Alex Bavelas

US-amerikanischer Sozialpsychologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Er studierte zuerst am Springfield College und wechselte dann an die University of Iowa, wo 1942 seinen B.A. erwarb. Mit Kurt Lewin ging er 1945 an das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seine Dissertation konnte er 1948 nach Lewins plötzlichem Tod bei Dorwin Cartwright abschließen. Der Titel seiner Dissertation lautete „Some Mathematical Properties of Psychological Space“[2]. Von 1946 bis 1956 war er hier außerordentlicher Professor für Psychologie im Fachbereich Wirtschaft und Sozialwissenschaften. In den 1950er Jahren gründete er am MIT nach Lewins Tod das Group Networks Laboratory. Seine Forschungen zur Psychologie und Kommunikationsdynamik von Gruppen brachten ihn mit Don D. Jacksons Mental Research Institute in Palo Alto zusammen, wo unter anderem Paul Watzlawick und Gregory Bateson arbeiteten. Von 1954 bis 1955 war er Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences in Stanford. Er verließ 1956 das MIT und arbeitete vier Jahre lang für die Bell Laboratories. Anschließend wurde er Professor für Psychologie an der Wirtschaftsfakultät der Stanford University. Er blieb bis 1970 in Stanford und ging danach an die University of Victoria in Kanada.

Werk

Er wurde bekannt für die mathematische Modellierung sozialer Gruppen: Bereits seine Dissertation und auch seine späteren Arbeiten verbanden Mathematik mit sozialpsychologischen Fragestellungen, etwa zur Struktur und Effizienz von Gruppen.

Am Beginn seiner akademischen Karriere schlug er Kurt Lewin eine Methode zur Schulung von Menschen in demokratischem Handeln vor, die den Grundstein für die Ausweitung der Autokratie-Demokratie-Forschung auf den Bereich der Arbeitsbeziehungen legen sollte. Dabei wandte er die Theorie der Kleingruppendynamik direkt auf die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern an, indem er Kleingruppenexperimente bei der Harwood Manufacturing Company durchführte, bekannt als „Harwood-Forschung“. Im Rahmen dieser Umsetzung eines Programms kollaborativer Forschung entwickelte er Anfang der 1940er Jahre den „Echo-Ansatz“[3]. Dieser erwies sich als erfolgreich hinsichtlich der Steigerung der Arbeitsproduktivität bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer guten Arbeitsmoral, und so wurde die Kleingruppenforschung im industriellen Umfeld zu seinem Spezialgebiet.

In den fünfziger Jahren untersuchte er an der Stanford-Universität die Wirkung von Erklärungskonzepten: Zwei Versuchspersonen mussten gesunde von kranken Gewebezellen voneinander unterscheiden und dafür Kriterien entwickeln. Eine der Personen bekam dabei richtige Rückmeldung auf ihre Annahmen. Die andere bekam falsche Hinweise und entwickelte ein kompliziertes und verworrenes Konzept. Im Anschluss trafen beide Probanden aufeinander und diskutierten über ihre Ergebnisse. Dabei einigten sie sich auf die komplexere, falsche Antwort, obwohl sie lückenhaft und kaum verständlich war. Der Grund: Die einfache Erklärung erschien zu simpel. Beide beeindruckte die Komplexität der falschen Antwort. Je absurder die Erklärung war, desto überzeugter waren die Versuchspersonen, dass sie korrekt ist.[4]

Er zählt zu den Begründern der Netzwerkforschung. Dabei führte er experimentelle Arbeiten durch, um die Bedeutung von Kommunikation in Organisationen und die Relativität dieser Kommunikationsfunktion in Abhängigkeit von der räumlichen Position der Akteure zu verstehen. Gemeinsam mit Harold J. Leavitt entwickelte er die Hypothese, dass die räumliche Anordnung der Kommunikationsakteure die Aktivität und Effektivität von Gruppen beeinflusst. Um diese These zu überprüfen, maß er die Kommunikation anhand eines Distanzkonzepts in Experimenten mit Fünf-Personen-Gruppen und vier Kommunikationsnetzwerken: Ring, Kette, Y und Stern, in weiteren Experimenten von Harold Leavitt wurde auch die "all-channel-Kommunikation" (Vollstruktur) zugelassen. Bei Kette und Stern handelt es sich um hierarchische Strukturen, Die anderen sind hingegen nicht-hierarchisch und demokratische Gruppen im Sinne Lewins. Die Ergebnisse zeigen, dass zentralisierte Kommunikation zwar für routinemäßige Entscheidungen produktiver ist, die Qualität der Entscheidungsfindung bei komplexen Aufgaben jedoch mit dezentralen Kommunikationsnetzwerken höher ist. Die Zufriedenheit ist positions- und strukturabhängig: Im Kreis ist die Zufriedenheit aller groß, bei zentralisierten Kommunikationswegen nur die des Inhabers der zentralen Position, dies gilt nur bei einer leistungsfähigen Personen im Zentrum.

