Abelardo de la Espriella Otero

kolumbianischer Jurist und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Abelardo Gabriel de la Espriella Otero (* 31. Juli 1978 in Bogotá) ist ein kolumbianischer Jurist und ein als rechtsextrem geltender Politiker. Bei der Präsidentschaftswahl am 21. Juni 2026 wurde er zum Präsidenten der Republik Kolumbien gewählt. Die Amtseinführung wird am 7. August 2026 erfolgen.[1]

Abelardo de la Espriella Otero (2026)
Unterschrift von Abelardo de la Espriella Otero
Unterschrift von Abelardo de la Espriella Otero

Leben

Abelardo de la Espriella Otero ist der Sohn des Richters und Notars Abelardo de la Espriella Juris, dessen Familie italienischer Herkunft ist, und seiner Ehefrau María Eugenia Otero Aldana. Er ist katholisch,[2] wuchs in Montería auf und besuchte das dortige Colegio La Salle, das von den Brüdern der christlichen Schulen gegründet worden war.[3] Von 1994 bis 2000 studierte er Rechtswissenschaft an der 1984 gegründeten privaten Universidad Sergio Arboleda.

Strafverteidiger

De La Espriella begann seine Arbeit als Rechtsanwalt mit kleineren arbeits- und zivilrechtlichen Fällen.[4] 2002 gründete er die Strafrechtskanzlei De la Espriella Lawyers Enterprise, die später auch eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten erhielt.[5] Als Präsident Álvaro Uribe 2003 durch das „Gesetz über Gerechtigkeit und Frieden“ (spanisch: Ley de Justicia y Paz), das ehemaligen Paramilitärs unter bestimmten Bedingungen Straffreiheit zusicherte und damit deren Demobilisierung ermöglichte, ergriff De La Espriella die Gelegenheit und begann, deren Anführer zu verteidigen, ebenso Drogenhändler, bei denen er argumentierte, dass das Angebot der Demobilisierung auch ihnen zustehe, insofern sie mit den Paramilitärs verbunden seien.[4] Mit diesen Verfahren vervielfachte er den Umsatz seiner Kanzlei und stieg zu einem vielgefragten Anwalt auf. Das wiederum brachte ihm Mandate ein, die ihn noch bekannter machten. Er vertrat unter anderem Natalia Ponce de León, die Opfer eines Säureanschlages wurde, die Familie von Rosa Elvira Cely, die Opfer eines Femizids wurde, indigene Gemeinschaften, deren Lebenswelt der Abbau von Eisen- und Nickelerzen im Bergwerk Cerro Matoso bei Montelíbano bedroht, David Murcia Guzmán, den Verantwortlichen für das Pyramidensystem, mit dem mehr als 200.000 Sparer betrogen wurden, und von 2013 bis 2019 Alex Saab, einen bekannten Strohmann und Geldwäscher für Nicolás Maduro. 2005 gründete De La Espriella die Stiftung „Fundación Iniciativas por la Paz“ (FIPAZ), die sich unter anderem für ein Referendum einsetzte, durch das die Auslieferung von Kolumbianern verboten werden sollte.[6] Infolge eines jahrelangen Aufenthaltes in Miami besitzt De la Espriella außer der kolumbianischen Staatsbürgerschaft (durch Geburt) und der italienischen (durch Abstammung) als dritte die US-amerikanische (durch Einbürgerung).[7]

Die Bekanntheit seines Namens versuchte De la Espriella auch als Gründer verschiedener Firmen zu nutzen, jedoch ohne nennenswerten Erfolg.

