Albert von Holleuffer

deutscher Jurist und Staatsmann; preußischer Verwaltungsbeamter From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Eschwin Albert von Holleuffer (verschrieben auch „Aschwin“, „Edwin“ oder „Erwin“; häufig auch „Holleufer“) (* 1. August 1805[1][2] in Storkwitz; † 16. Juni 1874 in Halle) war preußischer Verwaltungsjurist, von März 1846 bis Ende 1847 Regierungschef im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen und später Landrat zweier preußischer Landkreise.

Albert von Holleuffer (etwa 1840)

Familie

Albert war Angehöriger des Adelsgeschlechts von Holleuffer. Seine Eltern waren der kursächsische Kapitän, Stiftshauptmann und anhaltinische Hofreisemarschall Ferdinand von Holleuffer (1764–1810) und dessen zweite Ehefrau Luise Karoline Albertine geb. von Posern aus dem Hause Diera († 1807).[3] Der Merseburger Domprobst Heinrich August von Holleuffer (1762–1843) war ein Bruder seines Vaters. Alberts nur wenig ältere Schwester Henriette Albertine Friederike von Holleuffer (* 8. Januar 1804; † 18. Dezember 1876) verehelichte sich am 11. August 1828 mit Karl Boromäus Kajdacsy.[4] Albert heiratete am 15. September 1834 in erster Ehe in Magdeburg Adelheid Clementine Wilhelmine Marie Luise Gräfin von Hardenberg (* 19. September 1808 in Bayreuth; † 22. Mai 1874 in Frankfurt (Oder)), die Tochter des preußischen Kammerherrn und Landjägermeisters Georg Adolph Gottlieb von Hardenberg. Die Ehe wurde 1850 in Sondershausen geschieden. Am 14. Mai 1854 heiratete er in zweiter Ehe in Zürchau Bertha von Baerenstein (* 17. Mai 1830 in Heukendorf; † 1. Oktober 1914 in Radebeul), die Tochter des herzoglich sachsen-altenburgischen Kammerherrn Horst von Baerenstein. Mit ihr hatte er den Sohn Hans Dietrich von Holleuffer (1855–1902).

Leben

Über die Jugend der früh verwaisten Geschwister ist nichts bekannt. Albert besuchte von Juli 1817 bis März 1824 die Landesschule Pforta; anschließend studierte er Rechts- und Kameralwissenschaft in Halle und Göttingen[5]; nach dem Studium wurde er preußischer Verwaltungsjurist. Ende 1827 wurde er Auskultator beim Stadtgericht Potsdam, ab Januar 1829 Regierungsreferendar bei der Regierung Merseburg und 1830 bei der Regierung Frankfurt (Oder). Ab Oktober 1832 arbeitete er als Regierungsassessor bei der Regierung Erfurt, ab Dezember 1833 wieder in Merseburg[6] und dann ab Oktober 1836 als Regierungsrat in Magdeburg. Dort wirkte er ab Mitte 1837 mit an der Gründung eines Vereins für Verbesserung der landwirthschaftlichen Viehzucht in der Provinz Sachsen.[7] Am 19. Januar 1840 wurde ihm der St. Johanniter-Orden verliehen.[8] 1843 war er zusätzlich Hülfsarbeiter im Revisions-Collegium für Sachsen in Magdeburg zur Regulirung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse und für die Gemeinheits-Aufhebungen, als entscheidende Behörde für diesen Wirkungskreis in zweiter Instanz.[9] Bei der Auflösung dieser Behörde zum 1. Oktober 1845 war er dort Mitarbeiter. Am 17. Februar 1846 schied er aus dem preußischen Staatsdienst aus.

1842 war er Mitgründer und bis 1846 Direktor des Landwirtschaftlichen Zentralvereins der Provinz Sachsen.

Ab März 1846 war Holleuffer Chef des Geheimerats-Kollegiums, Wirklicher Geheimer Rat und Kammerpräsident in Schwarzburg-Sondershausen.[10] 1847 war er persönlicher Bevollmächtigter des Fürsten Günther Friedrich Carl II. in der Scheidung von Fürstin Mathilde. Als Regierungschef war er für eine umfangreiche Verwaltungsvereinfachung und -zentralisierung verantwortlich. Aus den bisher zwölf Oberbehörden wurden mit dem Reskript „die anderweite Organisation der Behörden betreffend“ vom 22. Dezember 1846[11] vier neue Oberbehörden. Gleichzeitig wurde die Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung in den Unterbehörden umgesetzt. Die Neuregelungen wurden insbesondere in der Schwarzburg-Sondershäuser Oberherrschaft kritisiert, da die Oberbehörden in Arnstadt (Regierung, Konsistorium, Schulkollegium, Medizinalkollegium und Landesjustizkollegium) aufgehoben wurden.[12]

Am 2. Januar 1848 wurde er überraschend als Regierungschef entlassen,[13] in seiner Wahrnehmung aufgrund einer Intrige.[14] In der Folge der Märzrevolution wurde Friedrich Chop zum Regierungschef berufen. Bis zum 21. Januar 1850 blieb Holleuffer ohne formelles Amt, aber mit einem Jahresgehalt von 2620 Talern im Dienst von Schwarzburg-Sondershausen. 1849 versuchte er, einen Verein für Recht, Ordnung und gesetzliche Freiheit zu gründen; die Kritik war heftig.[15]

Am 21. Januar 1850 wurde er mittels Reskript zum kommissarischen Landrat des Landkreises Prüm ernannt, die Amtsübernahme erfolgte am 23. April 1850. Die Kommission in Prüm erlosch im Februar 1851,[16] als er die Wahl im Wahlkreis I (Prüm) des Regierungsbezirks Trier[17] zum Abgeordneten im Preußischen Abgeordnetenhaus annahm. Er gehörte dem Preußischen Landtag vom 31. März 1851 bis zum 19. Mai 1852 an; dort zählte er sich zur „Fraktion Bodelschwing“.[18]

1851 wurde er am 25. Juli auch in den Gemeinderat von Sondershausen gewählt. Die Wahl wurde von der Bezirkskommission jedoch beanstandet, da von Holleuffer kein Schwarzburg-Sondershausener, sondern preußischer Untertan sei.[19]

Im selben Jahr wurde er bei den Wahlen zum 3. ordentlichen Landtag von Schwarzburg-Sondershausen (in gleicher, geheimer, direkter Wahl) am 2. Juni 1851 mit absoluter Mehrheit zum Abgeordneten des 1. Kreises von Sondershausen gewählt,[20] mit Sitzungen vom 29. Dezember 1851 bis zum 31. Juli 1852. Am 3. Januar 1852 gewann eine Gruppe von Abgeordneten um Holleuffer mit 9 gegen 8 Stimmen eine von Chop betriebene Abstimmung über die Wahlprüfung zu Holleuffers Gunsten.[21] Chop trat darauf von seinen Ämtern zurück; seine Funktionen wurden für die nächsten drei Jahre von Friedrich Schönemann wahrgenommen. Auf Holleuffers Drängen[22] legte die Regierung in verfassungsgemäßer Weise Entwürfe für eine Verfassungsänderung und ein Wahlrecht vor, die der Reaktionspolitik des Deutschen Bundes angepasst waren.[23]

Am 23. März 1853 wurde Holleuffer vertretungsweise mit der Verwaltung des Landratsamtes Zeitz betraut. Die definitive Ernennung zum Landrat des Kreises Zeitz erhielt er im Oktober 1853. In dieser Tätigkeit wurde ihm 1857 der Rote Adler-Orden 4. Klasse verliehen.[24] Etwa Mitte 1862 hat sich Holleuffer, nach eigenen Worten, „zurückgezogen von allem und jedem öffentlichen Wirken“;[25] er wurde durch Allerhöchste Kabinettsorder am 2. Juli 1863 zur Disposition gestellt.[16]

Nach seiner Entlassung 1848 bis in die 1860er Jahre war er lange in politische und gerichtliche Auseinandersetzungen mit den Familien Chop und Keyser, der Stadt Sondershausen und auch dem Fürsten verwickelt. 1864 wurde er wegen Beleidigung in zwei Fällen in Schwarzburg-Sondershausen zu 2 Monaten Gefängnis bzw. 42 Talern Geldstrafe verurteilt. Er wurde jedoch vom Herzogtum Anhalt nicht an Schwarzburg-Sondershausen ausgeliefert. Albert von Holleuffer starb am 16. Juni 1874 an Brustfellentzündung in der Provinzial-Irren-Anstalt bei Halle und wurde zwei Tage später im Gottesacker der Anstalt beigesetzt.

Werke

  • Zwei Jahre im Fürstlich Schwarzburg-Sondershausenschen Staatsdienste. Halle 1848. Erstes Heft (Digitalisat). Zweites Heft: Cammerverwaltung (Digitalisat).
  • Offenes Sendschreiben an den Hauptmann v. Wolframmsdorff vom 14. August 1848 (zusammen mit Berichtigung dessen, was in einer Brochüre des Geheimenrath von Holleuffer unter dem Titel „Zwei Jahre im Fürstlich Schwarzburg-Sondershäusischen Staatsdienste“ in Betreff meiner Person vorkömmt, von A. von Wolframmsdorff), publiziert als Beilage zu Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 12. (Wolframmsdorff) bzw. 19. (Holleuffer) August 1848. (Digitalisat)
  • Politische Zeitfragen in Preußen. Halle 1850. (Digitalisat)
  • Brief vom 10. August 1862 An den geehrten Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins zu Sondershausen. Abdruck in: Verhandlungen des Vereines zur Beförderung der Landwirthschaft in Sondershausen 23. Jg., 1864, S. 134–141. (Kopie in Commons)
  • Rechtssicherheit, unabhängige Justiz, ministerielle Cabinets-Justiz im Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen. Actenmäßige Darstellung eines in den Jahren 1863 und 1864 verhandelten Preßprozesses. Dessau 1864. (Digitalisat)

