Abdullah Bozkurt

türkischer Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Abdullah Bozkurt (* 5. August 1971 in Balıkesir, Türkei) ist ein türkischer investigativer Journalist und Menschenrechtsaktivist. Nach dem Putschversuch von 2016 in der Türkei lebt er im Exil in Stockholm, da er der Gülen-Bewegung nahesteht. Er ist Gründer und Direktor des Stockholm Center for Freedom (SCF) sowie Chefredakteur von Nordic Monitor, das sich auf Berichte über türkische Geheimdienstaktivitäten, Rechtsextremismus und Korruption konzentriert.[1]

Abdullah Bozkurt (2016)

Frühes Leben und Ausbildung

Abdullah Bozkurt wurde am 5. August 1971 in Balıkesir geboren. Er studierte Politikwissenschaft an der Boğaziçi Üniversitesi in Istanbul (1992–1996). Später erwarb er einen Master-Abschluss in Internationaler Politik an der Columbia University in New York (1998).[1]

Karriere

Bozkurt trat 1992 der Zaman bei, einer türkischen Tageszeitung. Er arbeitete zunächst in Ankara als Redakteur, stieg zum New Yorker Büroleiter (2002–2008) und später zum Washington-Korrespondenten auf. Bei der englischsprachigen Schwesterzeitung Today’s Zaman berichtete er über USA-Türkei-Beziehungen und Menschenrechte. Daraufhin gründete er die Muhabir News Agency, die ebenfalls durch behördliche Maßnahmen geschlossen wurde.[2]

Nach der Schließung von Zaman und Today's Zaman im Zuge der Säuberungen nach dem Putschversuch 2016 ging Bozkurt ins Exil.[3] 2017 gründete er das Stockholm Center for Freedom (SCF),[4] eine NGO, die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei dokumentiert.[5] 2019 startete er mit Levent Kenez Nordic Monitor, eine Plattform für investigative Berichte über türkische Spionage in Europa, Rechtsextremismus (z. B. Graue Wölfe) und Korruption in der türkischen Regierung.[1]

Bozkurt verfasste zahlreiche investigativ-recherchierte Artikel über SADAT Defense. Darin legte er unter Berufung auf Dokumente die Verbindungen dieser privaten Sicherheitsfirma unter der Leitung von Adnan Tanrıverdi zum türkischen Geheimdienst MİT offen sowie deren illegale Aktivitäten in Europa und weltweit (Waffenschmuggel, Bedrohungen gegen Oppositionelle, Spionage) und Beziehungen zu kriminellen Netzwerken.[6][7][8]

Er ist außerdem Writing Fellow beim in den USA ansässigen Middle East Forum, Autor des Buches Turkey Interrupted: Derailing Democracy (2015) und steuerte zu internationalen Medien Beiträge zu Themen der transnationalen Repression bei.[9]

Rechtliche Verfahren

Türkische Gerichte haben gegen Bozkurt seit 2016 mehrere Haftbefehle und Verurteilungen erlassen.[10] 2016 wurde ein Verhaftungsbeschluss wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in der von der türkischen Regierung als Terrororganisation bezeichneten Gülen-Bewegung beantragt.[11][12] 2017 folgte eine Verurteilung zu 11 Jahren Haft wegen Beleidigung des Präsidenten und Geheimnisverrats. 2023 forderte die Anklage im Rahmen eines Massenprozesses gegen Journalisten lebenslange Haft. Schweden lehnte 2025 mehrere Auslieferungsanfragen ab und begründete dies damit, dass die Vorwürfe politisch motiviert seien und mit seiner journalistischen Tätigkeit untrennbar verbunden sind.[13][14]

Druck auf die Presse

Bozkurt wurde 2020 vor seiner Wohnung in Stockholm von zwei maskierten Angreifern attackiert; die schwedische Polizei vermutet türkische Auftraggeber im Zusammenhang mit MİT-Aktivitäten.[15][16] Internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und der Europäische Journalistenbund verurteilten den Anschlag als Versuch, Exil-Journalisten zum Schweigen zu bringen.[17][18]

TGRT Haber, ein regierungsnahes türkisches Fernsehsender, strahlte 2020 eine Sendung aus, in der Moderatoren Bozkurt als „auszurottenden Feind“ bezeichneten und öffentlich zur „Infaz“ (Hinrichtung) aufriefen. Schwedische Behörden prüften dies als Aufruf zu Gewalt.[19][20]

Während Schwedens NATO-Beitrittsprozess 2022–2024 nutzte die türkische Regierung Bozkurt als Druckmittel und stellte Auslieferungsanträge als Bedingung für die Zustimmung.[21] Stockholm lehnte diese Anträge 2025 erneut ab.[22][23]

Seine Webseiten SCF und Nordic Monitor werden in der Türkei blockiert.

Werke

  • Turkey Interrupted: Derailing Democracy (2015)

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI