Alfred Spiegel-Schmidt

deutscher Heimatforscher und war Verwaltungsleiter des Nationalparks Berchtesgaden From Wikipedia, the free encyclopedia

Alfred Spiegel-Schmidt (* 15. Februar 1943 in Raab (heute: Győr in Ungarn))[1] ist ein deutscher Heimatforscher und war Verwaltungsleiter des Nationalparks Berchtesgaden.

Leben und Wirken

Die ursprünglich aus Österreich stammende Familie von Alfred Spiegel-Schmidt zog nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 zunächst nach Kempten und 1958 nach Berchtesgaden.[1] In diesem Jahr wurde seinem Vater Friedrich Spiegel-Schmidt eine Pfarrstelle an der Christuskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Berchtesgaden angeboten, die er als Pfarrer bis 1969 innehatte.[2] Durch die Berufstätigkeit seines Vaters war Spiegel-Schmidt bereits seit seiner Kindheit mit Kirchenräumen und der Bildersprache christlicher Kunst vertraut, was später einem seiner Schwerpunkte in der Erforschung seiner neuen Heimat zugutekam.[1]

Neben seiner Berufstätigkeit für den Nationalpark Berchtesgaden begann er sich ab seinem 29. Lebensjahr für die Heimatkunde seines Wohnortes zu interessieren und ab seinem 38. Lebensjahr hierzu auch aktiv zu forschen.[3] So wirkte er unter anderem bereits an dem 1982 von Hellmut Schöner herausgegebenem Ergänzungsband Berchtesgaden im Wandel der Zeit mit, wie später dann auch an den von Walter Brugger herausgegebenen Bänden II/2 und III/1 der Geschichte von Berchtesgaden, die allesamt zu den Standardwerken der historischen Darstellung des Berchtesgadener Landes zählen.[1] 2013 wirkte er zudem an dem von Friederike Zaisberger herausgegebenen, umfangreichen Band Der Russlandfeldzug 1812 und der Salzachkreis des Salzburger Landesarchivs mit.

1985 und 2004 legte er zwei eigenständige Monografien vor, eine davon zusammen mit den Künstlern Christoph Karbacher und Friedrich Schelle, und übernahm darüber hinaus für zwei andere Titel als Herausgeber die Verantwortung. Davor und danach veröffentlichte er zudem zahlreiche Artikel mit Forschungsergebnissen zur Historie des Berchtesgadener Landes u. a. in der vom Nationalpark seit 1997 herausgegebenen Zeitschrift Nationalpark Berchtesgaden, bei der er auch Teil der Redaktion war, sowie im Berchtesgadener Anzeiger und seiner Beilage Marktbote, im Berchtesgadener Heimatkalender, auf Webseiten der der ev.-luth. Kirchengemeinde Berchtesgaden und in einigen Festschriften. Zahlreiche seiner Fachbeiträge finden sich auch auf der Website des Heimatkundevereins Berchtesgaden, bei dem er 33 Jahre lang Vorstandsmitglied und davon bis 2020 für 28 Jahre 1. Vorsitzender war.[3]

Ein Beitrag von 1997 in der Zeitschrift Nationalpark Berchtesgaden fand sogar noch Jahrzehnte später Resonanz im Fernsehen des Bayerischer Rundfunks (BR).[4] Während die Legende seit gut 300 Jahren besagte, dass 1688 im Königssee 70 Wallfahrer an der Falkensteiner Wand ertranken, vertrat Spiegel-Schmidt hingegen mit schlüssigen Argumenten die These, dass sie am Reitl gegenüber von St. Bartholomä zu Tode kamen. Da seine These jedoch heftig angezweifelt wurde, sah er sich gezwungen, sie auch zu belegen. Mit der bis dahin von niemanden bedachten Vorüberlegung, dass die Wallfahrt ja seinerzeit vom Salzburger Land ausging, wurde Spiegel-Schmidt im Salzburger Landesarchiv fündig – seither ist seine These anerkannt.[5]

Nach Aufgabe seiner Ämter im Verein erhielt er 2021 den vom Heimatkundeverein seit 2014 gestifteten Heimatkundepreis für seine besonderen Verdienste „um die Heimat Berchtesgaden“. Das Preisgeld von 500 Euro spendete Spiegel-Schmidt an die Hochwasseropfer vom Juli 2021.[3] Für sein Engagement wurde ihm außerdem am 5. Oktober 2022 vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten verliehen. Söder würdigte ihn dabei u. a. wie folgt: „Alfred Spiegel-Schmidt erforschte seit vier Jahrzehnten seine Heimat und ihre Geschichte. Er engagiert sich in zahlreichen lokalgeschichtlichen Rechercheprojekten und bei historischen Fragestellungen.“[1]

Alfred Spiegel-Schmidt lebt in Berchtesgaden.

