Affäre Hervé Bopda
Sex- und Justizskandal in Kamerun 2024
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Die Affäre Hervé Bopda (französisch affaire Hervé Bopda) ist ein Sexskandal, der am 19. Januar 2024 in Kamerun öffentlich wurde, als der Whistleblower N’zui Manto in den sozialen Medien Dutzende von Zeugenaussagen über mutmaßliche Vergewaltigungen, Zuhälterei und Freiheitsberaubung im Zusammenhang mit dem Geschäftsmann und Jetsetter Hervé Bopda veröffentlichte.
Letzterer erhob Anzeige wegen Verleumdung. Weitere Anzeigen wurden im Namen der mutmaßlichen Opfer erstattet.
Der Fall hat in Kamerun eine #MeToo-Bewegung ausgelöst. Er hat sowohl im Inland als auch international starke Reaktionen hervorgerufen.
Hervé Bopda
Hervé Noël Fodouop Bopda ist einer der Söhne von Emmanuel Bopda, einem Unternehmer, der mit dem Immobilienunternehmen Afrique Construction ein Vermögen erwirtschaftet hatte.[1][2] Die von ihm vererbte Firma Boem Steel Industry ist Berichten zufolge Gegenstand eines Erbstreits.[3] Er besuchte das Collège Libermann, Sacré-Cœur de Makak.[4] Als Erwachsener trat er bei seinem Vater in die Leitung des Familienunternehmens ein,[4] bevor er sich als Geschäftsmann selbstständig machte und unter anderem Unternehmen leitete, die er aus dem Immobilienbesitz seines Vaters geerbt hatte.[4]
Zeugenaussagen und Anschuldigungen
Ab dem 19. Januar 2024 veröffentlichte der Whistleblower N’zui Manto auf seinem Facebook-Profil eine Reihe anonymer Zeugenaussagen, in denen er die mutmaßlichen Taten des Jetsetters anprangerte. Wenige Tage später schalteten sich während einer über vierstündigen Facebook-Live-Übertragung mehr als 50.000 Internetnutzer ein und hörten sich die Aussagen an, die Hervé Bopda und mehrere andere Personen aus seinem Umfeld belasteten. Seitdem berichten weitere Männer und Frauen in den sozialen Medien von dem Missbrauch, den sie nach eigenen Angaben durch Hervé Bopda an Orten erlitten haben, die er in verschiedenen kamerunischen Städten wie Douala, Yaoundé, Kribi, Limbe und Buea häufig besuchte.
In diesen Zeugenaussagen wird Hervé Bopda als gewalttätiger Mann beschrieben, der seine Opfer mit einer Schusswaffe bedrohte. Insgesamt erhielt N’zui Manto Berichten zufolge mehr als 1000 Nachrichten zu diesem Thema.[5]
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Hunderte von Frauen vergewaltigt zu haben. Einige der Opfer wurden unter Waffengewalt oder mit Hilfe seiner Leibwächter und Mitglieder der kamerunischen Präsidentengarde entführt. Videos kursieren, die ihn in Begleitung uniformierter Männer beim militärischen Gruß zeigen.[6] Eine anonyme Aussage belegt seinen starken Einfluss und seine engen Verbindungen innerhalb des Präsidialamtes.[1][7] Zeugen geben an, Repressalien zu befürchten und deshalb ihre Anonymität nicht aufzugeben, indem sie Anzeige erstatten.[8]
Ihm wird außerdem vorgeworfen, einen weitverzweigten Prostitutionsring geleitet zu haben, dem angeblich zahlreiche Influencer, Künstler, Geschäftsleute und hochrangige kamerunische Polizeibeamte angehören.[9][7] Weiterhin wird ihm vorgeworfen, HIV-positiv zu sein und das Virus absichtlich an seine Opfer weitergegeben zu haben, was er jedoch durch Vorlage serologischer Testergebnisse bestreitet.
