Aliʻi

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Die aliʻi waren der traditionelle Adel der hawaiischen Inseln. Sie gehörten zu einer erblichen Herrscherlinie, den noho aliʻi. Es gab viele Ränge von aliʻi (oder Häuptling), und diese Position konnte sowohl von Männern als auch von Frauen bekleidet werden.

Verwandte Wörter von aliʻi haben in anderen polynesischen Sprachen eine ähnliche Bedeutung; in Māori lautet es ariki und in Tahitisch ari'i.

Hintergrund

In der Gesellschaft des alten Hawaii waren die aliʻi erbliche Adlige und bildeten eine soziale Schicht oder Kaste.[1] Diese Gruppe der Aliʻi setzte sich aus den höheren und niedrigeren Anführern der verschiedenen sozialen Schichten auf den Inseln zusammen.[2] Den höchsten Rang hatten die über ganze Inseln herrschenden Aliʻi (noho aliʻi).[3] Die Aliʻi galten als Nachkommen der Götter.[4]

Es gab elf Klassen von aliʻi, sowohl Männer als auch Frauen. Dazu gehörten die kahuna (Priesterinnen und Priester, Experten, Handwerker und Kanubauer) als Teil von vier Berufen, die vom Adel ausgeübt wurden.[5] Jede Insel hatte ihren eigenen aliʻi nui, der ihr individuelles System regierte.[6] Aliʻi spielten bis 1893 weiterhin eine Rolle in der Regierung der hawaiischen Inseln, bis Königin Liliʻuokalani durch einen von der Regierung der Vereinigten Staaten unterstützten Staatsstreich gestürzt wurde.

In der hawaiischen Sprache bedeutet nui „großartig“, „groß“ oder „größte(r)“,[7] daher waren aliʻi nui die herrschenden Anführer. Der Titel nui konnte durch Geburtsrecht weitergegeben werden.

Soziale Bezeichnungen von noho aliʻi (regierende Linie)

Die Geschichtsschreiber David Malo, Samuel M. Kamakau[8.1] und Abraham Fornander schrieben ausführlich über die verschiedenen aliʻi-Linien und ihre Bedeutung für die Geschichte Hawaiis. Die unterschiedlichen aliʻi-Ränge und -Linien gehen auf ihre Schriften zurück.[9]

  • Aliʻi nui waren die obersten Anführer auf einer Insel und niemand stand über ihnen. Während der Zeit des Königreichs bedeutete dieser Titel so viel wie „Gouverneur“. Die vier größten hawaiischen Inseln (Hawaiʻi, Maui, Kauaʻi und Oʻahu) wurden in der Regel jeweils von ihrem eigenen aliʻi nui regiert. Molokaʻi hatte ebenfalls eine Reihe von Inselherrschern, unterlag jedoch später im 17. und 18. Jahrhundert der übergeordneten Herrschaft der benachbarten Inseln Maui und Oʻahu. Mōʻī war ein besonderer Titel für den obersten Häuptling der Insel Maui. Später wurde der Titel für alle Herrscher der Hawaii-Inseln und die hawaiischen Könige verwendet.
  • Aliʻi nui kapu waren mit besonderen rituellen Verboten (Kapu)[10] behaftete Herrscher.
  • Aliʻi Nīʻaupiʻo waren Anführer, die hinsichtlich ihrer Abstammung und Macht als die höchsten angesehen wurden. Nīʻaupiʻo-Anführer konnten aus Piʻo- oder Naha-Gemeinschaften stammen.[11.1]
  • Aliʻi Piʻo waren ein Rang von Anführern, die aus Partnerschaften von Vollgeschwistern hervorgegangen waren.[11.1][12.1] Berühmte Piʻo-Anführer waren die königlichen Zwillinge Kameʻeiamoku und Kamanawa.
  • Aliʻi Naha war ein Rang von Anführern, die entweder aus Verbindungen zwischen Halbgeschwistern oder aus Verbindungen zwischen Onkel und Nichte oder Vater und Tochter hervorgingen. Die genaue Definition ist unter Malo, Kamakau und Fornander umstritten.[11.1][9.1] Häuptlinge dieses Ranges besaßen traditionell das kapu noho[13] („Kapu des Sitzens“).[12.1] Zu den berühmten Naha-Anführern gehört Keōpūolani.
  • Aliʻi Wohi waren eine Rangstufe von Anführern, die aus Ehen zwischen nahen Verwandten außer Geschwistern hervorgingen; ein berühmter Wohi-Anführer war Kamehameha I. Diese Anführer besaßen das kapu wohi,[14] wodurch sie vom kapu moe („Kapu der Niederwerfung“)[15] befreit waren.[9.2]
  • Papa waren Anführer, deren Mutter dem Rang nīʻaupiʻo, piʻo oder naha angehörte und deren Vater ein männlicher Anführer niedrigeren Ranges war.[12.1]
  • Lōkea waren Anführer, deren Vater einen hohen Rang innehatte und deren Mutter eine Verwandte durch jüngere Geschwister war.[12.1]
  • Lāʻau aliʻi waren Anführer, deren Eltern Kinder hochrangiger Anführer aus sekundären Ehen waren.[12.1]
  • Kaukaualiʻi waren untergeordnete Anführer, die den aliʻi nui dienten.[16.1] Es handelt sich um einen relativen Begriff und nicht um einen festen Rang innerhalb des aliʻi-Adels. Der Ausdruck ist in seiner Verwendung sehr flexibel. Im Allgemeinen bezeichnet er einen Verwandten, der von einem Elternteil mit niedrigerem Rang abstammt.[11.1][17.1] Die Kinder eines kaukaualiʻi-Sohnes würden, wenn sie von einer Mutter mit niedrigerem aliʻi-Rang geboren wurden, einen niedrigeren Rang erhalten. Schließlich sinkt der Rang der Linie und führt zu makaʻāinana („einfacher Mensch“).[18.1] Kaukaualiʻi erlangen durch Heirat mit höherrangigen aliʻi einen höheren Rang.
  • Aliʻi noanoa waren Anführer, die als Kinder eines hohen Anführers und einer Nichtadligen geboren wurden.[12.1]