Ehrungen/Positionen

  • 1954–55: Fellowship am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences (CASBS) der Stanford University

Privates

Er war mit der experimentell arbeitenden Sozialpsychologin Janet Beavin Bavelas (geb. Helmick) (1940–2022) verheiratet. Das Ehepaar hate die zwei Kinder David und Catherine.[5]

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit William Foote Whyte; Melville Dalton; Donald Roy; Leonard Sayles; Orvis Collins; Frank Miller; George Strauss; Friedrich Fuerstenberg: Money and motivation: an analysis of incentives in industry. Harper & Row, New York, NY 1955.
  • Communication and human relations. Industrial College of the Armed Forces, Washington, DC 1954.
  • An experimental approach to organizational communication (Massachusetts Institute of Technology. Dept. of Economics and Social Science. Publications. Ser. 2. Industrial Relations). American Management Association, New York 1951.
  • Mit Egon Brunswik; Kurt Lewin; Ronald Lippitt; Ralph K. White: Twentieth century psychology: recent developments in psychology. Philosophical Library, New York 1946.
  • An experiment in the retraining of recreation leaders. Thesis, 1942 Iowa City.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Some Problems of Organizational Change. In: Journal of Social Issues, 2010, 4, S. 48–52.
  • Mit Newman Lam; Eric Lee; James MacGregor; Ian Morrison: Analogical processes in machine. Department of Communications, Communications Research Centre, Ottawa 1988.
  • Mit Eric S. Lee; James N. MacGregor; Louise Mirlin: The effects of error transformations on classification performance. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory and Cognition, 1988, 14, S. 66–74.
  • Mit Frank R. Safayeni; James N. MacGregor; Eric S. Lee: Social and task-related impacts of office automation: An exploratory field study of a conceptual model of the office. In: Human Systems Management, 1987, 7, S. 103–114.
  • Mit Brian Schaefer; Janet Beavin Bavelas: Using Echo Technique to Construct Student-Generated Faculty Evaluation Questionnaires}. In: Teaching of Psychology, 1980, 7, S. 83–86.
  • Mit Albert H. Hastorf; Alan E. Gross; W. Richard Kite: Experiments on the alteration of group structure. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1965, 1, S. 55–70.
  • Mit S. William Becker; Maria Braden: An Index to Measure Contingency of English Sentences. In: Language and Speech, 1961, 4, S. 139–145.
  • Leadership: Man and Function. In: Administrative Science Quarterly, 1960, 4, S. 491–498.
  • Something about Groups. In: Psyccritiques, 1959, 4.
  • Communication Patterns in Task-Oriented Groups. In: Journal of the Acoustical Society of America, 1950, 22, S. 725–730.
  • A mathematical model for group structeres. In: Applied Anthropology, 1948, 7 (3), S. 16–30.
  • Some Problems of Organizational Change. In: Social Issues, 1948, 4 (3), S. 48–52.
  • An Analysis of a Situation Preliminary to Leadership Training. In: The Journal of Educational Sociology, 1944, 17 (7), S. 426–430.
  • A Method for Investigating Individual and Group Ideology. In: Sociometry, 1942, 5 (4), S. 371–377.
  • Mit Kurt Lewin: Training in democratic leadership. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, 1942, 37, S. 115–119.
  • Morale and the training of leaders. In: In G. Watson (Hrsg.): Civilian morale: Second yearbook of the Society for the Psychological Study of Social Issues (S. 143–165). Houghton Mifflin Company, Boston 1942.
  • Mit Harold G. Seashore: The functioning of knowledge of results in Thorndike's line-drawing experiment. In: Psychological Review, 1941,48, S. 155–164.

Literatur

  • J. Cunningham: Researching Organizational Values and Beliefs: Kurt Lewin, Alex Bavelas and the Echo Approach. Praeger Pbl, Westport 2001, ISBN 978-1-56720-372-1.
  • E. Bössmann: Die experimentelle Untersuchung von Kommunikationsnetzen. In: Die ökonomische Analyse von Kommunikationsbeziehungen in Organisationen. Springer, Berlin 1967, ISBN 978-3-642-86322-6 doi:10.1007/978-3-642-86321-9_6

Einzelnachweise

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