ARA-Region

Gebiet bestehend aus Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam From Wikipedia, the free encyclopedia

ARA-Region oder ARA-Raum ist die Bezeichnung für ein Gebiet in den Ländern Belgien und den Niederlanden, in dem die drei größten und verkehrsreichsten Seehäfen von Westeuropa liegen. Das Akronym ARA wird gebildet aus den Anfangsbuchstaben der drei Städtenamen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam.[1]

Schifffahrtsrouten der Nordsee

Durch ihre räumliche Nähe zueinander agieren die ARA-Häfen oft als eine logistische Einheit[2] und spielen als Drehkreuz für den internationalen Handel eine wesentliche Rolle in den globalen Lieferketten. Durch die günstige geographische Lage an der Nordsee nutzen zahlreiche Seereedereien die Häfen als ersten Anlaufpunkt in Europa, um die Waren der Schiffe zu entladen oder um Waren für ihre Schiffe aufzunehmen. Mit dem IJgeul und dem Euro-Maasgeul, die bis zu den Verkehrstrennungsgebieten vor der Küste reichen, sind gut ausgebaute Tiefwasserzufahrten vorhanden, sodass die derzeit größten Schiffe der Seeschifffahrt, wie bspw. die Megaboxer, die Häfen ansteuern können.

Hinterlandverbindungen

Die moderne Hafen-Infrastruktur der drei Häfen ermöglicht eine effiziente Abfertigung von Schiffen und bietet große Kapazitäten für Umschlag und Lagerung von Containern und Massengütern, einschließlich Ölprodukten, Chemikalien und anderen Rohstoffen. Die vielfältigen Hinterlandverbindungen garantieren einen schnellen Weitertransport in die verschiedenen Regionen Europas. Ihre Lage im Rhein-Maas-Schelde-Delta mit dem direkten Anschluss an die Rheinschiene bietet den kostengünstigen Transport per Binnenschiff zu den Wirtschaftszentren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Dabei hat der Hafen Rotterdam mit einem Anteil von etwa 44 Prozent die höchste Integration der Binnenschifffahrt in der Hafenhinterlandlogistik.[3] In Antwerpen liegt dieser Anteil bei über 30 Prozent.[4] Eine wichtige Rolle spielt dabei der Schelde-Rhein-Kanal als leistungsfähige Verbindung der ARA-Häfen untereinander.

Ansonsten erfolgt der Transport ins Hinterland über die Vielzahl von Anschlüssen an die Bahn- und Straßennetze Europas. Besonders bei der Beförderung von Containern besteht ein Übergewicht der Straße von über 50 Prozent – Ausnahme Amsterdam mit 41 Prozent. Der Schienenanteil liegt bei unter 10 Prozent. Im Vergleich dazu ist bei den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven der Anteil der Schiene bei rund 45 Prozent und nur ein geringer Anteil von 2–3 % wird per Schiff weiter transportiert<name="balm" />

Weitere Informationen Modal Split für Hinterlandverkehre beim Containertransport ...
Modal Split für Hinterlandverkehre beim Containertransport[5]
HafenRotterdamAmsterdamAntwerpen
Jahr201720172018
Straße56 %41 %55 %
Schiene10 %5 %7 %
Binnenschiff34 %55 %38 %
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Industriestandort

Die ARA-Region ist gleichzeitig ein bedeutender Industriestandort in Europa, insbesondere im Öl- und Petrochemiesektor, wobei Antwerpen das zweitgrößte Chemiecluster der Welt besitzt.[6] In der Region stehen die größten Tanklagerkapazitäten und die größten Raffinerien in Europa. Rund zwei Drittel der nach Deutschland importierten Fertigprodukte aus Erdöl kommen über Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen nach Deutschland.[7] Dabei kommt Rotterdam eine besondere Rolle zu. Mit den dortigen Lagerbeständen erfolgt die Preisbildung für den Rohölmarkt, wodurch die Mineralölpreise für Deutschland und Mitteleuropa maßgeblich bestimmt werden.[8]

Für den Öl- und Gastransport besteht ein umfangreiches Pipelinenetz, das auch die ARA-Häfen untereinander verbindet und die dort angesiedelten Industrieunternehmen versorgt. Daneben laufen Rohrleitungen nach Belgien, Deutschland und in die Niederlande. Eine bedeutende Versorgung erfolgt über das Central Europe Pipeline System, dass besonders für die NATO benötigt wird. Von Rotterdam aus führt die Rotterdam Rhine Pipeline über Venlo bis an den Rhein. Die Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft verschickt darüber Raffinerieprodukte bis in die Rhein-Main-Region und weiter zu BASF in Ludwigshafen.[9]

Weitere Häfen

Im weiteren Sinn zählt auch der Hafen Zeebrügge zur ARA-Region, da die Hafengesellschaften von Antwerpen und Zeebrugge eine enge Zusammenarbeit eingegangen sind und sich als zweitgrößten Hafen in Europa positionieren.[10] Als erweitertes Akronym ist für die vier Häfen ZARA in Gebrauch.[11]

Ein weiterer Seehafen in der Region mit bedeutendem Umschlag ist der Hafen von Gent. Durch den Neubau der großen Schleuse in Terneuzen kann der Hafen seit 2024 auch von den großen Containerschiffen angefahren werden. Als Kurzwort ist damit ARAG entstanden. Zusätzlich hat sich der Hafen von Gent mit weiteren Häfen an der Scheldemündung zusammengeschlossen und fungiert als multimodaler Hafen mit den Häfen von Vlissingen und Terneuzen unter dem Namen North Sea Port. Beim Umschlag setzen diese Häfen besonders auf die Binnenschifffahrt[12] und rangieren in diesem Sektor an vierter Stelle nach den drei ARA-Häfen.[13]

Einzelnachweise

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