Afro-Abchasen
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Die Afro-Abchasen (abchasisch Аԥсуа негрцәа Aṕsua negrcəa) sind eine in der autonomen Republik Abchasien beheimatete Bevölkerungsgruppe mit einer teilweisen oder vollständigen subsahara-afrikanischen Abstammung. Die Mehrheit von ihnen lebt im Rajon Otschamtschire an der Schwarzmeerküste, im südlichen Kaukasus. Ihre genaue Anzahl ist unbekannt.

Herkunft
Sowohl die genaue Herkunft als auch die Gründe für die Ansiedlung von Afrikanern in Abchasien sind nicht gesichert. Den antiken Quellen zufolge wie denen von Herodot oder Hieronymus waren die Kolcher, die ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachweislich über das Königreich Kolchis im heutigen Abchasien herrschten, ein Volk mit dunkler Hautfarbe und krausem Haar. Nach Herodot kamen die Kolcher als Soldaten des ägyptischen Herrschers Sesostris von Afrika in den Kaukasus. Zahlreiche Autoren bezweifeln jedoch, dass Herodot jemals selbst das Schwarze Meer bereiste[1].
Einer anderen Herkunftstheorie zufolge kamen die Vorfahren der Afro-Abchasen durch den Sklavenhandel des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert in diese Region. Nachdem sich die Osmanen im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus zurückgezogen hatten, erhielten die Afro-Abchasen ihre Freiheit[2].
Geschichte

Die Afro-Abchasen galten bereits im 19. Jahrhundert als in die abchasische Bevölkerung assimiliert, jedoch lebten auch einige von ihnen isoliert in verstreuten Dörfern. Schon zur Zeit des Russischen Zarenreichs wurde über die genaue Herkunft und die Anzahl der Afro-Abchasen debattiert[3]. Im Jahr 1913 gab der russische Forscher V.P Vradii an, dass die Afro-Abchasen abchasische Muttersprachler und überwiegend muslimisch seien. Der russlanddeutsche Anthropologe Bruno Fridrichowitsch Adler beschrieb die Afro-Abchasen in seinen Forschungen als in kleinen Siedlungen lebende Gemeinschaft mit homogener Abstammung.
Zur Sowjetzeit wurden die Afro-Abchasen aufgrund ihrer kulturellen Assimilation nicht als Diasporagemeinschaft wahrgenommen, sondern zu den restlichen Abchasen gezählt[4]. Möglicherweise wurden Teile der afro-abchasischen Bevölkerung während der ethnischen Deportation im Stalinismus zwangsumgesiedelt[5].
Während des Georgisch-Abchasischen Krieges von 1992 bis 1993 wurden auch Dörfer mit überwiegend afro-abchasischer Bevölkerung wie Adsjubscha, Jlou oder Ilori durch das Kriegsgeschehen stark zerstört[6].