Abgar VIII.
König von Osrhoene
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Leben
Abgar VIII. war ein Sohn von Manu VIII. und seit etwa 177 König von Edessa. Er nahm im Jahr 191/192 zu Ehren des römischen Kaisers Commodus den Namen Lucius Aelius an. Als sich in den Bürgerkriegen nach Commodus’ Ermordung (siehe Zweites Vierkaiserjahr) der Kaiser Septimius Severus durchsetzte und die Verhältnisse im Osten des Reiches neu ordnete, nahm Abgar zu dessen Ehren den weiteren Namen Septimius an und übergab seine Söhne als Geisel.[1] Oft wird angenommen, dass Abgar zuvor zwischenzeitig eine Allianz mit Severus’ Widersacher Pescennius Niger gepflegt habe und dann von Septimius Severus dafür bestraft worden sei, indem er Territorien für die neue römische Provinz Osrhoene abtreten musste. Ob das zutrifft, ist unklar, zumal nicht bekannt ist, ob das Königreich Osrhoene überhaupt Territorium an die entstandene gleichnamige Provinz abtreten musste.[2] Jedenfalls stand Abgar spätestens ab 195 loyal an der Seite des römischen Kaisers und unterstützte daher nicht das Partherreich. Septimius Severus erkannte ihn dafür 198 als Klientelkönig und „König der Könige“ an. Abgar ließ Münzen mit dem Porträt des Septimius Severus auf der einen und seinem Porträt auf der anderen Seite prägen. Abgars Palast fiel nach der Chronik von Edessa im Jahr 201 einer Überschwemmung zum Opfer. Später soll Abgar VIII. der Stadt Rom einen Besuch abgestattet haben.[3] Sein Sohn Abgar IX. folgte ihm auf den Thron.
Zu den Jugendfreunden Abgars VIII. gehörte der syrisch-christliche Gnostiker Bardesanes. Möglicherweise trat Abgar VIII. zum Christentum über, der Kirchenvater Eusebius von Caesarea[4] berichtet in seiner Kirchengeschichte jedoch nichts von einer Bekehrung Abgars. Bardesanes erzählt hingegen in seinem Buch der Gesetze der Länder, dass Abgar VIII. nach seiner Bekehrung ein Verbot ausgesprochen habe, künftig noch Entmannungen zu Ehren der semitischen Gottheit Atargatis durchzuführen; vielleicht handelt es sich aber bei dieser Nachricht um eine nachträgliche orthodoxe Überarbeitung des ursprünglichen Textes. Der frühchristliche Chronist Sextus Iulius Africanus machte Abgar VIII. um 195 seine Aufwartung und stufte diesen als „heiligen Mann“ ein; ob er damit aber meinte, dass der König Christ gewesen sei, ist nicht sicher. Zur Zeit des Königs lebten jedenfalls aber Christen in Edessa und Abgar VIII. selbst stand dem Christentum zumindest aufgeschlossen gegenüber.[5] Vermutlich hatte Abgar VIII. das Römische Bürgerrecht.[6]
Literatur
- Paul von Rohden: Abgar 9. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 95.
- Wilhelm Baum: Abgar bar Manu. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 28, Bautz, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7, Sp. 1–6.
- Wilhelm Baum: König Abgar bar Manu (ca. 177–212), in: Sophia G. Vashalomidze, Lutz Greisiger (Hrsg.): Der christliche Orient und seine Umwelt: Gesammelte Studien zu Ehren Jürgen Tubachs anläßlich seines 60. Geburtstages (= Studies in Oriental Religions 56). Wiesbaden 2007, S. 99–116.
- J. B. Segal: Abgar. In: Encyclopædia Iranica, Bd. 1 (1982), S. 210–213 (online).