Bibliografie

Monografien

  • Berchtesgaden in alten Ansichten: Druckgraphiken des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit Christoph Karbacher, Friedrich Schelle. Plenk Verlag, Berchtesgaden 1985. ISBN 3-922590-28-4.
  • Im Stein verborgen – die Botschaft des romanischen Kreuzgangs in Berchtesgaden. Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 2004. ISBN 978-3-925647-37-6.

Herausgeberschaften

Fachbeiträge (Auswahl)

  • Vertreibung der Protestanten aus Berchtesgaden – Das Deckengemälde von Maria Kunterweg in der Ramsau.[7]
  • Reformation und Emigration im Berchtesgadener Land.[8]
  • Namensverzeichnis von den in den Jahren 1686 bis 1739 ausgewanderten bzw. ausgewiesenen Berchtesgadener Protestanten. Sondernummer des Gemeindebriefs der ev.-luth. Kirchengemeinde Berchtesgaden, Berchtesgaden 1989.
  • Berchtesgaden in der historischen Kartographie und in alten Ansichten. In: Walter Brugger (Hrsg.): Geschichte von Berchtesgaden. Bd. II/2, Vom Beginn der Wittelsbachschen Administration bis zum Übergang an Bayern 1810. Plenk Verlag, Berchtesgaden 1995. ISBN 978-3-922590-94-1.[9]
  • Der Maler und Kartograf Johann Faistenauer, Berchtesgadener Heimatkalender, 1996.[10]
  • Die Alpe Gautzo. In: Nationalpark Berchtesgaden 1997/l[11]
  • Die evangelische Gemeinde. In: Walter Brugger (Hrsg.): Geschichte von Berchtesgaden. Bd. III/1, Berchtesgaden im Königreich und Freistaat Bayern von 1810 bis zur Gegenwart. Plenk Verlag, Berchtesgaden 1998. ISBN 978-3-927957-10-7.[12]
  • Wallfahrer ertranken im Königssee. In: Nationalpark Berchtesgaden 1997/2 sowie im Berchtesgadener Heimatkalender 2001.[5]
  • Bergfreunde sollten die Jagd nicht stören. In: Nationalpark Berchtesgaden 2003/2[13]
  • Die Mühle und Bäckerei zu Pfister. Bezugnehmend auf Pfister-Mühle (Berchtesgaden). Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2009/2021.[14]
  • Verwaltung-Wirtschaft-kriegerische Ereignisse.[15] In: Hrsg.: Salzburger Landesarchiv. Land Salzburg. Friederike Zaisberger (Hrsg.): Der Russlandfeldzug 1812 und der Salzachkreis : Schicksale im Krieg und daheim. Salzburger Landesarchiv, Land Salzburg 2013. ISBN 978-3-9503422-2-2.
  • Ludwig II. in Berchtesgaden, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden nach 2017.[16]
  • Quellen zum Erstellen einer Haus-/Lehenchronik, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2019.[17]
  • Anton Adner zum 200. Todestag – Zeitgenössische Bilder und Berichte. Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2022.[18]
  • Herrschaftliche Villen im Berchtesgadener Land, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2022.[19]
Führungen
  • Der Marktplatz in Berchtesgaden, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2011.[20]
  • Führung St. Bartholomä, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2012.[21]
  • Der Markt Berchtesgaden im Dritten Reich. Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2012.[22]
  • Der Marktbrunnen in Berchtesgaden, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2014.[23]
  • Alter Friedhof oder Friedhof am Anger in Berchtesgaden. Bezugnehmend auf Alter Friedhof (Berchtesgaden). Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2017.[24]
  • Führung Bergfriedhof Berchtesgaden. Bezugnehmend auf Bergfriedhof (Schönau am Königssee). Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2018.[25]
  • St.Georgen, Niederheim, Heuberg - Berchtesgadener Exklave im Pinzgau. Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2019.[26]
  • Brunnenführung in Berchtesgaden, Heimatkundeverein Berchtesgaden, Berchtesgaden 2025.[27]

Auszeichnungen

Einzelnachweise

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