Gerichtsverfahren
Am 25. Januar 2024 berichtete die Menschenrechtskommission der Anwaltskammer Kameruns in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft, sie habe „über soziale Medien“ und anonym veröffentlichte Zeugenaussagen von „Erregung öffentlichen Ärgernisses, sexueller Belästigung, Vergewaltigung, Bedrohungen, Entführung und Gewalt gegen mehrere Opfer“ erfahren. Die Anwaltskammer forderte eine Untersuchung und drängte die Staatsanwaltschaft, den mutmaßlichen Täter ordnungsgemäß und rechtskräftig vor Gericht zu bringen, damit der Gerechtigkeit Genüge getan werden kann. Die Schwierigkeit liegt jedoch in der Eindeutigkeit des Falles, der Beweise für Aktivitäten im Zusammenhang mit Prostitution enthält, einem nach kamerunischem Recht strafbaren Delikt.[10][11]
Hervé Bopda wurde wegen „unerlaubten Waffentragens“ , „Betrugs“, „Bedrohung“ und „sexueller Belästigung“ angeklagt.[12] Nach einer zweiten Welle von vier Anzeigen wird er außerdem wegen „Gruppenvergewaltigung“, „versuchter Entführung unter Waffengewalt“ und „verschiedener Körperverletzungen und Bedrohungen“ angeklagt.[13]
Mimi Mefo Takambou berichtete, dass die Ermittler unter Druck standen und behindert worden sind.[14]
Am 29. Februar 2024 wurde Hervé Bopda in Douala in Untersuchungshaft (détention provisoire) genommen.[15]
Weitere Anklagen und Beschwerden
Am 23. Januar 2024 reichte Bopda eine Verleumdungsklage ein.[17] Eine Gruppe von Anwälten, darunter Dominique Etéki Fousse und Guy Olivier Moteng, reichte daraufhin in Douala weitere Klagen gegen Bopda ein.[18][19][20] Universal Lawyers und Human Rights Defense geben an, mindestens vier Beschwerden von mutmaßlichen Opfern erhalten zu haben.[5][21] Das Militärgericht Douala gab seine Zuständigkeit für den Fall ab, der an das Oberlandesgericht Douala verwiesen wurde, mit der Begründung, dass es sich bei der Waffe in Hervé Bopdas Besitz nicht um eine Militärwaffe handele.[22]
Die Anwälte von Hervé Bopda legten außerdem drei HIV-Tests vor, die seronegativ waren. Diese Tests wurden von den Anwälten der Kläger angefochten.[22]
Reaktionen
Am 25. Januar 2024 forderte Maurice Kamto, der Präsident des Mouvement pour la renaissance du Cameroun (MRC), die kamerunische Regierung auf, sich der Sache anzunehmen.[23]
Am 26. Januar 2024 „ermutigte“ („encourage“) die Ministerin für die Förderung von Frauen und Familie, Marie-Thérèse Abena Ondoa, mutmaßliche Opfer, „das Schweigen zu brechen“ und „den Justizbehörden die für die Durchführung der Verfahren zur Feststellung der Sachlage notwendigen Elemente zur Verfügung zu stellen.“[24][25]
Human Rights Watch fordert medizinische und psychologische Unterstützung für die mutmaßlichen Opfer.[26][27] Mehrere gehobene Etablissements, die er häufig besuchte, verweigern ihm nun den Zutritt.
Reaktion in den sozialen Medien
Mehrere kamerunische und internationale Persönlichkeiten, darunter Claudy Siar, Lady Sonia, Lydol, Magasco, Kareyce Fotso und Ayra Starr, mobilisieren sich unter dem Hashtag #StopBopda.[28][29][30]
Der Hashtag wurde auf Twitter mehr als 100.000 Mal verwendet.[10][31][32][33]
Folgen
Verfolgung und Festnahme des Verdächtigen
Am 29. Januar 2024 wurde in Anwesenheit von Polizeibeamten seine Wohnung abgeriegelt. Hervé Bopda wurde zum Flüchtigen erklärt und von den Strafverfolgungsbehörden zur Fahndung ausgeschrieben.[34] Am 31. Januar 2024 gegen 1:45 Uhr wurde Hervé Bopda von der Kriminalpolizei im Haus seines Onkels in Bonabéri festgenommen[4][35][36][37][38][39]
Erklärung der Familie des Verdächtigen
Nach der umfangreichen Medienberichterstattung über den Fall veröffentlichte die Familie von Emmanuel Bopda, dem Vater des Verdächtigen, eine Erklärung. Darin verurteilten sie die in den Aussagen der mutmaßlichen Opfer geschilderten Taten, drückten ihr Mitgefühl für diese aus und bekräftigten die Unschuldsvermutung, die auch für Hervé Bopda gelte. Die Familie forderte die Justiz außerdem auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Rufschaden für den Familienvater Emmanuel Bopda zu mindern.[40][3]
Kritik an der Regierung
Der Sänger Richard Bona kritisiert die Regierung für ihr „Schweigen“ angesichts der Affäre und warf ihr „Komplizenschaft“ vor.[41]
Am 25. Januar 2024 wurde den Behörden übergeben ein offener Brief, unterzeichnet von 22 Frauen aus der kamerunischen Zivilgesellschaft, übergeben, der die „Untätigkeit oder Langsamkeit der zuständigen Regierungsbehörden“ in Fällen von Gewalt gegen Frauen anprangerte. Darin wurden die zuständigen Behörden aufgefordert, sich insbesondere in diesem Fall als Nebenkläger zu engagieren.[10]
Am 30. Januar 2024 beschrieb die Presse allein aufgrund der Aussage des Ministers die Reaktion der Regierung und der Behörden als zaghaft.[42]
Suspendierung eines Journalisten
Der Journalist Junior Abena wurde Berichten zufolge vorläufig von der Union des journalistes camerounais (Verband Kamerunischer Journalisten, UJC) suspendiert.[43][44] Abena, dessen richtiger Name Valentin Moudang Abena lautet, wies dies zurück und erklärte, er sei nie Mitglied des Syndicat national des journalistes du Cameroun (Nationalen Journalistenverbands Kameruns, SNJC) gewesen und könne daher nicht suspendiert werden.[45] Sein Bruder Xavier Abena, ein Vertrauter von Hervé Bopda, der in den Aussagen der mutmaßlichen Opfer häufig erwähnt wurde, soll eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Übergriffe der Opfer gespielt haben.[43][37][44]