Einstieg in die Politik

Im Juli 2025 erklärte De la Espriella seine Absicht, bei den kolumbianischen Präsidentschaftswahlen 2026 zu kandidieren. Dass er noch nie ein öffentliches Amt innehatte, nicht einmal in der Kommunalpolitik, und dass er über keinerlei politische Erfahrung verfügte, sah er nicht als Manko, sondern als Chance, sich mit einer teils polemischen Rhetorik als Außenseiter darzustellen, der es als „der Tiger“ (spanisch: El Tigre) „der politischen Elite“ zeigen werde. Dazu gehörte auch, dass er sich als „Costeño“ („einer von der Küste“) gab und dem „Zentrum“ (der Regierung und den Behörden in Bogotá) vorwarf, die „Ränder“ zu übersehen und zu vernachlässigen.[1]

Ab August 2025 ließ er die von ihm gegründete Bewegung „Verteidiger des Vaterlandes“ (spanisch: Defensores de la Patria) die nötigen Unterschriften sammeln, um als Präsidentschaftskandidat zugelassen zu werden. In seinem Wahlprogramm versprach er unter anderem ein hartes Vorgehen gegen Kriminalität und Kriminelle (einschließlich des Baus von zehn Großgefängnissen), ein Ende der Straflosigkeit, Schutz für Frauen vor Gewalt, die Verteidigung der „traditionellen Familie“, seinen Einsatz gegen Sterbehilfe und Schwangerschaftsabbruch, den Abbau von Bürokratie und in der Wirtschaftspolitik die Förderung privater Investitionen und den Einsatz für den Freihandel. Er spricht sich dafür aus, die Beziehungen zwischen Kolumbien und Israel zu stärken.[8] Zu seinem Kandidaten als Vizepräsident bestimmte er den Wirtschaftswissenschaftler José Manuel Restrepo Abondano, der Rektor der Universidad del Rosario, einer der angesehensten Universitäten des Landes, und Handels- und Finanzminister im Kabinett von Iván Duque gewesen war.

Im Wahlkampf konnte De la Espriella kritische Fragen der Presse zu seiner Tätigkeit als Strafverteidiger und zu seinen Beziehungen zu seinen Mandanten nicht ertragen. Seine Strategie war es, sie wegen Beleidigung und Verleumdung zu verklagen.[4]

Wahl zum Präsidenten

Für den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2026 am 31. Mai hatten die Prognosen Iván Cepeda, den Kandidaten der Linken, auf dem ersten Platz gesehen.[9] Zu aller Überraschung gewann De la Espriella. Daraufhin kam es am 21. Juni zur Stichwahl zwischen ihm und Cepeda mit einer historischen Rekordwahlbeteiligung von 63,6 %.[10] Da das vorläufige Wahlergebnis nur einen knappen Vorsprung De la Espriellas (49,7 %) vor Cepeda ergab (48,7 %), reichte das linke Wahlbündnis („Koalition Historischer Pakt“, spanisch: Coalición Pacto Histórico) beim Nationalen Wahlrat (Consejo Nacional Electoral, CNE) 57.000 Einsprüche ein. Nach deren Prüfung verkündete der CNE am 24. Juni 2026 das amtliche Endergebnis, demzufolge De la Espriella 12.960.166 Stimmen erhalten hatte (624 mehr als bei der vorläufigen Auszählung) und Cepeda 12.708.312 Stimmen (400 weniger als bei der vorläufigen Auszählung). Daraufhin erkannte Iván Cepeda Abelardo de la Espriella als gewählten Präsidenten an.[11] Wahlentscheidend war offenbar, dass Cepeda bei dem für den Großteil der Wähler maßgeblichen Thema, nämlich dem Schutz vor der alltäglichen Gewalt, ihnen kein überzeugendes Angebot vorlegte.[10]

Familie

Abelardo de la Espriella heiratete 2008 Ana Lucía Pineda. Sie haben vier Kinder.

Ehrungen

  • 2016: Ehrendoktor der Universidad Autónoma del Caribe in Barranquilla

Literatur

  • Ángel Becassino: Abelardo de la Espriella. La pasión del defensor. Ediciones B Colombia, Bogotá 2012, ISBN 978-958-8727-23-3.

Fußnoten

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