Albert-Schweitzer-Turnier

Basketballturnier für Nationalmannschaften der männlichen Jugend in Mannheim From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Albert-Schweitzer-Turnier (AST) ist ein Wettbewerb für Basketballnationalmannschaften der männlichen und der weiblichen Jugend, der alle zwei Jahre in Mannheim (seit 2012 teils auch in Viernheim)[1] stattfindet. Das Turnier gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft für die männliche Altersklasse U18. Veranstalter sind der Deutsche Basketball Bund sowie die Städte Mannheim und Viernheim.

Die deutsche Mannschaft nach dem Titelgewinn 2018
Der spätere MVP des Turniers Jonas Mattisseck am Ball im Finale gegen Australien 2018

Bis 2010 war auch die US-Armee Veranstalter, traditioneller Austragungsort war die US Sports Arena auf dem Gelände des Militär-Stützpunkts der Vereinigten Staaten in Mannheim. Seit 2006 findet ein Teil der Spiele in der MWS-Halle am Herzogenried statt. Nach dem Rückzug der Amerikaner ist seit 2012 die MWS-Halle (mittlerweile durch Sponsorenwechsel in GBG-Halle umbenannt) zentraler Veranstaltungsort, ein Teil der Spiele findet in Viernheim statt.[2] Seit 2014 ist Viernheim auch Mitveranstalter des Turniers.[3]

Geschichte

Alle 12 teilnehmende Nationen bei der Abschlussfeier 2018

Initiatoren des ersten Albert-Schweitzer-Turniers, das im Dezember 1958 mit acht Mannschaften ausgetragen und von Belgien gewonnen wurde, waren der Fotograf Hans-Joachim Babies[4] und der deutsche Basketballpionier Hermann Niebuhr, der den evangelischen Theologen und Arzt Albert Schweitzer als Namensgeber gewann. Schon im darauffolgenden Jahr fand das zweite AST statt, danach gab es eine Pause bis 1966. Ab diesem Zeitpunkt etablierte sich der Zwei-Jahres-Rhythmus. 1991 musste das AST wegen des Zweiten Golfkriegs ausfallen. Das Vorhaben, das Turnier 1992 nachzuholen, wurde nicht umgesetzt, um den Zwei-Jahres-Rhythmus einzuhalten.[5] Ab 1994 fand das AST in geraden Jahren statt. Damit fand eine Angleichung an den Kalender des Basketballweltverbands FIBA statt.

Das Albert-Schweitzer-Turnier ist ein Einladungsturnier, bei dem nicht alle Bewerbungen für die mittlerweile 16 Startplätze berücksichtigt werden können. Nach Angaben des Deutschen Basketball Bundes entwickelte sich die Veranstaltung insbesondere nach 2010 „zum größten und bestbesetzten Basketballturnier der Welt für U18-Junioren“.[5] Rekordsieger sind die USA mit bislang zehn Titeln, gefolgt von Italien mit vier und Jugoslawien sowie mit Deutschland drei Siegen.

Gewinner des 25. Albert-Schweitzer-Turniers, das vom 3. bis 10. April 2010 stattfand, war Australien, das sich im Endspiel mit 68:51 gegen Deutschland durchsetzte und seinen ersten Turniersieg feierte. Auch für Deutschland bedeutete der zweite Platz zu diesem Zeitpunkt das beste Ergebnis beim AST. Mit 28.763 Zuschauern wurde der Besucherrekord von 2008 nur knapp verfehlt.[6]

2016 gelang Deutschland der erste Turniersieg in der 28. Auflage des AST. Im Finale setzte sich die Mannschaft mit 70:65 gegen Serbien durch. Bei der folgenden Austragung zwei Jahre später wiederholte die Gastgebermannschaft ihren Triumph und bezwang im Endspiel Australien mit 88:66.[7]

Zur 30. Austragung des Turniers im Jahr 2020 meldete erstmals keine Mannschaft der Vereinigten Staaten, da der Termin dem Deutschen Basketball Bund zufolge „für die Entsendung einer offiziellen USA-Nationalmannschaft“ nicht passe.[8] Allerdings wurden die US-Auswahlen, die in den vorherigen Jahren am Turnier teilnahmen, nicht vom US-Verband zusammengestellt und glichen somit nicht den US-Nationalmannschaften, die im Jugendbereich bei Welt- und Amerikameisterschaften antraten.[9] Viele der besten US-Spieler des jeweiligen Jahrgangs nahmen deshalb nicht am Albert-Schweitzer-Turnier teil.[10] Mitte März 2020 wurde das 2020er-Turnier wegen der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 vom Deutschen Basketball Bund abgesagt.[11] Anfang Juni 2020 wurde mitgeteilt, das Turnier im Jahr 2021 nachzuholen und dann im Zwei-Jahres-Wechsel in den ungeraden Jahren auszutragen.[12] Der vorgesehene Austragungszeitpunkt Anfang April 2021 wurde Mitte Dezember 2020 wegen der Pandemielage zurückgezogen und eine Verschiebung auf einen nicht genannten Termin angekündigt.[13] 2023 gab der Deutsche Basketball Bund bekannt, die Veranstaltung ab April 2024 wieder alle zwei Jahre durchzuführen.[14]

Im Jahr 2026 traten das erste Mal auch die U18-Mädchen des Deutschen Basketball Bundes in einem Turnier mit insgesamt vier Teilnehmern an.[15]

