Alfons Abbas
deutscher Geiger und Bratschist
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Alfons Abbas (* 9. November 1854 in Weimar; † Mai 1924) war ein deutscher Geiger und Bratschist. Er spielte im Meininger Streichquartett und ist bekannt für seine Bearbeitungen von Opern Richard Wagners für das Herzogliche Sächsische Hoftheater Coburg-Gotha.
Leben
Alfons Abbas war der jüngste Sohn des Oboisten Gottfried Bernhard Daniel Abbas (1810–1876). Sein älterer Bruder Max Abbas war ein bekannter Flötist. Seinen ersten Musikunterricht erhielt Abbas von seinem Vater. Weitere Lehrer waren Th. Freyburg und der Geiger August Kömpels (1831–1891), der Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle. 1873 war Abbas Mitglied des Kurorchesters in Liebenstein. Im Herbst desselben Jahres trat er in die Kapelle des Königs-Grenadier-Regiment, wo er bald Konzertmeister wurde. 1876 wechselte er nach Düsseldorf und spielte dort in einem Konzertorchester. Im Frühjahr 1876 ging er nach Göteborg, wo er im Musikvereinsorchester tätig war.[1] Im Herbst 1877 wurde er Erster Geiger der Meininger Hofkapelle. Später wechselte er dort in die Position des ersten Bratschisten.[1][2] Von 1886 bis 1909 spielte er im Soloquartett der Hofkapelle.[1] Im 1894 gegründeten Meininger Streichquartett wirkte er als Bratschist. Erster Geiger war Bram Eldering, Zweiter Geiger August Funk und als Cellist fungierte Carl Piening.[3] 1899 nannte sich das Quartett nach dem neuen Primus Karl Wendling Wendling Quartett.[4] 1907 wurde Abbas zum Herzoglichen Musikdirektor für Bühnen- und Zwischenaktmusiken ernannt.[1][5] Alfons Abbas starb im Mai 1924 durch Suizid.[1]
Werk
Alfons Abbas war vor allem als Bearbeiter von Orchester- und Bühnenmusik tätig. Einen Schwerpunkt seines Schaffens bildeten Arrangements für Militär- und Theaterorchester, die für den praktischen Einsatz in Hof- und Stadttheatern sowie im militärmusikalischen Kontext bestimmt waren. Abbas veröffentlichte zahlreiche Bearbeitungen von Opern- und Orchesterwerken des 19. Jahrhunderts bei verschiedenen Verlagen, darunter Schott und Simrock. Dazu zählen unter anderem Arrangements von Werken Jacques-Féréol Mazas’, Johannes Brahms’, Jules Massenets, Ambroise Thomas’, Antonín Dvořáks, Sydney Smiths und Ethelbert Nevins. Ein Großteil dieser Bearbeitungen entstand für das Militärorchester des in Meiningen stationierten 2. Thüringisches Infanterie-Regiments Nr. 32, das bis 1909 auch im Hoftheater, etwa für Zwischenaktmusiken, eingesetzt wurde.[2][6] Besondere Bedeutung kommt Abbas’ Bearbeitungen von Opern Richard Wagners zu. Er bearbeitete die vier Opern des Ring des Nibelungen sowie Parsifal für kleinere Orchesterbesetzungen. Es wird vermutet, dass die Bearbeitung des Ring des Nibelungen für Aufführungen in Coburg in der Saison 1906/07 entstand; die Bearbeitung von Parsifal könnte für die Coburger Erstaufführung im Dezember 1920 angefertigt worden sein. Um 1905 entstanden zudem zwei größere, unveröffentlichte Bearbeitungen nach Werken Richard Wagners: die Nachklänge aus Wagners Ring des Nibelungen sowie die Fantasie aus Wagners Parsifal. Beide Werke sind vollständig autograph überliefert und als Aufführungsmaterial für die Theater- und Militärpraxis in reduzierten Orchesterbesetzungen angelegt, wobei insbesondere Fassungen für Militärorchester vorgesehen waren. Sie wurden dem Verlag Schott vorgelegt, jedoch nicht publiziert.[7][8] Darüber hinaus veröffentlichte Abbas auch Bearbeitungen einzelner Opernouvertüren, darunter das Vorspiel zu Die Meistersinger von Nürnberg für Holz- und Blechbläser mit Schlagwerk, ohne Streicher.
Bearbeitungen (Auswahl)
- Zwei Charakterstücke von Jacques Féréol Mazas, Bearbeitung für Viola oder Flöte mit Klavier, (Verlag: Kreyer, Krefeld, 1887)[9]
- Potpourri aus Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, Bearbeitung für Militärmusik (Verlag: Schott, 1895)[10]
- Ungarische Tänze von Johannes Brahms, Bearbeitung für Militärmusik (Verlag: Simrock, Berlin, 1899)[11][12][13]
- Tragische Ouvertüre op. 81 von Johannes Brahms, Bearbeitung für Militärmusik (Verlag: Simrock, Berlin, 1899)[11][12][13]
- Ouvertüre zu Phèdre von Jules Massenet, Bearbeitung für Militärorchester (Verlag: B. Schott’s Söhne, 1899)[14][15][16][17]
- Ouvertüre zu Raymond ou La Secret de la Reine von Ambroise Thomas, Bearbeitung für Militärorchester (Verlag: B. Schott’s Söhne, 1899)
- Legenden op. 59 von Antonín Dvořák, Bearbeitung für Militärorchester (Verlag: B. Schott’s Söhne, 1899)
- Chanson russe op. 31 von Sydney Smith (1839–1889), Bearbeitung für Militärorchester (Verlag: B. Schott’s Söhne, 1899)
- Narcissus aus den Water Scenes op. 13 von Ethelbert Nevin, Bearbeitung für Orchester[18]
- Nachklänge aus Richard Wagners Ring des Nibelungen, Bearbeitung/Fantasie für Militärorchester (Autograph, unveröffentlicht; Schott-Archiv, um 1905)[19]
- Fantasie aus Wagners Parsifal, Bearbeitung für Militärorchester (Autograph, unveröffentlicht; Schott-Archiv, um 1905)[20]
- Vorspiel zu Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner, Bearbeitung für Holz- und Blechbläser mit Schlagwerk (ohne Streicher), (Verlag: Schott), vermutlich für die Coburger Erstaufführung im Dezember 1920 entstanden sein
- Bearbeitungen der vier Opern aus Der Ring des Nibelungen (Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung) für kleinere Orchesterbesetzung als die Originalfassungen, vermutlich angefertigt für Aufführungen in Coburg in der Saison 1906/07[2][6]
Rezeption.
Die von Alfons Abbas erstellten Orchesterfassungen werden auch im 21. Jahrhundert weiterhin genutzt. 2017 bildeten seine Bearbeitungen die Grundlage für die Inszenierung Die Ring-Trilogie am Theater an der Wien.[6][21] Auch Roland Kluttig verwendete im selben Jahr für eine Inszenierung von Parsifal eine von Abbas erstellte Bearbeitung für kleinere Orchesterbesetzung.[2] Darüber hinaus kamen Bearbeitungen der Opern aus Richard Wagners Ring des Nibelungen auch in jüngerer Zeit regelmäßig zur Aufführung. In den Jahren 2023 bis 2026 wurden Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung in Abbas’ Fassungen an verschiedenen europäischen Opern- und Konzerthäusern gespielt, sowohl szenisch als auch konzertant in Ausschnitten.[22][23][24][25]