Quellen

  • Duplicat-Verzeichniß der im Jahre 1834/1844 in der Barfüßer Gemeinde (Erfurt) Aufgebotenen, [unles.] Aufgebotenen und Getrauten, geführt von dem Kirchner [unles.]. Aufgebotene und Getraute im Juli und August 1834 [4. Eintrag]: von Holleufer, Herr Karl Eschwinn Albert, Assessor bei der Königl. Regierung in Merseburg. (Kopie in Commons)
  • Schlosskirche St. Trinitatis Zeitz (StA Magdeburg, Kirchenbücher) 1851. Trauungs Anzeigen Anno 1854, Eintrag Nr. 14, Aufgebot: Herr Karl Eschwien Albert von Holleuffer. (Kopie in Commons)
  • Sterbe-Register vom 1. Januar bis 30. September 1874 der Provinzial-Irren-Heil-Anstalt bei Halle a/S (Duplikat des Kirchenbuchs). Eintrag Nr. 37, 1333: von Holleufer, Carl Albert Eschwin aus Zeitz. (Kopie in Commons)

Literatur

zeitlich geordnet

  • R[udolph] v[on] K[rosigk]: Nachrichten zur Geschichte des Dynasten- und Freiherrengeschlechtes von Krosigk. Zusammengestellt aus Urkunden, autentischen Schriftstellern, Archiv- und Familien-Nachrichten. Berlin 1856. Digitalisat.
  • Pförtner Stammbuch 1543–1893 zur 350jährigen Stiftungsfeier der Königlichen Landesschule Pforta herausgegeben von Max Hoffmann. Berlin 1893. (A. v. Holleuffer: S. 354.)
  • Fünfzig Jahre der Landwirthschaft der Provinz Sachsen im Lichte der Thätigkeit des Landwirthschaftlichen Central-Vereins. Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Central-Vereins der Provinz Sachsen, der Herzogthümer Anhalth und Gotha, der Fürstenthümer Schwarzburg-Sondershausen und -Rudolstadt. Bearbeitet und herausgegeben von H. von Mendel-Steinfels. Berlin 1894. Digitalisat.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1900. 1. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha [1900]. (A. v. Holleuffer: S. 423.)
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1901. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 2. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha [1901]. (A. v. Holleuffer: S. 397.)
  • Bruno Huschke: Lebensbilder aus Schwarzburg-Sondershausen: Geheimrath von Holleuffer und Das Jahr 1848. In: Der Deutsche. Sondershäuser Tageblatt 1902, Nr. 247 und 248 bzw. 1903 Nr. 83.
  • G[ünther] Lutze: Aus Sondershausens Vergangenheit. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte früherer Jahrhunderte. Dritter Band. Eupel, Sondershausen 1919. S. 182–186, 190f., 199.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1920. 21. Jahrgang. Perthes, Gotha [1920]. (A. v. Holleuffer: S. 349.)
  • Friedrich Lammert: Verfassungsgeschichte von Schwarzburg-Sondershausen. Entwicklung einer deutschen Territorialverfassung in kulturgeschichtlichem und staatsrechtlichem Zusammenhange. Bonn und Leipzig 1920. (Kapitel 7 und 10.)
  • Hans Eberhardt: Die Geschichte der Behördenorganisation in Schwarzburg-Sondershausen. (Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte und Altertumskunde, Beiheft 28, Jena 1943.) Neu herausgegeben 2005. (PDF).
  • Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816–1945. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-7585-4. (A. v. Holleuffer: S. 317 und 540f.)
  • Heinrich Studentkowski: „Wahrscheinlich gehe ich Ende der Woche an den Rhein“. Der kommissarische Landrat in Prüm Albert von Holleuffer. In: Der Prümer Landbote. Zeitschrift des Geschichtsvereins „Prümer Land“. (ISSN 0939-2408) Nr. 45, 1995. S. 47–53 (mit Porträt-Photo).
  • Jochen Lengemann (Mitarbeit: Karl-Heinz Becker, Jens Beger, Christa Hirschler, Andrea Ziegenhardt): Landtag und Gebietsvertretung von Schwarzburg-Sondershausen 1843–1923. Biographisches Handbuch. 1998. ISBN 3437353683. (S. 30f.; S. 192–194: Kurzbiographie mit Porträt-Skizze.)

Einzelnachweise

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