Bedeutung

Das Albert-Schweitzer-Turnier ist ein wichtiger Termin für Basketballfachleute aus aller Welt, weil hier einige der größten Talente des jeweiligen Jahrgangs aufeinandertreffen. Zu den bekannten Namen, die am AST teilnahmen und später in der nordamerikanischen NBA spielten, gehörten zum Beispiel Magic Johnson, B. J. Armstrong, Dirk Nowitzki, Tim Duncan, Vince Carter, Arvydas Sabonis, Dino Rađa, Dražen Petrović,[5] Hidayet Türkoğlu, Darius Songaila, Mehmet Okur, Pau Gasol und Toni Kukoč.[16] Weitere namhafte AST-Teilnehmer waren Antonello Riva, Waleri Tichonenko und Igors Miglinieks.[5]

In den 2000er- und 2010er-Jahren machten spätere NBA-Spieler wie die Franzosen Tony Parker, Boris Diaw, Ronny Turiaf, der Russe Wiktor Chrjapa, der US-Amerikaner Eddie Griffin (alle beim Turnier im Jahr 2000 dabei),[17] der Australier Andrew Bogut (beim Turnier 2002), der Türke Ersan İlyasova, Kyle Lowry aus den USA, der Chinese Yi Jianli (jeweils 2004)[17] der Franzose Nicolas Batum (als bester Spieler des Turniers 2006 ausgezeichnet),[18] der Israeli Omri Casspi (ebenfalls 2006 dabei),[17] der Türke Enes Kanter,[19] der Australier Matthew Dellavedova[20] (beide Teilnahme 2008), der Kroate Dario Šarić, der Franzose Evan Fournier[21] und der Deutsche Daniel Theis[22] (alle Teilnahme 2010), der Deutsche Paul Zipser, der Türke Cedi Osman, der Spanier Willy Hernangómez (jeweils Teilnahme 2012)[23] dem AST ihre Aufwartung. 2014 nahmen Spieler wie Furkan Korkmaz (Türkei), Marc Garcia (Spanien), Ludvig Hakanson (Schweden) und Ethan Happ (USA) teil, die sich ebenfalls einige Jahre später im Erwachsenenbereich auf internationaler Ebene einen Namen machten.[24] Der 2024 als bester Spieler des Turniers ausgezeichnete Australier Rocco Zikarsky schaffte den Sprung in die NBA.[25]

Siegerliste männlich

Quelle:[26]

Weitere Informationen Jahr, Gold ...
Jahr Gold Silber Bronze vierter Platz
1958 Belgien Belgien Osterreich Österreich Deutschland Deutschland Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
1960 Belgien Belgien Osterreich Österreich Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Niederlande Niederlande
1966 Italien Italien Turkei Türkei Osterreich Österreich Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
1967 Polen Polen Osterreich Österreich Frankreich Frankreich Belgien Belgien
1969 Italien Italien Tschechoslowakei Tschechoslowakei Polen Polen Turkei Türkei
1971 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Italien Italien Polen Polen Spanien Spanien
1973 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Polen Polen Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Italien Italien
1975 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Turkei Türkei Spanien Spanien Polen Polen
1977 Spanien Spanien Turkei Türkei Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Deutschland Deutschland
1979 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Spanien Spanien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Sowjetunion Sowjetunion
1981 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Sowjetunion Sowjetunion Bulgarien Bulgarien Deutschland Deutschland
1983 Italien Italien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Deutschland Deutschland Finnland Finnland
1985 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Turkei Türkei Schweden Schweden
1987 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Spanien Spanien Turkei Türkei Deutschland Deutschland
1989 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Griechenland Griechenland Frankreich Frankreich Tschechoslowakei Tschechoslowakei
1993 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Litauen Litauen Italien Italien Griechenland Griechenland
1994 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Spanien Spanien Australien Australien Litauen Litauen
1996 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Frankreich Frankreich Griechenland Griechenland Turkei Türkei
1998 Spanien Spanien Australien Australien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Turkei Türkei
2000 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Griechenland Griechenland Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Australien Australien
2002 Griechenland Griechenland Spanien Spanien Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2004 Turkei Türkei Argentinien Argentinien Spanien Spanien Serbien und Montenegro Serbien und Montenegro
2006 Frankreich Frankreich Turkei Türkei Serbien Serbien Kroatien Kroatien
2008 Griechenland Griechenland Turkei Türkei Australien Australien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2010 Australien Australien Deutschland Deutschland Deutschland Deutschland Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2012 Spanien Spanien Serbien Serbien Turkei Türkei Deutschland Deutschland
2014 Italien Italien Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Serbien Serbien Turkei Türkei
2016 Deutschland Deutschland Serbien Serbien Italien Italien Frankreich Frankreich
2018 Deutschland Deutschland Australien Australien Italien Italien Russland Russland
2024 Australien Australien Serbien Serbien Deutschland Deutschland Italien Italien
2026 Deutschland Deutschland Slowenien Slowenien Brasilien Brasilien Serbien Serbien
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Siegerliste weiblich

Weitere Informationen Jahr, Erster Platz ...
Jahr Erster Platz Zweiter Platz Dritter Platz Vierter Platz
2026[27] Japan Japan Serbien Serbien Italien Italien Deutschland Deutschland
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Bester Spieler des Turniers

Burkhard-Wildermuth-Preis

Seit 2006 wird die nach Burkhard Wildermuth benannte Auszeichnung vergeben, um den talentiertesten Spieler des Turniers zu ehren.[41]

Beste Spielerin des Turniers

  • 2026: JapanJapan Miya Takeuchi[40]

Siehe auch

Commons: Albert-Schweitzer-Turnier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

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