er dieses und erbaute eine mechanisierte Holzverarbeitungsfabrik, die Sperrholz in größerem Umfang verarbeitete, auch für Möbel, als eine der ersten weltweit. 1887 wurde der Standort verlegt und erweitert.[2] Es entstanden in den nächsten Jahren eine Trocknungsanlage für Holz und weitere Sägewerke und Fabrikgebäude.

1897 wurde das Tochterunternehmen Venesta (vineeri = Holz, Estonia = Estland) in London gegründet, das den Export von Produkten des Unternehmens in das Britische Empire, in die USA und in weitere Länder übernahm. Besonders erfolgreich wurde der Verkauf von Holzkisten für den Transport von Tee von Ceylon nach England. 1898 wurde die Aktien-Gesellschaft für Mechanische Holzbearbeitung A. M. Luther gebildet, die in den folgenden Jahren auch Filialen in mehreren Städten im Russischen Reich und weiteren Ländern unterhielt. 1900 erhielten Produkte des Unternehmens auf der Weltausstellung in Paris einen Grand Prix. Durch die Erfindung von wasserdichtem Furnierleim konnte die Produktion danach erheblich ausgebaut werden, mit feuchtigkeitsfesten Furniermöbeln, Reisekoffern, Hutschachteln und weiteren Gebrauchsgegenständen.

1914 übernahm Martin Christian Luther nach dem Tod seines Vaters das Unternehmen, das in dieser Zeit das größte für die Produktion von Furnier- und Sperrhölzern weltweit war. In den folgenden Jahren wurde die Produktion kriegsbedingt eingeschränkt und das Unternehmen im Dezember 1918 vorübergehend geschlossen.

Im April 1919 wurde es im neuen estnischen Staat wieder eröffnet und 1920 eine neue Aktiengesellschaft gegründet. Diese produzierte in den folgenden Jahren wieder erfolgreich Möbel und weitere Gebrauchsgegenstände aus Furnier- und Sperrholz, und auch Zubehör für Flugzeuge, Eisenbahnen und Autos. Viele wurden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien verkauft.

Nach der Übernahme Estlands durch die Sowjetunion 1940 wurde das Unternehmen A. M. Luther verstaatlicht und umbenannt. 1944 wurden die meisten Produktionsanlagen im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1945 wurden diese wieder aufgebaut und für die Produktion von Möbeln und weiteren Holzprodukten aus Sperrholz genutzt. Auch nach 1992 bestand das Unternehmen im unabhängigen Estland weiter. 2008 wurde es geschlossen. In der Gegenwart werden die ehemaligen denkmalgeschützten Fabrikgebäude (Luther-Viertel) für verschiedene Zwecke, auch für Kulturveranstaltungen genutzt.

Literatur

  • Juri Kermik: Lutheri vabriku. Vineeri ja mööbel / The Luther factory. Plywood and Furniture 1877–1940. Tallinn 2004, Ausstellungskatalog
  • Árpád Keitner: Menschen und Menschenwerke, 1928. S. 182–184, mit einigen Informationen zur Geschichte
Commons: Luther factory – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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