Eine kaukaualiʻi-Linie, die von Moana Kāne, dem Sohn von Keākealanikāne, abstammte, wurde zur Linie sekundärer aliʻi der Kamehameha-Dynastie des Königreichs und war für verschiedene hana lawelawe („Dienstaufgaben“)[19] zuständig. Mitglieder dieser Linie heirateten in das Haus Kamehameha ein, darunter Charles Kanaʻina und Kekūanaōʻa.[16.1] Einige führten kāhili, königliche Standarten aus Federn und waren Begleiter der höherrangigen aliʻi.[16.1] Während der Monarchie wurden einige dieser Häuptlinge in Positionen innerhalb der wichtigsten politischen Gremien der hawaiischen Legislative und des Kronrats des Königs erhoben. Alle hawaiischen Monarchen nach Kamehameha III. waren Kinder von Kaukaualiʻi-Vätern, die hochrangige Frauen geheiratet hatten.[16.2][20.1]

Herrscher der Hawaii-Inseln

Etwa in der Zeit zwischen 1000 und 1500 werden 14 Generationen von Aliʻi fassbar, die über ganze Inseln und Distrikte herrschen (noho aliʻi).[21.1] In den folgenden 10 Generationen bis 1810 bildeten sich die vier Herrschaftsgebiete der Inseln Hawaiʻi, Maui, Oʻahu und Kauaʻi, die zwar eigenständig von Aliʻi Nui (hohen Herrschern der Inseln) regiert wurden, doch gleichzeitig durch Bündnisse, Ehen und religiöse Rituale miteinander verbunden blieben.[21.2]

Bis 1795 eroberte der Aliʻi Nui Kamehameha alle Inseln außer Kauaʻi und Niʻihau. Anschließend erreichte er, dass sich Kaumualiʻi, der Aliʻi Nui dieser beiden Inseln, ihm unterordnete und konnte so 1810 das Königreich Hawaiʻi unter seiner Herrschaft begründen.[21.2]

Siehe auch

Literatur

  • Abraham Fornander: Fornander Collection of Hawaiian Antiquities and Folk-lore. Hrsg.: Thomas G. Thrum (= Memoirs of the Bernice Pauahi Bishop Museum of Polynesian Ethnology and Natural History. Band 6). Bishop Museum Press, Honolulu 1920, OCLC 3354092 (englisch, google.com).
  • Robert J. Hommon: The Ancient Hawaiian State: Origins of a Political Society. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-991612-2 (englisch, google.com).
  • Samuel Kamakau: Ruling Chiefs of Hawaii. Revised Auflage. Kamehameha Schools Press, Honolulu 1992, ISBN 0-87336-014-1 (englisch, ulukau.org [1961]).
  • Samuel Kamakau: Tales and Traditions of the People of Old: Na Moʻolelo a ka Poʻe Kahiko. Bishop Museum Press, Honolulu 1993 (englisch).
  • Patrick Vinton Kirch: How Chiefs Became Kings: Divine Kingship and the Rise of Archaic States in Ancient Hawaiʻi. University of California Press, Berkeley/Los Angeles 2010, ISBN 978-0-520-94784-9 (englisch, google.com).
  • J. Kēhaulani Kauanui: Hawaiian Blood: Colonialism and the Politics of Sovereignty and Indigeneity. Duke University Press, Durham, NC 2008, ISBN 978-0-8223-9149-4 (englisch, google.com).
  • Jocelyn Linnekin: Sacred Queens and Women of Consequence: Rank, Gender, and Colonialism in the Hawaiian Islands. University of Michigan Press, Ann Arbor, MI 1990, ISBN 0-472-06423-1 (englisch, google.com).
  • Davida Malo, übersetzt von Nathaniel Bright Emerson: Hawaiian Antiquities: (Moolelo Hawaii). Hawaiian Gazette Co., Ltd, Honolulu 1903, OCLC 317073334 (englisch, google.com).
  • Jon Kamakawiwoʻole Osorio: Dismembering Lāhui: A History of the Hawaiian Nation to 1887. University of Hawaii Press, Honolulu 2002, ISBN 978-0-8248-2549-2 (englisch, google.com).
  • John F. G. Stokes: The Hawaiian King. In: Hawaiian Historical Society Papers. Nr. 19. Hawaiian Historical Society, Honolulu 1932, S. 1–28 (englisch).
  • Morgan Tuimalealiifano: O Tama a ʻāiga: The Politics of Succession to Sāmoa's Paramount Titles. University of the South Pacific, Suva 2006, ISBN 978-982-02-0377-8 (englisch, google.com).
  • Valerio Valeri: Hierarchy: Persistence and Transformation in Social Formations. Hrsg.: Knut Mikjel Rio, Olaf H. Smedal. Berghahn Books, 2009, ISBN 978-1-84545-493-7, Marriage, Rank, and Politics in Hawaii, S. 211–244 (englisch, google.com).
  • Kanalu G. Terry Young: Rethinking the Native Hawaiian Past. Garland Publishing, Inc., New York 1998, ISBN 978-0-8153-3120-9 (englisch, google.com).

Einzelnachweise

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